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Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise 8chtüchtern.
Bezugspreis frei Haus, vorauszahlbar Viertelj. 2,50 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. 8. Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
Schsiichtmur Sreisßlatt Aelteste Zeltuvg im Kreise; gegründet im Jahre 1849. Illustriertes Sonntagsblatt (uw)
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S*m#t»6, den 5. Januar 1920.
71. Jahrgang.
Amtliches.
Auf Grund des § 5 der Bekanntmachung der Reichskanzlers vom 25. 9. 15 ordne ich hiermit an, daß alle Geschäftsinhaber, welche Gegenstände des notwendigen Lebensbedarfs im Kleinhandel feilhalten, Verpflichtet sind, ein Verzeichnis in ihren Verkaufsräumen oder an ihrem Betriebsstand anzubringen, aus dem der genaue Verkaufspreis der Waren im einzelnen sowie ein etwa vorgeschriebener Höchstpreis ersichtlich ist.
Zuwiderhandlungen werden auf Grund der §§ 17 bis 19 der Bekanntmachung über die Einrichtung der Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 25. 9. 15 mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.
Schlüchtern, den 31. Dezember 1919.
Der Landrat.
J.Nr. 10338 K -A. Nachdem den Ijerrn Stan' desbeamten des Kreises die Standesregister und Formulare für das Jahr 1920 zugegangen find, ersuche ich die Kosten für die alphabetischen Register innerhalb 8 Tagen an die Kleisausschußbürokaffs hierselbst ab- sühren zu wollen.
Die Kosten fallen den Gemeinden des betreffenden Standesamtsbezirks zur Last und sind folgende:
Schlüchtern 2,55 Mark Salmünster 2,20 „ Soden 1,05 „ Steinau 2,55 „ Elm 1,05 „ Gundhelm T/JS' „ Heubach 1,90 „ Hintersteinau 1,90 „ Hohenzell 1,90 „ Marjoß l,05 „ Mottgers 1,05 „ Neuengronau 1,05 „ Oberkalbach 0,90 „ Oberzell 0,90 „ RomSthal 1,05 „ Sannerz 1,90 „ SchwarzenfelS 0,90 „ Sterbfritz 1,20 „ Ulmbach 2,05 „ Uttrichshauftn 0,90 „ Vollmerz 1,90 „ Wallroth 1,05 „ Züntersbach 0,90 „ Hütten 3,70 „ Schlüchtern, den 29. Dezember 1919. Der Landrat. von Trott zu Solz.
Versmann» Csetztertei».
Roman von Martin Förster. 45
(Fortsetzung.)
Ich habe mir so lange den Aerger verbissen. Du hast mich schön an der Nase herumgeführt, als Dum^r Hoffnung machtest, Jutta Sachse ^ gewinnen, wenn ich diesen Grasaffen Degow aus dem Felde schlüge. Und ich mache den schlauesten Plan von der Wel, rw.tere alles mögliche dabei, und als ich am Ziel zu fe.it glaube, schnappst du mir den Preis weg.
Albert Diedrich war stehen geblieben und maß den Neffen von Kopf bis zu den Füßen.
„Was faselst Du, Mensch?' brummte er geringschätzig. „Wenn das Mädel Dich nicht woll e, sollte ich etwa aus Edelmut gleichfalls zur^ckstehrn.
„Sie liebte diesen Degow"/sagte der Neffe kurz und schroff. „Und sie hätte ihn geheiratet, wenn ich nicht gewesen wäre. UebrigenS —"
„Wenn Du nicht gewesen wärest?" unterbrach ihn sein Onkel. „Was soll' das heißen?" E-kläre Dich deutlicher! Dir scheint nicht ganz wohl zu sein!"
„Ich sage Dir, wenn ich nicht gewesen wäre, würde Franz Degow noch hier im Dorfe sein, und Jutta Sachse würde morgen nicht etwa mit meinem Onkel, sondern mit Degow zum Traualtar gehen."
„Unsinn! Verrücktheit! Du weißt nicht, was Du faselst," rief der Bergwerksbefitzer in steigendem Zorn. „Der Halunke verließ Langenau so eilig, weil er sonst gefälligst ein paar Monate hätt« brummen muffen/'
Deutsches Reich.
— Der Papst für einen besseren Frieden. Der Papst empfing die Kardinäle und entbot ihnen Weih- nachtSgrÄße. In einer Erklärung sagte er, daß diejenigen, welche meinten, die Gesellschaft zu reorganisieren, nur daran gedacht zu haben schienen, daß man den Besiegten eine gerechte Strafe auferlegen müffe, daß man aber andererseits n1^ versuchen sollte, sie zu vernichten.
— Die Sicherheit Belgiens soll fünf Jahre lang von Frankreich und England garantiert werden, dann soll der Völkerbund an ihre Stelle als Schutzmacht eintreten. Die Bedingungen, unter denen Belgien die Handelsbeziehungen mit Deutschland wieder aufnehmen kann», werden zurzeit in einem Gesetzentwurf festgelegt.
— Leipzig. Der neue Reichsgcrichtsprästdent. Im großen Festsaal des Reichsgerichts fand in Anwesenheit sämtlicher Mitglieder und Beamten des Reichsgerichts und der Reichsanwaltschaft die Vrr- abschiedung des bisherigen Reichsgerichtspräsidenten Frhrn. v. Seckcndorff und die Einführung des neu- ernannten Präsidenten Delbrück durch den Reichs- justtzminister Schiffer statt.
— Zur Beschlagnahme der deutschen Auslandsguthaben schreibt die Reichsregierung: „Nach einer Meldung des „Temps" soll der Oberste Rat in Paris vor einigen Tagen auf Grund des Versailler Friedensvertrages der Beschlagnahme der deutschen Guthaben im neutralen Ausland für die Zweck« der Wiedergut- machuna «uaeßiMMt, hoben. :
unmöglich den Tatsachen entsprechen. Es ist nicht ersichtlich, welche Handhaben der Entente zur Verfügung ständen, um das deutsche Privateigentum im neutralen Ausland für die Deckung ihrer Schadenersatzforder- ungen in Anspruch zu nehmen. Der Friedensvertrag enthält keinerlei Bestimmungen, die ein solches Vorgehen ermöglichen würden.
Paris. Die Verhandlungen Frhr. v. Lersners mit dem Generalsekretär der Friedenskonferenz Dutasta nehmen einen befriedigenden Verlauf und lassen eine Einigung in aller Kürze erwarten. Wie verlautet, sollen die Ratifikationsurkunden am 6. Januar nachmittags 4 Uhr ausgetauscht werden.
Aas zur Urzeugung der durchschnittliche« Wayrungswenge pro Kopf nötige Land.
(Schluß.)
In den Kleinbetrieben versorgt also 1 Hektar rund 14 Personen mit der Kriegsbretration. Nun entfiel auf 1 Hektar Roggen- und Weizmland in Hessen laut
„Sehr richtig. Aber es wäre niemals so weit gekommen, wenn ich nicht mein Gehirn angestrengt und ihm eine Falle gelegt hätte. Jh war es, der ihn forttrieb. Auf meine Veranlassung wurde er verhaftet."
„Mensch, bist Du wahnsinnig?,,
„Höre mich an, Onkel! Ich will Dir alles gestehen."
Der junge Mann trat dem Onkel plötzlich gegenüber und legte entschlossen seine Hand auf dessen Schulter.
„Also die Geschichte von dem Raubanfall beruhte von A bis Z. auf meiner Erfindung. Ich erdachte sie, ich führte sie aus in der Absicht, Degows Ruf zu untergraben und ihn auf eine gute Art loszuwerden. Ich habe das Geld roch zu Hause, und Du kannst es bekommen wenn Du willst. Ich war es, der nachts in Degows Wohnung ging und die Banknoten in seine Sparbüchse einschmuggelte, während er im Schachte arbeitete und das Haus leer war. Durch mich wurde er verdächtigt und verhaftet, und als er entwischte, obgleich er nichts getan hatte, da drängtest Du Dich vor und griffst nach dem Preis, um den allein ich mir alle Mühe gemacht hatte."
Aus den heftig hervorgeschleuderten Worten des Sprechenden klaag Haß und Bitterkeit, und der Onkel fühlte sich durch die ungeahnten Enthüllungen derartig überwältigt, daß er zuerst kein Wort hervor bringen konnte.
„Aber das ist unmöglich!" keuchte er zuletzt.
„Es ist bU Wahrheit, und Du weißt es jetzt," fegte Hermann nachdrücklich. „Ich machte mich zu einem Werkzeug für Dich, ohne daß Du es ahntest. Aber hätte mir jemand gesagt, daß ich meinen guten
Reichsstatistik 1919 (für 1918 sind uns die Zahlen augenblicklich nicht zur Hand) 1,19 Hektar anderweitiges Ackerland (Hafer, Gerste, Spelz, Kartoffeln), so daß zur Versorgung von 14 Personen in den Kleinbetrieben des Kreise» Friedberg eine Gesamtackerfläch« von 2,19 Hektar - 21900 gm erforderlich war. Auf eine Person entfiel 21900:14 —1560 qm. Es ist zu beachten, daß nach der Reichsstatistik die Ernteerträge des Reiches in Weizen und Roggen sich zu den Ernteerträgen Hessens wie 0,86:1 verhalten (im Jahre 1916). Berücksicht man ferner, daß der Kreis Friedberg in der korngesegneten Wetterau gegenüber dem Durchschnitt Hessens auch wieder höhere Erträge bringt, so wird man das Verhältnis mit etwa 0,75:1 festsetzen können. Demzufolge entsprechen 1560 qm in Friedberg einer Ackerfläche von 1560:0,75 2080 qm im Reiche.
Diese Zahl ist um etwa 30*7, größer als di« Angabe Ragnar Bergs, doch erscheint die Ueberein- stimurung für Ueberschlagszwecke genügend, um sowohl zur Verläßlichkeit der Berg'schen Zahlen, als auch zur Richtigkeit der hier gezogenen Schlüsse Vertrauen zu gewinnen. Es ist ja auch zu hoffen, daß die Ernteerträge bald wieder den Friedensstand erreichen werden, ^der — besonders bezüglich Roggen — die während des Krieges erzielte Ertragshöhe wesentlich übersteigt. Allerdings ist andererseits zu beachten, daß die Kriegsbrotration weder nach der Menge, noch nach der Güte des Brotes eine ausreichende Ernährung verbürgt. Es wird daher vorsorglich künftig mit einer höheren Tageskopfmenge zu rechnen sein.
Im Anschluß an diese Erwägungen erhebt sich die ytagv> w wt "drnrfitzr-;.^^Hrvra' ahnch^-.?- ;» hr Lage ist, Deutschland mit Brotgetreide zu versorgen. Auch diesbezüglich gestattet die Reichsstatistik eine Beurteilung. Im Jahre 1919 war die Gesamtacker- fläche des Reiches (Roggen, Weizen, Spelz, Gerste, Hafer, Kartoffeln) 12,643 177 Hektar. Beim Ansatz von 2080 qm je Person, könnten demnach 12,64317 7 Hektar 0,208 rund 61 Millionen Menschen (des alten Deutschlands) ernährt werden. Das Ergebnis ist also für den Volkswirt ein sehr unbefriedigendes. Berücksichtigt man ferner, daß mit den Ueberschuß- gebieten Ostpreußen, Westpreußen, Posen und voraussichtlich auch Oberschlefigen künftig nicht mehr gerechnet werden kann, so verschlechtern sich die Ausfichten auf inländische Deckung des Bedarfs noch mehr, und man kommt zum Schlüsse, daß für die Brotgetreideversorgung etwas Durchgreifendes geschehen müsse. Das Nächstliegende wäre ein Versuch, die Anbauflächen von Wetzen und Roggen zwangsweise zu vergrößern. Dies würde aber unfehlbar an der Unbeliebtheit jeglicher Zwangswirtschaft scheitern und müßte obendrein die Ausbeute
Nomen und meine Freiheit für e'nen anderen opferte, ich würde wahrhaftig meine Zeit besser ausgenutzt haben. Und jetzt wirst Du mich vermutlich entlassen oder vrrhsften lassen für die erlogene Geschichte. Es würde die gerechte Strafe fein für meine Dummheit l"
„Du kannst Dich vollständig beruhigen, Hermann," sagte der Minenbesttzer, der sich endlich von seinem Erstaunen erholt hatte, in begütigendem Tone. „Ich zürne durchaus nicht; ich habe kein Recht dazu. Und was das gestohlene Geld anbetrifft —"
„Es liegt noch unangerührt in meinem Schränk," warf der N.ffe leidenschaftlich dazwischen. „Du kannst es zu jeder Zeit wiederbekommen!"
„Ich will es nicht, Hermann. Ich mache gar keinen Anspruch mehr darauf. Du magst es behalten als Lohn für Deine Schlauheit. Wirklich, Du bist ein ganz ungewöhnlich verschmitzter Bursche. Ich habe Dir solche Raffiniertheit nicht zugetraut. Es war ein Meisterstück, diesen Degow aus dem Wege zu schaffen. Ich hätte mir das gern das Zehnfache kosten lassen."
„Nun, dazu wird sich vielleicht eher Gelegenheit finden, als Du denkst", sagte Hermann mit höhnischem Auflachen.
„Was meinst Du nun wieder damit?"
„Was ich damit meine? Daß Franz Degow zurückgekehrt ist. Ich sah ihn vor einer halben Stunde aus dem Bahnhof von Langenau heraus- kommcn."
„Unmöglich! Du mußt Dich geirrt haben. Degow ist in Amerika."
(Fortsetzung folgt.)