ÄstzeiM für die amtlichen .Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.
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Schlüchteruer Lreisßlatt Aelteste Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849. Illustriertes Sonntagsblatt aw)
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Dienstag, den 20. Januar 1920
71. Jahrgang
An ««ftrs MmM in Stadt und Land
Der Friede ist geschlossen. Wichtigster Landesteile mit Millionen kerndeutscher Bewohner wiro Deutschland beraubt, eine in der Weltgeschichte noch nie dagewesene Schuldenlast drückt eS wirtschaftlich zu Boden. Die Handelsflotte, die Kriegsflotte
ausgeliefert, das Heer zu einer nicht einmal die innere Sicherheit gewährleistenden Polizeitruppe herabgesetzt, unser Ueberseehandel vernichtet, die in feindlichen Ländern tätigen deutschen Unternehmungen teils bereits liquidiert, teils von der Enteignung bedroht! Unsere Kolonien, der Stolz und die Freude jedes national fühlenden Deutschen verloren ! DaS Deutsche Reich soll als ein Kleinstaat auf das kontinentale Europa beschränkt werden.
Hilfe aus dieser Not kann das Deutsche Volk nur bei sich selbst finden. Wenn der Geist der Oidnung, der Wille zur Arbeit wieder kehren, wenn die Not (der kommenden furchtbar schweren Zeiten die Liebe zum Vaterlande, die opferfreudige Hingabe für das Volksganze zur Richtschnur alles Denkens und Handelns machen, dann, aber auch nur dann kann auch Deutschland auf eine Erneuerung hoffen. Diesem Ziele nachzusirrben. ist die Aufgabe aller Deutschen.
Auch die Deutsche Kolonialgesellschaft wird einen wichtigen Teil dieser gemeinsamen Aufgaben zu erfüllen haben. Sie wird bei dem lebenden Geschlechte und bei den Kindern und KindcSktndern die Erinnerung an die Größe und Bedeutung unserer jetzt zerstörten kolonialen Arbeit wach halten; die Erinnerung an die Ruhmestaten unserer kolonialen Pioniere, an die stille, aufopferungsvolle Arbeit unserer Forscher, Aerzte, VerwaltungSbcamten, Missionare, an die harte, aber erfolgreiche Tätigkeit unserer Pflanzer, Farmer, Ingenieure und Bergleute (an den wagemutigen Hansageist unserer Kaufleute. Sie wird künden von dem (heldenmütigen Widerstände gegen erdrückende Uebermacht im Weltkriege, von den (Kämpfen in den fieberschwangeren Urwäldern Kameruns, von den Leiden unserer Gefangenen in Dahouny und Marokko, von dem siegreichen Durchhalten der ostafrikanischen H-ldenschar unter Lettow-Lo.vcck. Urd allen Verleumdungen zum
Trotz wird sie immer wieder darauf Hinweisen, daß die zahlreichen Kundgebungen, aber nun doppelt teure Vaterland!
Auch nehmen wir und unsere Abteilungen jederzeit Gaben znr Unterstützung vertriebener oder in Not geratener Landsleute zur Weitergabe an wie bisher
der Anhänglichkeit unserer Eingeborenen in den Kolonien, vor allem aber ihr treues Ausharren in DeutschOstafrika, der unwiderleglichste Beweis für Deutschlands
koloniale Fähigkeiten find. Fordern aber wir sie, immer wieder fordern, daß dem deutschen Volke in seinen Bedürfnissen, seiner Volkszahl und seiner Leistungsfähigkeit entsprechender Anteil an kolonialer Tätigkeit wiedergewonnen wird.
Zugleich wird die Teutsche Kolonialgesellschaft stch dem anderen Teile ihrer Aufgaben, der Pflege der überseeischen Interessen der deutschen Nation, zuwenden, da nach der Zerstörung fast aller deutschen Arbeit im überseeischen Auslande unsere erneut hinausziehenden Pioniere deutschen Handels, deutschen Gewerbefleißes, deutscher Kultur weit mehr als vor dem Weltkriege zielbewußter Hilfe bedürfen werden. Insbesondere will die Deutsche Kolonialgesellschaft auf Grund ihrer Erfahrungen, Kenntnisse und Beziehungen sich in den Dienst der zu erwarteten deutschen Überseeische» AnSwanderuug stellen.
Dem deutschen Volke aber wird die Deutsche Kolonialgesellschaft den Blick offen halten und da» Verständnis schärfen müssen für die großen Fragen der Weltpolitik und de» Weltgeschehen», eingedenk der Ueberzeugung, daß das deutsche Volk ein Weltvolk ist und bleibt, solange es sich nicht selbst aufgtbt.
Diese vaterländischen Ziele will die Deutsche Kolonialgesellschaft unter Ablehnung jeder Parteipolitik verfolgen. Sie wird dabei der neuen Zeit Rechnung tragen, ohne jedoch das Alte, soweit eS sich bewährt hat, voreilig über Bord zu werfen. Präsidium und Ausschuß sind damit beschäftigt, entsprechende Vorschläge für die nächste Harptversammlung und Vorstandssitzung auszuarbeiten. Auf einer den jetzigen Verhältnissen entsprechenden Grundlage will die Deutsche Kolonialgesell- schast die weitesten Kreise des deutschen Volkes gewinnen. An die Mitglieder aber ergeht die Bitte, auch In sckweren Zeiten treu zu bleiben und weitere Freunde der Gesellschaft zuzuführen. Aus zur Arbeit ffli ~trvbrut^ V^m.d das unglückliche,
aber nun doppelt teure Vaterland!
Die Deutsche KotonialgeseUschaft
Mästdent und Ausschuß:
Johann Albrecht, Herzog zu Mecklenburg.
Strauch, Dr. von Lind^quist, von Bornhaupt, von Grapow, Dr. Hahl, Hupfeld, Dr. Kliemke, Lange, von Poser und Groß-Naedlitz, von St. Paul-Zllaire, Dr. Schilling, vr. Schreiber, Dr. Schulte im Hofe, Staudinger, Dr. Tettenborn, Thießen.
Amtliches.
Der Reichspräsident hat Artikel 114, 115, 117, 118, 119, 124 und 154 der Reichsverfassung außer Kraft gesetzt. Die vollziehende Gewalt ist für den Bereich des Reichswehr Brigade-Kommandos 11 dem Kommandeur der Reichswehrbrigade 11 Generalleutnant v. Stolzmann übertragen worden. RezierungSkommissar tOberpräfidentDr. Schwanker. DerJnhaber der vollziehenden Gewalt sieht vorläufig von belnschränkendenBestim- mungen ab, die Zivilbehörden leihen in Tätigkeit, bei Unruhen wird scharf durchgcgriff-n werden.
Reichsw.hr-Brigade 1 c 2062.
Seemann« Tschterlein.
Roman von Martin Förster. 48
(Fortsetzung.)
„Eben deshalb frage ich. Würde sie so plötzlich aus so unerklärliche Weise erkrankt sein, wenn alles mit rechten Dinge zugegangen wäre? Ich fange an zu glauben, Herr Diedrich, daß Juttas Erkrankung ein Wink des Schicksals ist, diese Heirat noch rechtzeitig zu verhindern."
Albert Diedrich fuhr herum, wie von einer Natter gestochen. Dann beherrschte er sich gewaltsam und sagte kalt: „Ihr könnt Euch derartige Bemerkungen vollständig sparen. Albert Diedrich ist nicht der Mann, der mit sich spielen läßt. Merkt Euch das! Habt Thr mir sonst noch etwas zu sagen?"
„Nein, ich habe mich ohnehin schon zulange aufgehalten und habe alle» gesagt, was ich sagen wollte. Guten Abend."
Der Unteraufseher entfernte sich und begegnete in der Auffahrt draußen zwei ihm wohlbekannte Gestalten. Es waren Hermann Diedrich u. d. Polizei-Inspektor Kahle.
schritt mit kurzem Gruß an beiden vorüber, konnte aber nicht umhin, sich über das Zusammensein derselben sorgende Gedanken zu machen. Wenn er doch nur ^legenhett haben würde, Degow rechtzeitig zu warnen! Die oetden DiedrichS haßten ihn und würden sicher alles
um ihn zu verderben.
Als die beiden Männer bet Albert Diedrich Piraten, hatte derselbe äußerlich seine vollkommene Seelenruhe wiedererlangt. Der Inspektor war ganz »euer und Flamme bei dem Gedanke«, den entwischten ^üästing wieder dingfest machen zu können, und stlaubte, keine Zeit verlieren zu dürfen. Diedrich
I. Nr. 849. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche noch mit der Einsendung der Berichte über die Prüfung des Feuerlöschwesens im Rückstände sind, werden an deren sofortige Einsendung erinnert.
Schlüchtern, den 16. Januar 1920.
_______________Der Landrat. I. V. Schultheis.
I Nr. 316. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Einsendung der Gebühren für die Revision der Bierdruckvorich ungen noch im Rückstände find, werden an deren alSbaldige Einsendung erinnert.
Schlüchtern, den 13. Januar 1920.
Der Landrat. J. V. Schultheis.
dagegen, der, eingedenk der Enthüllungen seines N.ffen einen ferneren Fluchtversuch für ausgeschlossen hielt, mahnte, die Sache mit möglichster Ruhe und lieber» legung anzufangen, und Hermann Diedrich, der sich, wie gewöhnlich in Gegenwart seines Onkels, ziemlich schweigsam verhielt, ging mit sinster gerunzelter Stirn im Zimmer auf und ab.
Man befand sich noch in eifrigster Beratung, als das Dienstmädchen nach einem schüchternen Klopfen wiederum eintrat, um einen Besuch zu melden.
„Aber das ist ja heute, als wenn sie alle auf mich losgelossm seien," fuhr der Minenbesitzer auf. „WaS ist denn nun wieder?"
„Herr Rechtsanmalt Willroth," berichtete das Mädchen, „und —" - „Was? Noch einer?" '
„Und Herr Franz Degow," vollendete sie.
Die drei starrten sich an, wie vom Donner gerührt.
„Aber etwas Besseres konnte uns ja gar nicht passieren," rief der Inspektor, der zuerst das Wort fand.
„Ja, es trifft sich merkwürdig günstig," stimmte Albert Diedrich bei. Aber er war bleich geworden.
„Er will sicher um Gnade bitten," meinte der Inspektor, ein wenig enttäuscht, aber doch voller Amtseiferund entschlossen, sich auch die leicht errungene Beute nicht entgehen zu lassen. „Was ist nun also zu tun?"
„Gehen Sie mit meinem Neffen in das FrühstückS- zimmer, Herr Kahle," sagte der Hausherr nach kurzer Ueberlegung, „aber durch diese Tür, wenn ich bitten darf. Ich will inzwischen die beiden anderen hier empfangen."
„Aber Sie werden sie nicht entkommen lassen ?" fragte der Beamte zweifelnd.
„Keinesfalls. Ich gebe Ihnen ein Zeichen. Laßt
Auf Grund des § 3 der Fernsprechgebühren Ordnung vom 20. Dezember 1899 (in der durch da» Gesetz vom 8. September 1919 geänderten Fassung wird folgendes bekannt gemacht:
Vom 1. April 1920 ab beträgt die Pauschgebühr für jeden Hauptanschluß des Ortsfernsprechnetzes Schlüchtern jährlich 240,— Mk.
v Die Teilnehmer sind auf Grund der neuen Festsetzung der Gebühr berechtigt, ihre Anschlüsse mit einmonatiger Frist zum 1. April 1920 zu kündigen. Die Kündigung ist spätestens bis zum 1. März 1820 bei der Bermittlungsanstalt anzubringen.
Euch Bier bringen, Hermann. Oder wollen Sie lieber etwas anderes trinken, Herr Kahle?"
„Rein, danke sehr. Ich bin immer für Bier."
Die beiden zogen sich zurück und ließen sich indem bezeichneten Gemach häuslich nieder. DaS bestellte Getränk wurde gebracht, und so warteten sie in aller Gemütlichkeit der Dinge, die da kommen sollten.--
Inzwischen empfing der Hausherr mit der höflichsten Miene von der Welt seine neuen Gäste. Es gelang ihm über Erwarten, eine gleichgültige Miene zur Schau zu tragen und seine innere Uiruhe zu verbergen.
„Also, was verschafft mir dies späte Vergnügen, meine Herren?"
„Eine Sache von Wichtigkeit, Herr Diedrich," sagte Willroth sehr ernst, „sonst würden wir nicht gerade diese ungewöhnliche Zeit gewählt habe«. Die Angelegenheit betrifft meinen Klienten, der Ihnen j« bekannt ist. Ich hoffe, daß es nicht zu spät ist, die Sache unter uns und ohne Hinzuziehung des Gerichte» zu ordnen."
„Sie beziehen sich natürlich auf das bewußte Ver- brechen, Herr Willroth!" sagte Diedrich mit einem bezeichnenden Blick aus Degow.
„Ganz recht!"
„Und «a» ist Ihr Klient zu tun bereit? Will er mir das gestohlene Geld ersetzen? Wenn nicht, muß ich natürlich das Gesetz walten lassen."
„Verzeihen Sie, Herr Diedrich, Sie scheinen mich mißverstanden zu haben," versetzte der Anwalt lächelnd. „Das Verbrechen, auf welche» ich anspielte, war nicht datjlnige, welches mit der Aussage Ihres Herrn Reffen in Zusammenhang steht."
(Fortsetzung folgt.)