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MAmtlichem Kreisblatt". Wochtubcilagr: Illustriertes Sonntagsblatt.

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und Samstag Preis mitKreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 Pfg.

M 80. Samstag, den 4. Oktober 1919. 70. Jahrgang

Volkszählung.

I Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher er- Me ich, etwa überzählige HauShaltungs und Zähler- !!sten (Formular A und B) sofort hierher zurückzu- n senden.

| Schlüchtern, den 3. Oktober 1919.

I Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Bekanntmachung.

Auf das in der Schl. Ztg. vom 1. d. Mts. ent- ltene Eingesandt betr. die Ursache der angeblich legten Beschaffenheit des Brotes habe ich die Herren Fad. Fenner, Friedrich Gutermuth, Fritz Hildebrardt und Lconhard Schäfer zu einer Untersuchung der llager veranlaßt und über diese Untersuchung den ze'nden Bericht erhalten:

Die Frucht lagert in allen Räumen trocken und sachgemäß. Die Vorräte sind durchweg von guter Beschaffenheit. Die Lagerräume btfinden sich in reinlichem Zustand.

In dem Rosenbaum'schen Lager wurde an 2 ver- iedemn Stellen die Frucht sorgfältig entfernt, um se Reinlichkeit des Bodens unter der Frucht zu prüfen. ch dem Befund des freigelegten Bodens und der staubfrei fortgeschaufelten Frucht muß die Angabe Herrn Neuhof und seiner Angestellten und Arbeiter, ß alle Teile d.s Bodens vor dem Anfschütten von mchi gekehrt worden sind, als glaubwürdig und tig erachtet werden.

In dem Rothschildschen oberen Lagerraum befindet an einer Stelle ein kleiner Spalt in den Dielen, die Frucht durchfallen läßt. Da solche aber nur s die in dem darunter befindlichen Boden gelagerten ruchtverräte fallen kann, ist eu. Ächyde» Dadurch icht eingetreten.

Das Dach ist auf der einen Seite mit Falzziegeln, f der anderen Seite noch mit alten Hohlziegeln ebedt, die eine absolute Dichtigkeit, besonders bet chmewehen nicht verbürgen. Ein Einregnen hat edtch nach Angabe des Herrn Neuhof bis jetzt nicht Iritgesunden. Auch ist die Frucht auf dieser Seite prechend entfernt von dem Dach aufgeschüttet, sodaß eine Beschädigung der Frucht kaum zu befürchten ist. Jumerhtn empfehlen wir die Dächer der Lagerräume vor Eintritt des Winters durch einen Sachverständigen nochmals prüfen zu lassen.

Urteil: Der gesamte Befund läßt den absolut sicheren Schluß zu, daß die gerügte schlechte Qualität des Brotes jedenfalls nicht auf die Lagerung und Behandlung der Frucht auf dem Lager zurückzuführen ist.

Schlüchtern, den 1. Oktober 1919.

60« Feld. Fenner. Fritz Hildebrand.

Friedrich Gutermuth.

Leonhard Schäfer.

Bergmanns Tsetztertein

Roman von Martin Förster. (Fortsetzung.)

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Dasselbe lautete:Mein Geliebter! Ich will mcht versuchen, Dir meine Empörung zu schildern über me Schändlichkeit, die gemeine Bosheit, die Dich in Deine traurige Lage gebracht hat. Tu brauchst mir uicht Deine Unschuld zu versichern. Ich baue auf Dich wie auf mich selbst. Set überzeugt, daß Deine Futta mit Dir fühlt und mit Dir trägt, was nur über Dich verhängt werden mag. Dein Leid ist mein Verzage nicht, mein Geliebter. Laß uns gemeinsam hoffen, daß das böse Verhängnis ebenso schnell vorübergeht, wie es kam. Deine Jutta."

F-anz Degow küßte den Brief und den teuren ! Ramm. Seine Augen standen voll Trännen, und in 71 '"nein Herzen wurde es wieder Licht.

9. Kapitel.

«m nächsten Morgen war der Gerichtshof gedrängt als Degow vor die Friedensrichter geführt wurde, um auf die von Inspektor Kohle vorgebrachte Anklage zu antworten.

Das ganze Richter-Kollegium war versammelt, wohlbekannter Baumwollenspinnereibesitzer führte um Vorsitz. Rechts und links von ihm saßen (drei mCt vier Kollegen, Bergwerksbesitzer, Baumeister, Grauer und Krämer. Alle trugen dunkle, festliche Kleidung, und bemühten sich, so würdevoll als möglich

Ä

: y ®{e saßen sämtlich auf einer etwas erhöhten Estrade.

- unten an d.m mit grünem Tuch überzogenen ^ich hatte der Gerichtsschreiber seinen Platz, links vesand sich bet Sitz für die Zeugen, ihnen gegenüber

Es wurde ferner von m'r festgestellt, daß bis zum Ende des Monats September kaum so viel Frucht ab­geliefert worden ist, als der Kreis zur Versorgung der Brotkartenempfänger nötig hatte, sodaß alle Frucht sofort zur Vermahlung kommen mußte, also gar nicht erst eingelagert werden konnte.

Hiernach ist das Eingesandt des namenlosen Ver­fassers als ein die Tatsachen entstellendes Machwerk wohl genügend gekennzeichnet und die Kreisverwaltung darf sich des Einverständnisses aller einsichtigen Kreis- eingesessenen versichert halten, wenn sie davor warnt, solche auf die Abliefcrungsfreudigkeit der Landwirte offensichtlich nachteilig einwirkenden und damit die Interessen der Allgemeinheit schwer schädigenden Be­hauptungen weiter zu verbreiten.

Schlüchtern, den 2. Oktober 1919.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Der Magistrat hat für den Bezirk der Stadt Schlüchtern eine Fürsorgestelle für heimgekehrte Kriegs­gefangene mit der Bezeichnung:

RriegsgelaiMnen-Heimkchr eingerichtet und diese Stelle dem Wohlfahrtsamt des HeimatbundeS, im Stadtschlößchens' angegliedert. Heim- gekehrte Kriegsgefangene werden auf diese Einrichtung besonders hingewiesen. Sie erhalten dort Rat und Aufklärung in allen Fragen.

Schlüchtern, den 3. Oktober 1919.

Der Magistrat: Stückrath.

Deutsches Reich.

Auflösung des 18. Armeekorps. Mit dem 1. Oktober wird F^atlou des Armeekorps auf­gelöst. Es treten die noch verbleibenden Verbände unter den Beseht der Wehrstelle Kommando 5 in Stuttgart. Damit hat die ruhmreiche Geschichte des vor etwa 20 Jahren aufgestellten 18. Armeekorps, dem auch die hessische Division angehörte, ihr Ende erreicht.

Tie Nationalversammlung nimmt heute ihre Arbeiten, die sie im August in Weimar abgebrochen hatte, in Berlin wieder auf. Aus dem ehemaligen Hoftheater in Weimar, das für die Gaststätte, die es der deutschen Volksvertretung bot, 900 000 Mark M'ete und einen Dankessold von 300 000 Mark erhalten hat, siedelt die Versammlung in das Reichstagsgebäude in Berlin über, wo am 8. November 1918 am 9. November brach die Revolution aus die letzte Sitzung des alten Reichstags stattgefunden hatte. Seitdem war das Haus monatelang von den Revoolutionsleuten und Spartakisten besetzt gewesen, lag auch wiederholt im Mittelpunkt der Straßenkämpfe, und muße dann Wochen hindurch gesäubert werden,

in geringer Entfernung war die Anklagebank, und nicht weit von dieser saßen sieben oder acht Polizei- beamte, unter ihnen der Inspektor Kahle und der GerichtSdiener, welcher Degows Verhaftung ausgeführt hatte; die übrigen Bänke standen dem Publikum zur Verfügung.

Unter den letzteren bemerkte man in der Nähe der Anklagebank den Unteraufseher Sachse mit seiner Tochter. Beide sahen bleich und erregt aus und folgten der Verhandlung mit gespanntester Aufmerksamkeit.

Zunächst kamen ein paar unbedeutende Sachen zur Erledigung. Dann wurde der Name Franz Degow laut ausgerufen, und der Träger desselben trat ein. Er sah bleich, aber gefaßt aas. Es lag eine gewisse Würde in seiner Haltung, und seine glänzenden, schwarzen Augen blickten kalt und ruhig. Ein kleiner, untersetzter Mann mit grauem Haupt und Bart, welcher neben dem Inspektor Kahle saß, erhob sich mit einer Hand voll Akten und fing nach einem einleitenden Räuspern leise, aber klar und geläufig zu sprechen an. Erst nachdem er begonnen hatte, traten der Minenbesitzer und sein Neffe ein. Der erstere nahn seinen Platz unter den Friedensrichtern ein, und der andere setzte sich hinter den Rechtsanwalt, welch" eben sprach.

Der letztere trug mit großer Umständlichkeit die näheren Umstände des vorliegenden Falles vor. Er berichtete zunächst über den Raubanfall selbst und sodann über die Gefangennahme des Angeklagten nebst der Haussuchung und alles, was vorging. Zugleich wurde die betreffende Banknote vorgezeigt und ihre Nummer laut verlesen.

Sodann wurden die Zeugen vernommen. Hermann ? Diedrich, der Neffe des MinenbefitzerS, trat vor. Auch

bis es nun endlich wieder bewohnbar geworden ist. Es muß gehofft werden, daß sich keine neuen Zwischenfälle an die Arbeit der gesetzgebenden deutschen Körperschaften knüpfen. Ihr Aufenthalt in Weimar war ja auch nicht immer so idyllisch, wie es nach außen hin erschien. Wiederholt war durch die Streiks im Erfurter und Halle-Weißenfelser Bezirk der Eisenbahnbetrieb so beengt worden, daß zur Fahrt nach Berlin wie nach dem Westen weite Umwege gewählt werden mußten. Von einer republikanischen Begeisterung ist in Weimar keine Rede gewesen, man hat dort geschafft, was man schaffen mußte. Die Verfassung, den Friedensvertrag, eine Anzahl von Steuergesetzen,unter denen die Erbschaftssteuer auch für die nächsten Familienangehörigen die wichtigste war. Es war oft eine leidvolle Arbeit, besonders die Annahme des Friedensvertrages. Die bevorstehenden Arbeiten gelten sozialen Maßnahmen, die zu überstürzen nur nachteilig wirken kann, und der Vollendung des Steuerwerkes, dessen schleunige Erledigung um so dringender ist. Im Friedensvertrag ist vorgesehen, daß wir nicht weniger Steuern aufbringen sollen, als Frankreich, und wir werden nun sehen, was daraus wird. Es kommt nicht nur darauf,an, was wir aufzubringen vermögen, sondern was die Wiedergutmachungskommission der Entente, unter deren Kontrolle wir stehen, für recht befindet. Die großen Abgaben, die unserer zunächst harren, sind'die Vermögensabgabe, dieKapitalrentensteuer, die Aufwandsabgaben, die Reichseinkommensteuer, die Umsatzsteuer. Bei jeder von diesen Lasten find nicht nur die Einnahmen zu beachten, sondern auch die Folgen. Wenn der deutsche Nährstand tot gesteuert worden ist, macht ihn nichts wieder lebendig. Trotz aller wünschenswerter Beschleunigung der Beratung darf deshalb die eingehende Prüfung nicht unterbleiben. Außer Arbeits- und Steueroerhältniffen bedürfen auch die Handelsbeziehung und der noch i^mer fragwürdige Zustand auf dem Lebensmittelmarkt nachdrücklicher Erörterung. So wie es jetzt mit Schleichhandel und Wucher steht, kann es unmöglich noch lange weiter gehen. Auch die auswärtigen Angelegenheiten müssen kraftvoller angepackt «erden, damit wir nicht riskieren, daß sie uns ganz aus der Hand gerissen werden. Wir haben dafür zu sorgen, daß Deutschland wieder den Platz einnimmt, der ihm trotz aller traurigen Ereignisse des letzten Jahres zukommt.

* Eine deutsche Note über Ludwigshafen. Die deutsche Regierung hat aus Anlaß der LudwigShafener Vorfälle vom 28./29. August (bei denen zwei deutsche Postbeamte von französischen Infanteristen erschossen wurden) der französischen Regierung eine Note überreicht in der sie der Erwartung Ausdruck gibt, daß franzö- sischerseitS eine Untersuchung deS Vorfalls eingeleitet worden ist, und um Mitteilung der gegen die Schuldigen getroffenen Maßnahmen ersucht. Zugleich beantragt die deutsche Regierung, daß die beiden ihrer Ernährer

er sah ungewöhnlich blaß aus, und zeigte in seinem Auftreten ein Selbstbewußtsein, welches nicht »'ganz natürlich erschien. Nach den üblichen einleitenden Fragen und Antworten begann er seinen Bericht: Wegen der Abwesenheit des erkrankten Herrn Vilmar, des damaligen Kassierers, mußte ich nach P. fahren, um das Geld für die Auslöhnung zu holen. Ich präsentierte bei der Bank meines Onkels die Anweisung, empfing zweitausend Mark in Golo, achthundert in Silber und den Nest in zwei Hundertmarkscheinen. Dann fuhr ich zu Ick, und in der einsamen Dorfstraße von Langenau fragte mich ein achtbar aussehender Mann nach dem Wege zum Herrcuhause. Ich zeigte ihm denselben, als ich plötzlich von hinten ergriffen und durch Chlorofo.m b-täubt wurde, und als ich mich erholte, waren die Leute fort und das Geld auch."

Kannten Sie den Mann, der mit Ihnen sprach?" Nein, denn soviel ich weiß, hatte ich ihn nie zuvor gesehen."

Können Sie beschreiben, wie er auss )?"

Kaum Es war ein ganz gewöhnliches Gesicht, glaube ich. Es k m alles so schnell, daß ich kaum Zeit hatte, mir die Züge einzuprägen."

Sälen Sie die Gesichter der Männer, welche Sie von hinten angriffen?"

Ich sah sie weder, noch hörte ich sie sprechen."

Sie hatten die Nummern der gestohlenen Senf» noten notiert?"

Ja, ich gab sie an demselbem Abend dem Inspektor und meinem Onkel."

Ich danke Ihnen. Das ist genug. Jnspek^r Kahle!"

Der Chef der Polizeistat'on Langenau trat in den Zeugenstand und sah den Amtsanwalt ruhig m.