chlüchternerZMung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Lamstax — Preis mit „Areisblatt vierteljährlich 2,— Alk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 pfg.
J2 76, Samstag, den 20. September 1919. 70. Jahrgang
V eine Untertoecta
Die im 70. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
' - daher in der Zustellung nnserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der
wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem^betreffenden Postamts bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 25. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, ---- daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober 1919 ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für NachUeferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Post- Anstalt und jeder Landbriesträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober 1919 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Die ReichsaNleihe Attiengesellschast.
Bereits gelegentlich der Auflegung der 7. Kriegsanleihe hatte der Reichsbank-Präsident Dr. Havensicin in Aussicht gestellt, daß nach Friedensschluß eine großzügige Aktion zur Stützung des Kriegsanleihemarktes eivgeleitet werden würde. Trotz des verlorengegangenen Krieges unb trotz der schwierigen, politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Lage des Reiches wird der seinerzeit in großen Umrissen angedeutete Plan nunmehr durchgeführt. Unter Führung der RetchSbauk und unter Beteiligung des Reichsfiskus, der preußischen Staatsbank (Seehandlung), sowie der Preußischen Ceutralgenossenschastskafle hat sich ein Konsortium gebildet, dem neben den Girozentralen der deutschen Sparkasfin, sowie einer Reihe öffentlich-rechtlicher Kreditinstitute die Großbanken und nahezu alle bedeutenderen deutschen Banifirmen angehören. DaS Konsortium dem die bisher von der Reichsbank für Rechnung des Reiches bewirkte Aufnahme von Kriegsanleihen über- tragen ist, hat den Zweck, den Kurs am Kriegsanleihe- markte zu regulieren, ungerechtfertigte, weder in den Inneren noch in den äußeren V.rm'.r^n degründeteKurs- seukungen der Kriegsanleihe h'intanzuhalten oder ihnen vorzudeugen und fernerum die Rückverwandlung konsolidierter in schw-bende Schulden zu verhüten — die ausgenommenen Beträge möglichst zu dauernder Anlage wieder unterzudringen. Bei der Größe und Bedeutung dieser Aufgabe sowie mit Rücksicht darauf, daß zu threr Durchführung mit einer mehrjährigen Tätigkeit gerechnet werden muß, war es erforderlich, lern Konsortium einen festen Rahmen zu geben. Daher wurde unter der Firma „ReichsanleiheAktiengesellschaft" Ende vorigen Monats eine mit einem Aktienkapital l von 400 Millionen Mark ausgestattete Aktiengesellschaft j errichtet, der sämtliche Konsortialmitglieder als Aktionäre j angehören und der die Aufgaben des Konsortiums übertragen worden sind. Die Mitglieder des Konsortiums hasten außerdeni noch mit einem Garantiekapstal von insgesamt 400 Millionen Mark. Die Aktien kommen vereinbarungsgemäß nicht an den Markt, fonbern bleiben im Konsortium gebunden. Da die Aktiengesellschaft im Interesse der Allgemeinheit errichtet ist, soll sie nicht den Charakter einer ErwerbSgesellschaft tragen. Sie wird daher auch keine Dividende aus-
Bergmanns Töchterlein
Roman von Martin Förster. 26
(Fortsetzung.)
Aber dank seiner vollendeten Unverfrorenheit und einer günstigen Verkettung der Umstände verlief die Sache viel leichter, als er es für möglich gehalten hatte. Selbst sein Onkel war weniger schwierig zu behandeln gewesen, als er es erwartet.
Ja, es war glücklich vorüber, und er empfand ein inniges Behagen, als er seinen heißen Tee schlürfte und die ßidnb.ifen verehrte, die ihm seine Wirtin bereitet hatte. Dabei beglückwünschte er sich wegen seiner eigenen Schlauheit.
Nachdem er seinen Onkel verlassen, war er sofort zur Polizeistation gegangen und hatte dem wachhabenden Beamten einen genauen und umständlichen Bericht von dem Raubanfall gegeben. Dann überreichte er dem Inspektor einen Streifen Papier, auf welchem die Nummern der Banknoten vermerkt standen.
Der Inspektor hatte natürlich eine Menge Fragen zu stellen, und er antwortete mit möglichster Genautg- k-it. Erst dann eilte er nach seiner Wohnung, um nach der Unruhe des Tages Geist und Körper auszuruhen und seinen Hunger zu stillen.
Während er noch mit seinem Mahle und seinen Gedanken beschäftigt war, trat seine Wirtin herein mit einem Brief in der Hand.
„Ein Bote hat soeben diesen Brief für Sie abgegeben, Herr^Diedrich", sagte sie.
Sein Gesicht verfinsterte sich, als er die mit Bleistift geschriebene Aufschrift erkannte; er unter drückte nur mit Mühe den Fluch, der sich unwillkürlich auf seine Lippen drängte.
schütten. Die Mitglieder des Aufsichtsrats sowie des Vorstandes verrichten ihre Funktionen ehrenamtlich. Sie erhalten weder Tantiemen noch sonstige Bezüge. Sollte im Falle der Auflösung der Gesellschaft ein Ueberschuß vorhanden sein, so erhalten die Aktionäre die Hälfte des fraglichen Betrages, während die andere Hälfte dem Reich zufließt. Das Reich hat im übrigen die Garantie dafür übernommen, daß etwaige der Aktiengesellschaft erwachsene Verluste vom Reich gedeckt werden. Den Vorsitz im Au'sichtsrat der Gesellschaft hat regclmätz'g der jeweilige Reichsbank Präsident, zurzeit Exzellenz Dr. Havenstein, inne. Erster stellv. Vorsitz ender ist Herr Franz von Mendelssohn, Chef des Bankhauses Mendelssohn u. Co., zweiter Stellv. Herr Herbert Gutmann, Direktor der Dresdner Bank. Dem etwa 60 Mitglieder umfassenden Aufsichtsrat gehören die führenden Persönlichkeiten der deutschen Bankwelt an. Den Vorstand der Gesellschaft bilden Herr Geheimer Oberfinanzrat Dr. von Grimm, Mitglied des Reichs- bank-Direktoriums, Herr Hermann Waller, Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft sowie Herr Okcar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank. Der Vorstand wird in seiner Tätigkei. durch einen dreizehn- gliedrigen Aussichtsrats-Ausschuß unterstützt. Das Geschäftsjahr der Gesellschaft läuft vom 1. September des einen bis zum 31, August des folgenden Jahres. Die Gesellschaft hat ihre Tätigkeit am 1. September dieses Jahres ausgenommen. Ihr Geschäftsbetrieb wird vom Personal der Reichsbank durchgeführt. Auf das Aktienkap.tal ist zunächst eine Einzahlung von 25% - 100 Millionen Mark eingefordert. Für die Mitwirkung bei der Aufnahme und Unterbringung der Anleihen, zugleich auch als Entgelt für die Festlegung von Kapitalien durch Uebernahme der unveräußerlichen Aktien erhalten die Aktionäre am Ende eines jeden Kalenderjahres nachträglich auf den ausmachenden Betrag des Durchschnittsbestandes an Kriegsanleihen eine geringe Vergütung. Die Aktiengesellschaft verschafft sich weitere Mittel zur ausgiebigen Durchführung ihrer Aufgabe durch B.l-ihung der aufgenommenen Krtegsanleihebcträge bet den Darlehnskassen beS Reichs. Um die Dahrlehnskassen nicht in zu großem Umfange in Anspruch zu nehmen und um ihre eigene Leistungsfähigkeit zu sichern, wird die Aktiengesellschaft ihr Hauptaugenmerk darauf legen, die aufgenommenen
„Rannten Sie den Boten Frau Meinert?" fragte er mit erzwungener Freundlichkeit.
„Nein, Herr Diedrich, er gab auch nur den Brief ab und ging gleich wieder fort."
„Wie sah er denn aus?*
„Er schien etwa fünfzig Jahre alt zu sein, war groß und mager, mit einem dichten schwarzen Bart"
vielleicht ein Bettler"; murmelte Hermann mit vollem Munde.
„O nein, Herr. Er sah anständig aus, wor auch gut angezogen?"
„Na, jedenfalls nichts Wichtiges. Es ist gut, Frau Meinert."
Als sie fort war, ergriff er hastig den Brief, riß den Umschlag ab und las aufmerksam die unbeholfen mit Bleistift geschriebenen Worte: „Mein lieber Diedrich! Wenn Sie ein wenig gesunden Menschenverstand haben und Unannehmlichkeiten zu vermeiden wünschen, dann tun Sie gut, mich heute auszusuchen. Wenn nicht, um so schlimmer für Sie, Ich will nicht länger Ihre Schwindeleien ertragen. Aber ich wünsche nicht, Ihnen Unannehmlichkeiten zu bereiten und deshalb schreibe ich dies. Ich bin den weiten Weg hergekommen, um Sie zu sprechen, und wenn Sie mich nicht sehen wollen, dann werden Sie die Folgen tragen müssen. Ich weiß, wo und für wen Sie arbeiten. Was würde Ihr Onkel sagen, wenn ich ihm alles errähite? Ob ich dies tue oder nicht hängt von ihnen ab. Ich werde Sie im Wirtshaus „Zum Ochsen" heute abend von acht bis neun Uhr im Gastzimmer erwarten. Wenn Sie sich nicht in dieser angegebenen Zeit dort ein finden, werde ich sogleich ins Herrenhaus gehen und Herrn Albert Diedrich alles von Ihnen und meiner Nichte erzählen. Hochachtungsvoll Peter Barker."
Beträge zu angemessenen Kursen wieder unterzubrinzen Die Tätigkeit der Aktiengesellschaft erstreckt sich auf alle deutschen Börsen, an denen der Kurs der Kriegsanleihe regelmäßig amtlich notiert wird. Wenn es auch natürlich nicht Ziel und Aufgabe der Reichsanleihe- Aktiengesellschaft sein kann, den Kurs der KriegS- anleihe künstlich zu steigern oder an einem starren Kursniveau festzuhalten, so ist durch ihre Gründung — was für die in diesen Tagen erfolgte Aufnahme be» amtlichen Verkehrs für Rentenwerte von Bedeutung ist und den Besitzern von Kriegsanleihe zur Beruhigung dienen mag — für den Kriegsanlethemarkt jedenfalls ein Rückhalt geschaffen, der die dem ungeheuren Umfange des Materials entsprechende Kraft und Aufnahme- fähigkeit besitzt.
Deutsches Reich.
— Reichspräsident Ebert ruft den heimkehrenden Kriegsgefangenen einen Willkommengruß zu, der ihnen in allen Durchgangslagern in einer Sonderschrift des Kyffhäuserbundes der deutschen Landeskriegerverbände übermittelt wird, und worin es heißt: Auf heimischem Boden hei e ich Euch herzlich willkommen. Euere Lage und Euer Empfinden weiß ich mit dem ganzen deutschen Volk zu würdigen. Eure Heimkehr fällt in eine Zeit, in der unser Vaterland durch den Vernichtungswillen unserer Feinde und durch die Ueber- gangswehen einer neuen Zeit bis ins innerste erschüttert ist. Kehret heim als gute Deutsche, die am Wiederaufbau des neuen republikanischen Vaterlandes mit allen Kräften mitarbeiten wollen. Euren Wünschen und Sorgen wird, soweit es in der Macht der Regierung liegt, in jeder Hinsicht entgegengekommen werden.
— Dresden. Noske gegen Scheidemaan. In seiner Rede in der Landesversammlung der Sozial- demokratischen Partei Sachsens erklärte Noske u. a. noch die Sorge, daß Oberst Reinhardt der Republik gefährlich werden könne, sei hinfällig. Er wandte sich gegen Scheidemanns Aeußerungen, der während seines dreimonatigen Aufenthalts in der Schweiz den Zusammenhang mit den Dingen in Deutschland verloren habe. Eine Gegenrevolution bestehe in Deutschland nicht; mit Angstmeterei lassen das zusammengebrochene Reich sich nicht wieder emporheben.
Während der junge Mann diese Zeilen durchla«, stieß er ein paar heftige Flüche- aus, zerriß dann den Brief nebst Umschlag in Stücke und warf diese inS Feuer.
„Woher weiß er, daß ich hier bin?“ murmelte er zwischen den Zähnen. „Na, es hilft nun nichts, Verfluchte Geschichte! Ich glaubte ich wäre aus dieser Verlegenheit heraus."
Dann wandte er sich wieder zu seiner Mahlzeit, aber der Appetit war ihm vergangen, und seine Züge drückten Angst und Unruhe aus.
Einige Stunden später verlitß er seine Wohnung und begab sich nach dem bezeichneten Wirtshause. Im Gastzimmer fand er ein haäeS Dutzend Dorfbewohner, die er kannte, aber nicht den Mann, den er erwartete.
Er sah nach feiner Uhr. Es war halb neun, also ganz die festgesetzte Zeit. Aber wo war er, den er suchte? War er hier gewesen und wieder fortgegangen, weil der Erwartete nicht gleich da war? Würde er zurückkommen?
Er bestellte ein Glas Bier, und während er trank, trat ein ansehnlicher großer Mann mit scharfen Gesichts» zügen und einem dunklen Ziegenbart in das Zimmer, blickte einen Augenblick ruhig umher und begab sich dann nach dem entfernten Winkel, wo der junge Diedrich saß.
Erst nachdem er sich auf den gepolsterte» Sitz niedergelassen hatte, blickte er wie zufällig nach Hermann und rief im Tone der Ueberraschung! Ah! Sie da, Diedrich! Wie kommen Sie hierher?
„Ich kann Ihnen nur dieselbe Frage vorlegen," war die Antwort.
(Fortsetzung folgt.)