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ferner Rettung

Anzeiger für Die amtlichen Bekanntmachungen im Greife Schtüchtern.

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertelj. 2 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Mittwochs und Samstags. Druck n. Verlag C. Hohincister, verantwort!. L. Hohmeister, Lchlüchtrrn. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Echlüchtern.

Lchlüchtmrer Meisttatt

Aeltefte ZeituNg im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt (um6.)

M 94

Samstag, den 22. November 1919.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren 8twm 20 Pfg., Rellamezeile 40 Pfg. Bei Betrittst, k. Schadensersatz ober Mindergebühr einschl. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufn.-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gericht­lichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a/M. Nr. 11402.

70. Jahrgang.

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Toteusosntag.

Die Toten ruh'n! Wie lieblich glingt das Wort, Gleich Heimatglocken, die von ferne klingen, i Wenn wir noch ruh'ios mit dem Leben ringen, Des LebensMuß" zur Arbeitschwere drängt!

Sie gingen heim, die uns der Tod entriß, ; Den Weg zur Heimat haben sie gefunden, ; All' Erdenleid, sie haben's überwunden [ Die noch nicht litten, sind vor Leid bewahrt. Sie ruh'n in Frieden!" Gott gesandter Trost, Senk dich auf alle Schmerz zerr ss'nen nieder Unb lehre sie am Fest der Toten wieder Hinauf zu schau'n mit Glaubenszuversicht!

Jeannette Bramer.

Der Tag der Toten.

Motto: O lieb, so lang du lieben kannst, O lieb, so lang du lieben magst!

Die Stunde kommt, dir Stunde kommt, Wo du an Gräbern stehst und klagst, s kein anderer Tag im Jahre greift mit so ernster »Ahnung an das Menschenherz als der Gedenktag für »i! Toten, ganz gleich, ob wir ihn Alleseelen nennen Ma Totensonntag. Immer isi's der ernste, schöne Wmch durch das Schmücken der Gräber die Treue im den Toten zu beweisen und in stiller, wehmutsvoller Wer Emkehr in Herz und Gemüt zu halten. Und Mse innere Einkehr, zu der wir im Trubel des MÄgsledens leeder so selten kommen, ist das wertvollste W diesem Tage; denn der stumme Mund der lieben Wien redet eine weit eindringlichere machtvollere Wiche zu uns als der Lebende je vermocht hat. M! vermag die Tränen bitterster Reue zu zählen, Bit am Tage der Toten an den Gräbern geweint Widm? Wie bitter ringt sich dort die Erkenntnis Mich, wie machtlos auch die größte Liebe der tiefste Wmerz sind, den Dahingeschiedenen auch nur im Wnzsien für trübe Stunden, die wir ihm bereitet für Butte und Handlungen der Lieblosigkeit, der Vernach- ung, die er durch uns erduldet, entschädigen und M auch nur die kleinste Liebe erweisen zu können! M ein Hohn auf unser Verhalten will es uns dann Weinen, wenn wir das steinerne Grabmal mit Blumen Wen und bedienen, daß wir für den darunter Wenden im Leben oft kein Blümlein der Anerkennung M Dankbai ksit hatten und Hunderte Gelegenheiten WÄmlen, ihm eine Freude zu bereiten. O, wer ein MS Mal das schneidende Weh dieser Erkenntnis Mndcn mußte, der wird wohl nie wieder in den Fehler zurückfallen und sein Gewissen mit einer beschweren, die nur dem Staub bezahlt werden W Eine solche Mahnung aus der Nacht des schüttelt jeden auch den härtesten Menschen, Weitet herben Schmerz, aber sie läutert Herz und den besten Vorsätzen verlaßt man das das uns so ernst gemahnt hat. Treuer, hin- erfüllt man seine Pflichten gegen seine Ange- milder wird man im Urteilen, duldsamer im Wn ihrer Schwächen und Fehler. Hat man doch rW<n müssen, daß man ja so gern derartige kleinen ertragen würde, wenn man den Toten nur f^tte, daß das alles ja nichlS ist im Vergleiche M Schmerze des Verlustes und der Reue.

WHalb sollte niemand, der liebe Angehörige auf ionedhofe hat, versäumen, am Tage der Toten ihr I «uszusuchen und das Läuterungswerk an sich zu lassen. Wer die Gräber seiner Lieben hat, sollte reiflich überlegen, ob eine Reise I nicht nützlicher für ihn wäre, als mancher ohne unternommene Erholungsausflug, manche Be- W oder Vergnügungsreise, von der man oft genug W so unbefriedigt heinikehrt! Und wer äußerer halber trotz seines Verlangens das teure nicht besuchen kann, der pilgere dennoch zum

Heimischm Friedhofe hinaus und suche irgendein ver- gessenes und verfallener Grab auf, das kein Zeichen der Liebe mehr schmückt und halte dort Einkehr in sich selbst. Auch solch fremdes Grab redet seine stumme und doch so beredete Sprache zu uns und vermag Härten im Gemüt zu mildern, starre Tränen zu lösen.

Wer krank und ans Zimmer gefeffelt ist, sollte am Tag der Toten recht innige Fühlung mit der Ver­gangenheit nehmen, wo er noch mit denen vereint war, die nun draußen schlummern. Er schmücke die Btldir der Verstorbenen mit ernstem Tannengrün und pilgere in Gedanken zu ihren Gräbern, dann wird er auch die läuternde Kraft empfinden, die rom Tag der Toten ausgeht, wenn man ihn nun in der rechten Weise feiert und sein Herz willig den Einflüssen öffnet, die er ausübt.

Frieden am 27. November?

Aus Kopenhagen wird gemeldet: Die schwedische und die dänische Regierung haben an den Obersten alliierten R't die Anfrage gerichtet, wann das Inkraft­treten eines allgemeinen Friedensabkommens erwartet werden dürfe. Der Oberste Rat hat den Regierungen die Mitteilung zugehen lassen, daß das Abkommen am 27. 11. in Kraft treten werde.

Frankreichs Hnuger «ach unsere« Schiffe«.

In derVossischen Zeitung deutete Georg Bernhard kürzlich an, daß nur England.^i, neuen Forderungen nach Schiffen, Docks usw. rM^lM habe. Diese An- ficht wird gründlich widerlegt durch die Art, in welcher derMatin" vom 11. November die amtliche französische Note mitteilt und kommentiert. DerMatin" über- schreibt seine Ausführungen: Deutschland muß uns den größten Teil seines Schiffsreparaturmaterials, das uns fehlt, ausliefern."

Drs Blatt bezeichnet dieses Communiqu« als von den französischen Marinckreisen sehnsüchtig erwartet. Mit Befriedigung wird festgestellt, daß nach Erfüllung der Bestimmungen dieser Note Deutschland so gut wie keine Flotte mehr besitzt. Den wichtigsten Punkt aber steht das Blatt in der Auslieferung der Schwimmdocks, setzt aber gleichzeitig noch das Verlangen nach Trocken­docks dahinter. Wörtlich heißt es:Wir haben nicht nur leichte Kreuzer bitter notwendig, wir haben auch fast keine Docks und nicht genügend Repararurmittel."

Der Artikel endigt in der Frage :Wollen wir auf die großen Schiffsreparaturmittel verzichten, d. h. auf die Möglichkeit, dem siegreichen Frankreich eine maritime Machtstellung zu schaffen?*

Flaue Wahlbeteiligung iu Italien.

Lugano, 18. November.

Nachrichten über den italienischen Wahlkampf, die aus Majland einlaufen, bestätigen die geringe Wahl­beteiligung. Im Durchschnitt dürsten etwa 60% der eingeschriebenen Wähler ihr Wahlrecht auSgeübt haben, eine Teilnahmlosigkeit, die um so überraschender ist, als noch bis Sonnabend nacht eine ungeheure Propa­ganda von allen Parteien geführt worden ist. Beson­ders eifrig war die Tätigkeit der im Dienste der Sozialisten stehenden Frauen in Mailand. In einigen Orten ereigneten sich Zwischenfälle, denen jedoch keine ernste Bedeutung beizutegen ist.

Wie aus später eingetroffencn Meldungen hervor- geht, war besonders in Süditalien das Interesse an den Wahlen sehr gering, dagegen ist in Oberualien immerhin eine Wahlbeteiligung bis zu 80*/, zu ver­zeichnen. Ueber den Ausgang der Wahlen läßt sich zur Stunde noch kein Urteil fällen.

Deutsches Reich.

Abg. Gröber f. Der Vorsitzende der Zentrums­fraktion der Nationalversammlung, Abg. Gröber, ist am Mittwoch, den 19. mittags 12V* Uhr von einem Schlag­anfall ereilt worden und verschieden.

Die neue §0 Mark-Reichsbanknote. Das Reichs­bank-Direktorium bringt eine Beschreibung der neuen Retchsbanknote zu 50 Mark zur Kenntnis. Die neue Note ist auf weißem Papier gedruckt, das kein Wasser­zeichen, wohl aber einen braunen Faserstreifen enthält. Die Größe beträgt 102X153 mm. Das Schauseiten- bild ist in der Grundwirkung grün, es wird durch einen schmalen, gezähnten Rand in brauner Farbe begrenzt. Rechts oben in dem von einer grünen Ein­fassung umrahmten Mittelfelde befindet sich im recht­eckigem Zierrahmen ein weiblicher Jdealkopf auf gestirntem Hintergründe. Von der Mitte des Kopfes zieht sich nach links ein dunkel gehaltenes, breites Zielband mit der licht rötlich-braunen Inschrift: Fünfzig Mark. Darüber steht im guillochterten Grunde da» Wort: Retchsbanknote" in dunkler Tönung, darunter zwischen zwei Zierstücken der weitere Text in grüner Farbe: zahlt die Reichsbankhauptkasse in Berlin gegen diese Banknote dem Einlieferer". Unter dem Kopf steht licht rötlich braun die Zahl 50, darunter eine kleine braune Rosette. Die ReihenbezeichnungReihe 1" links sbm die Nummer rechts unten, das Ausfertigungsdatum und die Unterschriften sowie die beiden Kontrollstempel sind in violetter Farbe gedruckt. Die Mitte de» Nückseiten- bildes durchzieht von oben nach unten der Staune Papierfaserstreifen. Die Rückseite ist schwärzlichblaugrün, der äußere gezähnte Rand brau. Das dunkler gehaltene Mittelfeld erhält rechts und links zwei ovale Zierstücke, in der Mitte ein kreisrundes Zierstück. Die Zierstücke find mit stilisierten, lichter gehaltenen, bräunlich gerippten Blüten eingerahmt. In den Seitenstücken steht, umgeben von einem Blütenkranz, die licht rötlich- braun gehaltene Zahl 50, im Mittelstück der blaugrün gedruckte Strafsatz. Einstweilen werden ausschließlich Banknoten der Reihe 1 in den Verkehr gebracht. Im Falle der Ausgabe einer zweiten, dritten oder vierten Reihe wird jedesmal vorher eine neue Bekanntmachung erlassen werden.

Der Eintritt der Schweiz in den Völkerbund wurde vom Nationalrat beschlossen.

Das belgische Kabinett hat infolge der Wahlen dem König seine Entlassung angeboten.

Paris. Die Alliierten haben die weiße Flagge, mit welcher die deutsche Abordnung am 11. November 1918 sich der französischen Front näherte, um Waffen­stillstand zu ersuchen, in kleine Stückchen geteilt, diese auf seidene Kisten mit einer Widmung versehen, den einzelnen Verbündeten überwiesen.

Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege in der «eueu Verfassung.

Die von der Nationalversammlung beschlossene Ver­fassung ist am 11. August d. Js. in Kraft getreten.

Sie unterscheidet sich wesentlich von der alten Bismarckschen und wohl auch von den Verfassungen andrer Länder, die sich meist damit begnügen, die wichtigsten politischen Grundrechte der Staatsbürger aufzuzählen, alle weiteren gesetzgeberischen Fragen aber, die das Staatsleben aufwirft, Spezialgesetzen überlassen. So erfreute sich beispielweise schon das Kaiserliche Deutschland einer vorbildlichen Sozialgesetzgebung, die Verfussunq sprach gleichwohl kein Wort davon. Im Gegensatz hierzu verbreitet sich die neue Retchsver- fassung außer über d.e politischen Grundrechte der Bürger auch über vielerlei Fragen und Gebiete anderen gesetzgeberischen Stoffes, durchweg sozialpolitischer Art und der öffentlichen Wohlfahrtspflege angehörend. Der Grund solcher Abweichung von dem Hergebrachten mag wohl darin liegen, daß man früher die Sorge für die Wohlfahrt der Volksgenossen für eine selbstverständliche Staatsaufgabe ansah, die in dem Staatsgrundgesetz, der Verfassung, nichte rstverankert" zu werden brauchte, deren Ausbau besonderen Gesetzen Vorbehalten bleiben müsse. Der jungen Republik lag es dagegen begreiflicher­weise ganz besonders am Herzen, sich bei den Volks­genossen grade auf diesem Gebiete recht verheißungsvoll

Deutsche -Prämienanleihe

jährlich

Hauptgewinne

10 »i 1.000.000 w

Erste Gewinnziehung im März

1920