Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Greise 8chtüchtern.
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Schstichterner Meisßlatt
Aelteste Seitaag im Kreise; begründet im Zahre 1849.
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M 81.
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Amtliche Beilage (Kreisblatt).
Alittivseh, den 8. Gktrber 1919.
70. Jahrgang.
Oberst Reinhardt an die preußische Armee.
Der Chef der Reichswehr-Befehlsstelle Preußen Oberst Reinhardt erläßt folgenden Aufruf an die preußische Armee:
Mit tem 30. September lösen sich die Verbände der alten preußischen Armee auf und gehen als N.u- bildungen in die Reichswehr über. Diese Umgestaltung bedeutet für die jetzigen und ehemaligen Angehörigen der deutschen Armee den Abschied von vielen teuern Erinnerungen und hohen Werten der Vergrnzenheit, sie bedeutet aber gleichzeitig den Anfang einer neuen Entwicklung, deren Träger das Große und Gute, was die vorangegangenen Geschlechter uns überlieferten, als Erbe zu verwalten und zu verwerten haben.
Die preußische Herresverfassung entstammte in ihren Grundzügen den Zeiten des edlen Aufschwungs der Befreiungskriege. Damals wurde Preußens Heer das Volk in Waffen, das den Geist der pflichttreuen Unterordnung unter das Staatswohl, den straffen Gang des Dienstes, die Ordnung der Verwaltung als Vermächtnis des altpreußffchen Staates aus den Tagen des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen übernommen hat. Dieser Geist hatte die Alten im harten Kampf um die Erhaltung von Freiheit und Heimat über Fehrbellin und Leuthen = geführt, er siegte, getragen von der BLiejflerung aller deutschen Stämme, bei Leipzig und Waterloo über die ; französische Tyrannenherrschaft Napoleons, und das i befreite, aber noch ungeetnte deutsche Volk erreichte - nach neueren großen Kämpfen unter Preußens Führung t aus dem Wege über Düppel, Königgrätz und Sedan s sein langersehntes Ziel, die staatliche Einheit, das | Deutsche Reich.
Furchtbare Belastungen brächte der Weltkrieg dem I neuen Reiche. Würdig der Väter führten Preußens I Söhne vereint mit den Bruderstämmen einen heroischen | Daseinskampf gegen die ganze feindliche Welt. MaaS ß und Marne, Somme, Aisne und $)jer, Ostpreußens | Seen, wie Polens, GalizienS und Rußlands Ströme ß wurden Zeugen der Heldentaten deutscher Heere, ja I weiterhin über Mazedonien, Rumänien, Italien, Palästina k hinaus und in allen Teilen des Weltmeeres setzten sie k siegend und sterbend Gut und Blut sür Deutschlands | Größe ein.
I Tiesbrwegend ist ein solcher Rückblick in der letzten R Abschiedsstunde der alten Armee.
| , Aber wir wären der .stolzen Ueberlieferungen nicht twürdig, wollten wir tatenlos trauern. Das groß-
Bergmanns Tsetztertsin.
Roman von Martin Förster.
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i Würde, so setzte er hinzu, ein Schurke, der sich D räuberisch an fremdem Eigentum vergreift, gleichzeitig Wrir derartige fast beispiellose Selbstlosigkeit und Wpfelwilligkeit an den Tag legen? Und was nun r M vorliegenden Fall selbst anbctüfft: An dem Tage, der Raubanfall verübt war, hatte der Angeklagte ; *n der TageSschicht im Herrenschacht gearbeitet und genau zehn Minuten nach zwei Uhr aus diesem k ^rausgestiegen, also drei Stunden nach dem begangenen Umbrechen. Wie hätte er wissen können, daß Vümar krank war, daß der junge Dietrich diesen vertrat, Mb daß derselbe gerade um die bewußte Zeit, und War allein, nach der Bank gefahren war. Ferner: -wie hatte er sich benommen, als der Inspektor Kahle W an jenem Morgen aus dem Schlafe gestört und Sachen durchsucht hatte? Würde er nicht, wenn im geringsten schuldbewußt gefühlt hätte, vor Dingen auf seiner Hut gewesen sein und versucht ' ^e belastenden Scheine zu verbergen? Statt ^ irat er völlig ruhig urd furchlos, selbverständlich allen Zeichen lebhafter Uebcrraschung und M irustung dem Beamten entgegen. Er warf diesem rou^n seiner Unschuld die Schlüssel vor die ""ö sah mit verächtlichem Gleichmut zu, wie unter seinen Sachen wühlte und selbst die öffnete. Daß das Auffinden der Scheine i nrh*« ^ Seradezu einen lähmenden Schrecken ver- ' » Wöt "ur zu offensichtlich gewesen. Wenn <n Vorhandensein gewußt hätte, so hätte er u Weise verstellen können. Wie waren diese Scheine in DegowS Geldbüchse gelangt ? Auch
deutsche Vaterland braucht jeden Mann, jede Kraft, es braucht den Geist der Pflichterfüllung und der Hinweis bis zur Selbstaufopferung. In seiner Pflege sehen wir das heilige Vermächtnis der alten preußischen Armee. Wir wollen es wahren in treuem Herzen und wollen aus dieser Wurzel die Kraft ziehen zur Arbeit im Wiederaufbau des geliebten Vaterlandes.
Per aspera ad astra!
Deutsches Reich.
— Berlin. Die Hetze gegen die Einwohnerwehren. Mit allen Mitteln der Propaganda setzen die Links- radikalen ihren Lügenfeldzug gegen die ihnen verhaßten Einwohnerwehren, die Ro.wehrorganisationen gegen Umsturz und Terror, fort. Es führte zu wett, die Lügenmeldungen über verkappte Reaktion, Unterbringung der abzuliefernden Heereswaffen in den Einwohnerwehren, Bewaffnung der Jugend und alle die sonstigen, oft geradezu lächerlichen Märchen immer einzeln zu widerlegen. Kürzlich verbreiteten sie, daß bei den Kösliner Lebensmittelunruhen die Einwohnerwehr schmählich versagt habe und sogar entwaffnet worden sei. Dort war die Bildung der Wehr am Widerstände des Magistrats gescheitert. Außer der Polizei bestand nur eine unzureichende Organisation von militärischen Zeitfreiwilligen, die mit der Einwohnerwehr garnichts zu tun havcr^^ chtW Einwohnerwehr hätte sicherlich jene bedauerlichen Ausschreitungen verhindert. Die Kösliner Ereignisse sollen von neuem alle noch zaudernden Städte und Kreise mahnen, schleunigst starke Einwohnerwehren zu bilden, wenn sie sich vor unabsehbaren Schäden schützen wollen. Es ist nicht nötig, daß die blutigen Erfahrungen, die in Berlin, Hamburg, Bremen, Kaffel und anderen Städten widerstandsfähige Wehren erstehen ließen, erst immer wiederholt werden. Es heißt vorbeugm, und die Gemeinden die ja doch den Schaden tragen müssen, tun gut, zu befolgen, was ihnen Unterstaalssckretär Lewald kürzlich in der Nationalversammlung riet, sich rechtzeitig durch Einwohnerwehren gegen Tumulte zu schützen. Unter- schätzung der Gefahr ist der größte Fehler. Reichs Wehrtruppen und Polizei, auf die die Hetzer auch ihren zersetzenden Einfluß auszudehnen versuchen, reichen zum Schutz nicht aus. Der schwerste deutsche Winter steht vor der Tür. Um durch die Not zu kommen, muß der mächtige Block der Einwohnerwehren immer fester zusammengeschloffen werden.
Zentralstelle für Einwohnerwehren beim preußischen Ministerium des Innern.
diese Frage schien nicht allzu schwer zu beantworten. Franz Degow war der einzige Mieter im Hause einer gewesen Frau Benneke, einer kinderlosen Witwe in Langenau. Seit vier Wochen hatte er in der Nachtschicht gearbeitet und war allabendlich mit Ausnahme des Sonnabends kurz vor acht Uhr aus dem Hause gegangen, um morgens zwischen sechs und sieben zurückzukehren. Seine Wirtin, die etwas ängstlicher Natur war, hatte sich gefürchtet, allein in dem Hause zu schlafen, und war in dieser Zeit für die Nacht stets zu ihrer in der Nähe wohnenden Schwester gegangen. Zwischen neun und zehn Uhr abends pflegte sie dann fortzugehen und den Hausschlüssel an einer bestimmten Stelle zu verstecken, wo Degow, der gewöhnlich früher nach Hause kam als sie, ihn finden konnte. Dieser letztere nahm niemals seine Schlüssel mit in den Schacht, um sich nicht unnötig zu beschweren, sondern ließ sie gewöhnlich in der Tasche seines besseren AnzugeS stecken. Schließlich befand sich dem Häuschen der Witwe gegenüber eine Hecke, hinter der sich mit Leichtigkeit jemand verbergen konnte, um etwa von hier aus den Versteck des Hausschlüffels zu erspähen. Stellte man alle diese Umstände neben einander, so ergab sich daraus das Resultat, daß ein Uebelwollender in seinem Bemühen, den Verdacht der Tat auf Degow zu lenken, auf keine oder doch nur sehr geringe Schwierigkeiten hat stoßen können. Die Wege waren ihm geradezu geebnet. Als weitere Entlastung mußte die bisherige Unbescholtenheit und große Beliebtheit des jungen Bergmannes dienen, der sich sogar in ganz hervorragender Weise Verdienste und Anerkennungen erworben. So hielt es der Verteidiger für angemessen, nicht etwa einen Aufschub, sondern völlige Freisprechung zu beantragen.
— Mit dem Rücktransport der Kriegsgefangenen aus Frankreich wird in den nächsten Tagen begonnen werden.
— Rückgang der Kohlenförderung. Aus Ober- schlefien werden empfindliche Rückgänge in der Kohlen- förderung gemeldet. Auch aus Westfalen lauten die Berichte unerfreulich. Es wird nur ein Drittel gegenüber der Friedenszeit gefördert. — Aus Berlin wird gemeldet, daß dort die Reserven erneut zurückgegangen sind. Wenn keine erhebliche Befferüng in den nächsten Tagen erfolgt, fleht Berlin vor bedenklichen Zuständen, zumal die Winterkälte eingesetzt hat.
— Berlin. (Spartakus' Waffeneinkaufsstelle.) Wie der „Deutschen Tageszeitung" gemeldet wird, haben sich die Kommunisten in der Nähe eines Berliner Bahnhofs eine Waffeneinkaufsstelle eingerichtet. Unzuverlässigen Elementen innerhalb des Heeres war es anscheinend gelungen, eine ganze Menge Waffen aus Heeresbeständen verschwinden zu laffen. Die kommunistische Zentrale ist nunmehr mit Eifer darauf aus, diese Waffen in ihre Hände zu bekommen. Sie bezahlt für ein schweres Maschinengewehr 800 Mark, für ein Gewehr oder Karabiner 100 Mark, für eine Handgranate 3 bis 5 Mark.
— Die Kommunisten verteilen Waffen. Nach Meldungen aus Hannover erklärte der Schneider Merges, der frühere PrMmt von Braunschweig, in einer in Holzminden an der Weser abgehaltenen kommunistischen Versammlung, daß die Kommunisten in allen Orten Deutschlands zurzeit ungestört Waffen ver eilen, um gerüstet zu sein bei den unmittelbar bevorstehenden Sturz der jetzigen Regierung.
— Versailles. (Italien wird ratifizieren.) Nach Privatmeldungen des „Matin" aus Rom hat der Ministerrat beschlossen, vom König zu verlangen, daß er von dem Recht, das ihm die Verfassung gibt, Gebrauch machen soll, um die Friedensverträge mit Deutschland und Deutsch-Oesterreich vorbehaltlich der späteren Genehmigung des Parlaments für ratifiziert zu erklären.
— Die Polen halten das Getreide zurück. Um die Ausfuhr von Getreide aus den an Polen fallenden Gebietsteilen nach Deutschland zu verhindern, fordert der in Bromberg erscheinende „Dziennik bydgoskt" die polnischen Landwirte auf, nicht zu dreschen.
— Eine Verleumdung. „Petit Paristen" bringt einen Bericht über den Kölner Loslösungskongreß, den er von Dr. Dorten selbst zu haben versichert. Auf diesem Kongreß habe Minister Stegerwald erklärt !W." ■.'.1'' !__ä
Es war eine zündende Rede gewesen, und als der Sprecher endlich schwieg und tiefausatmend seinen Sitz wieder einnahm, lohnte ihm ein lang anhaltender Applaus.
Während die Richter sich zu einer kurzen Beratung zurückzegen, trat Sachse zu dem Verteidiger und hielt flüsternde Zwiesprache mit ihm. Es verging eine Zeit atemloser E.wartung, und dann verkündigte der Vorsitzende des Richterkollegiums mit lauter Stimme: „Der Gefangene wird vorläufig gegen eine hauptsächlich von dem Unteraufseher Sachse geleistete Bürgschaft aus seiner Haft entlaffen."
Fünf Minuten später war Franz Degow wieder ein freier Mann und verließ hocherhobenen Hauptes den Gerichtssaal. An der Tür traf er mit Sachse und dessen Tochter zusammen. Sie konnten ihm nur wortlos die Hände drücken, denn die Dorfbewohner umdrängten ihn beglückwünschend, mit strahlenden Gesichtern, wobei immer und immer das Lob des Verteidigers ertönte. Nur mit Mühe gelang es dem Unteraufseher schließlich, zu dem Wagen zu gelange», den ihm ein befreundeter Bauer zur Verfügung gestellt hatte und der ihn und seine glückstrahlenden Kinder nach seine Wohnung führte.
Als Franz Degow am Nachmittage des folgenden Tages wiederum das Haus seines Schwiegervaters betrat und Jutta ihn zärtlich begrüßt hatte, machte ihm der Unteraufseher die Eröffnung, daß der Minen- befitzer den Wunsch ausgesprochen habe, Degow möge, solange er sich nicht völlig von dem ihm anhaftenden Verdachte gereinigt habe, nicht in Arbeit kommen.
Franz stützte ein wenig. „Hat er das selbst gesagt?" fragte er.
„Ja," entgegnete Sachse, indem er sich eine neue