Einzelbild herunterladen
 

Änzeiger für die amtlichen Rekanntmachungen im Greise 8chlüchtern.

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar uiertelj. 2 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Mittwochs und Samstags. Druck u. Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohineistcr, Gchlüchteru. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit ' der Firma Schlächtern.

SchlüHtEMt SmMM

Aelteste Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 20 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Bei BelriebSst. k. Schadensersatz oder Mindergebühr einschl. Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Aufn.-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gericht­lichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a/M. Nr. 11402.

Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt aw Amtliche Beilage (Kreisblatt).

M 102. Samstag, den 20. Dezember 1919. 70. Jahrgang

Amtliches.

Bekanntmachuttg.

Für die Weihnachtswoche kommen aus die Fleisch- larten zur Verteilung bezw. Berechnung:

a. für Erwachsene 150 Gramm

b. für Kinder 75

Schlächtern, den 18. Dezember 1919.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Skandale Sei der Prämienanleihe?

Schwere Anklagen desVorwärts" gegen Regierungsstellen.

Berlin, 17. Dez. DerVorwärts" berichtet von Ikandalen, die bei der Prämienanleihe vsrgckommen hub. Das Blatt schreibt: Für die Sparprämienan- lähepropaganda sollen etwa 10 Millionen Mark aus- Le^ben worden sein. Damit wurden trotz bvr großen Papiernot ungeheure Mengen bedruckten Papiers bezahlt, habet ist mit den Druckaufträgen nur ein ganz kleiner IKreis von Druckereien beglückt worden, welche angesichts her bedenkm'osen Annahme höchster Pretsforderungen lAefengewinne einstecken konnten. Die tollsten Pceis- Ipüerungcn sind glatt bewilligt worden. Verträge, die |to Mehrfache der üblichen Kosten für den betreffenden iPiopazandaartikel enthalten, sind abgeschlossen worden.

Redakteure ist mit Uem Veriprech-c-E HM-s:- honoraren Hecangetreten, deren Höhe den Bestechungs- paraher aussprach, damit diese ihren Startern günstige IWnbeartikel schreiben. Diese Dinge müssen untersucht [Derben. Wir fordern die Einsetzung einer Commission, Let^e die gesamte G.schästs- und Kaffenführung der iWerbestelle für t>ie Sparprämicnanlelhr rücksichtslos Imterfucht.

Berlin, 17. D.z. Zu dem Pwpagandaskandal bei lirr Prämienanleihe, über den derVorwärts" berichtet, Itrtiäit einer der Propazandachefs, Hermann Rechendorf Ijchendcs: Da ich als Leiter des Unterausschusses für IAnzeigen und Plakate tätig war, habe ich ein Jntercffe Itatn, zu erklären, daß, als meine Berufung erfolgte, im den als Propagandamütel zur Verfügung stehenden

Millionen Mark bereits 4 Mill onen verausgabt Iroaren, un) zwar unter derart ungewöhnlichen Umständen, m ich mich veranlaßt sah, den zuständigen Stellen Instokollartsch zu erklären, eine Verantwortung über litte Maßnahmen vor dieser Zeit nicht übernehmen zu ihnen. Eine Untersuchung ist rrotzdcm nicht eingeleitet Imdcn.

Bergmanns Tretztertein

Roman von Martin Förster. 43

(Fortsetzung.)

In diesem Augenblick ertönte die Glocke im ^aschinenhauie zweimal; der Maschinist ließ den Korb hinunter, es herrschte ein minutenlanges Schnulzen, und An satz die Glocke ein dreimaliges, langes Zeichen, um fWigen, daß Leute im Korbe seien und heraufgezogen wercen wünschten.

Sie wurden nach oben btfördert. Es war Sachse mit noch s chs Genossin Als der Unteraufseher fich ««sah, fiel sein Bl ck auf den Nachtfeuerman', und er lM, auf ihn zutretend:Seid Ihr alle hier Warnke.

»Alle, außer Jakob Neumann," war die Antwort. Ein unwilliger Ausruf entfuhr Sachfis Lippen.

! »Also wieder einmal!" rief er. »Er ist selten $r, wenn er gebraucht wird. Na, Ihr werdet auch w ihn fertig werden. Der Einsturz muß die Nacht wr weggeräumt werden. Ihr werdet es schon fertig "Unzen, da die Hauptsachen getan sind. Räumt auf legt Stützen an und laßt alle andere Arbeit E?" Versteht Ihr? Nun Lmie, seid Ihr

»Jawohl."

L. Die Männer stiegen nacheinander in den Korb, sie alle darin waren, zog Sachse die Stützen Maus und tief:Laßt los, Jürgen!" Und langsam sWe sich tzxx eiserne Behälter mit seiner lebendigen b und verschwand aus dem Tageslicht in die ewige I des Kohlenschachtes.

L JM Minuten später ging Sachse müder über das ^hleulager. Er hatte seine Lampe nach dem

Deutsches Reich.

Das vorläufige Ergebnis der Spar Prämien- Anleihe beträgt rund 3,8 Milliarden Mark.

Unser Eisenbahnelend. Wie dieK. Z." hört, bekommt die Eisenbahnverwaltung zurzeit annährend dieselben Kohlenmengen wie in Friedenszeiten, obwohl der Personenverkehr um 75 Pozent eingeschränkt und auch der Güterverkehr geringer geworden ist. Von den Lokomotiven, über die sie verfügt, befinden sich zurzeit 12 833 in Fahrt und 12 870 in Ausbesserungswerk- stätten.

Unterstützung der Angehörigen unserer Kriegs­gefangenen. Die ReichSregierung hat sich mit der wirtschaftlichen Notlage der Angehörigen der Kriegs­gefangenen beschäftigt. Das Ergebnis war, daß den unterstützungsbedürftigen Ehefrauen eine einmalige Zuwendung in Grenzen bis zu 200 Mk. und der gleiche Betrag für jedes Kind durch Vnmittlunz der die Auszahlung der Familienunterstützung besorgenden Stellen bezahlt werden wird. Auch die sonstigen Angehörigen der Kriegsgefangenen sollen eine einmalige Beihlfe bis zum Betrage von 200 Mk. erhal en, soweit sie nach den bestehenden Grundsätzen bereits die Familienunterstützung erhalten und demnach als bedürftig anzufihen sind. Die Auszahlung der Gelder wird möglichst noch vor Weihnachten erfsK^n. __________

der». Verbesserung der deutschen Valuta durch die Schweiz. Angesichts der Tatsache, daß sich nach zuverlässigen Schätzungen in der Schweiz ungefähr 3 Milliarden deutscher Mark in Form von Banknoten oder Ueberweisungen befinden, hat sich in Zürich mit Unterstützung namhufter schweizerischer Persönlichkeiten und der deutschen Handelskammer in der Schweiz eine Verwertungsstelle für ausländische Währung gebildet, deren Zweck ist, die Banknoten und Ueberweisungen aus dem Verkehr zu nehmen, sie durch Schuldbriefe des Instituts umzutauschen und die Guthaben in nutz­bringender, sicherer Weise anzulegen. Die Anlegung soll hauptsächlich in Aktien weltbekannter deutscher Erabltsfements erfolgen, deren Erzeugnisse vom Ausland gebraucht weiden. Die Verwertungsstelle ist der Ansicht, daß innerhalb von 2 Jahren die Verhältnisse sich derart gebessert haben, daß die fremden Gelder zu gutem Kurse wieder verkauft werden können.

Paris. Der Inhalt der deutschen Antwortnote. Die deutsche Antwortnote ist am Montag vormittag dem Generalsekretär der Friedenskonferenz Dutasta überreicht worden. Ihr Inhalt lautet im wesentlichen

Maschinenhause getragen und dort gelassen, hatte einige Minuten mit dem Maschinenmeister gesprochen und wollte sich dann nach Hause begehen. Auf der /Höhe des Abhanges begegnete er Jakob Neumann. Derselbe war augenscheinlich in angetrunkenem Zustande und rief ihm mit heiserer Stimme zu:Hallo, Sachse, seid Ihr das? Sind sie schon unten?"

Ja, alle sind unten im Schacht. Wo wollt Ihr h'.n?

An meine Arbeit," rief der Bergmann, sich gewaltsam zusammenrehmend.

Und wo ist Eure Lampe?" fragte Sachse streng.

Ich konnte sie nicht bekommen, da die Lampenkammer verschlossen ist. Aber wenn Ihr mir Eure borgen wollt, dann will ich sie sehr in acht rühmen. Es tut mir leid, daß ich so spät gekommen bin, aber kneine Frau ließ mich W lange schlafen."

Ihr könnt meine Lampe nicht bekommen, Neumann," sagte der Unteraufseher ärgerlich,und wenn Ihr auch Eure eigene Lampe hättet, so wäret Ihr doch nicht in dem Zustande, einfahren zu können."

Was soll das heißen? rief der Mann grob.

Ihr wißt recht gut, daß Ihr betrunken seid. Ihr tätet besser, nach Hause zu gehen und ordentltch auszuschlafen."

Ich gehe nicht nach Hause, sondern an meine Arbeit, das sage ich Euch," antwortete der Trunkenbold trotzig.

Und ich habe Euch gesagt, daß Ihr heute abend nicht einfahren füllt," beharrte Sachse. Schämt Euch, daß Ihr überhaupt in diesem Zustande hierher komnit. Ihr denkt nur, wenn ich Euch so zur Arbeit gehen lasse, so wollt Ihr in eine ruhige Ecke -riechen und

dahin: Die deutsche Regierung nimmt Kenntnis davon, daß nach der Absicht der Alliierten die Kriegs­gefangenen, deren Freigabe nach Friedensschluß nur von den übrigens erfüllten Bedingen des Artikels 221 abhängig gemacht werden könnte, sofort nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden heimgeschafft werden sollen. Bezüglich der Scapa-Flow-Angelegenheit wird u. a. erklärt: Die deutsche Regierung kann nur belauern, wenn die Alliierten den Standpunkt einnehmen, daß es sich um Kriegser iznisse handele, deren Regelung dem Sieger, zustehe. Um jedoch, soweit es an ihr liegt jedes Hindernis für die schnelle Wiederherstellung des Friedens aud dem Wege zu räumen, erklärt sie sich bereit, den Schaden, der den alliierten und assoziierten Regierungen durch die Versenkung der Schiffe entstanden ist, wieder gutzumachen. Sie ist aber außerstande, Ersatz in dem im Protokoll vom 1. November vor­gesehenen Umfange zu leisten. Sie hat eine Kommiffion von Sachverständigen beauftragt, den Vertretern der alliierten und assoziierten Mächte die Nachweisung vor- zulegen und zu erläutern, aus der sich ergeben wird, in welchem Maße die Erfüllung der gestellten Forder­ungen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands lähmen würde. Sie wird gleichzeitig bestimmte ein­gehende Vorschläge über eine Art des Schadenersatzes machen, die, wenn sie auch bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands eine neue drückende "Äst bedeutet, doch. nicht als mit 'seinen LebenSinM'cssenunvereinbar angesehen werden müßte. Nachdem sich die deutsche Regierung grundsätzlich zu einer Entschädigung für die Versenkung der deutschen Kriegsschiffe bereit erklärt hat, glaubt sie, erwarten zu dürfen, daß die noch immer zurückgehaltene Besatzung unverzüglich frei gelassen wird.

In England zurückgehalten. In der letzten Zeit ging die Meldung durch die Zeitungen, daß alle in England gefangenen Deutschen bis auf die Scapa- Flow Leute in die Heimat entlassen worden seien. Diese Nachricht trifft leider nicht zu. Wie die Teutsche Allg. Ztg. vom Auswärtigen Amt erfährt, befinden sich noch gegen 4000 Deutsche in den beiden englischen Lagern Wakefield und Ripon. Die deutsche Regierung hat in einer Anfrage an die englische Regierung um die Angabe des Grundes gebeten, weshalb diese 4000 Mann allen Gesetzen der Menschlichkeit zum Trotz weiter in Gefangenschaft gehalten werden. Eine Ant­wort der englischen Regierung ist bisher noch nicht erfolgt

Genf. Clemenceaus BlattHomme Libre"

Eure Betrunkenheit ausschlafen, während die anderen Eure Arbeit tun. Ihr habt ihnen diesen Stretch schon oft gespielt, aber ich will es nicht ferner. Seid vernünftig und tut, was ich Euch heiße!" fügte Sachse in einem freundlicheren Tone hinzu.

Ich werde nach Haufe gehn, wann es mir paßt," rief der andere widerspenstig und schwankte auf die Einfahrt zu. Sachse sah, wie er sich dort auf einen Kasten setzte, der halb mit den ncugeschärften Bergwerksspitzhämmern gefüllt war, und sah sich veranlaßt, den Maschinisten anzurufen. Auf die Antwort desselben rief er ihm zu:Jakob Neumann ist hier und betrunken. Laßt ihn heute nacht nicht einfahren Denkt daran, daß wenn es geschieht, Ihr es zu verantworten habt. Ich will für die Handlungen eines Betrunkenen nicht verantwortlich sein.

Gut," rief der Aufwinder zurück.Er soll nicht einfahren."

Sachse wandle sich abermals zum Gehen, umbckümmert um das Fluchen und Schimpfen des Bergmannes, das er hinter sich vernahm. Als dieser sich jedoch erhob und ihm feine Schmähreden nachrief, wandte er sich um und gebot ihm Schweigen.

Seid sofort ruhig!" befahl er zornig.Morgen früh werde ich Herrn Diedrich fügen, daß Ihr für Euren Posten absolut ungeeignet seid!"

So! Herrn Diedrich!" höhnte der andere.Hütet Euch nur selber vor Herrn Diedrich! Hahaha! Es könnte Euch sonst übel bekommen. Hahaha!" '

Was meint Ihr?" fragte Sachse betroffen und blieb stehen, trotz seine» Widerwillens, mit dem be­trunkenen Menschen zu reden.Erklärt Euch deutlicher!"

(Fortsetzung folgt.)