Einzelbild herunterladen
 

Schlüchterner Leitung

Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlächtern.

BezugSpreiS frei Hans, vorauszahlbar oicrtelj. 2,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlächtern.

Schllichterver Lreisßlatt Aelteste Ze!tu»a im Kreise; gegründet im Jahre 1849. Illustriertes Sonntagsblatt m)

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 25 Pfg., Reklamezeile 50 Pfg. Bei Betriebs- fiürungtn kein Schadensersatz oder Minder- gebühr einschließlich Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Ausnahme-Aeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bet gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11*02.

M 10.

Samstag, den 24. Januar 1920.

73. Jahrgang.

Aland der Anrechten der Brotgetreide- Versorgung.

(Schluß).

Ob und in welchem Umfange die eingeführten AblieferungSprämien den auf sie gesetzten Hoffnungen entsprechen werden, das wird sich mit einiger Sicherheit erst nach zwei bis drei Wochen beurteilen lassen; zumal auch sonst die Monate Januar und Februar bis zum Einsetzen der Frühjahrsbestellungsarbetten regel­mäßig die besten Lieferungsmonate gewesen find.

Es wäre also verfrüht, die augenblickliche Knapp­heit au Beständen der Reichsgetreidestelle als einen Dauerzustand bezw. als das Ende der geordneten Lrotversorgung zu bezeichnen. Eine solche Auffassung »scheint um so weniger gerechtfertigt, als die btes- jährige Getreideernte zweifellos nicht ungünstig und jedenfalls besser ausgefallen ist, als die der Vorjahres. Die Retchsgelretdestelle nimmt nach allen ihr vorliegen­den Nachrichten an, daß etwa noch die halbe Ernte im Lande ist. Damit würde auch übereinstimmen, daß sie selbst von den von ihr insgesamt zur Lieferung aurgeschrtebmeu 2,2 Millionen Tonnen an Brotgetreide bisher rund 1,2 Millionen Tonnen erfaßt hat.

ES find also ohne jeden Zweifel noch erhebliche inländische Getretdevorräle vorhanden, eS kommt nur darauf an, sie auch für die öffentliche Hand zu erfassen Ob die AblieferungSprämien sich als das richtige Mittel hierzu erweisen werden, müssen die nächsten Wochen lehren. Im schlimmsten Falle müßte eine Wiederheraufsetzung des Ausmahlungssatzes und eine Herabsetzung der Tagesration in Erwägung gezogen »erden. Würde z. B. vom 15, T bruar ab eine Ausmahlung des Brotgetreides zu wenigstens 947, wieder angeordnet, und die Tageskopfmenge auf 200 Gramm Mehl Herabgesetz werden, so würden durch diese Maßnahmen allein die heimischen Getreidevorräte so gestreckt «erden, daß sie etwa drei Monate länger reichen würden, als bei den jetzigen Ausmahlungssatz und der gegenwärtigen Ration.

Daneben muß selbstverständlich die rechtzeitige Anfuhr von AuSlandSgetreide im Auge behalten werden. Sie schon im Augenblick aber besonders nachdrücklich zu betreiben, würde, abgesehen von den bei dem jetzigen schlechten Valutastapd fast unerschwinglichen Preisen ein Fehler sein, da daS tzereinbringen größerer Mengen von teurem Auslandsgetreide zu einer Zeit, wo die einheimische Landwirtschaft noch erhebliche Mengen abgeben kann, sicherlich auf die Ablieferungs- freudigkeit der Landwirschast außerordentlich ungünstig «inmitten würde. Nach alledem liegt zu einer pessimistischen Auffassung im gegenwärtigem Augenblick kein stichhaltiger Grund vor.

Deutsches Reich.

Wegen der abzuliefernden deutschen Milchkühe erklärte der belgtsche.LandwirtschaftSminister,die belgische Regierung habe seit August von Deutschland die Liefe­rung, wie sie im Friedens» ertrag von Versailles oorgesehen sei, verlangt. Die darin bestimmten Zahlen würden aufrechterhalten. DaS Mitleid Belgiens richte stch zuerst gegen seine eigenen Kinder, denn die Leiden der belgischen Kinder seien zum Teil die Folge davon, daß der Feind einen großen Teil des belgischen Vieh­bestandes weggeführt habe.

Paris. (Heimkehr aus Gefangenschaft) Die »sten drei Abtransports deutscher Kriegsgefangener ^b aus dem Gibiet von Lille abgegangen.

i Die bayrische demokratische Landtagsfraklion -rächte den Antrag ein, die bayrische Regierung *ii« bet der ReichSleitung dahin wirken, daß von dieser alles geschieht, um die Bestimmungen des Ber- Mer Vertrages über die Auslieferung, deren Ausführung Regierung und Volk mit unaur- 'dschlicher Schmach bedecken müßte, nicht zur Ausfüh- rwug gelangen zu lassen.

Im Finanzausschuß der bayrischen Kammer Kurden wieder einmal allerlei Geldforderungen anstandslos ^willigt. Das veranlaßte den Vorsitzenden zu folgender Auslassung: Er erachte es als feine Pflicht, darauf dinzuweisen, daß wir mit immer neuen Genehmigungen

Angleichungen ohne neue Einnahmequellen auf dem zgxg gum »ollen finanziellen Ruin seien. Er ^ffe das sagen, lieber lege er sein Amt nieder. Wir sinteren auf dem Ungeschlagenen Weg den Staat und "ud damit uns alle. Der Maun hat die Wahrheit i'sagt. Was aber für Bayern zutrifft, gilt auch für

das ganze Reich. Es geht im Geschwindschritt in den Abgrund.

Lokales und ArovinzieLes.

Schlächter«, den 23. Januar 1920.

* Wie wir hören, findet am Montag, den 26. Januar, vormittags 9 Uhr eine außerordentliche Bullen- kärung in Schwarzenfels statt. Es kommen 78 Tiere zur Vorführung. Da große Nachfrage nach Bullen von auswärts^ vorliegt, werden die Gemeinden des hiesigen Kreises gut tun, ihren Bullenbedarf so schnell als möglich zu decken.

* Aus Gelnhausen. Die reichen Bodenschätze unseres Kreises sollen nutzbar gemacht werden. Braun­kohlen und Eisenstein hat man an verschiedenen Stellen gefunden. Die Mutungsrechte will die Firma Brown- Boveri u. Co. in Mannheim erwerben. Da die Elek­trisierung des Kreises in aller Kürze in Angriff ge­nommen werden wird, steht eine Ausdehnung der in­dustrielle Tätigkeit im Kreise Gelnhausen zu erwarten.

Generalversammlung derKreisgruppe akadena. Berufsstände am 87. «T anu.ar 1880 (Dienstag) naolim.

4 UHr in Schlächtern (Deutscher Kaiser1')

Tagesordnung:

1. Jahresbericht.

2. Anschluss an den Reichsverand der akadem. Berufsstände.

3. Neuwahl des Vertrauensmannes für 1829.

4. V?rtrag von Herrn Amtsgerichtsrat HengsbergerStraf­rechtliche Verantwortlichkeit der Jugendlichen.

Vermischtes.

Berlin. Die Mutter als Mörderin. Ein Mord, dem zwei Kinder zum Opfer fielen, setzt zur Zeit alle Kreise Berlins in größte Aufregung. Auf dem Vor- boden eines Hauses der Neuen Friedrichstraße wurden der zwölfjährige Sohn und die neunjährige Tochter deS Oderwachtmeisters Hccklauf als Leichen in einer verschlossenen Tonne vorgesundcu. Den sofort ein- fttzenden Ermittelungen der Kriminalpoltzet gelang es, den Vorfall, der in seiner Tragik und Entsetzlichkeit einzig dastehen dürfte, vollkommen aufzuklären. ES wurde festgestellt, daß die Kinder von der eigenen Mutter in einem Wutanfalle in die Tonne gesteckt wurden. Die Frau leidet an schwerer Hysterie und Dämmerzuständen, in denen sie schon mehrfach nicht nur ihre Kinder, sondern auch ihren Mann schwer mißhandelte.- Bei der Vernehmung gestand die un­natürliche Mutter, den Tod der beiden unglücklichen Kinder herbeigeführt zu haben. Sie erzählte, sie sei wütend gewesen, daß die Kinder das Haus verlassen hätten. Als fis dann gegen 1 Uhr mittags nach Hause gekommen seien, habe sie sie zur Strafe in. die Tonne gesteckt, diese mit dem Deckel geschlossen und, um die Kinder daran zu verhindern, sich wieder zu befreien, den Deckel mit einem Stein fest zugeschlagen. Sie habe nicht die Absicht gehabt, sie zu töten. Die Kinder hätten zunächst laut geschrieen, doch sei ihr Schreien bald verstummt. Sie habe sich dann auch weiter nicht mehr um sie gekümmert. Warum sie die Kinder nicht wieder berste» hat, vermag die unnatürliche Mutter selbst nicht auzugeben.

Reisende, die vom Kongo in Antwerpen eingetrof­fen find, berichten, daß die Lepra furchtbare Verheerungen anrichtete. In dem von den Belgiern besetzten Gebiet des früheren Deutsch-Ostafrika werden die Ep.demien bekämpft. Die Genickstarre hat vom Januar bis September des vorigen Jahres 2500 Opfer unter den Eingeborenen gefordert.

A«sr«s.

Berlin, 24. 1. 1920.

Wenn die Dämme bersten, das Hochwasser über die Felder braust, die Eisschollen an die Häuser krachen, dann schweigen Klatsch und Haß und Parteistreit und Nachbarnmtßgunst. Dann packt jeder zu; ange­strengt, wertlos, keuchend arbeitet Mensch neben Mensch an den Deichen, um zu retten, was noch zu retten ist.

Die Sintflut über Deutschland ist da.

Als einsame Insel, von slavischen Wogen um« donnert, starrt Ostpreußen auf die Vernichtung. Nnr über weite Wasser hin kann es das Mutterland ahnen, nicht mehr erblicke«. Und Masmen steht auch noch In Gefahr, weggerissen und verschlungen zu werden, dazu ein Stück alten krdenslandP weiter hn Westen. Ganz

Oberschlesien, auf da» jetzt FridericuS Rex und zahl­reiche vor ihm und nach ihm geschiedene Geschlechter herabblicken, die es deutsch und blühend und glücklich gemacht haben, setzt seine letzte Hoffnung auf den Notdeich, der aus einem großen Stimmzettelhaufen in fieberhafter Eile aufgeworfen werden soll. Und dem einstup ewig ungedeelten" SchleSwig-Holstein droht die gewaltsame Zerreißung; ein kerniges deutsches Volk bangt davor, daß von den beiden umstrittenen Stücken Landes mindestens das eine von den Fremden überspält werden könnte.

Der Verlust dieser Abstimmungsgebiete würde für uns weit mehr bedeuten, als eine Einbuße an Kohle für unsere erstarrende Arbeit und unsere durchkälteten Häuser, an Kartoff.la und Eiern und Butter und Fleisch für unsere unterernährten Kinder. Der Verlust dieser Abstimmungsgebiete wäre ein ruchloses Hinein­stoßen von Hunderttausenden treuer Deutscher in die tosende Flut, während sie chre Arme hilfeflehend nach dem Mutterlande ausstrecken.

In einer ähnlichen Lage würde kein Pole »der Täne an der Urne fehlen. Auf dem Rücken trüge man den letzten zu ihr hin, wenn es keine andere Möglichkeit gäbe.

Die Kinder unseres Volkes schreien nach unserer Hilfe. Ihrer dreimalhunderttausend Helfer stehen bei uns bereit, zu der Abstimmung Berechtigte, weil im Abstimmungsgebiet Geborene; es gilt nur sie hinzu- schaffen, ihnen, die vielfach in der Not der Gegenwart um ihr eigenes tägliches Brot zu kämpfen haben, dieses für einige Tage zu sichern und sie selber mit einem Fahrschein in die Heimat zu versehen, deren Musen Mcht^ungehö rt werhaürn^tmrf.Wtr"Drutschew sind seit jeher ein gebefreudiges Volk, wir haben das verbrannte Aalesund wieder aufgebaut, die Erdbeben- trümmer von Messina hinweggeräumt, den Hungernden im fernen Asien Nahrung gesand, sollten wir das, was wir Norwegern und Italienern und Indern reichlich spendeten, den in letzter, größter Not ringenden eigenen Landeskindern versagen?

Diese Schmach bliebe ein Kainszeichen, das keine Jahrtausende abwischen könnten.

Es geht um unser Leben oder Sterben als Nation.

Jetzt müssen Klatsch und Haß und Parteistreit und Nachbarnmißgunst schweigen, jetzt heißt es angestrengt, wertlos und, wenn es nottut, keuchend nicht nur vom Ueberstuß herzugeben, sondern auch »om Spargroschen, um deutsches Land, deutsche Menschen nicht versinken zu lassen in den Fluten. Sonst ver­schlingen sie einst uns alle.

Zum letzten Male noch stellt die Weltgeschichte unS eine Prüfungsfrage, ,ehe sie uns verwirft oder für gereift erklärt. Diese letzte Frage darf kein kleinlautes Geschlecht bet uns finden.

Deutscher Schutzbund für Grenz- und Ausländsdeutschen.

Beiträge zurGrenz-Spende" für die Volksab­stimmungen nehmen alle Banken und jedes Postamt entgegen. Bei der Post sind Einzahlungen auf Post« checkkonto Berlin Nr. 73776 zu leisten.

Hilf 300060 Stimmberechtigte aus dem Reiche ins Grenzland schaffen!

Gib Deine Gren;-Spendr

für die Volksabstimmungen

auf Postscheckkonto Berlin 73776 oder auf deine Bank: Deutscher Schutzbund, Berlin NW S2.

Kirchlicher An^iger für Schlüchter«. Evangelische Gemeinde: Sonntag, den 25. Januar 1920.

Vorm. 10 Uhr: Herr Superintendent Orth.

Nachm. V«2 Uhr: Kindergottesdienst: Herr Psr. Rollmann. Wochendienst: Herr Superintendent Orth.

Sonntag, den 25. Januar 1920. Evangelisch-Kirchlicher Blaukreuz-Verein. Versammlung in der Kleinkinderschule 4 Uhr. Gäste willkommen.

Katholische Gemeinde. Sonntag, den 25. Januar 192t. «ewn. 10 Uhr: Amt mit ^edigt.

Nachm. 2 Ubr: Andacht und Christenlehre.

Herr Äsplan Ramb.