Schlüchtemer Zeitung
Anzeiuer für hie anillichen Lkkanntmachungm im Kreise Schlüchtern.
Bezugspreis frei Haus, vorauszahlbar viertelj. 2,50 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
LchWchteruer ^reistzlatt Aeltefte Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849. Illustriertes Sonntagsblatt aw)
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J2 18.
Dsnneortag, den 12. Februar 1920.
73. Jahrgang
Amtliches.
Nnscre Kassen find vom 16. d. Mts. ab sür das Publikum geöffnet:
Aormittags von 8—12 Uhr, Nachmittags 2—4 Uhr,
Sonnabend-nachmittags geschlossen.
Kreissparkasse, Kreiskommunalkaffe.
A II. 565. Ich habe Veranlassung erneut darauf hinzuweisen, daß die Verordnung vom 11. Dezember 1916, betreffend die Ersparnis von Brennstoffen und BeleuchtungSmaterial (R.GBl. Seite 1355) volle Gültigkeit besitzt.
Nach § 8 Abs. 1 dieser Verordnung sind Gast, Tchankwirtschaften pp sowie Vergnügnugs" stätte« aller Art um 10 Uhr abends zu schließen. Daß dasgle'.che auch von Vereins- und Gesellschaftsräumen zu gelten hat, in denen Speise- und Getränke verabreicht werden, ist a. a. O. ausdrücklich ungeordnet. Von der Anordnung einer früheren Schlußstunde als 10 Uhr will ich bis auf weiteres absehen.
Mit Rücksicht auf die äußerst ungünstige Lage der Kohlen- versorgung ersuche ich jedoch die Polizeibehörden anzu- weisen, dafür zu sorgen, daß die Polizeistunde genau eingehalten wird. Auch sind die Bestimmungen durch Bekanntgabe in den amtlichen Blättern wiederholt zur Kenntnis der Bevölkern, g zu bringen.
Cassel, den 26. Januar 1920.
Der Regierungspräsident. J. V.: gez. Unterschrift. ♦ *
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J.-Nr. 1332. Vorstehende Verfügung wird zur genauesten Beachtung bekannt gegeben.
Die Ortspolizeibehörden und Gendarmerie Wachtmeister ersuche ich, auf die pünktliche Einhaltung der Schlußstunden hinzuwirken.
Schlüchtern, den 6. Februar 1920.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
I. Nr. 1644. Wer in dem Abstimmungsgebiet Nordschleswig nach den Bestimmungen des Friedens- Vertrages stimmberechtigt ist, bedarf zur Einreise dorthin keines Passes, sofern er sich bereits im Besitze eines „JdentttätSzeugntsses" des AbstimmungsausschusseS feines Geburtsorte- befindet.
Die Ausstellung der vorgeschri. denen Jdentitätsbe- scheinigung auf den Jdentitätszeugnissen ist Sache der Polizeibehörden.
Schlüchtern, den 9. Februar 1920.
Der Landrat. J. V. Schultheis, Kreissekretär.
J.-Nr. 1535. Im Verlage von Carl Heymann, Berlin W. 8, Mauerstr. 43/44, ist eine Schrift unter
Feindliche Bruder.
Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 2 (Fortsetzung.)
Er selbst aber, Ranzenberg, mußte seinen Abschied filmen und führte dann sein Minchen, trotz des Fluches seiner adelsstolzcn Eltern, trotz des BotzkottS der Kreise, in denen er bisher verkchlt, als sein holdes Haus- mütterchen t.i ihr trautes Heim, das er mit aller Sorgfalt eines grenzenlos Verliebten ausgestattet hatte.
O, wenn er noch an jene wenigen Jahre stillen, ungetrübten Glückes zurücke achte! Wie ha te sie ihm das Leben verschönt mit ihrer Anmut und ihrem Liebreiz, wie hatte sie es glänzend verstanden, ihm auch unter den schwierigsten Verhältnissen seine gute Laune zu bewahren!
Er seufzte tief auf, da er an jene glückseligen Zeiten zurückdachte. Und wahrlich, jene Zeilen waren oft nichts weniger als sorgenfrei gewesen! War er doch vollständig auf seine eigene Kraft angewiesen, denn ^eine unversöhnlichen Eltern hatten ihm gänzlich seinem Schicksal überlassen und gewährten ihm eine ?unz knappe Zulage, zu der sie sich nach dem Gesetz ^Pflicht glaubten. In der Tat hätte die Zulage bedeutend größer sein müssen, doch Kuno wollte es n^t zum äußersten kommen lassen und vielleicht gar gezwungen sein, seinen Eltern vor den Schranken des «erichls gegenübertreten zu müssen. Und so begnügte £ sich denn und versuchte, sich aus eigener Kraft einen
zu gründen, was ihm bet seinen geringen ^untläffen und praktischen Lebenserfahrungen anfangs durchaus nicht glücken wollte. Doch endlich gelang eS wie den meisten Menschen, die mit wirklicher ^erzie und unablässigem Fleiß an eine Sache heran
dem Titel „Einführung einer Höchstgrenze für Miet- zinssteigerungen" erschienen.
Kleben der in Nr. 53 der vorjährigen Preußischen Gesetzsammlung veröffentlichten Höchstmietenanordnung vom 9. Dezember 1919 enthält diese Schrift noch den Ausführungserlaß zu dieser Anordnung, sowie die Mieter- _ . . 23. Sept. 1918 . . schutzverordnung vom ' ' 1919^ bie Verord
nung über die SammelheizungS- und Warmwasserversorgungsanlagen in Mieträumen vom 22. Juni 1919.
Die Broschüre wird als Nachschlagewerk in Miet- angelegenheiten, sowohl Behörden als auch Mietern und Vermietern zur Anschaffung empfohlen. Der Preis beträgt 2,50 Mark.
Schlüchtern, den 7. Februar 1920.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 1602. Der Herr Forstmeister Kühbacher in Moltgers ist zum stellvertretendrn Gutsvorsteher des Gutsbezirks Oderförsterei Oberzell ernannt und als solcher bestätigt worden.
Schlüchtern, den 10. Februar 1920.
Der Landiat. I. V.: Schultheis.
Betrifft: Kleiuhaudelsrichtpreise für Wild.
Nachdem der Herr Reichswirtschaftsminister gemäß § 1 der Verordnung über die Regelung der Wildpreise vom 20. Dezember 1919 (Reichs Gesetzblatt S. 2131) durch Bekanntmachung vom 6. Januar 1920 Richtpreise für den Großhandel mit Wild festgesetzt hat, werden hiermit gemäß § 4 der erwähnten Verordnung für den Umfang des preußischen Staatsgebietes folgende Klrinhande^.ichipreifi festgesetzt.
1. Rehwild:
a) für Rücken und Keulen (Ziemer und Schlegel) für 0.5 kg 1,00 Mk.
b) für Blatt oder Bug für 0.5 kg 5,40 „
c) für Ragout oder Kochfleisch für 0.5 kg 1,80 „
2. Rot-, Dam und Schwarzwild:
a) für Rücken und Keulen (Ziemer und
Schlegel) für 0.5 kg 8,00 „
b) für Blatt oder Bug für 0.5 kg 4,80 „
c) für Ragout oder Kochfleisch für 0.5 kg 1,60 „
3. Hasen das Stück 25,00 „
4. Wilde Kaninchen, das Stück 7,00 „
5. Fasanen
a) Hähne, das Stück 19,80 „
b) Hennen, das Stück 14,40 „
Diese Preise verstehen sich ohne Fell oder Balg, beim Verkauf durch den Kleinhandel an die Verbraucher.
Bei Wild, dessen Schonzeit bereits begonnen hat,
gehen. Er suchte seine Bildungslücken auszufüllen, studierte bis in die Nacht hinein, und da er sichschon von jeher für die Technik und die elektrischen Wunderwerke der Gegenwart interessiert hatte, so legte er fih auf ihr Studium und schloß endlich seine Vorbildung damit ab, daß er die Vorlesungen der technischen Hochschule besuchte.
Seine Ausdauer war mit Erfolg gekrönt; er bestand das Examen und erhielt infolge von guten Empfehlungen sofort eine kleine Anstellung bet einer der ertöten deutschen Firmen. Das erste war, daß er seinen Eltern für ihre bisherige Güte dankte, aber zugleich erklärte, sich von nun an ganz auf eigene Füße stellen zu wollen und fernerhin auf ihre gütigst gewährte Zulage zu verzichten. Ah, das war ein Tag des Triumphes und berechtigten Stolzes gewesen, ein Tag, der noch dadurch seine Weihe erhielt, daß ihm Hermine ein holdes Geheimnis errötend ins Ohr flüsterte.
Als Otto zur Welt kam, wurde die Bande zwischen ihm und seiner Gattin noch enger, wenn dies überhaupt noch möglich war. Sie führten ein einfaches, aber zufriedenes Dasein, auf das nur manchmal ein winziger Sck allen fiel, wenn Kuno an die entschwundene glänzende Zeit zurückdachte, in der er so namenlos beneidet wurde. Ja, das war das einzige, was ihm bisweilen fehlte. Er gehörte zu jenen sonderbaren Menschen, für die ein Objekt erst dann den richtigen Wert erhält, wenn eS den andern zu fehlen scheint. Er begann, heimlich Vergleiche anzustellen zwischen dem äußerlich wenigstens glänzenden Leben seiner früheren Freunde und dem eigenen, schlichten und eingezogenen, das sich zwischen harter Arbeit und kärglicher Erholung ruhig und gleichmäßig «braßte; und allmählich zog in sein Herz
gelten diese Richtpreise erst mit Wiederbeginn der neuen Jagdzeit.
Berlin, den 22. Januar 1920
Preußischer Staatstommissar für Volksernährung.
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J.Nr. 493 K. G. II* Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 9. Februar 1920.
Der Vorsitzende des Kreis Ausschusses.
Unzureichende Zugeständnisse der Entente.
Die Regierung bleibt fest.
Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, ist die Entente augenscheinlich nicht ganz abgeneigt, in der Auslieferungsfrage gewisse Zugeständnisse zu machen, die aber nur sehr geringfügiger Natur sind. Ursprünglich hatte man reine Militärgerichte zur Aburteilung der Schuldigen vorgesehen. Dieser Plan soll fallen gelassen worden sein und an die Stelle der Militärgerichte hat man gemischte Gerichte, die aus zivilen und militärischen Richtern gebildet werden, gesetzt. Weiter sollen in dem Prozeßverfahren der Verteidigung weil möglichstenFreiheiten gewährt werden u.schließl. zeigt man sich nicht abgeneigt, gegen die ergangenen Urteile Berufungen vor einer höheren Instand zuzulassen. Diese höhere Instanz soll ein Völkerbundgericht sein, in dem auch die Neutralen Sitz und Stimme haben sollen. Diese Zugeständnisse sind aber, wie von zuständiger Seite erklärt wird, für die deutsche Regierung völlig unzureichend und deshalb unannehmbar. Es handelt sich nicht um die Form des Prozeßverfahren, sondern um die Auslieferung überhaupt. Die deutsche Regierung und das deutsche Volk haben die Auslieferung abgelehnt und an diesem Entschluß können die von der Entente gemachten Zugeständnisse nichts ändern.
Nur fest bleiben!
Der frühere Botschafter Graf Wedel beschäftigt sich in der „Kreuzztg." mit der Auslieferungsfrage und schreibt u. a.: Der Verband ist längst nicht mehr einig. Das Gebäude ist morsch und faul. Ein Windstoß kann es umwerfen. Unser entschlossenes Nein könnte dieser Windstoß werden. Japan und Amerika sind gegen die Auslieferung. Italien hat nur aus Gründen der Solidarität mitgemacht und in England find die Ansichten geteilt. Solange wir nachgeben, ist die Einigkeit der Enterte nach außen hin gesichert. Die Hoffnung können wir haben, daß unser entschlossener passiver Widerstand uns bet den Besonnenen Gehör verschafft, daß eine Willensänderung eintrttt, die Ver blendung abnimmt und die Erkenntnis sich durchdringt* daß man auf diese Weise Europa ins Verderben stürzt.-
eine tiefe Sehnsucht ein nach jenem lockenden Paradiese, von dem er durch seine Heirat ausgeschlossen war. Es war nicht etwa eine Reue, dazu liebte er Hermine viel zu sehr; doch jene Eindrücke, die er in der Jugend in sich ausgenommen, sie ließen sich nicht einfach abstreifen wie ein abgetragenes Gewand, und dieses heimliche Verlangen wuchs umsomehr, als sich seine Einkünfte vergrößerten. Denn mit der Zeit war er in der Rangordnung, die in seinem Etablissement ebenso vorhanden war, wie in einem geregelten Staatswesen, ein beträchtliches emporgestiegen. Seine Chefs wußten seinen Eifer und seine Intelligenz wohl zu schätzen, und auch sein alter Name wirkte etwas mit, ihm an maßgebender Stelle gewisse Bevorzugungen zu verschaffen. Genug, er nahm bald eine einflußreiche Stelle ein, und als nach Verlauf von mehreren Jahren hintereinander seine beiden Eltern wegstarben, nachdem sie sich ein Jahr vorher noch leidlich mit ihm ausgesöhnt Hallen, da gelangte er plötzlich in den Besitz einer reichlichen Erbschaft, die seine schon (lange auf ihn aufmerksam gewordenen Chefs veranlaßte, ihm den ehrenvollen Antrag zu machen, im ihre hochgeachtete Firma als Teilhaber einzutreten.
So stand er denn auf einmal an der Spitze eines Weltunternehmens, besaß ein Ansehen in der Gesellschaft wie kein einziger seiner früheren Kameraden und war schon durch seine ausgebreiteten Verbindungen gezwungen, ein großes Haus zu führen. Sein Ehrgeiz war voll und ganz befriedigt, denn gerade diejenigen, die ihn bisher fast ostentativ geschnitten hatten, sie waren die allerersten, die sich zu setnenGesellschaftsabenden wie zu feinen berühmten Festen drängten, die jedesmal in der Residenz das am meisten besprochene und in der Presse beschriebene Ereignis bildeten. (Fortsetzung folgt.)