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Teilnehmer, die an Stelle der Pauschgebsbr die Grundgebühr von 120 Mk. und Gesprächsgebühren (für jedes Ortsgespräch 10 Pfg. mindestens jedoch 40 Mk. jährlich) zu zahlen wünschen, müssen dies der Vermittlung-anstalt spätestens bis zum 1. März 1920 schriftlich mitteilen, sie erhallen dann nötigenfalls zum 1. April andere Anschlußnummern.

Caffel, den 10. Januar 1920.

Ober-Postdirektion.

I -Nr. 544. Die ÖrtSpolizeitzehörden werden nochmals an die Erledigung der Verfügung vom 4. Mai 1917 Nr. 4064 (Kreisblatt Nr. 37) betreffend Erreichung der Kontrollisten über die im Laufe des Jahres 1919 ausgestellten Fischereischeine erinnert.

Schlüchtern, den 16. Januar 1920.

Der Landrat. I. V. Schultheis.

J.-Nr. 566. Im Amtsbezirk Brückenau herrscht die Schasräude in größerem Umfange; auch ist anzu- nehmen, daß die Räude vielfach verheimlicht wird. Vor Ankauf von Schafen aus diesem Amtsbezirke wird daher gewarnt.

Schlüchtern, den 14. Januar 1920.

Der Landrat. I. V. Schultheis.

J.-Nr »10. Bezugnehmend auf meine Verfügung vom 15. Januar 1915 Nr. 8469 (Kreisblatt Nr. 4) ersuche ich die Ortspolizeibehörden, den Fleischbeschauern die pünktliche Einsendung der Zusammenstellung der Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau für das Jahr 1919 nachdrücklichst zur Pflicht zu machen.

.Die Nachweisungen find an den Kreistierarzt hier etuzusenden.

Schlüchtern, den 15. Januar 1920.

Der Landrat. J. V. Schultheis.

Die Zahl der Kriegshinterölieöenen.

Wir haben während des Krieges rund zwei Millio- onen Männer verloren, die in den Schlachten fielen oder an ihren Wunden starken. Diese ungeheuren Verluste sind für das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft unersetzlich, da sie die Blüte unserer Mann heit treffen. Aber neben diesen Verlusten ist die Zahl der Hinterbliebenen so gewaltig, daß sie eine dauernde und äußerst schwere Belastung unseres Volkes darstellt. Die Zahl der Kriegrwitwen wird jetzt auf 600 000 geschätzt. Die übrigen Hinterbliebenen werden auf 600 000 amtlich berechnet. Insgesamt hat Deutschland für rund 2 "/* Millionen Kriegshinterbliebene zu sorgen. Hinzu kommen die versorgungsberechtigten Kriegsbe schädigtm, deren Zahl noch nicht genau feststeht, da aus den Gefangenenlagern und Lazaretten immer neue Anmel­dungen vorliegen. Unter Zugrundelegung der preußischen Ziffern umfaßt die Zahl für das Deutsche Reich rund eine Million Kriegsbeschädigter. Eine halbe Million davon und schwerbeschädigte Kriegsteilnehmer, für die^ bis jetzt jährlich rund zwei Milliarden an Renten gezahlt werden müssen, aber die Ziffer wird auf drei Milliarden sich erhöhen, wenn erst alle Ansprüche an­gemeldet werden, und insgesamt wird für Beschädigte und Hinterbliebene das Reich Jahr um Jahr über vier Milliarden Mark ausgeben müssen.

Diese erschütternden Zahlen sind aber nur ein Bruchteil des Elends, das dieser Krieg über uns brächte Was er unserem Volke an Not und Entbehrungen Strapazen, Verlust sittlicher und moralischer Kräfte auferlegte, läßt sich in Ziffern überhaupt nicht ausdrücke«

Der Stand der Tarifverhandlungen mit den Eisenbahnern.

4 Milliarden Defizit der preußisch-hessischen Eisenbahnen.

Die Tarifverhandlungen find jetzt soweit gediehen, daß für die Handwerker über 24 Jahre die Löhne festgesetzt find. Sie betragen 3,60 bis 2,70 Mk. für die Stunde und find folgendermaßen gestaffelt: 3,60 Mark für Groß-Berlin, 3,50 für den Jndustriebezirk Essen, die Städte Köln, Saarbrücken, Frankfurt a. M. Hamburg, Alton«, 3,30 Mk. für den Elberfelder Bezirk, für die Städte Krefeld, Kassel. Die Löhne für Handarbeiter liegen etwas unter diesen Sätzen, und zwar um 30 bis 40 Pfg. Für die landwirt­schaftlichen Gegenden des Ostens werden die Löhne noch niedriger sein müssen mit Rücksicht eben auf die Löhne in der Landwirtschaft und im Kleinhandel.

Die Tarifverhandlungen haben schon vor Weihnachten begonnen. Damals wurde eine Regelung über die Arbeitszeit, über die Bezahlung der Ueberstunden, über die Sonntagsarbeit und den Nachtdienst angebahnt. Zu festen Vereinbarungen war es jedoch noch nicht gekommen, weil die Arbeiter in dieser Beziehung Forderungen gestellt hatten, wie u. a. die siebeneinhalb- stündige Arbeitszeit, die mit Rücksicht auf die anderen Berufe nicht bewilligt werden konnten. Man hofft, die eigentlichen Lohnverhandlungen bis Anfang nächster Woche abschließen zu können, und wird dann einen Modus suchen, um diesen Teil des Tcrifes gesondert in Kraft zu setzen.

Die tarifmäßige Regelung der Eisenbahnerlöhne erfordert natürlich einen außerordentlich hohen Mehr­aufwand, der nur durch eine ebenso außerordentliche Erhöhung der Personen und Gütertarife aus-- geglichen werden kann. Man hat berechnet, daß die jetzt zugestandenen Löhne einen

Aufwand von mindestens eineinhalb Milliarden erfordern. Dazu kommen dann noch die erhöhten Teuerungszulagen für die Beamten. Außerdem muß die preußisch-hessische Staatseisenbahnverwaltung in diesem Jahre whne diese Regelung mit einem Defizit von vier Milliarden rechnen. Der gesamte Etat wird demnach wahrscheinlich auf eine Summe von zehn Milliarden kommen.

Die Verhandlungen, die dieser Tage zwischen den deutschen Eisenbahnv^rwaltungen über die Tariferhö­hungen stattgefunden haben, sind insofern bereits zu einem Ergebnis gekommen, als man sich über eine wesentliche Erhöhung des Tarifs im Personen- und Güterverkehr einig geworden ist. In den nächsten Ta­gen bereits dürfte eine besondere Mitteilung erfolgen.

Die bewilligten Lohnerhöhungen gehen überall über das hinaus, was der Taiisvertragsentwurf, der im November vorgelegt wurde, varsah. Die Eisenbahn­verwaltung sieht das als selbstverständlich an, daß sich inzwischen die PreiSverhältnisse sehr zu ungunsten der Arbeiterlöhne verändert haben.

Wucherer, Kriegs- u Revolutionsgewitruler.

(Der Esel und der Fuchs.)

Herr Esel, rief der Fuchs, warum so aufgeblasen?

Wiewohl die Zeiten sind nicht immer einerlei - Ich weiß doch sonst, wie demutsvoll Sie grasen! Sind die Juwelen schuld, die heut' Ihr Buckel trägt? O lassen Sie den Kitzel sich vertreiben! Gesetzt, daß man halb Peru auf sie legt, Sie werden doch einEsel" bleiben!

In Saaten, die sie nie gesä't In Garben, die sie nicht gemäht, In Reben, die sie nicht gebaut, Psalmiert die Wucherstppschaft laut: Nur uns, nur uns ist Glück gewährt; Auch find wir aller Sorgen bar; Wir'n und pflügen ntmmerdar, Wir schaffen weder früh noch spät, Und find doch Alle wohlgenährt".

Deutsches Reich.

Berlin. Die deutschen Geschäftsträger. Zu deut­schen Geschäftsträgern sind folgende Herren ernannt: London: Senator StahmerHamburg; Paris: ReichS- minister a. D. Mayer-Kaufbeuren; Brüssel: Reichs- mintster a. D. Landsberg; Madrid: Gesandter Dr. Rosen; Wien: Gesandter v. Rosenberg ; Tokio : Staats­sekretär a. D. Solf; Rom: Frhr. v. Luc.us; Prag: Professor Sänger; Haag: Oberst "Renner. In Stock Holm wird der Gesandte v. Lucius durch den Gesandten Radolny ersetzt. Der Gesandte Adolf Müller verbleibt auf seinem Posten in Bern.

Ein Reichs-AuSwanderungsgesetz wird in den nächsten Tagen der Nationalversammlung zugehen. Die schlechten Erfahrungen der ersten deutschen Aus- wandererzüge, namentlich in Südamerikü, lassen den verstärkten Schutz der Auswanderer vor Ausbeutung schwindelhafte Ansiedlungszesellsch-ften um so dringender erscheinen, als der internationale Rechtsschutz der deutschen Auswanderer im Ausland infolge Fehlens von besonderen Verträgen mit den Einwanderungs- staaten nach, viel zu wünschen übrig läßt.

Die von Deutschland bisher in den Ver­einigten Staaten gekaufte Baumwolle wird auf 500 000 Ballen geschätzt, wovon etwa die Hälfte nach Deutsch­land gekommen ist. Einzelne Firmen in den Ver­einigten Staaten sollen die deutschen Käufe finanziert haben.

Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat folgende Weifung an alle Eisenbahndirektionen gegeben: Die letzten Ereignisse lassen keinen Zweifel mehr, das die Eisenbahnerbewegung nur ein Teil^elner umfassenden Bewegung zum Sturz der Regierung ist, die von langer Hand von den Kommunisten und Syndikalisten vorbereitet ist. Die Aufrechterhaltung der Betriebe ist z rr Durchführung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Kohlen unbedingte Notwendigkeit. Ich erwarte, daß die Beamten in Erkenntnis dessen sich gegenseitig bei der Ausübung der für die Aufrechterhaltung des Betriebs notwendigen Arbeiten, insbesondere der Nebenarbeiten des Lokomotiv- dienstes unterstützen. Alle Anordnungen zu diesem Zweck sind ohne jeden Zeitverlust an Aemter und Dienststellen zu erlassen. Die Amtsvorstände und DienststeÜenvorsteher haben sich persönlich für die glatte Durchführung dieser Anordnung einzusetzen. Die Beamtenverdände haben ihre Mitglieder in gleichem Sinn aufzurufen und die staatliche Ordnung und die Lebensmittel­versorgung aufrecht zu erhalten. Es darf nicht geduldet werden, daß ungezügelte Elemente das Verkehrswesen zerrütten, und dadurch namenloses Elend über die breitesten Volksmassen dringen.

Berlin. (Fürst Bülow aus Rom auszewiesen.) Italienische Blätter melden, es sei dem Fürsten Bülow zu verstehen gegeben worden, daß seine Anwesenheit in Rom zur Zeit unwillkommen sei und daß sie der italienischen Regierung Unannehmlichkeiten bereiten könne. Infolgedessen wird sich der ehemalige deutsche Reichskanzler noch in diesem Winter nach Luzern begehen.

Berlin. (Das abgewanderte Kapital.) Reichs- finanzminister Erzberger erklärte mit Bezug auf das in die Schweiz abgewanderte Kapital, daß zukünftig eine Vereinbarung mit der Schweiz zum gegenseitigen Schutz tu Steuersachen getroffen werden würde. Im Notfall werde das abgewanderte Kapital der Entente an Zahlungsstatt überwiesen werden.

Seinen Austritt aus der Demokratischen Partei hat der frühere Vorsitzende der nationalliberalen Partei Frankenthal, Rechtsanwalt Röhrig, mit Jahresschluß vollzogen. Er begründet seinen Schritt in einem Schreiben an das Frankenthaler Tageblatt u. a. wie folgt:Von der Demokratischen Partei erwartete ich, daß sie die Plattform werde zur Sammlung des gesamten Bürgertums, die Bürgerliche Partei. Diese Erwartung hat wie vielen anderen auch mir die Demokratisthe Partei nicht erfüllt. Sie erscheint mir dazu nicht ge­

willt und nicht geeignet. Ich weise nur hin ach stete Linksschauen der Demokratischen Partei schaftlichen und politischen Fragen, ihre äM Nachgiebigkeit ohne Rücksicht auf die ZukunM deutschen Volkswirtschaft gegenüber den Steuer« der Regierung und in der Gestaltung t es Betrieb! gesetzes, den Mangel an Widerstand gegen denk der Zersetzung und des Niederreißens in allen natH Dingen die uns noch geblieben, wie er am schliM in Erscheinnng trat in dem Trauerspiel des M suchungsausschusses. Dazu bemerkt die demokrL Magdeb. Ztg.:Nach unserer Kenntnis der U gibt es manchen in der Partei, der ähnlich denlk Herr Röhrig.

Der deutsche Beamtenbund, die GewcrL deutscher Eisenbahner und der deutsche EtsenbH verband erlassen einen Aufruf an die bet Beamtenschaft in welchem die Not ge des Bear standes infolge der enormen Teuerung geschildert die Berechtigung zu einer 150prozentigen Teuerungszß nachgewiesen wird. Am Schlüsse des Aufrufs HM Jeder Beamte und Staatsarbeiter muß wisse«! ohne Erfüllung der Pflicht bis zum äußersten,! Arbeitshöchstleistung nicht dauernd die Mittel bM werden können, die zu einer ausreichenden EntloW notwendig sind. Fehlt hier der gute Wille, verU die Kräfte, dann gibt es keinen Aufbau, soH allgemeinen Z ssammenbruch des Ganzen, in dem' Hoffnungen aller; auch die unseligen, auf eine W Zukunft begraben werden müßten. Nachdem | Regierung durch die Bewilligung unserer Fordetz ihre Pflicht uns gegenüber erfüllt hat, gebietet! unser Gewissen, auch der VolkSgesamtheit gegeut unsere Pflicht zu tun u. dafürzu sorgen, daß die SE betriebe, insbesondere der Eisenbahnb.trieb, 1 Störung fortgeführt werden können. An die AH das ist jetzt die Parole. Kein Mann darf feiern

Die Folgen des Streiks werden sich im M schaftsleben noch lange bemerkbar machen. IM letzten Zeit war es möglich gewesen, außer der ZM Produktion des Ruhrbezirkes auch noch etwa 600| Tonnen von der Halde zu verladen. Das wird 8 längere Zeit unmöglich sein. Man wird alle M haben, um die Zechenproduktion abfahren zu köm da vorerst einmal der durcheinander geratene B« wieder geordnet werden muß. Es stehen auf denU sen etwa 10 000 beladene Wagen herum.

Berlin. (Wei'.ere Erhöhung der Kohlenpr« Im Mittelpunkt der zweitägigen Verhandlungen I Reichskohlenrates stand die Preisfrage, da der Reiß wirtschaftsminister zu der vom ReichskohlenverbandL Wirkung ab 1. Januar beschlossenen, aber vom g nister beanstandeten weiteren Preiserhöhung erst I Reichskohlenrat hören wolle. Es bestand Einmütig darüber, daß eine weitere Preiserhöhung, soweit t nachweislich zur Ecstrebung der früheren Frieden» derung nötig ist, gutgeheißen werden muß. Im g gensatz zu den Darlegungen der BergbauunterneW wurde aber in der Mehrheit des Reichskohlenrates » gesprochen, daß die für die Wiederherstellungski» verlangte Preiserhöhung zum Teil in Anlagewerte M ginge und daß deshalb, wenn sie schon mittelst I gegenwärtigen Kohlenpreise aufgebracht werden s« der Allgemeinheit auch durch chie Organe der KoM wirtschaft eine entsprechende Ueberwachung der A Wendung dieser Mittel zustehen müsse. Die Stell» nähme wurde aber vertagt, um die Frage gemeine mit den kommenden Lohnforderungen zu behand«

Berlin. Die Beratung des BetriebsrätegeseW Die Nationalversammlung beendete am Freitag ne mehr als 15 stündiger Sitzung gegen 11 Uhr nacht» zweiter Lesung das Betriebsrätegesetz. Die Einzel» griffe wurden im wesentlichen nach dem Beschluß Ausschusses gegen die Stimmen der Rechten und W Unabhängigen angenommen.

Kanadischer Weizen soll den Hunger Euro« stillen helfen. Die britische Reichsregierung W Kanada gestattet, an der Unterstützung Europas mIW wirken. Es ist bereits vereinbart worden, daß Kana» Wetzen nach Europa senden und einen Anteil an big Kredit, den Oesterreich erhält, um Lebensmittel 1 kaufen, übernehmen wird.

Berlin. In der Nationalversammlung braW die Opposition gegen das Betriebsrätegesetz eine ging Anzahl von Abänderungsanträgen ein. Ein Ant« Dr. Heintze (Deutsche Volkspartei) zum grundlegend 8 1 will die Vorlage dem kommenden Reichswi« schastsrat zur Vorbereitung überwetsen und es dies!» überlassen, Richtlinien für eine Eingliederung Betriebsräte in die Wirtschaftsorganisationen fest!« stellen, das heißt praktisch eine Vertagung der gan» Angelegenheit. Der Antrag wird gegen die SltnMV der Rechten ebenso abgelehnt, wie gegen die äußersten Linken, das Verlangen der Unabhängig!! in allen Betrieben mit mindestens zehn Arbeite! Betriebsräte zur Uebersührung der kapitalistisch! Wirtschaftsordnung in die sozialistische zu errichte! 8 1 wird in der Ausschußfassung angenommen. Einführung der Betriebsräte nach dem Wunsche Mehrheitsparteien ist damit auch in zweiter Lesung positivem Sinne entschieden. Die Opposition wend-1 sich daher den Emzelheiten zu. Schon beim folgen^» 3 2 bringt sie eine Reihe von AbänderungSanträgen e» die das Haus indes nicht lange aufhalten und tR her von den Abg. Biener (Dnat. Vp.), Dr. Most Bp-) und Köhnen (U. Soz.) gegebenen Begründui>i abgelehnt wurden. Es bleibt auch hier bei R Meinung des Ausschusses. Das gleiche Schauspi- wiederholt sich bei fast allen Paragraphen. Beim b, der für die Wahrnehmung der besonderen wirtscha^ llchen Interessen von Arbeitern und Angestellte"