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Zlhljjchkrner Zeitung Änzeiger für Öte amtlichen Rekannimachungen im Kreise Schlüchtern. Schküchterner Meisßlatt Aeltefte Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Illustriertes Sonntagsblatt aw)

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertel;. 2,50 Mk., (durch die P»st ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 25 Pfg., Reklamezeile 50 Pfg. Bei Betriebs- stSrungcn kein Schadensersatz oder Minder« gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

M 2.

Dienstag, den 6. Januar 1920.

ZL Jahrgang.

Eine Kuudgtöimg Werts.

Der Reichspräsident Hai den Reichskanzler gebeten, folgende Kundgebung zum Neujshrstage zu veröffent­lichen r

In dem vergangenen Jahre ist zwar das Chaos abgewehrt, die Einheit des Reiches erhalten und ge­festigt worden. Indessen mußte unter dem Druck rücksichtslosen Zwanges ein Frieden geschlossen werden, der die Ehre unseres Volkes, seinen Wohlstand, die Früchte vergangener und künftiger Arbeit fremder Gnade zu überantworten droht. Das heute beginnende Jahr muß entscheiden, ob die Teutschen trotz allem als Nation, Staat und Wirtschaft sich zu behaupten hoffen können, oder durch inneren Hader, dem sich äußerer Haß zugesellen wird, in endgültigem Zusammenbruch auch die Hoffnungen ihrer Kinder begraben müssen. Diese Schicksalsfragen vor Augen, bitte ich heute alle, die sich Teutsche nennen, in der gemeinsamen Rot die Reihen zu schließen und ein Jeder an seiner Arbeits­stelle für den Wiederaufbau unseres Vaterlandes das äußerste zu tun.

Berlin, 1. Januar.

Der Reichspräsident: (gez.) Ebert.

Privatjaushalt und LZxussteuer.

Von Dr. Hans L i e s k e, Prien am Chiemsee.

Wegen Umzugs ist der Verkauf eines Pianos not­wendig geworden. Der gangbarste Weg, ihn zu be­werkstelligen, ist regelmäßig der der Zeitungsanzeige. Auf das Inserat hin meiden sich Käufer. Bei Be­messung des Kaufpreises muß nun auf die für die Ent­richtung der Luxussteuer zu 10 Proz. erwachsende Ausgabe Bedacht genommen werden. Wer also für das Piano 4000 Mark lösen will, ist genötigt, einen Kauf­preis von 4400 zu fordern.

Bei der Bezahlung wird dem Käufer eine Quittung über 4000 Mk. ausgestellt. Die Luxussteuer van 400 Mk. wird durch Stempelmarken entrichtet, die bet jeder Postanstalt erhältlich sind. Diese Marken werden auf die Vorder- oder Rückseite der Quittung an eimr be­liebigen freien Stelle aufgeklebt und entwertet. Die Entwertung erfolgt dadurch, daß Tag, Monat u. Jahr der Verwendung der Marke an der lm Vordruck dafür vorgesehenen Stelle mit Tinte eingesitzt werden. Ab­kürzungen, z. B. 1. 10. 19, sind zulässig. Zuletzt notiert sich der Verkäufer Namrn, Stand und Wohnort des Käufers.

Viele ünferer Leser haben seit dem Bestehen dieses reichlich ein Jahr alten Gesetzes gewiß schon Käufe oder Verkäufe ähnlicher Art geschlossen, ohne die Steuerver­pflichtung gekannt und ihr entsprochen zu haben. Wenn

Veogmann» Tschtevlein.

Roman von Martin Förster. 46 (Fortsetzung.)

Er ist in Langenau, sage ich Dir." Der junge Mann lächelte überlegen, während er dies sagte.Ich sah Degow mit dem Rechtsanwalt AiLroth aus dem Bahnhof« herauskommen, und ich hörte den letzteren Deogw beim Namen nennen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß ich mich geirrt habe."

Alle Wetter! Was kann dies bedeuten?" mur­melte der Minenbefitzer erbleichend.Er und dieser Willroth zusammen, die müssen etwas Teuflisches vorhaben! Das ist ja eine ganz verdammte Geschichte! Wohin gingen sie denn?"

Nach dem Dorfe zu. Ich machte mich natürlich fort, weil ich kein Verlangen hatte, ihnen zu begegnen."

Du hättest sie beobachten müssen, ihnen folgen sollen," brummte Albert wütend.Was mögen die beiden haben? Bas ist zu tun, Hermann? Mensch rate mir!"

Ich meine, Du solltest die Polizei gleich von Degows Rückkehr benachrichtigen und ihn verhaften lassen."

Das wird das beste sein. Ja, ja. Gehe doch sofort zur Polizeistatio» und sprich mit dem Inspektor. Sage Kahle, ich müßte ihn sehen, wenn möglich gleich. Und nun schnell fort I Ich will im Hause warten bis Du mir Nachricht bringst. Aber merke Dir, nicht ein Wort über den fingierten Raubanfall! Zu keiner lebendigen Seele, hörst Du? Franz Degow darf nicht entlastet werden. Er muß dafür ins Gefängnis. Nun

sie bisher von unliebsamen Scherereien mit den Steuer« ämtern verschont blieben, so ist das nur der übergroße» behördlichen Arbeitslast und der dadurch hervorgerufe- ncn mangelhaften Kontrolle der LsMsteuer-Entrichtunq zuzuschreiben. Für die nahe Zukunft dürfte jedoch in Anbetracht der äußerst gesteigerten Geldbedürfniffs des Reiches mit sehr strengen Maßnahmen zu rechnen sein, zumal es sich hier durchweg um recht beträchtliche Steuerbeträge handelt.

Auch die Verwendung der Chiffreanzeige ist kein sicherer Weg zur Steuerhinterziehung, denn das Steuer­amt wird bei allen möglichen Anlässen, z. B. Steuer­erklärungen, Erbschaftsangelegenheiren, Prüfungen der Ctnkommensverßälmiffe usw. von derlei Verkäufen Kenntnis erhalten. Die Nichtentrichtung der LuxuS- steuer aber ist mit hohen Strafen bedroht. Der beste Schutz ruht deshalb immer in der Erfüllung der uns auferlegten Steuerverpflichtungen.

Die Art dieser Verpflichtung ist für Käufer und Verkäufer verschieden. Den Verkäufer weist das Gesetz an, dem Abnehmer binnen 14 Tagen eine Quittung auszustellen, und in der angegebenen Weise zu versteuern. Unterläßt er es, so muß der Käufer dem Steueramte unter Einzahlung des Steuerbetrages von dem erfolgten Verkäufe Kenntnis geben. Bestraft wird der Verkäufer, der sein Empfangsbekenntnis ausgestellt und der Käufer, der in einem solchen Falle die Einzahlung der Steuer beim Steueramte unterläßt.

Wird der Kaufpreis in Raten erlegt, so ist über jede Ratenzahlung Quittung zu erteilen und dieselbe zu versteuern. Das EmpfäLgSbekenaUris muß entfalten : Den Namen des Verkäufers, Namen und Wohnort des Käufers, Angabe des Gegenstandes, Kaufpreis, Tag der Zahlung oder Ratenzahlung und den Steuerbetrag. Ein Beispiel sür solch eine Quittung:

Empsangsbekenutnis

für ein Klavier zum Preis von Mark 4000, mit Worten: viertausend Mark wurden mir heute von Herrn Josef Meter, Buchhalter in Mannheim, Bahn­hofsstraße 14; 2. St, bezahlt.

2000 Mark als erste Teilzahlung

200 für Luxussteuer, 10 Prozent

2200 Mark in Summa

Mannheim, 10. Oktober 1919.

Josef Huber, Lehrer.

Wird der Luxusgegenstand an einen Ländler verkauft, so entfällt die Entrichtung der Luxussteuer. Ueber dieses Verfahren soll gesondert berichtet werden. Die versteuerbaren Luxusgegenstände werden vom Gesetze etnz.ln ausgeführt. Wir finden hier Dinge genannt, deren Besitz uns in verflossenen goldenen Zeiten absolut nicht als Luxus anmutete. Denn wer hätte wohl früher

Die Abenddämmerung hatte sich in völliges Dunkel verwandelt, und Herr Albert Diedrich fchritt in dem großen Zimmer des Herrenhauses, in welchem er Besuche zu empfangen pflegte, auf und nieder. Die Nachricht von Degows Rückkehr drohte alle feine schlau eingefädeten Pläne über den Haufen zu werfen. Angst­gefühle bestürmten seine Brust, und sein Gewissen, welches jahrelang furchtlos geschlummert halte, begann ihn gewaltig zu peinigen. Er hatte die Vorhänge schließen und tas Gas anzünden lassen, und versuchte nun, ruhiger zu werden, indem er sich selbst einen Narren nannte, der ohne Grund Gespenster sah.

Es war eine Stunde vergangen, seit er sich von seinem Neffen getrennt hatte, und er erwartete nun ihn und den Inspektor Kahle mit Ungeduld.. Als ein Klopfen an der Tür sich vernehmen ließ, und da» Gesicht des Hausmädchens sichtbar wurde, hoffte er, daß sie endlich gekommen feie». Statt dessen sagte das Mädchen, welches erst vor kurzem neu in den Haushalt eingetreten war:Ein Herr wünscht Sie zu sehen, Herr Diedrich."

Ein Herr, wer ist es?" fragte er scharf.

Er sagte, sein Name sei Sachse."

Führe ihn herein !" Als das Mädchen verschwand, murmelte er bet sich:Dumm! Recht bumm! Ich muß ihn loszuwerden versuchen, ehe die anderen kommen I"

Im nächsten Augenblick ertönte ein rasches Klopfen, und gleich darauf trat der Unteraufseher herein.

Er sah halb eerkgin, halb entschleffe» aus und schien die dargereichte Hand seine« Herren und bem« nächstigen Schwiegervaters nur widerwillig anzunehmen.

Setzt Euch, Sachse I" sagte der Letztere, nur mit

ein Klavier, eine Handwaffe, einen Photograph«n«ppa rat, ein Billard, einen Teppich, ein Fell, eine Taschen­uhr über 100 Mk. als LvxuSgcgenstand empfunden?

Daß Edelmetalle, Prrlen, Erelsteine, wertvollere Werke der Plastik, Malerei und Graphik dem S»yui zuzählen, versteht sich ja von selbst. Zu Gunsten deut­scher lebender oder Innerhalb der letzten fünf Jahre verstorbener Künstler gelten übrigens von der Steuer befreiende Sonderbestimmungen. Die Einzelaufzählung mag dem Leser mit Rücksicht auf die zahlreichen Verklausulierungen unter der wiederholten Versicherung erspart bleiben, daß die Steuer fest zupackt. JnZwet- felsfällen darf man also ruhig in dem gekauften oder begehrten Objekt einen Luxus im Sinne des GesctzcS wittern und vorsichtigerwuse das nächste Umsatzsteuer- amt zu Rate ziehen.

Deutsches Reich.

- Berlin. Besuch der KriegSzesauzen. Die Kommission der Geistlichen, die die Aufgabe h«t, unsere kriegsgefangenen Brüder in Frankreich zu besuchen, um ihnen Grüße aus der Heimat z» überbringen, setzt sich aus sechs Mitgliedern zusammen, von denen drei evangelischen und drei katholischen Konfessionen nnge» hören. Von evangelischer Seite nehmen Pfarrer JaekelGroß-Lichterfelde, Pfarrer Le Seur und Pfarrer D. Dr. Schubert Berlin teil. Die katholischen Mit­glieder der Kommission sind Parrer Koch und Pfarrer Paffrath aus Paderborn, sowie'Pfarrer Schlueter aus B.gge an der Ruhr. Die evangelischen Geistlichen verließen am Scmttag av^- ä^tün, um sich üb» Köin vorerst nach Paris zu begeben, die katholischen Geistlichen werden ihnen von Paderborn aus folgen.

Paris, 2. Jan. . (Die Geistlichen bet den Ge­fangenen.) Die hier angekommenen evangelischen und katholischen deutschen Geistlichen find heute vormittag in Begleitung französischer Offiziere in drei Gruppen in die Provinz gereist, um die deutschen Kriegsge­fangenen zu besuchen. Sie werden Montag wieder in Paris erwartet.

Berlin. Das Valutaproblem. Der Direktor der niederländischen Staatsbank veröffentlicht Betrach­tungen über das Valutaproblem. Es betont, daß Deutschland sich nur retten könne, wenn es die weitere Ausgabe von Papiergeld einstelle, sonst müßten die deutschen Bürger dem Hungertode ausgesetzt werde».

Berlin. Wiedereinführung der Goldzölle? Die Berliner Börsenztg. erfährt von zuverlässige» Seite aus Amsterdam, daß die deutsche Regierung unter Zustimmung der Entente die Wiedereinführung der Goldzölle beschließen werde. Eine hierauf bezügliche

Mühe seine Ungeduld bekämpfend.Habt Ihr mir etwas zu sagen?"

Ja, deshalb bin ich hier, Herr Diedrich, sagte Sachse, der sichtlich nach Worten rang.

Nun, wen betrifft es denn?"

Es betrifft Jutta."

Was ist mit ihr? forschte Diedrich, unwillkürlich erbleichend.

Sie werden überrascht sein, Herr Diedrich, aber," Sachse sprach langsam und mit augenscheinlicher An­strengung,es tut mir selbst leid, daß ich ei sagen muß, morgen kann keine Hochzeit stattfinden."

Was sagt Ihr?" rief Diedrich erschrocken. Seine Nerven waren bereits aufs Höchste angespannt; diese Nachricht hatte gerade noch gefehlt, um seine Erregung zum äußersten zu steigern. Warum nicht ? Um Gotte«- willen, was ist mit Jutta?"

Sie ist krank," sagte der «ndere mit tonloser Stimme.

Was? Sie war doch vor wenig Stunde» noch ganz gesund?"

Es ist so plötzlich gekomme«, es war ein Anfall. Wir haben solche Angst um sie gehabt. Jetzt ist es besser, aber der Doktor sagt, daß ste sehr geschont werden muß, und noch sehr lange."

Um Gotteswillen, daß ist ja schrecklich!" Diedrich rannte ein paar Mal wie verzweifelt im Zimmer auf und ab. Dann blieb er stehen und maß seinen Be­sucher mit einem argwöhnischen Blick.Dies scheint mir aber doch gar zu sonderbar und plötzlich," setzte er in scharfem Tone hinzu.Ich begreife es nicht, wie kam sie denn zu dem Anfall?"

Gott weiß, wie es kam."

(Fortsetzung folgt.)