SchlüchternerZkitung
Anzeiger tür öte amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.
Bezugspreis frei Haus, vorau-zahlbar vicrtelj. 2,50 Mk., (durch die Pest ohne Bestellgeld). Erscheint -Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmcister, verantwort!. L. Hohmcister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge- schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
SchlöchtEr M-iMatt
Aeltcfte Zettuug im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
Illustriertes Sonntagsblatt aw)
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32 3t Dienstag) den 1S. Jannav 1920. ZL Jahrgang.
Amtliches.
J-Rk. 196 K.-G. I.
Arotversorgung des Kreises.
Er ist mir durch persönliche Aussprache bei der ReichSgetreidestelle in Berlin gelungen, zu erwirken, daß der Kreis alsbald mit Mehl beliefert wird. Das Mehl iß angewiesen; mit seinem Eintreffen kann bis Mitte dieser Woche gerechnet werden. Alsdann werden sofort die MehlverteilungSstellen beliefert werden, sodaß vom Donnerstag ab wieder eine regelmäßige Mehl- und Brotversorgung einsetzm kann.
Da die. Reichsgetretdestelle jedoch bei ihren zur Zeit sehr geringen Beständen nicht in der Lage ist, dem Kreise auch diejenigen Mehlmengen sogleich zu liefern, auf die er infolge der schon vor einiger Zeit eingetre^enen Erschöpfung seiner eigenen Vorräte Anspruch hat, muß die Nachlieferung der inzwischen rückständigen Mehlmengen an die Verbraucher Vorbehalten bleiben. Die Verbraucher, welche im Besitz von Brotkarten sind, die bis zum 13. d. Mts. nicht beliefert werden konnten, behalten ihren Anspruch auf Belieferung, der erfüllt wird sobald die Reichsgetretdestelle dem Antrag auf Nachlieferung entsprochen haben wird.
ES wird dahcr bestimmt:
1. Brotmarken soweit sie bis 13. Januar fällig waren, dürfen vom 14. Januar ab von den Bäckern und Mehlhändlern nicht mehr angenommen werden. Diese Marken werden ihnen nicht mehr gut geschrieben.
2. Hur Sicherung des Anspruchs der Berforgungs- berechtigten auf Nachlieferung von Mehl oder Brot werden vom Kreise Anerkenntnisse der bis mtlU- MtS. bei den Ortsbehörden geltend gemachten Ansprüche ausgestellt werden. Zu diesem Zweck haben die Bürgermeister und Gutsvorsteher alsbald durch ortsübliche Bekanntmachung zur Einreichung der verfallenen und nicht eingelösten Brotmarken aufzufordern.
Nähere Anweisung hierüber folgt durch Rundschreiben.
Schlüchtern, den 12. Januar 1920.
Der Landrat.
Bürgermeisterversammlung.
Zur Besprechung wichtiger und dringender Fragen hinsichtlich der Lebensmittelversorgung usw. lade ich die Öftren Bürgermeister und Gutsvorsteher auf Freitag, den 16. Januar, vormittags 9 Uhr hierher — KreiShaus -r- Hiermit ergcbenst ein. Schlüchtern, den 12. Januar 1920.
Der Landrat.
Der „Krieden".
Berl'n, 10. Januar.
Mit dem für heute nachmittug in Paris anberaum ten Austausch der Ratifikationsurkunden und der darauffolgenden Errichtung des Protokolls über die Niederlegung der Ratifikationsurkunden tritt der Frieden in Kraft. Zugleich werden, wie in einer Note der Alliierten mtgeteilt wird, die interalliierte „Hche Komm ssion für das besetzte Gebiet", die „Wirdergut- machungskommission" und die interalliierten Ueber- wachungSausschüffe ihre Tätigkeit aufnehmen. Wegen des TätigkeitSbeginnens der übrigen im Friedensvertrag vorgesehenen Kommissionen werden seitens der Alliierten noch nähere Mitteilungen erfolgen-,
Die Entlassung der Kriegsgefangenen. Zuerst die Rheinländer.
Köln, 9. Januar.
I Die Reichsstelle Köln für KriegSgefangenenrückkehr schreibt: Nach Mitteilung des französischen Oberkom- Mandos in Mainz beginnt zwei Tage nach der Ratisi- Kation des Friedens der Abtransport der Kriegsgefangenen ^aus Frankreich, und zwar werden zunächst die im besetzten Gebiet beheimateten zurückgeführt werden. Die Gefangenen kommen in Sonderzügen in die Durchgangslager, Gießen, Dürcn, Jülich und Eschweiler bet Aachen, s und zwar in jedes Lager voraussichtlich täglich ein Zug Mit etwa 1600 Mann. Die Gefangenen bleiben in diesen Lagern 48 Stunden zur Einkleidung und Aus- stellung ihrer Papiere. Sie dürfen während dieser die Lager nicht verlassen. Es ist erlaubt, aus Lager an ihre Angehörigen Postkarten mit An- tunftsbenachrichtigung abzusenden.
Ein formeller Empfang in den Lagern und gemeinsame Kundgebungen sowohl seitens der Kriegsgefangenen wie seitens der Bevölkerung auf den Straßen oder den zu durchfahrenden Bahnstrecken, Ausschmückung der Bahnhöfe ist untersagt. Die Rückkehr der Kriegsgefangenen darf nur im Kreise der Angehörigen innerhalb des Hauses festlich begangen werden. Jeder politische Anstrich muß ausgeschlossen sein.
Der Abtransport aus den genannten Lagern erfolgt nach Möglichkeit in besonderen Transportzügen oder in Zügen des öffentlichen Verkehrs. Im Anschluß an die Rheinländer folgen die übrigen deutschen Gefangenen. Diese fahren durch das besetzte Gebiet unmittelbar in die Durchgangslager des unbesetzten Gebietes, von wo sie entlassen werden.
Deutsches Reich.
— Berlin. Wie die Blätter berichten, hat die Entente zugesagt, von den in Frankreich befindlichen deutschen Kriegsgefangenen 6000 Mann täglich Heimzu- scnden. Es wird damit gerechnet, daß bis Ende April die 450 000 Mann in der Heimat angelangt sein können.
— Berlin. Wichtig für die ausgewiesenen Elsaß- Lothringer. Durch das zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossene Abkommen betr. die Freigabe des noch in Elsaß-Lothringen befindlichen beweglichen Besitzes Deutscher am 15. November 1919 wurde eine gemischte Kommission gebildet, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, daß die Freigabe des den Gegenstand dieses Abkommens bildenden Besitzes und dessen Abbe- fa*.^,ruttg nack ®euttolrt«h Itntof «‘&aiyüfc eR«aio — Bedingungen und im Geiste dieses Abkommens bewirkt wird. Die Kommission, an die sämtliche die Herausgabe des beweglichen Besitzes betreffenden Gesuche und Anträge zu richten find, hat ihren Sitz in Kehl. Die Anschrift an sie lautet: „Deutsche und französische Möbelausfuhr Kommission, Hotel zum Samen, Kehl". Gesuche und Anfragen, die in dieser Frage an andere Behörden, insbesondere an das Auswärtige Amt oder an die deutsche Delegation in Baden-Baden gerichtet werden, erleiden dadurch nur Verzögerung in ihrer Erledigung.
— Vertreter der Industrie bei Ebert. Der Reichspräsident empfing am Mittwoch im Beisein des Reichskanzlers und der Reich-minister Schiffer und Maier das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie. Der Verbandsvorsitzende Dr. Sorge wies insbesondere auf die einseitige Berücksichtigung der Verbraucherintereffen hin. Der Redner bat den Reichspräsidenten, seinen ganzen Einfluß mit allem Nachdruck dahin geltend zu machen, daß im neuen Jahre eine einheitliche und kraftvoll durchgeführte Produktionspolitik getrieben würde. In feiner Erwiderung führte der Reichspräsident u. a. aus: Eine der Bedingungen zur Erreichung dieser Ziele sei die Hebung der stark gesunkenen Arbeitsfreudigkeit der Arbeitnehmer. Die Retchsregierung sei entschlossen, jeder unberechtigten Arbeitsverweigerung im Interesse der Allgemeinheit und im Interesse der Arbeitnehmer selbst entgegenzutreten. Sie erblicke aber auch andererseits ihre Aufgabe darin, die berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer so zu erfüllen, wie es zur vollen Entfaltung der gewerblichen Produktion erforderlich sei. Den Vorwurf einseitiger Juteressenpolitik wies der Reichspräsident zurück. In mehrstündiger Aussprache wurde die wirtschaftliche Lage des Reiches nach den verschiedenen Richtungen hin erörtert. In denProduk- ttonsfragcn trat dabei eine weitgehende Uebereinstimmung zu tage.
— Zu der in vielen Zeitungen angekündigten Hungersnot steht diese denn doch noch nicht so unmittelbar vor der Tür, wie die Meldungen des Berliner Magistrats besagen. Es trifft vor allem nicht zu, daß die ReichSgetreidestelle nur noch für vierzehn Tage die Versorgung wird aufrechterhalten können. Sie ist vielmehr auf Grund der erfolgten Lieferungen und der ihr zurzeit angekündigten Verladungen von Getreide auf etwa 1 bis IV* Monate gedeckt. Auf Grund der bisher gesammelten Erfahrungen ist ein Steigen der Anlieferungen, das die Versorgung weiter sicherstellt, um so bestimmter zu erwarten, als die deutsche Getreideernte nicht ungünstig war, und eine gewisse Zurückhaltung in den Anlieferungen im Dezember vorigen Jahres nur darauf zurückzuführen ist, daß man in landwirtschaftlichen Kreisen die Einführung der Ablieferung».
Prämie abwartete, deren Kommen aus den mit dex Vertretern der Landwirtschaft geflogenen Besprechungen bereits bekannt war. Hinsichtlich eine» gegen Ende des Versorgungsjahres zu erwartenden Defizits wird eine Deckung durch entsprechende Einfuhr sichergestellt werden. Durch die kürzlich getroffene Neuregelung der deutschen Warenausfuhr steht bestimmt zu erwarten, daß die Reichsregierung ausreichende Auslandsdevilen in Händen haben wird, um utu notwendigsten Getreidebedarf auch für den Schluß de» Versorgungsjahres sicherzustellen.
— Berlin. Ueber 4000 Kommunisten verhaftet. Nach dem Berliner Lokalanz. meldet die Daily Mail aus Newpork, daß der Justizminister bekannt gab, daß im Ganzen über 4000 Kommunisten und andere Revolutionäre im ganzen Lande bis jetzt verhaftet worben sind. Aus den beschlagnahmten Schriftstücken geht hervor, daß die Kommunisten in engster Verbindung mit Rußland standen und die Gründung einer Sowjet Republik in Amerika erstrebten.
— Die französische Regierung hat der Kammer eine Vorlage zugehen lassen, die die alsbaldige Inangriffnahme des Baues von strategischen Eisenbahnen im Elsaß und in den Vogesen vorsieht. Es ist der Bau von solchen Linien beschlossen worden, die unter Durchquerung der Vogesen eine direkte Verbindung zwischen den zentralen französischen Waffenplätzen und den französischen Garnisonstädten am Rhein vermitteln.
— Basel. Wie die französischen Zeitungen mitteilen, werden Ende Januar in Elsaß-Lothringen 11000 Rekruten des Jahrgangs 1919 eingezogen und lur Ableistuna
oenaeyoarren zremzssfrschen Departements kaserNert, wie in Nancy, Toul, Belfort, teils auch in entfernteren Garnisonen wie Chalons, Dijon, Versailles und Tom». Was den Rekruten-Jahrgang 1920 anbetrifft, so hat die französische Militärverwaltung für das ganze Land einschl. Elsaß Lothringen die Einberufung, vom Monat März an in Aussicht genommen. Die Elsaß-Lothringer werden also vollständig zum Militärdienst her««- gezogen.
— Washington. Die bolschewistische Bewegung in Amerika. Großes Aufsehen erregt hier die Nachricht daß daß Justiz- und Polizeidepartement auf seine« Listen die Namen von über 60000 Extremisten führe und daß in der nächsten Zeit weitere Verhaftungen vorgenommen werden würden.
— Mexiko. Nach einer amtlichen Mitteilung ist Gonzales bei dem Erdbeben am letzten Sonntag zerstört worden. 2000 Menschen find verunglückt, darunter 1000 tot.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 12. Januar 1920.
—* Weiterer Schulbesuch. Die Entscheidung über den ferneren Schulbesuch der erwachsenen Jugend ist nicht leicht, denn alle Berufe, zu welchen die hohe Schule vorbereitet, sind überfüllt. Nur wirklich Tüchtige sollen diesen Weg einschlagen, um nicht Enttäuschungen zu erleben. Darum kommt der Besuch von Fachschulen mehr als früher in Frage. Z. B. für Handel, Landwirtschaft, Kunstgewerbe, Schiffahrt, Gewerbe Werkmeister, Bergwerk, Gartenbau, Holzindustrie, Technik und Gewerbe bieten auch dem weiblichen Geschlecht oft eine Existenz.
—* Aufhebung der Bestellgebühren. Da bei« Publikum Unklarheiten darüber bestehen, in welchem Umfange Bestellgebühren zu zahlen find, wirb darauf aufmerksam gemacht, daß mit der Erhöhung der Postgebühren am 1. Oktober 1919 die Erhebung von Bestellgeldern bei Paketen, Wertbriefen, Postanweisungen und Zahlungsanweisungen in Wegfall gekommen ist. Nur noch für Eilsendungen, wenn das Bestellgeld vom Absender nicht vorausbezahlt ist, und für das Abtrage« von Zeitungen werden von den Empfängern noch Bestellgebühren erhoben.
—♦ Der Winter ist noch lang, darum mit dem Heizmaterial sparsam umgehen. Die Lieferungen find noch nicht überall sicher. Die Tage fangen jetzt an, merkbar länger zu werden, dann pflegt das Thermometer am tiefsten zu sinken. Auf heile Schuhe und Stiefel ist deshalb zu achten.
—* An politischer Schulung fehlt eS den Einwohnern unserer Stadt in der Gegenwart nicht. Nachdem am verflossenen Dienstag Herr Prof. Dr. Kiefer als Vertreter der deutschen liberalen Volk-partei in