ferner Artung
Anzeiger für Die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schtüchtern.
Bezugspreis frei Haus, vorauszahlbar viertelj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStags. ®ntd unb Verlag C. Hohmeister, verantwort!..H.-K. Hohnicister, Schlächtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlächtern.
SchKchtEr Meisllatt
Aeltestr Zeituu« im streife; gegriiuLet im Zahn 1849. Illustriertes Sonntagsblatt ow)
Anzeigen: fl. Zeile oder deren Raum 40 Pfg., Reklamezeile 1,— Mk. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindcr- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
JK 44.
Donnerstag, den 15. April 1920.
73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchteru, den 14. März 1920.
—* Am 16. April find es 25 Jahre, daß Herr Stadt-Oberwachtmeister Muth im Dienste unserer Stadt steht.
—* 16 freie Schulstellen innerhalb des Regierungs- bezilks, die zurzeit meist auftragsweise verwaltet werden, find neu zu besetzen, darunter 3 für katholische Lehrer und 5 mit Kirchendienst. Je eine Schulstelle entfällt auf die Kreise Frankeuberg, Fulda, Gelnhausen, Gers- frld, Hanau-Land, Hersfeld, Homberg, Rotenburg, Schlächtern, Schmalkalden und Wolfhagen, 2 auf den Kiele Melsungen und 3 auf Caffel Land.
—* Senkung des Silbergeldpreises. Infolge des ständigen Preissturzes auf dem Silbermarkt hat sich die Reichsbank veranlaßt gesehen, den bisher acht Mark betragenden Preis für die «ilbermark auf sieben Mark zu ermäßigen. Der neue Preis trat am 12. d. Mts. in Kraft. Wie von berufener Seite mitgeteilt wird, hat das Ankaufsverfahren der Reichsbank, nachdem durch die bekannte Verordnung vom 2. Februar d Js bet wilde Silbergeldhandel ausgeschaltet worden war, außerordentlich günstige Erfolge gezeitigt. Namentlich in den letzten 10 Tagen sind kolossale Posten von Silbergeld den Kassen der Reichsbank zugeführt worden.
Hk. Für Ladungen gefüllter gaffet übernimmt die Eiienbahnverwaltung eine etwaige Schadenhastung nur, wenn die gaffet von einwandfreier Beschaffenheit sowie gut verkeilt und festgelegt waren.
Hk. Deutsch-Danziger Wirtschaftsabkommen. Für den Warenverkehr mit dem Freistaat Danzig sind Einund Ausfuhrbewilligungen erforderlich; jedoch wird dir Ausfuhr nach Danzig grundfätzlip genehmigt, wenn von Danziger Seite eine Bereinigung darüber beigebracht wird, daß die Ware zur Versorgung der Danziger Bevölkerung oder benachbarter deutscher Gebietsteile oder zur Verarbeitung in der Danziger Industrie oder im Danziger Handwerk bestimmt sind. Lieferungen nach Danzig Haven zu Deutschen Inlandspreisen zu geschehen: gehen Waren von dort weiter in nicht deutsches Gebiet, so sorgt Danzig für Jnnehaltung der deutschen Ausfuhrbedingung (Preiöaufschlag etc.)
—* Die Reparatur derjenigen B-schädtguagen, die der Winter verursacht hat, sollte jetzt vorgenommen werden. Die Arbeitslöhne und Rohmaterialien sind voch der Zeit entsprechend, und es liegt daher im eigenen Interesse eines jeden Hausbesitzers, zu verhüten, daß aus kleinen Schäden große werden
—* Abschlagzahlung auf die an das Reich abge- lieserte Wertpapiere. Wie wir von zuständiger Seite hören, ist das Relchsfinanzministertum, Stelle für aus Mische Wertpapiere, gegenwärtig mit der Vorbereitung
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Feindliche Brüder.
Roman von Jost Freiherr» von Steinach. 18 (Fortsetzung.)
Der Maler legte seiae Malutenstlien hin, erhob sich und schritt aus seinen Freund zu. Er legte ihm be.be Hände auf die Schultern und erwiderte: „Waldau, »enn ich Ihnen nun verraten würde, wer mir diesen Wag erteilt hat, doch nein, nein," unterbrach er sich, »wozu alte Wunden auMßen."
Der Doktor war jäh aufgestanden, sein Gesicht war totenblaß geworden.
„Sagen Sie es nur frei heraus, Ranzenberg, es ist m Oberst oder einer aus seiner Familie, dem Sie ohrm neuesten Auftrag verdanken!"
„Nun ja, so ist es; allerdings, hätte ich gewußt, daß ohre alle Wunde noch so schmerzt —"
„Schmerzt ist wohl nicht das richtige Wort, aber man auch vergeben kann, wenn auch die heißen Mc allmählich ruhiger, gemessener schlagen, vergessen Mn man sicher nicht, dafür müßte erst der rechte Trank funden werden."
. Er machte eine Pause, die sich der andere hütete zu ^en, und blickte sinnend durch das Fenster in die
Dann fragte er, und seine Stimme stierte Örtlich: „Sagen Sie Ranzenberg, ist Hilde noch ^er so schön?"
Der Künstler sah ihn schalkhaft von der Seite an ( J® bemerkte: „Das ist Geschmackssache, mein Freund, ich will mir sie daraufhin besser betrachten, i ich ja augenblicklich reichliche Gelegenheit habe." a »Ah, sie ist es, die Sie zu malen haben?" rief «albau freudig erregt, um mit einem gewissen Neide "«fufahren: „Sie Glücklicher j"
der zweiten Abschlagszahlung für die an das Reich auf Ghunb der Bekanntmachung vom 26. 3. 1919 nebst Nachträgen abgelieferten, ausländischen festverzinslichen Wertpapiere, soweit sie bisher weiter veräußert sind, beschäftigt. Die Bekanntmachung wegen der Einzelheiten wird voraussichtlich in der Woche nach Ostern veröffentlicht werden. Die Durchführung der zweiten Abschlagszahlung bringt es mit sich, daß künftig keinerlei Ablieferungen an das Reich mehr erfolgen können. Um jedoch denjenigen Eigentümern, welche bisher aus Unachtsamkeit oder ai s sonstigen Gründen die Ablieferung unterlassen haben, Gelegenheit zu geben, das Versäumte nachzuholen, können noch bis 15 April d. Js. Stücke bet inländischen Banken oder Bankiers abgeitefert werden, die aber bis zum 20. April b. Js. bet den zuständigen Zentralsammelstellen eingegangen sein müssen. Die beteiligten Eigentümer werden gut tuen, von dieser Gelegenheit Gebrauch zu machen. Irgendwelche Rechts- nachteile sollen ihnen aus der jetzigen Ablieferung nicht, entstehen, obwohl die ursprüngliche Ablieferungsfrist längst verstrichen ist. Dagegen haben sie später die in der Bekanntmachung vom 26. 3. 1919 vorgesehenen Strafen und sonstigen Rechtsnachtelle zu gewärtigen, abgesehen davon, daß auf absehbare Zeit keine Möglichkeit bestehen wird, die Wertpapiere zu veräußern oder sonst zu verwerten.
—* Waldmeister. Im Schatten breitästiger Buchen wächst der Waldmeister, dessen würziges Aroma dreiviertel unserer Leser aus der Waldmeisterdowle und das letzte Viertel aus bet Verwendung als Tabakersatz kennen, während die wenigen Begnadeten, die den Waldmeister nicht auf dem Wochenmarkte kaufen, sondern es vorziehen, ihn sich selbst zu suchen, im- allgemeinen zu zählen sind. Das Cumarin, der wirksame Stoff des Waldmeisters, der dieser Pflanze ihren wundervollen Duft verleiht, ist in geringer Menge ein nervenbeleben- des Mittel, und darauf ist wohl die anregende Stimmung zurückzuführen, die der Genuß einer guten Waldmeister- bowle hervorzurufen pflegt. Schon eine geringe Überschreitung der zulässigen Menge pflegt aber bereits sehr unangenehme Begleiterscheinunzen hervorzurufen, die sich in Benommenheit und Kopfschmerzen äußern. Es ist nicht die Wirkung des zur Bowle verwandten Weins und dessen Alkoholgehalts, die diese Erscheinungen hervorruft, denn auch beim Rauchen trockenen Waldmeisters treten die gleichen Erscheinungen ein, sogar noch in höherem Maße, falls der Waldmeisterzusatz zum Tabak ein zu hochprozentiger ist. Starker Waldmeister- mitzbrauch kann zu Herzki ämpfen Veranlassung geben. Daß uns gegenwärtig diese Gefahr, namentlich im Gewände der Waldmeisterdowle, keine besonders akute wird, dafür sorgen allerdings zurzeit die Preise, die der ^ur Bowle benötigte Wein, oder Moelw-in aufweist. Zwar
Er sah sie in demselben Moment vor sich, wie sie damals vor ihm stand, als er sie zum ersten Mal erbliche, um sich sofort sterblich in sie zu verlieben. Strahlend und mit allen Reizen der Jugend geschmückt, war die Tochter des Oberst a D. von der Traun der Gegenstand seiner innersten Gesühle, feiner undezwinglichen Sehnsucht geworden. Sie schien ihm auch feine Neigung zu erwidern, soweit er dies bet dem seltenen Verkehr zwischen ihnen erkennen konnte, der noch dazu von der sorgsamen Mutter streng überwacht wurde. Auf den Abendgesellschaften, zu denen sie beide geloben waren, hielt er sich stets in ihrer Nähe auf und war immer mehrere Male auf ihrer Tanzkarte als Partner verzeichnet. Er machte sich Hoffnungen, deren Erfüllung ihn zum glücklichsten Menschen gemacht hätte, und deren Rosenrot in seinem Innern nur erbleichte, wenn er die stolze Haltung des Obersten und die unnahbare Miene seiner Gattin in Betracht zog, die für seine warmen Emufiltdungen keinerlei Verständnis zu haben schienen. Und als er sich entlich ein Herz faßte und bet dem Vater um die Hand seiner Angebetenen archielt, da ereilt er einen glatten Korb. Zu Boden geschmettert stürzte der in seiner Liebe wie in seinem Stolz maßlos Gekränkte aus dem Hause seiner Gelitten, um eS nie wieder zu betreten. Um seinen brennenden Schmerz zu stillen, floh er das Vaterland und trieb sich in drei Weltteilen umher, was ihm seine Mittel wohl gestatteten. Und nun war er wieder daheim, und ein einziges Wort, eine zufällige Verkettung von Umständen genügte, seine alte Wunde in ihren tiefsten Tiefen w.eder aufzuwühlen, diese Wunde, die er längst vernarbt glaubte.
Plötzlich stand er auf und knöpfte langsam seinen Ueberzieher zu. Dann sagte er wie im Traume: „Ich sehe es ich muß doch wieder verreisen."
soll man auch mit dem billigen Apfelwein Waldmeister* bowlen ansetzen können, aber der Mensch kann schließlich alles; er kann auch Austern auf Margarineschnitten legen. Die Frage ist nur, ob's geschmackvoll ist---
* Sterbfritz. An Stelle des früheren Gemeinderechners Johannes Löffert wurde der Bürgermeister Adam Löffert zum Standesbeamten für den Standes- amtsbezirk Sterbfritz ernannt.
* Schwarzenfels. Hegemeister v. Tzarnecki von hier, Oberförsterei Sterbfc'tz, wurde in den Ruhestand ver- sttzt. ___________________________________________________________________
Wor der Entscheidung.
Räumung des Ruhrgebiets — Ende der Besetzung.
Berlin, 13. April. Die Entscheidung über den Termin, an dem mit dem Abtransport der Reichswehr- truppen aus der neutralen Zone begonnen werden soll, wovon wieder die Räumung von Frankfurt, Darmstadt und Hanau durch die Franzosen abhängt, dürfte heute oder spätestens morgen erfolgen. Unterstaatssekretär Stock, der nach Münster entsandt worden ist, um die Verhältnisse zu prüfen, wird heute nachmittag der Reichsrezierung darüber Bericht erstatten, ob ein weiterer Vormarsch der Truppen in das Wuppertal erforderlich ist oder nicht. Auf Grund dieses Berichts will die Reichsregierung dann ihren Entschluß fassen. Bei den Regierungsstellen besteht der Wunsch nach möglichst schleuniger Zurückziehung der Truppen aus der neutralen Zone.
Amsterdam, 13. April. Einer Reutermeldung zufolge errklärt Bonar Law im Unterlaufe ferner, dte britische Regierung habe die Mtteilung erhatten, daß die deutschen Reichswehrtruppen bald aus dem Ruhrgebiet zurückgezogen würden.
Die Frage der Räumung.
Baldige Aufhebung der Besetzung in Gicht.
Paris, 13. April. Der englische Botschafter Lord Derby überreichte Millerand die Antwort seiner Regierung, die er am Vorabend erhalten hatte, und teilte verschiedene Einzelheiten der Auffassung seiner Regierung mit, die ihn beauftragte, den Ministerpräsidenten um nähere Angaben zu ersuchen. Millerand gab ihm sofort mündlichen Bescheid und versicherte, daß
die deutschen Städte auf dem rechten Rheinufer, diekü:zlich besetzt wurden, wieder vollständig geräumt würden.
Er präzifierte sodann genau die Bedingungen, unter denen Frankreich eingegriffen habe, indem er erklärte,
Da aber lachte Ranzenberg ihm laut ins Gesicht, indem er rief: „Verzeihen Sie, weder Ihre Sstuation, noch die metnige ist dazu angetan, um eine solche Heiterkeit zu rechlsertigen. Aber wenn Sie jetzt wieder verreisen wollten, so wäre das, nehmen Sie mir eS nicht übel, die größte Dummheit die Sie begehen
könnten
„Ich verstehe Sie nicht!" sagte der andere mit zweifelnder Verwunderung. „Sie wollen doch nicht sagen —"
„Ja, Freund, das will ich sagen ! Fräulein Hilde liebt Sie, das weiß ich aus bester Quelle!"
„Aus welcher, bitte, reden Sie!"
„Aus ihrem eigenem Munde. Ihre Fragen Über Sie lassen keine andere Deutung zu."
„Ist es denn wabr?" jauchzte Waldau und wirbelte mit dem Maler in dem Atelier umher, der sich vergeblich aus seinen Armen zu befreien suchte, dann aber hiett er mutlos inne und seufzte: „Ach, Sie werden sich wohl irr.n, wie sollte sie einen so alten Dachs wie mich lieben können. Ein junges, liebreizendes Mädchen, die bloß ihre Hand auszustrecken braucht."
„Wenn Sie mir nicht glauben wollen, dann kann ich ihnen nicht helfen; dann ist allerdings das beste, Sie verreisen und überlassen es einem andern, Gescheitern und Kühneren, Ihnen das edle Wild vor der Nase wegzuschnappen." r ,
„Sie haben recht, ich bin ein großer Esel. Ich bleibe hier und werde von neuem versuchen die Festung zu erobern."
„Die nur von den Eltern allein verteidigt wird/t ergänzte Ranzenberg. ,
„Sie sagen es, und ich glaube Ihnen! Uns wenn Sie in irgend einer Weise meine Hilfe -ebr-uchrtz