Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Greife Schlüchtern.
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Lchlüchteruer Kreisblatt
Aelteste Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
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Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt (iwg.)
Amtliche Beilage (Kreisblatt).
K 82.
Samstag, den 11. Oktober 1919.
70. Jahrgang.
Amtliches.
i J.-Nr. 9004 K. A.
1 Bürger»eistsrversam«lnng.
Betr. Ueberlaudswerk.
M Zu einer Besprechung über die Durchführung der j Stbeücn des Ueber landswerkes in den Gemeinden lebe m hiermit die sämtlichen Herren Bürgermeister und « Schöffen auf Dienstag, den 14. d. Mts. vorm.
8 Uhr in den Saal der Turnhalle zu Schlüchtern M, Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. Das Mbringen von Mitgliedern der Gemeindevertretung
: ist erwünscht.
j Schlüchtern, den 7. Oktober 1919.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
s Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen DeiNäge aus den Zahltagen für die Monate Juli, August und September 1919 wird hiermit in Erinner- Mug gebracht. Diejenigen Herren Arbeitgeber, die noch Mim Besitze der für 1919 laufenden monatlichen Kon- kAnausjüge sind, werden ersucht, solche umgehend zur | Eintragung der Beiträge hierher einzusenden.
Hebeterruine finden statt:
I L in Sterbfritz, für Sterbfritz und die Sterbfritz Diaheliegenden Orte am :
MMit-woch, den 15. dt. r» ^ u nachmittags M-6 Uhr, in der Böhm'schen Gaftwirtschasr daselbst. I 2. in Steinau, für die Stadt Steinau und umliegen- I den Orte am:
k Sonnabend den IS.CEt 1919, V. vorm 8-12 kUhr in der Eckart'schen Gastwirtschaft daselbst.
3. in Salmünster, für Salmünster und Ahl am: »Mittwoch, den 22. Okt. 1919 V vorm. 8—11 »Uhr im Gasthause „Zum Engel" daselbst.
4. in Soden, für Soden, Romrthal, Eckardroth, kKerbersdorf und Wahlert ebenfalls am:
»Mittwoch, den 22. Okt. ISIS v nachm. 1—4 »Uhr in der Zehner'ichen Gastwirtschaft daselbst.
; Die Quittungsbücher und Quittungskarten ersuchen Mir bet der Zahlung vorlegen zu lassen.
| Die Herren Bürgermeister bitten wir im Interesse Waller Zahlungspflichtigen ihrer Gemeinde, dieses wieder- vholt ortsüblich bekannt machen zu lassen.
In Steinau, Sterbfritz, Salmünster, Soden und
Bergmanns Töetztevtein
Roman von Martin Förster. 32
(Fortsetzung.)
„Es ist der Familienname meiner Mutter, und ich 1 ^hm ihn an, weil ein Verwandter desselben Namens mich adoptierte."
Der Minenbesitzer war aufgestanden und begann M auf den Rücken gelegten Händen im Zimmer auf und ab zu schreiten. Franz Degow saß eine Weile wartend da, machte sich dann durch Räuspern bemerk dar und fragte endlich, ob Herr Diedrich ncch weiteres von ihm zu erfahren wünsche.
Dieser fuhr wie aus tiefen Gedanken empor. Er schien des anderen Gegenwart fast vergessen zu haben. „Nein", sagte er dann zögernd. „Ich danke Euch, Ähr könnt gehen."
10. Kapitel.
An den nächsten Tagen warteten Jutta und ihr «ater vergeblich auf Franz Degows Erscheinen. Sie beruhigten sich erst bei derAnnrhme, daß er wahrscheinlich unausgesetzt beschäftigt sein würde, im Verein mit feinem Verteidiger Beweismatertal für seine Entlastung iu sammeln.
Am Morgen des dritten Tages jedoch erhielt Jutta einen Brief von der Hand des Geliebten, der den Poststempel Hamburg trug und dessen Inhalt sie vollständig niederschmetterte. Er lautete wie folgt: „Geliebte ^utta! Wenn Du diesen Brief erhältst, werde ich auf den Wogen des Weltmeeres schwimmen. Ich durfte uicht Abschied von Dir nehmen, mein geliebtes Mädchen. Y gibt zwingende Notwendigkeiten, die stärker sind als wir. Sonst würde ich nie und nimmer gerade diesen Schritt getan haben, den man mir als
den diesen Gemeinden naheliegenden Orten bitten wir tunlichst die Bekanntmachung nochmals an den Hebe- termintagen oder am Tage vorher erfolgen zu lassen, damit allen Zahlungspflichtigen die genauen Stunden in Erinnerung bleiben.
Schlüchtern, am 30. September 1919.
Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse.
Der Magistrat hat für den Bezirk der Stadt Schlüchtern eine Fürsorgestelle für heimgekehrte Kriegs- gefangene mit der Bezeichnung:
Ziriegsgesanstenen-Aeimkehr eingerichtet und diese Stelle dem Wohlfahrtsamt des Heimatbundes, im Stadtschlößchen, angegliedert. Heim- gekehrte Kriegsgefangene werden auf diese Einrichtung besonders hingewiesen. Sie erhalten dort Rat und Aufklärung in allen Fragen.
Schlüchtern, den 3. Oktober 1919.
Der Magistrat: Stückrath.
Die neuen LandeskutturöeHörden.
Am 1. Oktober tritt das Gesetz über Landeskultur- behörden vom 3. Juni 1919 in Preußen in Kraft. Damit beginnt eine neue Epoche für die preußischen Agrarbehörden. Nach den Befreiungskriegen zur Durchführung der Stein-Hardenbergschen Agrargesetzgebung ins Leben gerufen, haben die preußischen Aus- einandersetzungsbehörden, Generalkommissionen und Spezialkommissionen die ihnen übertragenen Aufgaben, Regulierung der-gLLLhsrrLH l,östlichen Verhältnisse, Gemeinheitsteilungen und Servitutablösungen, in dem verflossenen Jahrhundert fast restlos gelöst. An ihre Stelle treten mit dem heutigen Tage die Kulturämter und Landeskulturämter. Sie find berufen, das durch ben unglücklichen Ausgang des Weltkrieges diktierte Agrarreformprogramm des preußischen Landwirtschaftsministers auszuführen, das sich eine gesunde Mischung unserer Grundbefitzverhältnisse und bte Urbarmachung, unserer Moor- und Dedländereien zum Ziele setzt, um dadurch unsere landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Damit soll unsere VolkSernährung nach Möglichkeit vom Auslande unabhäng gemacht und der Grund zum Wiederaufbau unseres Vaterlandes gelegt werden. Dort, wo der Großgrundbesitz überwiegt, wird also dieFörderung der inneren Kolonisation im Rahmen des Reichssied- lungsgesetzes, wo Parzellen- und Kleinbesitz vorherrschen, die wirtschaftliche Zusammlegung der in vermengter Lage befindlichen Grundstücke, in den Moor- und
Flucht ror der Macht des Gesetzes auslegen könnte. Gott gebe, daß unserer Trennung bald ein Ende bereitet wird. Ich darf Dir jetzt kein aufklärendes Wort sagen. Ich kann Dich nur anflehen: Glaube, hoffe, vertraue! Gott segne Dich mein Liebling. Grüße Deinen Vater und verzweifle nicht an Deinem Franz."
Völlig außer sich stürzte Jutta ihrem Vater bei dessen Rückkehr mit dem Brief in der Hand entgegen. Auch er war wie vom Donner gerührt. Es war fast zu viel, was auf ihn und seine Tochter einstürmte. Zuerst die unerhörte Verdächtigung seines zukünftigen Schwiegersohnes und nun dessen noch unerhörte Flucht, die' doch nur als eindringlicher Beweis seiner Schuld angesehen werden konnte. Sobald er sich einigermaßen gefaßt hatte, eilte er mit dem offenen Briefe zu Herrn Willroth.
Der Rechtsanwalt war eben seinerseits im Begriff gewesen, Sackse aufzusuchen. Zu des letzteren Erstaunen schien ihn die Nachricht von Degows Verschwinden nicht im Mindesten zu überraschen.
„Ich hätte mein Leben für ihn verpfändet," keuchte der Unteraufseher.
„Wo ist er denn?" fragte der andere gelassen.
„Das mag Gott wissen. Der Brief ist in Hamburg abgestempelt."
„Amerika", sagte der Anwalt lakonisch.
„Wahrscheinlich. Aber wie steht eS mit uns? Wir leisteten Bürgschaft."
„Wir werden sie vermutlich bezahlen müssen. Aber beruhigt Euch, Sachse, und kommt mit mir 1 Ich möchte Euch etwas anvertrauen."
Franz Degows geheimnisvolles Verschwinden erregte begreiflicherweise großes Aufsehen und konnte nur als eine Bestätigung des ihm zur Last gelegenen Ver
Heidegegenden die Schaffung von Neuland die Haupttätigkeit der neuen Landeskulturbehörden bilden.
Gewaltige Aufgaben stehen den jungen Behörden bevor. Möge ihre Lösung im gleichen Maße gelingen, wie die Auseinandersetzungsbehörden, was jeder Kenner der Verhältnisse zugeben wird, ihren schwierigen Ausgaben gerecht geworden find! Dann wird die Tätigkeit unserer Agrarbehörden auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens unserem Volke und Lande zum Segen gereichen.
Ein Attentat auf Haase.
Wenige Minuten nach 1 Uhr gab am Mittwoch vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ein Zivilist sechs Schüsse auf den das Gebäude betretenden Abg. Haase ab. Der Abg. Haase ist am Unterleib, am Oberschenkel und am Unterarm getroffen worden. Der Täter wurde von der Polizei verhaftet und in das Reichstagsgebäude gebracht. UAer seine Persönlichkeit steht noch nichts fest, außer, daß es sich um einen Oesterreich» handelt. — Der Zivilist, der die Revolverschüsse auf Haase abgegeben hat, machte über seine Persönlichkeit folgende Angaben: Ee sei der Wiener Lederarbeiter Johann Voß, 51 Jahre alt. Ueber die Beweggründe seiner Tat sprach er sich nicht aus. _________________________________
Deutsches Reich.
— Dem Reichsrat lag in seiner letzten Vollsitzung der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Zucker vor. Nach den Ausführungen des Regierungs- vcrtreters seien die Aussichten für die Zuckerversorgung rM trübe. Der Rübenanbau Ar das Wirtschaftsjahr 1919-20 betrage noch nicht die Hälfte des Anbaue» im letzten Friedenswirtschaftsjahr. Dementsprechend sei die Zuckererzeugung von 20 Millionen Doppelzentnern auf 9,5 Millionen Doppelzentner gesunken.
— Die ehemalige Herzogin Charlotte von Sachsen« Meiningen, Prinzessin von Preußen, eine Schwester Kaiser Wilhelms, ist in Baden-Baden, wo sie zur Kur weilte, gestorben.
— Berlin. Durch Bekanntmachung der Reichsstelle für Druckpapier vom 29. September sind die Preise für Zeltungspapier für das vierte Vierteljahre 1919 gegenüber den bisherigen Preisen um 18,50 Mk. erhöht.
— Berlin. (Aufgeschobene Rückkehr der Schwerver- mundeten.) Wie der Berner Vertreter des „Vorwärts" erfährt, ist die Abfindung der schwerverwundeten deutschen Gefangenen aus Frankreich, die am 6. Oktober beginnen sollte, um 15 Tage hinausgeschoben worden.
brechens angesehen werden. Man wunderte sich um so mehr, daß der Unteraufseher und seine Tochter, deren Beziehungen zu dem Flüchtling hinreichend bekannt waren, die Sache so leicht zu nehmen schienen. Nach SachseS Unterredung mit dem Rechtsanwalt Willroth war der erstere vollständig beruhigt nach Hause gekommen, und was er hier berichtete, hatte genügt, um die Rosen auf Juttas Wangen zurückzuzaubern und ihr Herz mit neuer Hoffnung zu erfüllen.
Nur wenige Tage noch, und die Frist bis zur Wiederaufnahme von Degows Fall war abgelaufen. Der Gerichtshof versammelte sich von neuem, und trotz der bitteren Kälte hatte sich wiederum eine zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden.
Die Gesichter des Minenbesitzers und seines Neffen drückten schlecht verhehlten Triumph aus, als der Vorgeladene nicht erschien, und dessen Anwalt mit der größten Seelenruhe bekundete, daß sein Klient höchstwahrscheinlich entwichen sei. Weder WillrothS noch Sachsens Züge zeigten dabei eine Spur von Erregung während die meisten in sichtbarer Unruhe mit einander flüsterten, und unter der Menge im Saal ein hörbares Gemurmel entstand.
Es blieb schließlich nichts übrig, als den Termin um eine wettere Woche zu verttagen. War Degow bis dahin nicht erschienen, so würde er als des Verbrechens geständig angesehen und ihm die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt werden. Zugleich würde Sachse und Willroth sich genötigt sehen, die großmütig übernommene Bürgschaftssumme von tausend Mark zu erlegen.
- (Fortsetzung folgt.)