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ZchlüchtemerMung

ctnaeifliss^^ Bekanntmachungen im Greife 8chtüchtern

«cruaSpreiS frei Haus, vorauszahlbar Zerteil. 2 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Mittwochs und Samstags. Druck u. «erlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.__

Schlüchterner Freeisölatt

Aeltefte Zeitung im Kreise; gegründet im Zahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 20 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Bei BelrtebSst. k. Schadensersatz oder Mindergebühr einschl. Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Aufn.-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bet geeicht, lichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a/M. Nr. 11402.

Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt (uiä9.)

Amtliche Beilage (Kreisblatt)

JK 88

Samstag, den I. November 1919

70. Jahrgang

Feldmarschall Graf Haeseler f. Generalfeld- Eschall Graf Gottlieb v Haeseler ist auf seinem Vute Harnccop bet Wriezen ganz plötzlich einem Herz- schlag erlegen. Der Generalfeldmarschall, der im 84. Lebensjahre stand, war bis in den letzten Tage wohl und rüstig gewesen und hatte noch am Tage vor seinem Tode seinen gewohnten Sparzierritt unter- nmmen. Der Neffe des Generalfeldmarschalls Mojor C, Schönemarkt mit Gemahlin befanden sich zur Zeit des Ablehnend bet ihm. Die Beisetzung fand am Donnerstag in der Familiengruft der Familie Häeseler in Harnccop um 9 Uhr statt.

Die Einigung der Sozialdemokraten soll nach den jetzt veröffentlichten Grundlinien auf der Grund fage der Demokratie erfolgen. Verbindungen mit bürgerlichen Parteien, die einen Verzicht auf die restlose Vertretung anerkannter sozialistischer Grundsätze be­deuten, find zu verwerfen. Die Sozialtsterung ist nur allmählich durchzuführen. DI^-ReichSwehr soll durch eine Volkswehr aus organisierten Arbeitern ersetzt werden, die ihre Führer selbst wählt und von aller Kasernenzucht verschont bleibt,

Berlin. Um unsere Gefangenen. Die deutsche Regierung ist in Paris erneut wegen Beschleunigung der Heimschaffung unserer Gefangenen vorstellig geworden.

Berlin. Das internationale Rote Kreuz in Genf teilt mit, daß der Abtransport der deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich zwischen dem 27. Okt. 2. Nov. beginnen wird.

- W T. B. meldet: Anfangs Oktober d. Js. ist bk Drucklegung derDeutschen Verlustlisten" aus Eparsamkcitsrücksichten e ngestellt worden.

WaS ein Heer heutzutage kostet, ergibt fich aus der Aufstellung für das deutsche Heer. Die laufenden Unkosten für das neue deutsche Heer (200 000 Mann) betragen 1 Milliarde und 100 Millionen Mark gegen sM Millionen (üc 800 000 Mann) vor dem Kriege : im Jahr.

I Die Kosten der Nationalversammlung. In .Deinem ErgänzungSetat zum Etat des Reichstags werden (gefordert: 5 Millionen Mark als Aufwaadsent- s schädigungen für die Mitglieder der Nationalversamm- k lung, 1300 000 Mk. zur Bestreitung der außerordent- k lichcn Ausgaben der Tagung in W-tmar, 300 000 Mk.

zur Wiederinstandsetzung des ReichstagsgebäudeS; 100 000 Mk. zur Mietung eines Bureaus für den

l Bergmanns Tsetztertein.

Roman von Martin Förster. (Fortsetzung.)

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11. Kapitel.

Dcr Eintretende war ein großer magerer Mann mit kurzgeschorenem Haupthaar, struppigem Bart und lauerndem Blick. Er hielt ein Zeitungsblatt in der Hand und deutete, nachdem er sich mit Franz begrüßt hatte, auf die von ihm eingerückte Annonce.

Sind Sie also im stände, mir die gewünschte Aus- kunfi zu gebend fragte Degow erfreut.Vielleicht find Sie selbst Herr Franke oder Mr. Tzomas

l Ph lips."

Das zwar nun nicht," entgegnete der andere, mit verschmitztem Lächeln eine Visitenkarte hervorziehend. | Dieselbe trug die Aufschrift:Mr. Norton Longholm, I Kommissions-Agent."

IIch bitte um Verzeihung, Mr. Longholm," begann I Franz, daß ich Sie für einen der Herren hielt, deret- * wegen ich die Anzeige machte. Da die Anzeige Ihr Hierherkommen veranlaßt hat, so darf ich doch annehmen, 1 daß Sie mir die Aufschlüsse geben können, die ich - suche."

Vielleicht", war die vorsichtige Antwort.

LSie kennen Herrn Bernhard Franke und Mr. Thomas Philips?"

b "Sehr gut sogar. Augenblicklich sind beide von H ^er abwesend. Doch würde es nicht unmöglich sein, | aufzufinden, wenn eS sich der Mühe verlohnte." an $$ muß fix finden, mag es kosten, was eS will, Mr. Longholm. Werden Sie mir helfen?"

.Das hängt von Umständen ab." cWieso?"

Untersuchungsausschuß außerhalb des Reichstags und Entschädigung der Sachverständigen und Zeugen, ferner 100 000 Mk. Mehrausgabe für das Personal infolge Einführung des Achtstundentages und 50 000 Mk für die Steigerung der Papierpreise und der Preise für Druckarbeiten.

Die Viehablieferung an die Entente. Nach Mitteilung des Tierzuchtinspektors Schaub-Cassel voll­zieht sich die Aufbringung des abzuliefernden Viehes derart, daß zuerst Kretskommissionen Stuten und Rind­vieh zählen, chaß nach erfolgter Umlage auf die einzelnen Kreise die Tiere ausgewählt und möglichst im freien Handel erworben, im Notfalle aber enteignet werden. Die zu zahlenden Preise liegen nicht fest, sollen aber für Stuten 8000 bis 12 000 Mark, für Kühe ca 2850 Mark, für Hengste 22 000 Mark betragen.

Deutsche Kalisalze für Amerika. Dem Ver­nehmen nach schweben zurzeit aussichtsreiche Verhand­lungen zwischen dem deutschen Kaltsyndikat und amerikanischen Vertretern über Lieferung sehr beträcht­licher Mengen deutscher Kalisalze. Wie wohl erinnerlich, wurden schon vor Monaten ähnliche Verhandlungen geführt, die jedoch zu keinem Ergebnis kamen, weil die Amerikaner damals' annahmen, daß die französischen Kaliwerke im Elsaß an die Stelle der deutschen Liefer­anten treten könnten. Diese Annahme hat sich als irrig erwiesen. Die Kaliwerke im Eisaß sind noch auf längerer Zeit stillgelegt infolge der Schäden, die durch den wochenlangen Streik verursacht sind. Frankreich wird froh sein, in absehbarer Zeit seinen eigenen Bedarf

an Kalt decken zu können. &t eine Ausfuhr nach Amerika ist nicht zu denken, xm vorugen Abnehmer d^W werden mithin bis auf weiteres auf die deutschen <

Kaliwerke angewiesen sein. Für Verkäufe an das Ausland müssm mindestens die für das Inland geltenden Preise berechnet werden. Hoffentlich gelingt es nun endlich, die Kalitndustrie ausreichend mit Kohle zu versorgen, damit sie in die Lage versetzt wird, die reichlich vorliegenden Aufträge auch auszuführen.

Aünfundzwanzig Iayre

find am 30. Oktober verflossen, seitdem in unserer Stadt die Gemeindepflege eingerichtet und eine Schwester aus dem Kasseler Diakoniffenhaus zu ihrer Ausrichtung angestellt wurde. Schon vor dem Jahre 1894 hatte der Hospitalvorstand dem vielfach stark empfundenen Bedürfnis nach einer eigens für die Krankenpfl:ge in den Familien zu Gebote stehenden Kraft Rechnung getragen durch Besprechungen m t dem Vorstand des

Erstens muß ich wissen, wer sie sind, zweitens, warum Sie die beiden Herren suchen. Sie können nicht erwarten, daß ich meine Freunde verrate, wenn ich dächte, daß ihnen daraus irgend ein Schaden erwachsen könnte, was?"

Selbstverständlich nicht. Aber ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß Ihre Freunde nichts von mir zu befürchten haben; im Gegenteil, wenn sie sich mit mir in Verbindung setzen wollen, so könnte ihnen das nur zum Vorteil gereichen. Also mein Name ist Wtedemann."

Der andere wiederholte den Namen sichtlich über­rascht.

Und ich komme aus dem Minenindustrie-Dorf Langenau in Oberschlesien," setzte Franz hinzu. Er sprach langsam und beobachtete aufmerksam sein Gegen über auf die Wirkung seiner Worte hin. Der Name scheint Ihnen nicht unbekannt, Mr. Longholm?"

Ich hörte Herrn Franke den Namen erwähnen. Weshalb möchten Sie ihn sprechen?"

Ich glaube, daß er mir über eine für mich wichtige Angelegenheit, welche sechzehn oder siebzehn Jahre zurück! egt, Aufschluß erteilen kann."

,Auf welche Angelegenheit beziehen sie sich?" fragte der Amerikaner ruhig.Sie werden mir diese Frage verzeihen, aber ich sagte bereits, daß Herr Franke ein sehr guter Freund von mir ist, und daß ich Ihnen meinen Beistand nur gewähren kann, wenn Sie vollkommen offen gegen mich sind."

Gut", sagte Franz Degow nach kurzer Ueber- legung.Die Sache betrifft also ein Testament, welches, wie man sagt, mein Onkel hinterließ und in welchem alle seine Besitzungen seinen Verwatter, einem gewissen Albert Diedrich, vermacht wurden. Mein

Kasseler Diakaniffmhauses, die die Anstellung einer Gemeindeschwester zum Ziel, hatten. Anfang 1894 waren die Vorbereitungen so wett gediehen, insonder­heit auch der Bau des neuen HospitalgebäudeS, in dem die anzustellende Schwester Wohnung finden sollte, so weit gefördert, daß seitens des Hospitalvorstands die Bitte an das Diakoniffenhaus gerichtet werden konnte, möglichst bald eine Gemeindeschwester zu senden; ihr sollte auch die Leitung des zu eröffnenden Hospitals übertragen werden. Infolge.davon, daß die Fertig­stellung des Ho'pitalS sich bis zum 17. Juli 1894 hinauszögerte, sowie davon, daß mehrere Schwestern im Mutterhaus schwer erkrankten, konnte aber die für die hiesige Station bestimmte erst am 30. Oktober von dem Pfarrer des DiakoniffenhauseS Dr. Sardemann, hier eingeführt werden. Der Name dieser ersten Schwester, die mit dem Dienste barmherziger Liebe in unsrer Gemeinde betraut wurde, diedurch Wort und Wandel von dem zeugen sollte, der aus Liebe sein Leben für uns gab", war Anna Bergholz.

Während bis dahin der Hospitalvorstand die Ein­richtung der Gemeindepflege Station betrieben hatte, hielt er es nunmehr für zweckmäßig die Leitung und Erhaltung derselben einem besonderen Verein zu über­geben. Schon im März 1895 begann dieser Diako­nissen-, späer Diakonte Verein, feine Tätigkeit. Mit­glieder desselben sind Zeit seines Bestehens so ziemlich sämtliche Haushaltsvorstände in Schlüchtern gewesen. Nach 8 4 seiner Satzungen erfolgt seine Vertretung und Verwaltung (urch einen Vorstand, der besteht aus

' ^al-Kommission. (sie wird gebildet von d-»

v»en Pfarrerkk^lnvIem B germelfler))dem M Seminardirektor und 4 Mitgliedern des Vereins

nächst gingen die Bemühungen des Diakonie-Verein» dahin, in Verbindung mit der Gemeindepflege-Station eine Kleinkinderschule einzurichten. Im Herbst 1897 konnte sie eröffnet werden, zuerst in einem gemieteten Loerl, später in der von einem Bauverein e. G. m. b. H. erbauten Kleinkinderschule, in der sie noch heute ihr Heim hat. Der Saal derselben hat auch anderen Ver­anstaltungen, welche der Gemeindepflege dienen Jungfrauen-, Mutter-, Blaukreuz-Verein u. a. eine willkommene Heimstätte gewährt.

Der 25. Jahrestag soll nicht vorübergehen, ohne bafc wir dankbar derer gedenken, welche die Gemeinde- pfl-ge ins Leben gerufen haben, es sind Superintendent Heck, Pfizer Hattendorff, Bürgermeister Salomon, der Schwestern, welche in diesem Zeitraum in allen von Krankheitsnot heimgesuchten Häusern stützend, wo

Onkel wohnte in Langenau, woher auch ich komme, und war der Besitzer eines Bergwerks dort.Vielleicht", fügte der junge Mann fragend hinzu,haben Sie Ihren Freund Franke von dieser Sache sprechen hören ?"

Allerdings, ja, oft sogar. Franke war, glaube ich Ihres Onkels Anwalt, wenn Herr Konrad Wtedemann wirklich Ihr Onkeln war. Ich meine aber, von Franke gehört zu haben, daß sein Klient, ein alter Hagestolz, ohne jegliche Angehörige gewesen sei, und daß er eben deshalb sein Eigentum einem Manne hinterlassen habe, der ihm stets ein treuer Untergebener war."

Er hatte einen einzigen Bruder, welcher damals in Sachsen lebte, und ich bin dieses Bruders einziges Kind. Er' schämte sich wahrscheinlich dieses Anver­wandten, weil er arm geblieben, während es ihm selber gelungen war, ein Vermögen zusammenzu- scharren."

Aber, wenn Ihr Onkel es für geeignet hielt, diesen Diedrich zu seinem Erben einzusetzen, so hatte er ein Recht dazu, und daß er nach diesem Rechte handelte, wissen Sie."

Das ist gerade das, was ich nicht weiß," sagte Franz ruhig.

Was meinen Sie," war die schnelle Erwiderung. Das Testament ist da Herr Diedrich ist, wie Sie sagen, im Besitz?"

Er nahm Besitz von meines Onkels Eigentum, ja. Aber durch ungesetzliche Mittel, durch einen groben Betrug," antwortete Degow im Tone vollkommener Ueberzeugung.

(Fortsetzung folgt.)