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Anzeiger für die amtlichen Rekanntmachungen im Greife Schlüchtern.

Bezugspreis frei Haus, vorauszahlbar viettelj. 2 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Mittwochs und Samstags. Druck u. Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeisier, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den S' mten Geschäftsverkehr mit der Firma lüchtern.

Schlüchterner Lreisblatt

Aeltefte Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt c^se.)

M 98.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 20 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Bei BctriebSst. k. Schadensersatz oder Mindergebühr einschl. Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Aufn.-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gericht­lichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a/M.

Amtliche Beilage (Kreisblatt).

Samstag, den 6. Dezember 1919.

70. Jahrgang.

Der Geburteuriickgang uach dem Kriege.

Der Leiter der Studiengesellschaft für die sozialen Folgen des Krieges, C. Döüng in Kopenhagen, schreibt:

Die gewaltigen Menschenverluste, die Deutschland durch den Krieg erlitten hat, rücken das Bevölkerungs­problem in den Vordergrund des Interesses. Wie wird sich in Zukunft die Geburtenbewegung gestalten? Das erste brauchbare Material für die Beurteilung dieses Problems liegt nunmehr in den Veröffentlichungen des Reichsgesundheitsamtes über die Orte mit mehr als 15000 Einwohnern vor. Bekanntlich führte der Kricg infolge der umfangreichen Einberufungen seit Mai 1915 einen starken Absturz der Geburtenzahl herbei. In den Orten mit mehr als 15000 Einwohnern war die Bewegung so:

Lebendgeborene Rückgang zu Aug. 1914 %

August 1914 51 428

1915 35 442 15 986 31,0

1916 30 413 21015 40,8

1917 26273 25155 48,9

1918 29 108 22 320 43,4

Der Höhepunkt war im August 1917, während der

August 1918 wieder einen kleinen Anstieg der Geburten-

zahl brächte.

Im November 1918 erfolgte die schleunige Demo- bilifierung des deutschen Heeres. In der Gcburten- bewegung muß das im August 1919 zum Ausdruck kommen. Die Zahlen liegen nunmehr vor. AUervings fehlen die Angaben über 18 Städte, die im befitzten Gebiet liegen. Bringt man diese auch für August 1914 in Abzug, so ergibt sich:

Lebendgeborene: August 1914; 48 866. August 1919: 40 468, Rückgang: 8398. Der Rückgang beträgt also rund 18%.

Die Geburtenzahl ist also ganz beträgtlich ange­stiegen, bleibt aber hinter der Friedenszahl immer noch stark zurück. Allerdings dürfen Diese Ergebnisse nicht ohne weiteres auf das Reich übertragen werden. Denn es hat sich gezeigt, daß während des Krieges der Geburtenrückgang im ganzen Reich um 35 Prozent größer war als in den großen Städten. Das scheint auch im August 1919 so gewesen zu sein. Es wurden in den Orten mit mehr als 200 G00 Einwohnern lebend geboren: -

August 1914: 21234. 1919; 18 247. Der Rückgang beträgt also 1987. Das sind nur 9 '///o*

In den Orten mit weniger als 200 000 Einwohnern belauft sich die Ziffer auf etwa 20 Prozent. Da die kleinsten Orte erfahrungsgemäß noch etwas ungünstiger dastehen, so ist für das ganze Reich im August 1919 mit einem Geburtenrückgang von mehr als 20 Prozent

zu rechnen.

Deutsches Reich.

Beschlagnahmen in der Woche vom 16. zum 23. Oktober. In der Woche vom 16. bis 23. Oktbr. wurden von Den vom ReichswirtschaftSministerium eingerichteten Ueberwachungsorgauen an den Nordwest-, West, Nord-, und Südwestgrenzen folgende Waren­mengen beschlagnahmt:

ca. 106 t für die Reichsgetreidestelle,

ca. 707 t für die RetchsflcischsteUe,

ca. 952 t'für die Reichsstelle für Speisefette, ca. 54 t für die Reichszucker-Ausgleichstelle, ca. 1014 t für die Reichsfischversorgung,

ca. 10 t für die ReichSkartoffelstelle, ca. 277 t für die Reichsstelle für Gemüse u. Obst ca. 71 t für die Reichsversorgung für Nähr- mittel, . ca. 649 t für den Reichsausschuß für Oele und Fette,

ca. 51/, t für die Eier-Einfuhr.

Insgesamt handelt es sich hier also um eine Menge von 3846 t Lebensmittel, die der Allgemeinheit zuge führt werden können. c ....

Das Reichskabinett hat eine umfassende Hi aktion für Wien beschlossen. Für Dezember sollen von jeder Brotkarte in' Deutschland 50 Gramm weniger "usgegcben werden, und die gesamte Ersparnis (es kommen rund 40 Millionen Selbsterzeuger, also Brot- karteninhaber, in Betracht) von zwei Millionen Kilogr. in der Woche soll Wien zur Verfügung gestellt werden.

Sämtliche Parteien der Nationalversammlung haben ihre Zustimmung erteilt, mit Ausnahme der Unab­hängigen, die zwar auch ein solches Mehlquantum zur Verfügung stellen, aber keinen Abzug von der Brot­karte zulassen wollten.

Die deutsche Abwanderung aus dem Elsaß. Seit dem 1. Januar 1919 wurden aus dem Unter- elsaß 2800 Deutsche ausgewiesen und 18 500 Deutsche sind freiwillig ausgewandert. Außerdem mußten 4800 Vahnbegmte das Land verlassen. Vor dem 1. 1. 19 sind 6000 Deutsche zwangsweise oder freiwillig ausge­wandert, insgesamt also 32000 Deutsche nach Deutsch­land zurückgekehrt.

Berlin. Aus dem Kabinett nahestehenden Kreisen vernimmt die Deutsche Allg. Zig., daß die Reichsregierung W entschlossen ist, in der Frage der Ablieferung der 400 000 Tonnen Bagger, Docks­und Schiffsmaterial nicht nachzugeben. Es handelt sich hier nicht um eine Prestigefrage, sondern darum, daß die Abgabe des geforderten Materials Deutschlands wirtschaftliche Existenz schechiweg unterbinden würde. Ebenso unannehmbar sei für die Reichsregierung die Klausel des Annexprotokolls, nach dem es in das Belieben Frankreichs gestellt werde, jeder Zeit in Deutschland militärisch einzurücken. Die Reichsregter- ung will, so schließt das Blatt, den Frieden, abernicht eine einseitige Fortsetzung des Krieges. Als selbstver­ständliche Voraussetzung wird angesehen, daß die in Frankreich bis.-chLch»a KlkK^efaugeaen zurückgrführt werden, so wie der F.tedensvertrag es vorstehtund nicht nach den neuen Bedingungen.

- äst

Kreisgruppe akademischer Berufsstände.

Zusammenkunft mit Damen am Dienstag, den

9. Dezember nachmittags 4 Uhr in Schlüchtern Hotel Deutscher Kaiser.

Vortrag

von Herrn Pfarrer Hostmann über

W ellinachtsgebräuche,

Schaulen. Waffenstillstand mit den Litten. Am 27. und 28. Nov. fanden in Ianischki Waffenstill­standsverhandlungen mit dem lettischen Oberbefehls­haber Ballod durch Vermittelung der internationalen Kommission statt. Die Verhandlungen hatten zunächst folgendes Ergebnis. Die internationale Kommission übernimmt auf Grund le.tischer Zusicherungen volle Gewähr, daß der Abtransport der deutschen Truppen aus Lettland bis zum 13. Dezember einschließlich von lettischer Seite nicht gestört wird. Als Bedingungen für diese Zusicherung wurden gestellt: 1. daß die Eiserne Division Lettland bis zum 18. Dez. räumt; 2. daß die Eiserne Division am 1. Dez. an der Bahn­linie Murajewo Schaulen versammelt steht. U^er den Austausch der Gefangenengeiseln wird mit dem letti­schen Vertreter in Schaulen noch verhandelt. Der Abtransport verläuft weiter günstig.

Anschluß Kodurgz an Bayern. Bei der Volks­abstimmung in Koburg stimmten 23 877 für Bayern, 3027 für Thüringen. Damit ist der Anschluß an Bayern gesichert.

In der preußischen LandeSversammlung wurde ein Antrag der Unabhängigen Sozialdemokraten, den Bußtag abzuschaffen und den 9. November zum Feier­tag zu erklären, abgelehnt.

Rotterdam. (Deutschland.) Nach einer Rstter- damer Meldung finden zwischen Deutschland und Belgien wichtige finanzielle Besprechungen statt. Deutsch­land wird innerhalb 20 Jahren die sechs Milliarden Mark zurücknehmen, die die belgische Regierung aus dem Verkehr gezogen hat. x ,

Stockholm. Zur Ostsecsperre. Nach einer Mitteilung aus Reval sind sämtliche aus Anlaß der Ostseesptrre festgehaltenen oder dorthin eingebrachten d utschen Schiffe nunmehr freigegeben worden.

_ Brüssel. Belgien. (Belgien und Holland.) Wie einige Brüsseler Blätter melden, soll die 14^ Remission, die über die Beziehungen zwischen Belgien und Holland verhandelt, zu einem Kompromiß gelangt

sein. Die Scheldefrage werde dadurch geregelt, daß eine Kommission, bestehend aus je drei Belgiern und Holländern, die Verwaltung übernimmt. Die gleiche Lösung sei auch für den Kanal Gent Terneuzen ge­funden worden. Falls diese Kommission sich über seine Maßnahmen nicht einigen könne, trete der Völkerbund als Schiedsrichter auf. Ferner solle die 14er Kom­mission sich für den Bau des Kanals von Antwerpen zum Rhein über holländisches Gebiet ausgesprochen haben.

In Mexiko ist der Bürgerkrieg ausgebrochen. Präsident Carranza ist aus der Stadt Mexiko geflüchtet.

Mackensen in Cafsel.

Begrüßung auf dem Bahnhof.

Generalfeldmarschall von Mackensen traf, am Dienstag vormittag 8,30 Uhr auf dem Bahn­hof Oberstadt ein. In seiner Begleitung befanden sich 9 Herren des Stabes, der seinerzeit die letzten deutschen Truppen aus Ungarn geführt hatte. Auf dem Bahnsteig war eine Ehrenkompanie mit Musikkapelle ausgestellt. Junge Mädchen überreichten eine Fülle von Blumen. Generalleutnant von Stolzmann vom Gruppenkommaudo begrüßte den greisen Feldmarschall. Als Vertreter der Stadt war Bürgermeister Brunner erschienen. Der Empfang war überaus herzlich. Als die hohe Gestalt des Generalfeldmarschalls auf dem Vorplatz erschien, brach die vierhundert köpfige Menge in brausende Hurrarufe aus, die sich bei der Weiter­fahrt nach Wilhelmshöhe, in stürmischen Jubel ver­dichtete. Die Jugend sangDeutschland über alles". Mackensen umarmte und küßte einige ehemalige Kriegs­gefährten. Dann ging die Fahrt im Auto nach Schloß Wilhelmshöhe. Der Feldmarschall tritt voraussichtlich Mittwoch die Weiterreise nach seinem Schloß Garziga in Pommern an. Er war mit den ihn begleiteten Herrn am Mittwoch voriger Woche von Saloniki abgereist und bis gestern ununterbrochen gefahren. Die von der Entente veranlaßte Absperrung war unter­wegs sehr streng. Post und Telegramme durften nicht abgesandt werden. Der Empfang in Wien und Budapest war sehr herzlich. Die Behandlung durch die Franzosen in Saloniki ließ sehr zu wünschen übrig. Mackensen sah recht frisch aus er vollendet am 6. Dezember das 70. Lebendsjahr und trug die Uniform der Danziger Husaren.

Lokales und N-ovinzielkes.

Schlüchtern, den 5. Dezember 1919.

* Nächsten Dienstag veranstalet die Kreisgruppe akademischer Berufsstände nachmittags 4 Uhr im Deutschen Kaiser, hier eine Zusammenkunft, wo Herr Pfarrer Hoffmann einen Vortrag über Weihnachts- gebräuche halten wird. (Siehe Inserat, erste Seite.)

* Hk. RetchSeinkommensteuer und preußische Han­delskammern. Der Landesausschuß der preußischen Handelskammern hat am 27. November zu dem Ent­wurf eines Reichseinkommensteuergesetzes folgende Re­solution einstimm g gefaßt: Der LandeSausschuß hat sich in seinem am 27. August 1919 veröffentlichten Beschluß bereit erklärt, eine bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit von Industrie und Handel gehende Reichse.nkommensteuer gutzuheißen, wenn der Plan des Reichsnotopfers fallen gelassen werde. Nachdem dieser Plan in voller Schärfe aufrecht erhalten und im An­schluß der deutschen Nationalversammlung gebilligt wor­den ist, können dir preußischen Handelskammern nur den schärfsten Einspruch erheben gegen die Vorschläge einer RetchSeinkommensteuer, welche durch ihre hohen Sitze in Gemeinschaft mit dem Reichsnotopfer und der gleichzeitig geplanten Kapitalrentensteuer das Gesamt­einkommen unserer besitzenden Kreise bis auf 80% des bisherigen Ertrages und darüber im Wege der Be­steuerung vorsteht. Eine Finanzpolitik, solche nicht nur das vorhandene Vermögen zum großen Teil be­seitigt, sondern auch die Quellen künftiger Vermögens- bildung verstopft, muß zum wirtschaftlichen Zusammen» bruch führen. Denn nur durch verständnisvolles Zu­sammenwirken von Arbeit und Kapital kann Deutsch- land wieder wirtschaftlich lebensfähig werden und sich im Ausland das zu feinem Wiederaufbau erforderliche Vertrauen wiedergewinnen. Zu dieser anlehnenden Stellungnahme führt uns nicht in erster Linie das