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MAmtlichem Kreisblatt". Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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^1 Samstag, den 27. September 1919. 70. Jahrgang

Assehenerregeude EZthNxngen über die Eutftehuug des Weltkrieges.

: In Wien ist soeben ein Notbuch über die Vorgänge »Mittelbar vor Ausbruch des großen Krieges erschienen, haä eine außerordentlich bedeutsame Ergänzung erfährt durch eine Veröffentlichung des Wiener Historikers s Zürich Gooß, die soeben unter dem TitelDas Wiener Kabinett und die Entstehung des Weltkrieges" in den Handel gelangt. Auf dem Streifband heißt es i ausdrücklich und mit Recht: die hier mitgeteilten Er- k gebnisse aus den Originaldokumenten müssen überall Freund und Feind, das größte Aufsehen erregen - und die Revision des Friedens vorbereiten. Das ist auch der eingetragene Zweck sowohl des Rotbuches wie auch der Arbeit von Dr. Gooß, und um die Hauptsache Mich vorweg zu nehmen: es ergibt sich aus beiden Dokumentensammlungen aus zahlreichen bisher noch völlig unbekannt gebliebenen Tatsachen, daß es die Dinge vollständig auf den Kopf stellen hieß, wenn bisher von den Ententeregierungen die Ansicht vertreten wurde, daß das Berliner Kabinett durch seine Haltung und seine Politik den Krieg unvermeidbar gemacht Mnd hcrkeigcführt habe. Zu diesem Schluß kommt man Wicht auf Grund der in dem Buche von Dr. Gooß Mim erstenmale wortgetreu wiedergegebenen Dokumente

der Zeit vom Frühjahr 1914 bis zum Ausbruch Wer Weltkataftrophe. Die Wiedergabe der geschichtlichen Wchristjiücke wird aber dadurch erst zur völligen Be Kutung gebracht, daß nicht nur die Randbemerkui^gcn Und Korrekturen der zur Bearbeitung des Materials Mestellien Staatsmänner, sondern auch gewisse, Wußerordentlich wichtige Streichungen und Auslassungen Mrzeichnet werden. Aus der beinahe unübersehbaren Mülle der Einzelheiten sei-als eine der wichtigsten Tat- Mchen zum Beispiel hier die näher beleuchtet, daß die Mnlcnte und mit ihr die Welt von der falschen Vor- Mussetzung und Behauptung ausging, der Krieg sei in Mm berühmten nie stattgefundenen Potsdamer Kronrat beschlossen worden. Tatsächlich fiel die verhängnisvolle Entscheidung in einem gemeinsamen Mmisterrat in Wien am 7. Juli. Die Beschlüsse auf eine tunlichst Wasche Entscheidung des Streitfalles mit Serbien wurden Mit Einmütigkeit gefaßt, und sie wiesen der weiteren Wntwickelung des Oesterreichisch ungarischen Konfliktes den Weg. Ein zweiter, erst jetzt der völligen Klärung durch Dr. Gooß zugeführter Punkt betrifft dir Frage, Wund inwieweit die deutsche Regierung an dem, den Weg unvermeidlich machenden Ultimatum an Serbien Wcteiitgt war. Wr erfahren darüber, daß der T-xt M! 19. Juli in Wien von dem Referenten für süd- Mwische Fragen von Musolin abgefaßt und am 20. Juli abgrsandt worden. Die deutsche Regierung war Wer die Anfassung weder unterrichtet noch hat sie sie gar herbeigeführt, sie hat im Gegenteil auf Grund des

Bergmanns Tsetztevlei«. Roman von Martin Förster. 28

(Fortsetzung.)

»Jawohl!" Der Inspektor wühlte in seinen um fangreichen Taschen und brächte zwei Formlare zum Worschein. Beide waren bereits ausgefüllt und entbehrten nur der Unterschrist.

Welches soll ich denn unterschreiben?" fragte Niedlich, innerlich frohlockend.

IUnterschreiben Sie sie lieber beide! Es ist für Ee Fälle gut."

6 Ohm ein Wort weiter zu sagen, ergriff Albert Medrich eine Feder und zeichnete mit fester Hand seinen Mmen unter die beiden Dokumente, dieselben dann dem Mann des G.sitzes einhändigend. Dieser dankte höflich, -Mlff seine Mütze und verschwand, Albert Diedrtch in begreiflicher Erregung zurücklassend.

K Ais der Inspektor die Chaussee entlang schritt, w el"en der Polizeidtencr des Ortes herbei, .Wucher, um einem besonders starken Schneeschauer zu sWWhen, sich gerade in der Dorfschmiede aufhielt, und I » " diesem, soweit er es für nötig hielt, den U Wachverhalt mit.

Sie stampften zusammen durch den Schnee bis zum Zeteren Ende des Dorfes, bogen dann in eine der ^^Seitengassen ein und klopften hier an eine Tür. wurde geöffnet, und eine anständig aussehende Schwefl^ aufgestreiften Aermeln stand auf der I "^L^ui hier bei Ihnen ein junger Mensch Namens

" sragte der Inspektor.

um Gotteswillen I Es ist doch nichts

ausdrücklichen Willens des Grafen Berchtold und des Wiener Kabinetts erst am 22. von dem Ulti­matum erfahren. Der Kurier mit dem Wortlaut war am 21. nachmittags in Berlin eingetroffen und hatte sie dem Grafen Szögyeny übergeben. Dieser setzte sich sofort hin und ließ nach Wien sagen, ange­sichts der vollkommen loyalen Haltung der Berliner Instanzen sei ihm die Geheimhaltung außerordentlich peinlich. Außerdem hatte Staatssekretär von Jagow lhm bereits angedeutet, daß man in Berlin darauf rechne, vor Belgrad, London und Paris unterrichtet zu werden. Graf Berchtold befand sich zu diesem Zeit­punkt in Jschl beim Kaiser, und in seiner Abwesenheit erging an Szögymy noch einmal erneute Weisung zum Stillschweigen. Es kennzeichnet die Haltung des Grafen Berchtold, daß er am 21. Juli mittags aus Jschl nach Wien telegraphiert, Kaiser Franz Joseph habe »soeben das Ultimatum genehmigt, das inzwischen hinter dem Rücken des Monarchen längst abgeschickt worden war!

Eine noch dunklere Angelegenheit fällt in die aller- wichtigste Frage der Weltkrise: Das Schicksal des englischen Vermittlungs-Vorschlazes vom 29. Juli. Das von Dr. Gooß veröffentlichte Aktenmaterial ergibt die erstaunliche Tatsache, daß Graf Berchtold einen dem 71jährigen Grafen Szögyeny unterlaufenen Irrtum benutzte, um diesen, wie jetzt feststeht, außer­ordentlich ernst gemeinten Konferenzvorschlag Str Eoward Gr,yZ ausweichend zu behandeln. Grey hatte durch Lochnowsky um schleunigste Behandlung bitten lassen, in Berlin fragte Sir Gosche, der englische Botschafter, immer und immer nach dem Bescheid, und da er im Berliner Auswärtigen Amt in steter Wiederholung die Auskunft erhielt, daß keine Auskunft erteilt werden könne, da man aus Wien nichts gehört, habe, gewann man in London den Eindruck, daß das Berliner Kabinett den Vorschlag zum Scheitern zu bringen suche. Diese Behauptung ist immer wieder aufgetaucht. Schon aus diesen Mitteilungen ersieht man die ganze Bedeu tung der neuesten Wiener Veröffentlichungen. Die Theorie von der Schuld des Berliner Kabinetts am Kriege ist erledigt. Die Staatsmänner der Entente können über dieses sensationelle Material nicht zur Tagesordnung übergehcn, sie werden im Gegenteil zu ihm Stellung nehmen müssen. Die W:ener Regierung verfolgt mit der Veröffentlichung den Plan, zur wahr­haften Völkerversöhnung beizutragen und die Notwendig­keit einer Revision des Friedens zu betonen. Es besteht die dringende Hoffnung, daß die öffentliche Meinung der Welt sich der hier gebotenen neuen Tat­sachen bemächtigt und sie im Interesse der Herrauf- führung des wahren Friedens nützt.

Die Veröffentlichung deutscher Dokumente.

Berlin, 23. Sept. DieDeutsche Allg, Zeitung" erhält von zuständiger Stelle folgende Mitteillungen:

Absolut nichts. Können wir ihn nur e nen Augen­blick sehen oder ist er auf der Arbeit?"

Nein, er liegt im Bett, denn er arbeitet jetzt in der Nachtschicht. Treten Sie ein. Ich will es ihm melden. Bei solchem Wetter jagt man ja keinen Hund vor die Tür."

Sie traten ein, die Tür wurde zugeschlagen und dann lief die grau die Treppe hinauf, um ihren Mieter zu wecken.

Nach einer Weile trat derselbe ein, halb angezogen und verschlafend aussehend. Er war nicht wenig erstaunt, die Polizeibeamten zu finden.

Was bedeutet das?" rief er aus.

Es bedeutet, daß ich einen Befehl habe, das Haus» zu durchsuchen."

Weshalb, um Gotteswtllen?"

Ihr erinnert Euch, daß der Kassierer von Herrn Diedrich bei hellem Tageslicht auf der Chaussee beraubt wurde?"

Natürlich." , ,

Nun, Ihr steht im Verdacht, mit dem Staube in Verbindung zu stehen, und deshalb find wir hier."

Franz stand einen Augenblick wie vom Donner gerührt, dann rief er mit erzwungenem Gleichmut: So suchen Sie, Sie werden alle meine Habseligkeiten oben im Kasten finden."

Gut. Zeigt uns gefälligst den Weg!

Blaß vor Zorn und Erregung, stieg Franz die Treppe wieder hinauf uud die beiden Beamten nebst der Hauswirtin folgten ihm. Bald befanden fie sich in Franzens «in« möbliertem Zimmer mld der beleidig,- Bergmann jagte:Hier sind meineSchluffel und da ist mein «asten, nun chen Sie selbst'

Er schleuderte die Schlüssel auf ben Fußboden, »an

Die Veröffentlichung der deutschen Dokumente wird mit aller Beschleunigung betrieben. D-e Bearbeitung der Dokumente erfolgt unter völliger Benutzung des von Herrn Kautsky gesammelten Materials. Die Herren Prof. Schücking undGraf Montgelas bearbeiteten die Herausgabe der Akten, die die Zeit zwischen dem Mord von Serajewo und dem Kriegsausbruch betreffen, während Prof. Mendelssohn-Bartholdy die Dokumente bearbeitet, die für die weitere Geschichte des Krieges Bedeutung haben.

Deutsches Reich.

Die Vereidigung der Angehörigen der Wehr­macht ist jetzt vom Reichswehrminister angeordnet worden. Sie soll sich in würdiger Form, aber ohne kirchliche Feier vollziehen. Ein Offizier spricht den Eid vor, und alle sprechen ihn nach.

Berlin. Rückwanderung in das besetzte Gebiet. Der Kommandant des Abschnitts 4 der neutralen Zone hat der deutschen Waffenstillstandskommission mitgeteilt daß das Lager Griesheim als Quarantänestation zu bestehen aufgehört habe und nur noch der Kontrolle in das besetzte Gebiet Rückwandernder diene. Rheinländer und Pfälzer, die in ihre Heimat zurückkehren wollen und bis zum 1. August 1914 daselbst polizeilich gemeldet waren, wenden sich zwecks rascher Heimkehr persönlich an die Abteilung Rückwanderung des Ab- f hnittZkommandos 4 der neutralen Zone Frankfurt a. M. Taunusstraße 9, Zimmer 23. Auswelspapiere über die erwähnte polizeiliche Meldung find mitzubringen. Die Reise nach dem Lager Griesheim erfolgt mittels Sonderzugs, der täglich, außer Sonntags, um 11 Uhr 15 Minuten Frankfurt verläßt. Im Lager Griesheim werden die Papiere von der französischen Militärbehörde nochmals geprüft. Die Weiterreise eMat an demselben spätestens am folgenden Tage. Mr W Benutzung des Sonderzuges erhalten die Einreisenden einen besonderen Ausw-is. Elsaß-Lothringer und Saarländer müssen ein schriftliches Gesuch an die Abteilung einreichen, das an die französische Behörde weitergeleitet wird. Die Einreise erfolgt ebenfalls durch das Lager Gries­heim bei Darmstadt. Der Aafenlhat im Lager ist von der französischen Behörde aus die Höchstzeit von 15 Tagen festgesetzt und dient dazu, um in den Heimatorten Ermittlungen über die Richtigkeit der Angaben der Einreisenden anzustellen. Der Aufenthalt im Lager kann aber wesentlich verkürzt werden, wenn Elsaß-Lothringer usw. bevor sie in das Lager gehen, eine Einreiseerlaubnis besitzen, die beim Kommissar der französischen Republik in Metz oder Straßburg zu beantragen ist. Elsaß Lothringer, die vorübergehend in ihre Heimat einreisen wollen, richten ein Gesuch an die Abteilung 4. Diese Gesuche gehen dann über das Oberkommando der 10. französischen Armee in Straßburg, wo die Entscheidung getroffen wird. Alle

wo der Inspektor sie aufnahm. Derselbe ließ ssich neben dem anständig aussehenden, hölzernen Kasten auf die Knie nieder, schloß ihn auf und hob den Deckel in die Höhe.

Eine Anzahl Kleidungsstücke nebst gut geplätteter Wäsche kam zum Vorschein. Der Inspektor nahm ein Stück nach dem anderen heraus und sein Unter­gebener prüfte jedes sorgfältig, entdeckte jedoch nichts von verdächtigem Charakter. Zuletzt stieß der Untersuchende auf eine kleine zinnerne Büchse am Boden des Kastens. Sie war verschlossen und beim Schütteln hörte man das Klingen von Münzen darin.

Was ist das?" fragte der Inspektor, als er die Büchse aufnahm.

Meine Geldbüchse", erwiderte der Gefragte verächt­lich.Sie haben den Schlüssel, öff-ren Sie dieselbe. Ich habe nichts zu fürchten."

Der Beamte nahm die noch am Kasten hängenden Schlüssel und öffnete mit dem kleinsten die Geldvüchse. Nach kurzer Prüfung rief er aus:Was ist das? Das sind ja Scheine! Beim Himmel! Gerade die, welche dem jungen Diedrich gestohlen wurden I Hier habe ich die Nummern!"

Wäre ein Blitzstrahl plötzlich vor Franz Degow in die Erde gefahren, er hätte nicht erschrockener und bestürzter sein können. Bis dahin glaubte er es mit einem, allerdings unverzeihlichen Mißverständnis zu tun zu haben. Aber nun, was war das? Aeffte ihn ein Teufelsspuck? Waren die Mächte der Hölle gegen ihn losgelassen, um ihn zu verderben?

(Fortsetzung folgt.)