Schluchterner Zeitung
Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.
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Lchlucht<r««r Sreisllatt Aelteße Zeitung im Steife; gegründet im Jahre 1849. Illustriertes Sonntagsblatt aw)
M 6. Donnerstag, den 15. Januar 1920. 71. Jahrgang.
Amtliches.
F 8843a. Die allgemeine Knappheit an Brennstoffen zwingt dazu, auch die ländliche Bivölkerung zu einem sparsameren Verbrauch des Brennholzes anzu- halten.
Wir empfehlen daher, auf die Gemeinden einzu- wirken, daß das Backen nur im Gemeindebackhaus vorgenommen wird. Die dadurch hervorgerufene häufigere, wenn nicht gar durchlaufende Benutzung wird ein warmes Backhaus zeitigen, zu dessen voller Erhitzung wahrgemäß weniger Brennstoff nötig ist, als zur Erwärmung vieler nur in Zwischenräumen benutzten und daher kalter Backöfen.
Ferner, ist zum Heizen der Backöfen in erster Linie Reiserholz zu verwenden, und nicht, wie beobachtet wurde, auch Derbholz.
. Gaffel, den 31. Dezember 1919.
Regierung, Abteilung für direkte Steuern,
Domänen und Forsten B.
gez. Unt rschrift. gez. Unterschrift.
J.-Nr. 388. Die vorstehende Verfügung wird den Herren Bürgermeistern zur weiteren Veranlassung mit- geteilt.
Schlüchtern, den 12. Januar 1920.
Der Landrat: von Trott zu Solz.
I Nr. 268. Am 31. Dezember v. Js. ist die Gc- samtorganisation des UeberwaLungsdienstes des Oberkommandos, d.e sogenannte Heerespolizei, aufgelöst worden.
Zwecks Abwickelung ist die Zweigstelle Hanau beauftragt worden, vie Akten der in Bearbeitung befindlichen Sachen an die zuständige Polizei» erwaUung gegen Empfangsbescheinigung abzulfifern.
Die Polizeiverwaltunge t ersuche ich, gegebenenfalls die Akten und die Weiterbearbeitung der Sachen zu übernehmen.
Schlüchtern, den 9. Januar 1920.
Der Landrat. J. V.: Schultheis, Kreissekretär.
A. 111.91. Der Herr Minister für Volkswohlfahrt In Berlin hat in einer Veröffentlichung vom 20. Dezemb. v. Js. Nr. 627 der Deutschen Allgemeinen Zeitung — Norddeutsche Allgemeine Zeitung — Seite 3 unter dem Titel „die Beschlagnahme übergroßer Wohnungen" zu einem durch die Presse gegangenen Urteil des Bremer Landgerichts Stellung genommen.
Ich weise auf die Veröffentlichung hin.
Das Betreffende Urteil des Bremer Landgerichts, das im Wege der Berufung angesochten ist, ist nach Auffassung des Herrn Ministers völl g rechistrrtümlich.
Vevgmaniis Ls<ht«pt«ii».
Roman von Martin Förster. 47
(Fortsetzung.)
Aber ich dachte, sie würde sterben, als sie plötzlich ohnmächtig wurde.
„Was gab es denn? Ich wußte nicht, daß Jutta so schwächlich sei."
„Ich habe sie nie klagen hören, aber sie ist in der letzten Zeit so still und eigentümlich gewesen."
„Hatte sie sich denn aufgeregt?"
„Nein, gar nicht. Sie war ausgegangen, weil sie ein wenig Kopfweh hatte, wie sie sagte, und als sie etwa nach einer halben Stunde zurückkam, sah sie so verändert aus und wurde dann plötzlich ohnmächtig. Es wahrte auch lange, ehe sie wieder zu sich kam."
„Ich lief natürlich gleich zum Doktor, und er sagte, dürfe um keinen Preis aufgeregt werden und würde jedenfalls längerer Schonung bedürfen. Ich sollte sie nach nichts fragen. So weiß ich nicht, was ihr begegnet ist. Aber Ihnen mußte ich dies doch gleich mitteilen.
Albert Diedrich schwieg ein paar Minuten lang. fühlte sich aufs peinlichste berührt, zumal bet dem bedanken, daß dieser sonst unerklärliche Zwischenfall wahrscheinlich mit Franz DegowS Wiedererscheinen in Verbindung stehen mußte. Der Gedanke, daß die Liebenden sich zufällig begegnet waren, und der freudige Schreck den Anlaß zu Juttas Erkrankung gegeben hatte, lag nur zu nahe. Ob auch Sachse oiesen Grund ahnte oder wußte? Ob sie alle gegen seine Pläne arbeiteten?"
„Habt Ihr kürzlich etwas von Degow gehört?"
Die Beschlagnahme von Wohnungen ist nach wie vor zulässig.
Cassel, den 6. Januar 1920.
Der Rcgierungs-Präfident. I. A.: gez.: Unterschrift.
I Nr. 15118. Nach einer Mitteilung der Reichs- Wihr-Befehlsstelle für Preußen häufen sich in letzter Zeit die Fälle, in denen von angeblich aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Heeresangehörigen versucht wird, von den Gefangenem Durchgangslagern und VersorgungSämter die den Kriegsgefangenen zustehenden Gebührn! sie und den Entlassungsanzug zu erhalten. Fast durchweg handelt es sich um Schwindler, die sich für heimkehrende Kriegsgefangene ausgeben.
Zur Verhinderung solcher Betrügereien und zur Verfolgung von Betrugsversuchen werden öfters Anfragen zur Feststellung der P.rsonalien pp. heimkehrender Kriegsgefangener an die Ortspolizeibehörden gerichtet werden.
Die Orts Polizeibehörden ersuche ich, alle derartige Anfragen der Fahndungsstellen sofort zu beantworten, da durch jede Verzögerung der Beantwortung auch die Abfertigung der Gefangenen in den Durchgangslagern und somit deren Heimkehr verzögert wird. Die Personalbeschreibung des betreffenden Heeresangehörigen ist jedesmal in der Rückantwort mit aufzunehmen.
Schlüchtern, den 12. Januar 1920.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
""Nr. 10308. ""Steckbrief —
Gegen den Kanonier Michael Desch der Infanterie Geschütz Batterie Reichswehr-Regiment 36, Gießen, geb. 5. j 1'1900 zu Fechenbchi. b. £anaiu.SlUMUx welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen unerlaubter Entfernung, Diebstahls und Unterschlagung verhängt.
Es wird ersucht ihn zu verhaften und an die nächste Militärbehörde zum Weitertransport abzuliefern, sowie dem Truppenteil und hierher Nachricht zu geben. Bad-Nauheim, den 6. Januar 1920.
Gericht ReichSw. Brig. 18.
Der Ariede ist geschlossen.
Eine Kundgebung der Regierung.
Paris, 10. Januar.
Heute nachmittag 4 Uhr zeichneten im Quai b’Difay im Kabinett des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten Ministerialdirektor v. Simson und Frhr. v. Lersner in Anwesenheit der M tglieder des Obersten Rates das Protokoll vom 1. November. Sodann übergab Clemercrau die schriftliche Bestätigung über die Herabsetzung der Schadenelsatzforderung für Sc:pa
fragte er plötzlich, wie aus tiefen Gedanken erwachend.
„Degow? Nein wenigstens nicht in den letzten Wochen," , war die eilige Antwort. „Ich hörte vom Rechtsanwalt Willroth, daß er in Amerika sei. Warum meinen Sie, Herr Diedrich?"
„Weil ich," antwortete der Mmenbesitzer sehr ernst und nachdenk ich, „weil ich glaube, Sachse, daß die Krankheit Eurer Tochter dem unerwarteten Begegnen mit ihrem früherrn Geliebten, zuzuschreiben ist."
„Franz Degow:" rief Sachse in dem Tone ungekünstelter Ueberraschung. „Das ist doch ganz unmöglich!"
„Nicht so unmöglich, wie Ihr denkt, Sachse. Wißt Ihr nicht, daß Degow wieder im Dorf ist ? Er wurde heute abend gesehen, als er mit Willroth den Bahnhof verließ. Nehmt mein Wort darauf, Jutta hat ihn gesehen und daher natürlich ihre Aufregung."
„Wirklich, wirklich?" murmelte der andere, wie sich besinnend. „Sollte das möglich sein? Aber ich muß nach. Hause," setzte er dann hastig hinzu. „Ich bin so in Sorge um mein Kind."
„Einen Augenblick noch, Sachse! Es ist also wirklich ausgeschlossen, daß Juttas Hochzeit morgen stattfinden kann?"
„Es ist absolut unmöglich. Doktor Marschall besteht darauf, daß sie wenigstens acht Tage im Bette bleibt."
„Dann kann ich natürlich nichts dagegen sagen," brummte Diedrich enttäuscht. „Fatal, höchst fatal das ! Ich fürchte, das Aufschieben der Hochzeit wird viel unnützes Gerede geben. Nun jedenfalls müßt Ihr mir versprechen, daß Ihr Degow nicht vorlassenwollt, wenn er kommt und sie sehen will."
Flow. Damit ist der Frieden in Kraft gesetzt. Elemen- ceau erklärte, daß noch heute abend der Befehl zur Heimsendung der deutschen Gefangenen unterschrieben wird.
Paris, 11. Januar.
In der gestern nachmittag 4 Uhr 15 Min. westeuropäischer Zeit erfolgten Errichtung des ersten Protokolls über die Niederlegung der Ratifikationsurkunden zum FriedenSvertrage haben außer Deutschland folgende Signatarmächte des Friedensvertrages teilgenommen: England, Frankreich, Italien, Japan, Belgien, Bolivien, Brasilien, Guatemala, Panama, Peru, Polen, Stam, die Tschecho-Slowakei und Uruguay. Der Friedens- vertraz ist danach gemäß feinen Schlußbestimmungen im Verhältnis zwischen Drutschland und diesen Mächten zu dem bezeichneten Zeitpunkt in Kraft getreten. Dieser Zeitpunkt hat zugleich die Bedeutung, daß mit ihm der Ablauf aller nach den Bestimmungen des Frieben-ver- träges von seinem Inkrafttreten an zu berechnenden Fristen auch mit Wirkung gegenüber denjenigen Signatarmächten beginnt, die den Vertrag bisher nicht ratifiziert haben.
Aufruf an die scheidende» Volksgenossen.
Berlin, 10. Januar
Der Reichspräsident und die Retchsregierung haben folgende Kundgebung erlassen :
An die deutsche Bevölkerung der aus dem ReichS- verband ausschridenden Landesteile!
Der unglückliche Ausgang des Krieges hat uns wehrlos der Willkür der Gegner preiSgegeben und legte uns unter dem Titel des Friedens die schwersten Äpfer Trafr~-g)wT~^ man uns"äüfzwäng,
ist der Verzicht auf deutsche Gebietsteile im Osten, Westen und Norden. Unter Nichtachtung ihres Rechtes auf nationale Selbstbestimmung werden 100 000 deutsche Volksgenossen fremder Staatsgewalt unterstellt. Deutsche Brüder und Schwestern, nicht nur in der Stunde bei Abschieds, sondern tmmmerdar wird die Trauer über diesen Verlust unsere Herzen erfüllen, und wir geloben Euch im Namen des deutschen Volkes, daß wir Euch nimmer vergessen werden. Auch Ihr werdet des gemeinsamen deutschen Mutterlandes nicht vergessen, dessen find wir gewiß. Ueber die zerrissene StaatSgemeinschaft hinaus werden Eure Herzen Treue halten der deutschen Stammes- und Kulrurgemeinschoft, die eine Ä*ele Eures geistigen Lebens war und jeder Zeit bleibe» wird. Seien wir uns in dieser schweren Stunde des Verlustes des Köstlichen bewußt, was uns allen gemeinsames Gut bleibt, was keine fremde Macht uns rauben kann. Gemeinsam bleibt uns die Sprache, die uns die Mutter lehrte, gemeinsam die Welt der Gedanken
„Er wird nicht kommen."
„Das fragt sich. Leute seines Schlages pflegen nicht gerade darüber nachzudenken, ob sie anderen Schmerz und Aufregung verursachtN oder nicht."
„Ich werde jedenfalls dafür sorgen, daß ihr alles fern gehalten wird," erwiderte Sachse troken. „Ich denke jetzt nur an ihre Gesundheit. Mollte Gott, ich hätte das früher getan
Der Ton, in dem diese Worte gesprochen wurden, klang herausfordernd, fast feindselig, und der auf den Minenbefitzer gerichtete Blick schien die gleichen Gefühle auszudrücken.
Der Minenbesitzer blickte betreffen auf. Was ist Euch, Sachse?" fragte er scharf. „Ihr tut ja beinahe, als wollet Ihr mich für Juttas Krankheit verantwortlich machen."
„Ja natürlich," verfitzte der Bergmann unumwunden, „und Sie müssen ebenso gut wissen wie ich, daß ich ein volles Recht dazu habe." 63 gab kein fröhlicheres und glücklicheres Mädchen als Jutta, so lange sie mit Degow zusammen war; aber nachher, als er fortging, und sie sich von Ihnen überreden ließ, war es, als wenn alles verkehrt ging. Ich bin fe^: offen Herr Diedrich, aber ich denke, es wird endlich Zeit, daß ich auch einmal meine Meinung sage. Darf ich Ihnen jetzt eine Frage vorlegen, die ich schon lange zu stellen wünschte?"
„Gewiß, fragen Sie immerzu!"
„Durch welche Mittel veranlaßten Sie mein Kind, in die Heirat mit Ihnen zu willigen? Ich habe dies niemals begreifen können."
(Fortsetzung folgt.)