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chlüchterner >itnn

Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Breite 8chlüchtern.

Bezugspreis frei Haus, vorauszahlbar viert elf. 3,50 Mk., (durch bic Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und tzamstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- tuf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

72. Jahrgang

Die im 72. Jahrgang erscheinende Schlüchtenrer Zettitttg (amtliches Kreisblatt) ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Wüchtern und weit noch über denselben hinaus und Inserate finden in derselben wirksame Verbreitung.

A n daher in der Zustellung rrrrserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

rilir I I rill wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Vostamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen ölllu L 111 I 11 H Postabonnenten, welche bis spätestens 25. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. April 1920 ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Post- Anstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Beftellnngen auf das mit dem 1. April 1920 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Amtliches.

TetegrainM

der Reichswehrbrigade 11 in Caffel 19. März

1. Die unheilvolle | der Berliner Umstürzler dem ist das Vaterland Gefahr. Aerörecherische

vom

Tat

1930

wahnsinnige

ist vorüber, trotz- erneut in höchster Elemente sind in

Aufruhr, sie hemmen die Wiederaufnahme der Arbeit, des Wirtschaftslebens, um unser Land in den Abgrund zu treiben. Der Aufruf der Rsichs-Regierung läßt darüber keinen Zweifel.

2. Im Mereich der Wrigade ist Thüringen am schwersten gefährdet. Organisierte be­waffnete Banden durchziehen bereits raubend und plündernd das Land. Es gilt unter Festhaltung von Hessen-Nassau und dem Freistaat Hessen den Aufruhr in Thüringen rasch niederzuschlagen.

3. Hierfür ist Vorbedingung: Sofortige Iersiärkung unserer Truppen aus eigener Kraft. Hilfe von auswärts kommt erst in zweiter Linie in Betracht.

. 4. Unter ernstem Hinweis auf diese Lage ist die Mitwirkung aller Behörden und aller Politischen Parteien, die auf dem Boden der Verfassung stehen, zu erstreben, um durch schnelle Einstellung von Zeitfreiwilligen unsere Reihen zu füllen. Jeder, der die Waffen führen kann, ist unter Zurückstellung allen Haders verpflichtet, sich in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. In der Stunde der schwersten Not müssen wir den Blick

Feindlich« Brüder

Roman von Jost Freiherr» von Steinach.

(Fortsetzung.)

15

Ich weiß nicht, worum es sich handelt," meinte M« mit milder Stimme,aber das kann ich Ihnen Mss dringenste anralen: Bleiben Sie strikt bet der Wahrheit und verhehlen Sie nichts, selbst wenn Sie selber dadurch beschuldigen müßten i"

^Herr Doktor," rief der alte Mann vorwurfsvoll, »Sie glauben doch nicht, daß ich etwas Böses begangen w? Jetzt, nochdem ich beinahe fünfzig Jahre treu chrlich gedient habe 1"

Ich glaube gar nichs, und am liebsten von keinem Menschen etwas Schlechtes, also wenn Sie sich unschuldig Wert, dann um so besser für Sie, dann können Sie 6111 ruhigem Gewissen vor die Obrigkeit treten," er eichte ihm die Hand,nun können Sie also gehen, ^Nen Sie, ich werde Ihnen die polizeiliche Ladung Wgebcn." ,

Und so saß nun der Alte im Vorzimmer und wartete er aufgerufen würde. Doch wohl war ihm trotz ^"er Unschuldsversicherung nicht zu Mute, das sah "^ seinem abgehämten Gesicht an. Als er damals MNds unter dem eisernen Drucke von des jungen v^herrn Faust zusammengesunken war, da war er, (i fitne Besinnung w'.edererlangt hatte, zu Dem Wen Entschluß gekommen, nichts von dem zu verraten, W er wußte. Jetzt gewiß nicht mehr! Er hatte davon verlauten lassen, wie man ihn tn dem Mse behandelt, dem fast sein ganzes Leben gewidmet «Wesen war, denn er wollte keinen Skandal über die würdigen Nachkommen seines geliebten Herrn herauf-

Schküchterner MeiMatt Belaste Zeit«»« im Kreise; «egriindet im Jahre 1849. Illustriertes Sonntagsblatt ow)

Dienstag, den 25. März 1920

über den eigenen engen Kreis auf das Ganze richten und unter Schonung der Gefühle An­dersdenkender dem gemeinsamen großen Ziele zustreben.

Der Erlaß ist zu veröffentlichen, die Arbeit sofort mit aller Kraft aufzunehmen. Zeitfreiwillige Werbestellen angeben. Für die Einstellung der Zeitfreiwilligen gilt der Erlaß H. V. Vl. 13. vom 13. Dezember 1919 Nr. 635.

Der

ZivMoWmissar: gez. Dr. Schwander.

Der Militärbefehlshaber: gez. v. Stolzmann.

Für die Reichsregierung: gez. Grzsinski.

* *

Zusätze des Bezirksbefehlshabers: Ein­stellung von Zeitfreiwilligen erfolgt zu jeder Stunde, Bedingungen wie für Reichs­wehr. Metdung am besten: Werbestelle

Fulda Kaserne, ferner bei dem Weröeposten in Schlächtern, Gersfeld, Hünfeld, Hersfeld sowie bei dem Garnisonkommando Hersfeld

gez. Dietz, Oberst und Bezirksbefehlshaber.

* *

Wird veröffentlicht.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich um sofortige geeignete Bekanntgabe an die Be­völkerung und Unterstützung der Werbung. Schlüchtern, den 20. März 1920.

Aer Landrat: von Trott zu Solz.

A. III. Nr. 2220. Die Flüchtlingszentrale Ost zu Frankfurt a. M. drahtet, daß in nächster Zeit eine größere Zahl Beamter aus Polen als Flüchtlinge ein- trcffsn wird. Es müssen für sie unbedingt möglich

beschwören; aber vergessen konnte er die Mißhandlung nicht, niemals, niemals!

Und jetzt sollte er hier aussagen was ? Vielleicht etwas, das jenem grausamen, jungen Menschen und seiner herzlosen Mutter zum Vorteil gereichen konnte! Das Proletariatbewußtsein, der ganze Haß eines in untergeordneten Verhältnissen lebenden, immer sich duckenden und gehorchen müssenden Mannes erwachte in ihm. *

Und wenn er vollends bedachte, wie anders die Behandlung von jener Seite gewesen, der er un­verbrüchliches Schweigen versprochen, so war ihm klar, welchen Weg er zu gehen hatte. Von der einen Seite brutale Behandlung, hochmütige Verachtung, von der anderen Wohltaten und liebevolles Ver­ständnis, was war da noch zu überlegen! Daß er noch einmal in seine alte Stelle zurückkehrte, daran war ohnehin nicht zu denken, er wäre auch von selbst nie wieder dahin zurückgekehrt; er besaß auch seinen Stolz, wenn er ihn auch in diesen langen Jahren hatte tief in sein Innerstes verschließen müssen. O, sie sollten nur kommen!

Es war gerade, als hätte das Schicksal nur darauf gewartet, ihn seinen Wunsch äußern zu hören, denn in diesem Augenblick wurde er aufgerufen und betrat eine SekundedaraufmitbeklommmemHerzensdasAmtsz!mmer.

Ein Kriminalkommissär, der hinter einem Tisch mit Akten saß, forderte ihn auf, näher zu treten. Außer ihm befand sich nur ein Schreiber in dem kahlen, nüchternen Raum. Es wehte eine kühle Luft darin, die sich beengend auf die Seele des Aufgerufenen legte und ihn frösteln machte.

Sie heißen Senius ?" fragte ihn kurz der Beamte.

So ist mein Name," lautete die Antwort.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 40 Pfg., Reklamezeile 1, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadensersatz oder Minder-

Keine Gewägt

gebühr einschließlich Bezugs.

für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bet gerichtlichen Zwischenkosten.

Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

viele Wohnräume freigehalten werden. Die Herren Landräte ersuche ich, dies den Bürgermeistern der Land­gemeinden schleunigst bekannt zu geben.

Caffel, den 16. März 1920.

Der Regierungs Präsident. J. V. gez.: Lewald.

* * *

J-Nr. 4252. Vorstehende Verfügung wird den Herren Bürgermeistern unter Bezugnahme auf die Be­sprechung in der Bürgermeister Versammlung am 18. d. Mts. mit dem Ersuchen bekannt gegeben, für die Bereithultung einer Anzahl Wohnung alsbald zu sorgen.

Schlüchtern, den 19. März 1920.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Aekanntmachuna zur Ausführung des Gesetzes über Steuer- nachsicht vom 3. Januar 1920 (Reichs-

Gesetzbl. S. 45.)

vom 24. Februar 1920.

Wer Vermögen oder Einkommen, das zu einer öffentlichen Abgabe hätte verlanlagt werden müssen, bisher nicht angegeben hat, und deswegen verwirkte Strafen wegen Steuerzuwiderhandlung sowie Verfall des verschwiegenen Vermögens gemäß dem Gesetze über

, Steuernachsicht obwenden will, wird aufgefordert, das bisher nicht angegebene Vermögen oder Einkommen

spätestens bis zum 15. April 1920 einem Finanzamts anzugeben; dabei find Vor- und Zuname, Stand, Beruf oder Gewerbe nebst Wohnort und Wohnung oder Firma und Sitz genau zu bezeich­nen. Die Angabe befreit den Steuerpflichtigen von j :ber Strafe wegen Steuerzuwiderhandlungen, die sich auf das nachträgliche angegebene Vemögen oder Ein­kommen beziehen. Rückforderungen von Abgaben für die 3-it vor dem 1. April 1915 find ausgeschloffen.

Vermögen, das bei der Veranlagung zur Kriegs­abgabe vom Vermögenszuwachs oder zum Reichsnot- opfer vorsätzlich verschwiegen ist, verfällt kraft Gesetzes dem Reich. Unrichtige Angaben, die sich etwa noch in der Steuererklärung zur Kriegsabgabe vom Vermögens-

Und Sie waren bisher Diener im Hause Ranzen- berg ?" fuhr der Kommissar fort.

Ich war Diener beim alten Freiherrn," betonte Senius,jawohl, vierzig Jahre."

Der Beamte blickte empor und sah zu dem alten Mann hinüber.

Sie legen einen so besonderen Akzent darauf, daß Sie dem alten Freiherr» gedient haben; wollen Sie damit einen Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der Familie andeuten?"

Gewiß," erklärte Senius mit Lebhaftigkeit.Bei den anderen Mitgliedern des Hauses hätte ich es wohl nicht vierzig Jahre ausgehalten."

Sie stellen sich damit kein rühmliches Zeugnis aus, von dem ich übrigens dahingestellt sein lassen will, ob es gerechtfertigt ist. Zugleich aber verraten Sie dadurch, daß Sie durchaus keine frennslichm Gefühle gegen die­selben hegen, und das dürfte wohl zu einer schnelleren Klärung der Sache führen."

Senius sah zu spät ein, daß er in seiner Offenheit zu weit gegangen war und seinem Gegner selbst die Waffe gegen ihn in die Hand gedrückt habe. Doch heuchelte er zunächst volle Gleichgültigkeit, indem er ruhig bemerkte:Ich weiß zunächst gar nicht, worum es sich hierbei handelt."Das werden Sie sofort er­fahren !" herrschte ihn der Beamte verärgert an. Er sah ein, daß er hier nicht zu leicht zum Ziel gelangen werde, und daß er seine ganze Schlauheit und List werde anwenden müssen, um den Allen zu übertrumpfen. Nachdem er seine Personalien festgestellt hatte, begann er:Sie erklärten zwar vor­hin, daß Ihnen der Grund Ihrer Ladung unbekannt sei, doch das ist eine leere Ausflucht, die Ihnen ein erfahrener Beamter wie ich nicht glauben wird,