vielleicht nicht davon unterrichtet find, daß Deutsche zwangsweise den Werbestellen für die Legion zugeführt worden find. Die Tatsache, daß in mehreren Fällen derartige Uebergriffe vorgekommen find, wird mit dieser Beruhigung«' notiz nicht aus der Welt geschafft.
— Der französische Präsident Deschanel sagte bei einem Frühstück zu Ehren der englisch-amerikanischen Preffe: Arbeiten wir daran, das Vertrauen zwischen unseren drei Ländern zu entwickeln. Die Ereignisse, die sich in Deutschland abgespielt haben, zeigten überraschend, wie wir von der Festhaltung an unserer Freundschaft abhängig sind, wenn wir nicht die Früchte des Sieges verlieren und den Frieden unsicher machen wollen. ________
Die Wachwehen.
Der Fuldaer Ztg. wird aus Berlin geschrieben:
DaS^ Feuer ist gelöscht, aber einige Spritzen sind noch in Tätigkeit, und, man fragt sich, ob der Wasserschaden nicht schlimmer wird wie der Brandschaden.
Kapp kam wie ein Dieb in der Nacht und verschwand wie ein Flüchting in der Nacht. Der Generalstreik hatte in wenigen Tagen seinen Zweck der Abwehr erreicht. Nach bem Zusammenbruch der Schmetterlings- Herrlichkeit KappS hätte der Streit sofort von selber aufhören müffen. Es gefiel aber den Drahtziehern nicht, das gezogene Schwert ohne weiteres wieder in die Scheide zu stecken. Die Radikalen wollen von der Abwehr zum Angriff übergehen. Die alte Regierung sollte von ihren angeblichen Rettern gezwungen werden, die größten politischen Zugeständnisse zu machen.
Als der Streik anfing, traten die Unabhängigen gern an die Seite der Mehrheitssozialisten, und auch die Kommunisten taten mit, denn diese beiden radikalen Parteien hofften von vornherein, im Trüben fischen zu können. Das Zusammengehen der Arbeiter aller Richtungen schloß freilich die Gefahr in sich, daß die Radikalen weder einmal die Führung an sich reißen und die besonnenen Mehrheitssozialisten mit List und Gewalt übertölbeln würden. So kam es dann auch sofort nach dem Verschwinden Kapps.
Die Generalkommission der sozialdemokratischen Gewerkschaften ließ sich verleiten, die Fortdauer des Streiks zu proklamieren bis zur Erfüllung von drei ungeheuer weittragenden Forderungen : 1) Sozialistische Arbeiterregierung (also Auflösung der Koalition). 2) Entwaffnung aller bisherigen Ordnungswehren und ausschließliche Bewaffnung der Arbeiterwehren (d. h. Ohnmacht der Regierung gegenüber den Arbeiter batatllonen. 3) Entscheidende Mitwirkung der Gewerkschaften bet Neuordnung der politischen und wirtschaftlichen Verhältniffe). Das war im wesentlichen das Programm der Unabhängigen, nur in etwas höflicherer Faffung; tatsächlich wäre die Sache auf die Diktatur des Proletariats hinausgelaufen.
Auf Grund dieser und ähnlicher Forderungen beteiligter Organisationen wurde nun mit Vertretern der Regierung and den Koalitionsparteien verhandelt. Dabei gelang es dem letzteren, den mehrhettssozialisti- schen Mitgliedern den schwachen Rücken wieder etwas zu stärken. Es kam eine Vereinbarung zustande in acht langen Punkten, wobei des lieben Friedens halber von beiden Seiten nachgegeben wurde.
Den gewerkschaftlichen Organisationen wurde darin in Aussicht gestellt, daß die Personenfrage Bet Neubildung' der Regierungen „nach Verständigung" mit ihnen gelöst werde und daß ihnen ein „entscheidender Einfluß auf die Neuregelung der wirtschaft«- und sozialpolitischen Gesetze" (also nicht der sonstigen politischen Gesetze) eingeräumt werden solle, jedoch mit dem wichtigen Zusatz: „unter Wahrung der Rechte des Volksvertretung." Bei der schnellsten Durchführung der Verwaltungsreform auf demokratischer Grundlage sollen die wirtschaftlichen Organisationen „Mitbestimmung" haben. „Für die weiteren ^Sozialgesetze wird den Arbeitern, Angestellten und Beamten „volle soziale und wirtschaftliche ^Gleichberechtigung" gewährleistet. ZurWewaffnungsfrage wird nicht die Auflösung „aller Wehren versprochen, sondern nur die Auflösung „aller der Verfassung nicht treuge- bliebenen konterrevolutionären militärischen Formationen," und diese sollen nicht etwa durch eine ausschließliche Arbeiterwehr ersetzt werden, sondern „durch Formationen aus den Kreisen der zuverlässigen republikanischen Bevölkerung/ insbesondere der organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten,(ohne Zurücksetzung irgend eine Standes."
So waren freilich den radikalen Forderungen bie schlimmsten Giftzähne ausgebrochen worden, doch blieben noch genug Zugeständnisse übrig, die den Schwerpunkt weiter nach links zu verschieben und der Klassenherrschaft die Wege zu ebnen drohen
Immerhin war so in jener Konferenz der Friede angebahnt, und die beteiligten Bünde erließen schon am Samstag die förmliche Kundgebung, daß sie zwar „nicht restlos," befriedigt seien, aber doch zugestimmt hätten und hiermit den Generalstreik als" beendet erklärten.
Kaum war diese Friedenstaube am Berliner Himmel aufgestiegen, da setzte sofort die Gegenagitation der Unabhängigen und Kommunisten ein. In Plakaten, Flugzetteln und Straßenansprachen wurde gegen den „Verrat" protestiert und der Streikkampf bis zum äußersten verkündet. , Das Recht zur Entscheidung sollten nur die „Vollversammlungen der revolutionären Betriebsräte" haben. Auf diese Weise dachte man wenigstens die Wiederaufnahme der Arbeit zu Anfang der Woche zu stören. Das ist auch insofern gelungen als ein Teil der Betriebe am Montag noch ganz oder halb lahm lag.
Auch die Regierung wird des Sieges über Kapp noch nicht froh, denn auf ihre Schultern häuft sich jetzt eine ungeheure Last von Schicksalsfragen. Es handelt sich nicht bloß um Personenfragen wegen der Um- und Neubesetzung der Ministerien, sondern bei der Durchführung der Berliner Vereinhamugen wird die ganze Koalttions- poltttk in Mitleidenschaft gezogen.
LoLukes und MovMeKss.
Schlöchteru, den 26. März 1920.
—* Zur Aufrechterhaltung einer sicheren Verbindung mit Ostpreußen ist zwischen Swinemünde und Pillau ein regelmäßiger Paffagier schnelldampfverkehreingerichtet worden. Nähere Auskunft erteilen nachstehende Stellen: 1. in Hamburg die Hamburg-Amerika-Linie. 2. in Berlin das Reisebüro der Hamburg-Amerika-Linie unter den
Linden 8, sowie die AuSgabenstellen des Mitteleuropäischen Reisebüros. 3. in Stettin die Stettiner Dampf- schrffsgeselffchast Bräunlich und die Firma Mügge, der Vertreter der Hamburg Amerika-Linie. 4. in Swine- münde die Firma I. Müller. 5. in Königsberg bezw. Pillau die Firma Robert Mayerböfer. Bei diesen Stellen sind au^bte Fahrkarten erhältlich.
• Flieden. Zu einer Zeit, da wir über Holz- und Kohlennot zu klagen haben, ist es doppelt erfreulich, wenn^ der Unternehmungsgeist Ersatz für das fehlende Brennmaterial schafft. Vor 1'/, Jahren wurde mit dem Betriebe des Braunkohlenbergwerkes in Keutzelberg bei Ruckers begonnen. Das Werk ist jetzt in vollem Betriebe. Zahlreiche Arbeitskräfte finden hier Beschäftigung und die Bevölkerung erhält einen billigen Brand. .-Möge das UnternchmenBchzum Segen der hies. Bevölkerung und Umgegend weiter entwickeln.
* Rommerz bei Neuhof. Eine gehörige Heimfuhr erhielt vor einiger Zeit ein Hies. Landwirt. Derselbe sah sich eines Abends genötigt, den eine Stunde entfernt wohnende Arzt kommen zu lassen. Da der Arzt Hunger nach Butter hatte und bei seiner Ankunft einen schönen Butterweck auf dem Tisch stehen sieht, bestellt er bei dem Bauer statt sein Honorar von 20 Mark zwei Pfund Butter. Nach einigen Tagen bringt der Landwirt jedoch nur 1 Pfund dieser köstlichen Ware und entschuldigt sich damit, daß ihm momentan von jedermann 14-^15 Mark für die Butter gezahlt würden, womit der Herr Doktor doch hinreichend för seinen Anspruch entschädigt sei. Der kluge Doktor entgegnet, daß er mit demselben Recht, mit dem der Bauer für seine Butter den 15fachen Betrag des Vorkriegspreises berechne, sein Honorar auf den 15fachen Satz erhöhen müsse. Er möge seine Butter wieder mitnehmen und die Rechnung werde schon kommen. Der verdutzte Bauer rückte nun schnell mit dem anderen Pfund heraus.
Aeranstattungen und Ansammlungen. Samstag,, 27 «ud Sonntag, 28. März
Union-Theater, abends 8 Uhr „Die Mission eines Toten", Drama in' 4 Akten, in der Hauptrolle Lydia Richter. S'LiebeStrankel, Humoristisches Lustspiel.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchlenü Evangelische Gemeinde:
Sonnabend, den 27. März 1920.
Nachm. 1 Uhr Beichte: Herr Superintendent Orth. Palmsonntag, den 28. März 1920.
Vorm. 7» 10 Uhr Konfirmation der diesjährigen Konfirmanden.
Herr Pfarrer Rollmann. (mrschließend hl. Abendmahl.)
Sonnte. dew-28-März- 1B---—---
Evangelisch-Kirchlicher Blaukreuz-Verein.
Bers. in der Kleinkinderschule 4 Uhr. Gäste willkommen.
Katholische Gemeinde.
Sonntag, den 28. März 1920, Vorm. 10 Uhr: Amt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Andacht und Christenlehre.
Herr Kaplan Ramb.
Berichtigung.
Durch Zeitungsnotizen anderer Schuhmacher-Innungen sahen wir uns veranlaßt, auch diese Preise in Nr. 28 der Schlüchterner Zeitung zu veröffentlichen.
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