Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern
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Schlüchterner SreisNatt
Aeltefts Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
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Amtliche Beilage (Kreisblatt).
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rMttwrch, den 15. Ott-b-v 1919
70. Jahrgang
Amtliches.
-r-Nc. 11736. Dem Fleischbeschauer und Trichtnen- llvertreter Böhm in Schlüchtern ist vom 15^.d. "ab bis auf Weiteres die Fleischbeschau und Tri- ' schau in den Ortsteilen Hof Raith, Drasenberg Gomfritz der Gemeinde Klosterhöfe übertragen zu dessen Vertreter der Fleischbeschauer und Tri- Mauer Druschel in Schlüchtern bestellt worden, r Octsteil Röhrigshos ist vom gleichen Zeitpunkte ab Schaubezirk Wallroth zugeteilt worden.
"Schlüchtern, den 9. Oktober 1919.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 12344. Die^Herren Bürgermeister und Gen- Melie-Wachtmeister werden nochmals an .die baldige bigung meiner V.rfügung vom 18. August d. Js. 9938 (Kretsblatt Nr. 63), betreffend Einrichtung Einwohnerwehren, erinnert.
Schlüchtern, den 10. Oktober 1919.
Der Landrat. I. V. Schultheis.
J^Nr. 12407. Die Ortspolizeibehörden werden rholt ersucht, die erledigten Bauakten aus dem e 1918 und den früheren Jahren unter Anschluß Nbnahmeverhandlungcn baldigst hierher einzusenden. Schlüchtern, den 10. Oktober 1919.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
J.-Nr. 8081 K. A. Der Steinrichter Benedikt Wolf Romsthal wurde auf weitere 4 Jahre zum Rech- der Gemeinde Romsthal bch ^i.
Schlüchtern, den 6. Oktober 1919.
Der Landrat.
| Abschied des Regierungspräsidenten Graf von Bernstorff.
Das Amtsblatt der Regierung veröffentlicht folgende schiedsworte des scheidenden Regierungspräsidenten: | Nachdem ich meine Entlassung aus dem StaatS- litnft erbeten habe, bin ich von dem Herrn Minister Innern bis auf weiteres beurlaubt worden. Ich Nge deshalb heute das Amt als Regierungspräsident de! Bezirks Kassel nieder, dem ich über 14 Jahre - meine Dienste gewidmet habe.
■ Bei meinem Scheiden nehme ich hierdurch Ab- Mied von den Bewohnern des Bezirks und danke Nm und allen Behörden für die mir während meiner Mmtsführung stets gewährte Unterstützung und für das Müraucn, das mir entgegengebracht worden ist.
M Möge es mir vergönnt sein, noch zu erleben und mM mitzuwirken, daß unser deutsches Volk von den Mweren Schicksalsschlägen, die es betroffen, sich wieder Wachtet und einer glücklichen Zukunft entgegengeht, H es in Einigkeit stark den Platz wieder unter den Mlkern einntmmt, der seiner ruhmreichen Vergangen- entspricht.
| Mel# am 30. September 1919.
Graf von Bernstor ff, Regierungspräsident.
DeMsches Reich.
i — Berlin. (Das Inkrafttreten des Friedensver- W) In hiesigen gut unterrichteten politischen glaubt man zu wissen, daß im Laufe dieser Woche die Ratifikationsurkunden Frankreichs, Englands W Italiens über den Friedensvertrag gemäß den ^lußbestimmungen des Vertrages in Paris niederge« D werden. Ueber die Niederlegung der Ratisikations- V'unden wird dann entsprechend dem Vertrag ein ffrotokoll errichtet, womit der Vertrag zwischen den vertragschließenden Teilen, die ihn auf diese W ratifiziert haben, in Kraft tritt. Dieser Zeit« „ J Silt zugleich als der Zeitpunkt d.S Inkrafttretens kr im Verträge vorgesehenen Pflichten (z. B. Fest- «ung der Abstimmung, Behandlung der Auslieferungs- Zahlungen und Lieferungen usw ) Damit tritt 2® ™ Europa formell der Friedenszustand ein. Nun- i ^M'iint für uns die 40jährige Wanderung durch Allste. Deutscherseits ist der Frieden bereits am j ratifiziert worden. Die Ratifikationsurkunde ! "Urch ben Vorsitzenden der deutschen Friedensdele- „ ” in Versailles, Legationsrat Frhr. v. Lerchner i^^ralsekretartat der Friedenskonferenz am 10. P " in einmaliger Ausfertigung niedergelegt worden.
— Berlin. (270000 Gefangene zurückgekehrt.) Die Reichszmtrale für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit: Die Gesamtzahl der Heimkehrer, die bis zum 9. Oktober in den Durchgangslagern eingetroffen find, beläuft sich auf rund 270000 Mann. Alle Kriegsgefangenen, die sich auf französischem Boden in amerikanischer Hand befanden, sind jetzt zurück. Ferner bifinben sich unter den Heimgekehrten rund 8500 Mann, die in belgischer Kriegsgefangenschaft waren.
— Das wahre Gesicht der Unabhängigen. Ein auf der Hamburger Vulkanwerst beschäftigter Arbeiter Genosse Kähler, hat im „Hamburger Echo" einen Artikel veröffentlicht, indem er die Meinung vertrat, daß die Akkordarbeit früher oder später wiederkehren werde. Daraufhin erzwäng der Betriebsrat des Vulkan seine sofortige Entlassung. Eine mehrheitssozialistische Metallarbeiterkommission, die über seine Wlederein- stellung verhandeln wollte, wurde wüst beschimpft, bedroht und unter Schlägen aus der Werft herausgekarrt. Die Ortsverwaltung des Metallarbeirerver- bandeS lehnte jede Verhandlung mit ihr ab, und so bleibt Kähler, ein verheirateter Mann mit fünf Kindern, auf dem Straßenpflaster liegen, und der unabhängige Albeirerrat hat entschieden, daß er nicht einmal ArbeitS- Unterstützung erhält. Die „Sozial. Korr." knüpft an dieses Vorkommnis folgende Bemerkung: „Diese Ge- waltwirtschaft eines brutalen Gesindels — das ist heute der aktive Teil der U. S. P. Nach dem, was die Kautsky und Ströbel lehren, und die Haase und Dittmann innerlich denken, kräht in den Rassen der U. S. P. kein Hahn."
— Berlin. (Der Kommunisten-Spaltungsbazillu».) Der „Vorwärts" registriert mit deutlicher Befriedigung die Spaltungsbestrebungen innerhalb der Kommunisten. Er schreibt: Die sog. Einigkeit bei den Ganzradikalen wird immer erbaulicher. Der Spattungsbazillus, mit dem sie einst den Sozialismus versetzt haben, wütet j tzt im eigenen Leibe. Die Kommunisten haben erst die Sozialdemokratische Partei, dann die Unabhängigen gespalten und nun spalten sie sich selber. Da; Erfurter kommunistische Blatt veröffentlicht eine Kriegserklärung der Zentralleitung der Kommunistischen Partei gegen die Berliner „Rote Fahne". Das Berliner Parteiblatt der Kommnnisten wird also von deren Leitung als nicht mehr zur Partei gehörig betrachtet. Die neue kommunistische Gruppe mit dem Namen „Revolutionäre Betriebsorgantsation" tut sich auf. Dafür wird sie von der Kommunistischen Partei, die sich ihrerseits für die Alleinseligmachende.,hält, exkommuniziert. Spaltung überall, Spaltung im Roten Vollzugsrat, Spaltung innerhalb der Kommunisten, Spaltung innerhalb der Unabhängigen. Wo noch eine große Anzahl Radikaler unter einem Hut vereinigt ist, da tritt prompt die Spaltung ein. Eine deutliche Verfallerschetnuug.!
Die Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung und der Höchstpreise für Häute, Felle und Leder.
(Verband d. Förderung b. D. Schafzucht.)
Durch die Verordnung des Reichswirtschaftsministers vom 15. August 1919 wird die Zwangsbewirtschaftung für Häute, Felle und Leder aufgehoben und die hierfür festgesetzten Höchstpreise kommen in Wegfall,
Dieses Vorgehen des Reichswirtschaftsministeriums bedeutet einen wesentlichen Schritt in der Freimachung von der Zwangswirtschaft. Ob aber ein Abbau der Zwangswirtschaft gerade nach dieser Richtung hin als segensreich und erwünscht angesehen werden kann, muß als sehr zweifelhaft erscheinen. Vielfach ist die Ansicht vertreten worden, daß die Bewirtschaftung von Leder und Häuten im engsten Zusammenhänge mit derjenigen von Schlachtvieh zu erfolgen habe und daß eine Trennung beider die allergrößten wirtschaftlichen Schwierig- k iten zur Folge h:ben müßte. Die inzwischen einge- tretenen Tatsachen haben diese Vermutungen vollauf
der Freigabe der Häute sind von den Haut- verwertungsverbänden die Häuteversteigerungen w,eder ausgenommen worden. Die erste derselben fand am 19 August 1919 in Berlin Lichtenberg statt. Ange- schloffen haben sich solche in Hamburg, Stuttgart, Kassel und Münch.m. Inzwischen ist an ben einzelnen Stellen bereits die zweite Auktion abgehalten worden. Ruch
fand eine solche in Halle statt. Die auf diesen Ver' steigerungen erzielten Preise müssen als geradezu un geheuerliche angesehen werden, denn es ist die Tatsache eingetreten, daß fast durchweg die Häute augenblicklich das Zehnfache des früheren Preises bringen. So haben schwere Ochsenhäute verschiedentlich 800—1000 Mark gebracht, während früher dafür noch nicht einmal 100 Mark gezahlt wurden. Diesen Riesenpreissteigerungen und damit verbundenen Konjunkturgewinnen steht die Landwirtschaft ganz unbeteiligt gegenüber. Die Fellverwertung fällt mithin dem schlachtenden Kommunalverband oder der sonstigen empfangsberechtigten Stelle zu. Irgendeine Rückvergütung aus dem gesteigerten Häuteerlös an den Landwirt erfolgt natürlich nicht. Es wird also der Landwirt durch diese Preissteigerung auf das empfindlichste geschädigt.
Auch diejenigen Felle, die im Betriebe durch Eigen- schlachtung oder Notschlachtungen anfallen, werden fich nicht viel günstiger verwerten lassen als früher. Es ist dem Landwirt nicht möglich, die Häuteversteigerungen direkt zu beschicken, dazu ist die zur Verfügung stehende Zahl zu gering und die BeschickungSmöglichkeit nicht genügend organisiert. Es wird mithin der Landwirt nach wie vor feine Felle durch den Händler verwerten müssen, der sehr wahrscheinlich einen nur kleinen Aufschlag gegen früher zahlen wird. Auch nach dieser Richtung hin steht der Landwirt ziemlich ohnmächtig da und ist vollkommen der Willkür des Handels ausgesetzt, der aus den eingetretenen Preissteigerungen die größten Vorteile zieht.
Es muß wohl als selbstversts^lich angesehen werden, daß jeder rechnende Landwirt auf das tiefste über diese Zustände empört ist und auf Mittel und Wege sinnt, diesen Mißständen entgegentreten zu können. Vielfach ist dieses in radikaler Weise dadurch zum Ausdruck gebracht worden, daß die Erfüllung der Pflichtumlage für Vieh einfach verweigert wird. Gs führt dies naturgemäß zu einer immer weiter ausgedehnten Ausdehnung der Echwarzschlachtuugen und gefährtet mithin die Gesamtfleischversorgnug unseres Volkes auf das schwerste. Da es aber unter den obwaltenden Umständen als völlig unmöglich angesehen werden muß, von einer Zwangsbewirtschaftung des Fleisches abzugehen, so ist diese Form der Eigenhilfe unter allen Umständen zu verwerfen und eS muß ihr mit allen Mitteln entgegengetreten werden, soll nicht im kommenden Winter eine schwere Katastrophe in der Fletschversorgung unseres Volkes eintreten.
Ein zweiter Ausweg ist der, daß der Landwirt sich bei bekannten Gerbereien die Felle selbst ausgerben läßt und sich somit in den Besitz preiswerten Leders setzt. Hierbei bleibt jedoch Voraussetzung, daß das Gerberei- gewerbe der Landwirtschaft gegenüber das nötige Verständnis zeigt. Da aber im lokalen Verkehr hierfür meistens alte Beziehungen vorhanden find, so dürften nach dieser Richtung hin allzu große Schwierigkeiten nicht erwachsen. Dieser Weg ist gangbar und löst keine die Allgemeinheit schädigende Wirkungen aus. Er kann deshalb nur empfohlen werden.
Eine dritte Möglichkeit könnte dadurch geboten werden, daß die Landwirtschaft sich dazu entschließt, sich in bezug auf die Häuteverwertung fest zu organisieren, um somit a» den Häuteversteigerungen direkt teilnehmen zu können. Wenn die früher nach dieser Richtung hin gemachten Anregungen immerhin gewisse Schwierigkeiten in der Ausführung boten, so dürften dieselben sich unter den augenblicklichen Verhältnissen erheblich vermindert haben. Die Häuteversteigerungen sind wieder da, es bleibt als einzige Lücke diejenige offen, die Beschickung derselben von der Landwirtschaft zu organisieren. Dieser Gedanke ist vom Verbände zur Förderung der deutschen Schafzucht, soweit er sich auf Schaffelle bezieht, erneut wieder aufgegriffen worden und soll umgehend ausgebaut werden. Wir hoffen, daß wir unseren Mitgliedern schon in allernächster Zeit mit praktischen Vorschlägen dienen können und dürfen erwarten, daß die geplanten Maßnahmen von den schafhaltenden Landwirten freudig begrüßt werden und die regste Unterstützung finden.
Die HLrieftauSenzuchL.
In der Zeiten lastender Schwere tritt ein immer stärker werdendes Verlangen nach Abwechslung und