Anzeiger tsir die amtlichen Rekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.
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JS 15.
Donnerstag, den 5. Februar 1920.
73. Jahrgang
Amtliches.
J.-Nr. 407 K. A. Dem Kreise stehen für 1920 einige Freistellen in Kinderheilanstalten zur Verfügung.
Anträge auf Gewährung einer Freistelle sind bis spätestens 1. April d. Js. hierher einzureichen.
Schlüchtern, den 27. Januar 1920.
Der Vorsitzende des KreisauLschuffe«.
A. III. 7661. In der letzten Zeit sind hier wiederholt Fälle bekannt geworden, daß Bauten ohne die vorgeschriebene baupolizetche Genehmigung ausgeführt find oder schon in Angriff genommen wurden, bevor die nachgesuchte Genehmigung erteilt war. Die ver- hängten Geldstrafe bleiben meist wirkungslos, weil sie nicht im Verhältnis zu dem Vorteil stehen, der dem Bauherrn durch die ohne Genehmigung erfolgende Errichtung der Gebäude erwächst.
Um diesem Mißstande wirksam entgegenzutreten, bestimme ich Folgendes:
Falls Bauten, ohne daß die Genehmigung nach gesucht oder erteilt worden ist, in Angriff genommen werden, ist sofort nachdrücklichst mit Strafen unter gleichzeitiger unbedingter Verhinderung derWeiterarbett einzuschreiten und der Bauherr zur Erreichung des »orgeschriebenen ordnungsmäßige» BaugesucheS im Falle weiterer Bauabsicht anzuhalten.
Die nach etwaigen unerlaubten Herstellungen nachträglich vorgelegten Baugesuche sind ohne Rücksicht auf schon fertiggestellte Teile nach den Bestimmungen zu behandeln.
Falls nach Prüfung sich die Notwendigkeit ergibt, bereits fertiggestellte Baulichkeiten tu beseitigen oder abzuändern, hat der Bauherr darauf zu rechnen, daß entsprechende Maßnahmen unnachsichtlich gegen ihn ergriffen werden.
Die örtlichen Polizeibehörden und Gendarmen sind anzuweisen, sich in jedem Falle den Bauschet» vorlegen zu lassen, sobald sie von einem Neu- oder Umbau Kenntnis erhalten.
Cassel, den 14. November 1919.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: Lewald.
* * *
I -Nr. 1268. Vorstehende Verfügung wird den Orttpolizeibehörden und . Gendarmeriestationen zur genauesten Beachtung mitgeteilt.
Schlüchtern, den 31. Januar 1920.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Bekauutmachnng.
Nr. 1337. Die durch den Krieg herbeigeführte Steigerung der Baustoffpreise und Löhne hat zur Folge,
Bergmanns Tsetzterlein.
Roman von Martin Förster. 51
(Fortsetzung.)
Rief der junge Mann zornig, indem er verächtlich auf den Gennanten zeigte.
„Du Schuft!* brüllte Albert und sprang wütend empor. „Ich schickte zu Ihnen, Kahle, um den Dieb festzunehmen. Ergreifen Sie den da!" indem er auf Hermann deutete. „Er war der Dieb! Er hat es mir selbst eingestanden!"
Der Polizei Inspektor wich unwillkürlich ein paar Schritte zurück. Dann wandte er sich ratlos an Herrn Willroth.
„Was soll ich unter diesen Umständen tun, Herr Acchtsanwalt?"
„Nicht", überlassen Sie die beiden entlarvten Schurken ihrem Schicksal. Aber wenn einer von ihnen sich morgen M in Langenau blicken läßt, dann verhaften Sie ihn." Dann wandte er sich an Hermann und sagte mit gebieterischer Stimme: „Sie entfernen sich sogleich von hier, und Sie", zu dem älteren Dicdrich gewandt, «packen so schnell wie möglich Ihre Sachen und machen iich dann gleichfalls aus dem Staube. Sie, Inspektor Kahle, bleiben lieber noch hier bei Herrn Wtcdemann vnd mir. Es wäre möglich, daß wir noch Ihre Hilfe Anspruch nehmen müßten."
Als der Morgen anbrach, hatten bereits Onkel und W den Staub von Langenau von ihren Füßen schüttelt, und das Dorf sah fie niemals wieder. Ihr viptzliches Verschwinden sowie die unerhörte Neuigkeit "vk dem untergeschobenen Testament und den verübten
daß die Versicherungsnehmer im Falle eines Brandes Schaden erleiden, da naturgemäß die Schätzungen der Versicherungswerte, welche der Schadensberechnung zu Grunde gelegt werden, nach den geringeren Friedenspreisen bemessen sind.
Die Hessische Brandversicherungs-Anstalt ist, wie bereits in früheren Bekanntmachungen wiederholt mitgeteilt wurde, bereit, zum Schutze der Versicherungsnehmer auf Antrag den gegen den normalen (Friedens-) Wert sich jetzt ergebenden Mehrwert der Gebäude kurzlaufend zu versichern. Die Höherversicherung, die in letzter Zeit bis zu 200°/, zugelaffen war, kann nunmehr infolge der weiter gestiegenen Baupreise auch noch über diesen Satz hinaus bis zur Höhe der örtlichen Ueberteuerungskosten erfolgen, die vielenorts bis zu 300®/, des seitherigen Schätzungswertes und mehr betrogen. Neubauten können bis zur Höhe der tat- sächltchen Herstellungskosten in Vorsorgeversicherung genommen werden im gleichem Verhältnis findet eine Erhöhung der Brandsteuer statt. Die Anstalt behält sich zu allen Anträgen auf Höherversicherungen die Entscheidung vor, die sie insbesondere in den Fällen, in welchen über den Satz von 2007, hinausgehende Höherversicherungen beantragt werden, von der örtlichen Prüfung der Gebäudewerte abhängig machen wird.
Diese Versicherung darf nicht zu Beleihungszwecken dienen und ist zunächst auf eine einjährige oder bis zum Schlüsse des folgenden Kalenderjahres laufende Dauer beschränkt. Erfolgt beiderseits eine Kündigung nicht, so gilt die Vorsorgeversicherung um 1 Jahr und vorläufig weiter von Jahr zu Jahr als stillschweigend verlängert. Im Falle eines Brandes hat der Versicherungsnehmer oen Nachweis der erhöhten Versicherungswerte zu führen. Anträge sind unter Angabe des Prozentsatzes der gewünschten Höher Versicherung und unter Beifügung der Brandversicherungsscheine direkt an die Hessische Brandversicherungsanstalt in Gaffel oder an die Landesrentereien zu richten.
Cassel, den 2. Januar 1920.
Der Direktor
der Hessischen Brandverficherungsanstalt: Stöhr.
*
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die Hauseigentümer auf dievorstehendeBckanntmachung aufmerksam zu machen und ihnen die Benutzung der Vorsorgever- ficherungSgelegenheit dringend zu empfehlen, damit sie nicht erst durch Schaden klug werden.
Schlüchtern, den 31. Januar 1920.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Schurkenstreichen des älteren und jüngeren Diedrich erregten begreiflicherweise die größte Aufregung und bildeten wochenlang das Gesprächthema im Dorf und Umgebung.
Zugleich herrschte unter den Bergleuten die lebhafteste Freude, als es bekannt wurde, daß der herzhafte, unerschrockene junge Degow, der mehr als einmal zur Rettung anderer sein blühendes Leben eingesetzt hatte, von einem allgemein beliebten Kameraden zum Herrn und Vorgesetzten werden sollte, und die Herzen sämtlicher Untergebener schlugen ihm voll freudiger Erwartung entgegen.
15. Kapitel.
Ueber Dorf Langenau war ein strahlender Sommertag angebrochen. Noch wogte das Korn in halbreifen Aehren, die Kirschbäume hingen voll köstlicher Früchte, auf den Hühnerhöfen webte und lebte es von Heranwachsenden Küchlein, und in allen Gärten dufteten die Rosen. Und mit Rosen war auch der Pfad bestreut, der von dem Herrenhause nach dem nahen Kirchlein führte, und das schöne junge Paar, das heute unter dem Geläute der Glocken den Segensspruch des Geistlichen empfing, wandelte die ersten Schritte seines neubegonnenen Ehestandes auf blühenden Rosen.
Und dann saß man in dem kühlen Eßzimmer des gleichfalls blumengeschmückten Herrenhauses und tafelte, und Rechtsanwalt Willroth brächte in w-hlgesetzten Worten den Trinkspruch aus auf den tapferen Franz und die liebliche Jutta, deren Schifflein nun nach vielen Stürmen und Fährlichkeit doch zusammenge. schwömmen waren, um sich nie im L.ben wieder zu trennen. Und dabei drückte er warm die Hand des
Der AersaMer Ariedensvertrag undmchfüyröir.
London 31. Januar.
Die englische Zeitschrift „Observer" bringt einen Artikel über die politische Lage, der in ganz England ungeheures Aussehen erregt. Er sagt, es bleibe nichts anderes übrig, als entweder mit der Sowjetregierung zu verhandeln oder Deutschland zur Bekämpfung des Bolschewismus heranzuziehen. Daß Deutschland dies nicht ohne Entschädigung tun werde, sei klar, aber dennoch sei es sicherer, Deutschland zu unterstützen, als Kaltschak und Denilin, die vollständig versagt hätten. Eine teilweise Revision des Friedensvertrages von Versailles sei in diesem Falle nicht zu vermeiden. Man hofft aber, Deuffchland gegen Rußland zu gewinnen, wenn man die Kriegsentschädigung herabsetzt und Deutschland ausreichend mit Rohstoffen versorgt. Wenn Deutschland für die Entente gegen den Bolschewismus kämpfen solle, müsse man natürlich auch die für Deutschlands Heer festgesetzte Höchstziffer ändern, und unter Umständen müsse man Deutschland auch territorial etwas entschädigen und ihm gegebenenfalls Oberschlesien wieder geben.
Deutsches Reich.
— Reichstagswahlen im September? In einer sozialdemokratischen Versammlung in Köln teilte Abg. Sollmann mit, daß seines Wissens die Reichstags- wählen im September stattfinden werden.
— Die Angst vor Deutschland. Ueber die Neuorganisation des Heeres sprechend, erklärte Churchill, neben dem regulären Heere töu.U ein Territorläst- Freiwilligenheer in Kriegsstärke von 345000 Mann bestehen. Dieses Heer sei für die Verteidigung des Reiches einschließlich der Verpflichtungen gegenüber Frankreich und Flandern bestimmt.
— Amerikanische „Abrüstung". Die amerikanischen Seestreitkräste sollen am 1. Juli 1920 940 Einheiten umfassen, doppelt soviel als vor dem Kriege, darunter 16 Dreadnoughts, 13 Ueberdreadnoughts, 8 Schlachtkreuzer und 17 leichte Kreuzer. Die Ausgaben werden auf 27 900 000 Dollars veranschlagt.
— Maßnahmen gegen streikende Bergarbeiter. Das Lugau Oelsnitzer Kohlenrevier wurde militärisch besetzt. Zu Zwischenfällen ist es nirgends gekommen. Die Kürzung der Lebensmittel für die streikenden Berg- arbeiter tritt am Montag ein. Die Regierung hat diese Maßregel deswegen angeordnet, weil sie es nicht verantworten kann, den Leuten, die nicht arbeiten, mehr zu geben als den Arbeitswilligen.
einstigen Unteraufsehers Sachse, der nun schon seit mehreren Wochen zum Oberaufseher aufgerückt war und der so glücklich lächelnd auf sein schönes Kind blickte, das da im Brautschmuck neben ihrem strahlenden Gatten saß. „Wie eine Prinzessin" hatten die Dörfler gesagt, als sie, Kopf an Kopf gedrängt das Paar auf dem Wege zur Kirche beobachteten.
Und dann hatte sich draußen vor dem Herrenhause heller Jubel erhoben, als man auf den Rasenplätzen davor die langen, gedeckten Tafeln gewahrte und die Bergleute mit Wein und Kuchen daran Platz nahmen, um den Ehrentag ihres neuen Herrn und seiner lieblichen jungen Gattin zu feiern.
Brausende Hochrufe erschollen, als die mächtigen Bierfässer unter den Bäumen ihren braunen Labetrunk spendeten, und als wenige Stunden daraus das reich- geschirrte Fuhrwerk sich seinen W-g durch die Menge bahnte, um das junge Paar nach dem Bahnhof und der Hochzeitsreise entgegenzuführen, da wollte das Jauchzen und Jubeln, das Zurufen und Zutrinken kein Ende nehmen.
„Darf ich Dich küssen, Jutta," sagte im Wagen der junge Ehemann, der sich nicht satt sehen konnte an dem reizenden Gesicht im blauen Reisehütchen.
„Nicht hier, Liebster!" bat sie errötend. „Es ist so öffentlich. Die Leute umringen den Wagen."
„Mögen sie doch," rief er jubelnd. „Ich habe nach diesem Augenblick gelechzt. Nun soll auch die ganze Welt sehen, wie glücklich ich bin!"
- Ende! —