Mlit,MMWm AeMlaLL". — Wochcubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Samstag, den 13. September 1919
70. Jahrgang
| Deutsches Reich.
L — Der Umzug der Nationalversammlung. Die Vorbereitungen zur Übersiedelung der Nationalversammlung von Weimar nach Berlin sind beendet. Das ^Müro der Nationalversammlung befindet sich bereits im Reichstagsgebäude in Berlin. Das Reichstagsgebeude ist Mieter vollständig Hergesteltt. Vom23. September an tagen bereits Ausschüsse im Reichstag. Die innere Ausstattung des " Wchstagsgebäudes istunvrrändertgeblieben.Ms'Denkmal # Kaiser Wilhelms I. befindet sich noch in derWandelhalle des Reichstages. Es ist auch nichts darüber bekannt, ob Gine Entfernung des Denkmals beabsichtigtU Auch Uer Prästdentenstuhl im Sitzungssaal trägt noch das alte Reichswappen.
— Berlin. (Kundgebungen für Schwarz-Weiß-Rot.) ie der „Vorwärts" aus Münster berichtet, ließ auf Empfangsbahnhof der wachthabende Offizier die
warz-rotxoldene Fahne herunterholen und dafür eine warz-weiß-rote hissen. Am Sonntag wurde an der Dhrenpforte am Bahnhof eine schwarz-weiß-rote Fahne iit dem alten Reichsadler gehißt.
| — Berlin. (Der Bischof von Straßburg gestorben.) r Bischof von Straßburg, Dr. Adolf Tritten, der Amt 28 Jahre bis zur Suspension durch die ianzösiichen Behörden verwaltet hatte, ist gestorben.
"Für den Wiederaufbau Nordfrankreichs haben wie der „Vorwärts" meldet, bereits 400 000 rutsche Arbeiter gemeldet.
Der Wiederaufbau des Ausfuhrhandel«. Der erband deutscher Exporteure hielt in Berlin eine itzung unter Beteiltgung von Vertretern der ihm eschlossenen Exporteurvereine aus allen Teilen Kutschlar ds ab. Nach Genehmigung des Jahresberichtes der Abrechnung wurden verschiedene organisatorische agen erledigt. Auf Anregung der Reichsregierung ll der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft des futschen Handels, entsprechend der gleichen Organisation er Industrie, nähergetreten und eine Einladung die übrigen Zentralverbände des Handels zu stmeinschastlicher Erörterung dieser Frage erlassen Werden. Für den j tzt in Angriff zu nehmenden Wiederaufbau des Exportgeschäftes wurde eine Anzahl von Richtlinien ausgestellt, d'e den angeschlossenen Firmen zur Darnachachtung empfohlen werden. Wenn Wch ein Teil der Ausfuhrverbote und der sonstigen, den Ausfuhrhandel hemmenden Bestimmunngen aufgehoben Morden sind, so sind doch noch außerordentlich viele Schwierigkeiten bestehen geblieben, die, besonders bet den jetzt bereits in größerer Anzahl von Uebersee ^intieffenben Aufträgen sich als zum Test unüberwindliche Hindernisse für. die. W'ederanknüpfung der Geschäfts- Heziehungen erweisen. Auf Grund des umfassenden, hei dem Verbände eingereichten Materials wird b.schlosien, mit aller Entschiedenheit auf baldige Beseitigung aller öevgmanns Cc^tetkin.
d.ieser Schranken hinzuwirken, damit der Exporthandel endlich wieder seine für die Gesamtvolkswirtschaft gerade unter jetzigen Verhältniffen so bedeutsamen Ausgaben erfüllen kann.
— „Schutz den kleinen Nationen." Auch die kleinen Nationen sehen allmählich ein, welchen elenden Humbug die Entente mit ihrem Schlagworte von dem Schutze der kleinen Nationen getrieben hat. Mit großer Deutlichkeit und Offenheit kommt dies in dem äußerst pessimistisch geführten Jahresbericht des Vereins schweizerischer Maschinenindustrie zum Ausdruck. Der Bericht hegt wenig Hoffnung auf eine Gesundung des kranken Schweizer Wirtschaftsorganismus, weil nach den Absperrungen während des Krieges nun auch noch hohe fremde Schutzzölle und sonstige Avsschlußmaßnahmen sowie die Abschnürung der Rohstoffversorgung zu befürchten seien. Gelänge es der Regierung nicht, d.ese Bestrebungen zu bekämpfen, so würde die Schweiz auf Jahre hinaus Vasall derj nigen bleiben, die zum „Schutze der kleinen Nationen" in den Krieg gezogen seien, und dann wurde auch die beste Schweizer Qualitätsindustrie konkurrenzunfähig werden und eine Abwanderung erstklassiger Qualitätsarbeiter zu befürchten sein. Die Erkenntnis kommt den Schweizern leider reichlich spät.
— Versailles. (Die Gefangenen-Heimkehr.) Nach dem „Temps" hat Major Draudt, deutscher Kommissar für den Rücktransport der deutschen Kriegsgefangenen, die Erlaubnis erhalten, einige Gefangenenlager zu besuchen.
— Die Todesopfer des Verbandes im Kriege. Nach amtlichen Angaben verloren an Toten: Frankreich 138.5 000 Tote bet 8 Millionen Mobilisierten, England 835 000 Tote bei 5,7 Millionen Mobilisierten, Amerika 51 000 Tote bei 3,8 M.llionen Mobilisierten, Italien 569 000 Tote bei 5 250 000 Mobilisierten, Portugal 8367 Tote bei 2C0 000 Mobilisierten.
— Mit der Legung eines Telephonkabels zum direkten Verkehr zwischen Deutschland und Schweden wird jetzt begonnen werden. Von schwedischer Seite aus wird das Kabel von der KampowBucht zwischen
Falfterbe und Trelleborg seinen Ausgang
Die Kabellegung wird von deutscher Leite gel Der Verkehr kann vielleicht schon Ende dieses M
aufgenomnten werden.
— Die Spartakusgefahr. Die Nachricht,
nehmen.
eleitet.
Monats
daß die
Spartakisten zu neuen Schlägen ausholen, m.hren sich. Die Regierung hat Kenntnis davon, daß wohl organisierte Spartakustruppen ausgestellt werden, für die eine allgemeine Waffenbeschaffung erfolgt. Angesichts dieser Gefahr wird die Frage aufgeworfen, ob Berlin in ausreichender Weise gegen neue blutige Unruhen gesichert sei. Eingeweihte Kreise verneinen diese Frage. Die Regierung aber entlaßt nicht nur ganze Kompagnien, sondern versetzt auch starke Truppenteile von Berlin
nach der Provinz. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß in den maßgebenden Regierungskreisen die Spartakusgefahr reichlich leicht genommen wird und vermag nicht eindringlich genug vor einem folgenschweren Optimismus zu warnen. Die Bevölkerung Berlins, in der sich eine wachsende Beunruhigung bemerkbar macht, fordert daher von der Regierung eine ausreichend starke Garnison, um jeder Ueberraschung gewachsen zu sein.
— Venezolanische Zukunftsmöglichketten. Der AbgesandteVenezuelas in London,Dr. SantagoRodriguez, führte in seiner Rede vor der Londoner Handelskammer aus, Venezuela könne gut 100 Millionen Einwohner ernähren. Das Land sei besonders reich an Mtneralien: eine nordamerikanische Firma habe die Ausbeutung der reichen Kohlenfelder im Westen des Landes übernommen. Es sei mit dieser Firma bereits ein Vertrag abgeschlossen worden zwecks Baues von Eisenbahnen zur Kohlenausfuhr. Weitere ebenso reiche Lager seien kürzlich entdeckt worden; es sei zu hoffen, daß fremdes Kapital die Ausbeute ermöglichen werde.
— Deutsche Arbeiter beim Wiederaufbau Frankreichs. In der Frage der Beteiligung deutscher Arbeiter beim Wiederaufbau Frankreichs besteht zwischen der deutschen und der französischen Regierung in den wesentlichsten Punkten Einverständnis. Es haben am 6. d. M. die ersten Besprechungen zwischen einem Vertreter der deutschen Gewerkschaften und den Vertretern der Consöderation gcnerale und des französischen Bauarbetterverbandes begonnen. Voraussichtlich wird in der nächsten Woche eine erste informatorische Besichtigung des zerstörten Gebietes stattfinden können.
— Newyork. (Vorbildliche Haltung der amerikanischen Arbeiter.) Die „Newyork Federatton^ of Labour" empfiehlt, in einem Zeitraum von sechs Monaten im ganzen Lande von Streiks abzusehen und in ernster Arbeit die Produktion zu erhöhen, damit Präsiden! Wilson Gelegenheit habe, die Kosten für die Lebensmittel Herabzusetzen.
— Amsterdam. Vom 7. September wird aus Paris drahtlos gemeldet: Im Laufe des September werden 8 deutsche Schiffe mit russischen Kriegsgefangenen nach Sibirien aus laufen. Von dort werden sie auf ihrer Rückfahrt deutsche Kriegsgefangene befördern, die im Februar 1920 erwartet werden. Einige andere deutsche Schiffe laufen nach Asien aus, um ebenfalls Kriegsgefangene zu holen.______________________________________
Lokales und Provinzielles.
Schlüchteru, den 12. September 1919.
—* W'.e aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, wird die Demokratische Partei am Sonnabend, den 13. September im Saale des „Deutschen Kaiser" eine Versammlung abhalten. In derselben spricht Herr Stetefeld aus Hauau über das Thema: „Die neuen Steuern". Das Thema steht jetzt im Vordergrund des politischen Interesses.
Roman von Martin Förster. (Fortsetzung.)
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M Was soll ich tun? Natürlich ich habe ihm gründ- meine Meinung gesagt. Im übrigen was soll machen? Ich schrieb eine neue Anweisung und schickte ihn nach der Bank, ehe sie geschlossen wurde Es würde Unannehmlichkeiten geben, wenn die Leute nicht ausgelohnt würden."
1 "Das würde es natürlich," stimmte Sachse bei.
„Aber diesmal haben sie ihn doch nicht allein in die Statt gefegt?"
"Aein, ich habe den Kutscher mitgeschickt. Hoffentlich kommen sie nach der Bank, ehe es zu spät ist.
„Das hoffe ich auch. Aber haben sie der Polizei Anzeige gemacht
*34 bin soeben dort gewesen, aber man Hot ja ben allcMringsten Anhalt. Hermann konnte W einmal angeben, wie die Räuber ausgesehen haben. M «.£5^ “^ daß sie M Me s-ftcht°-
1 S^fe zuckte die Achseln, und die beiden Männer . J , ^neigend neben einander her und kamen dann daß der Unteraufseher doch einstweilen nach ,:l Schacht gehe» sollte, um den Arbeitern die Sache z e»uarcn und sie wegen der Verzögerung des Aus- Uhneus zu beruhigen.
^^ ^" Plakat angeschlagen werden mit der SS E^ daß die Löhnung um vier Uhr statt- Zwi^-jMxche Ezog sich denn auch ohne weitere Gegen fünf Uhr hatten die letzten ArbeitSleute ihren
Lohn erhalten und das Kontor verlassen, um sich nach dem Dorfe zurückzubegeben.
Es hatte sich alles vorschriftsmäßig abgewickelt.
Mit ruhiger, selbstbewußter Miene hatte Hermann Diedrich an dem kleinen Fenster mit der runden^Orff- nung gestanden wie in der Fahrkartenausgabe'etner Eisenbahnstation, während die Bergleute, die pünktlich- erschienen waren, in geordneter Reihenfolge herantraten Der ungewohnte Aufschub hatte natürlich eine gewisse Erregung verursacht, die sich noch steigerte, als durch das Anheften der Plakate der eigentliche Grund desselben bekannt wurde.
Die Frage, wer das Verbrechen begangen haben könnte, beschäftigte natürlich alle Gemüter Gewöhnliche Landstreicher konnten es nicht sein, denn die mit so außerordentlicher Kühnheit begangene Tatsache setzte unbedingt eina genaue Sachkenntnis voraus.
Die drei Schuldigen, natürlich stand der gut gekleidete Mann zu den beiden anderen in Beziehung, hatten zweifellos gewußt, daß der eigentliche Kassierer erkrankt war, und der Neffe des Bergwerksbesitzers dies Amt nur ausnahmsweise verwaltete. Außerdem hatten sie mit großer Geschicklichkeit den verstecktesten Ort der Landstraße für die Ausführung ihres Vorhabens ausgewählt.
Man erging sich selbstverständlich in allen möglichen Vermutungen über diesen unerhörten Fall, prophezeite aber mit ziemlicher Einstimmigkeit, daß die Polizei des Bezirkes sicherlich niemals im stände sein wurde, der offenbar sehr geriebenen Schurken habhaft zu werden. Hatte man doch in dieser Hinsicht schon alle möglichen Beispiele erlebt.
Gleich nach Beendigung der Auslöhnung begab sich Herrmann, einer Aufforderung seines Onkels folgend,
nach dem Herrenhause. Er fand diesen in seinem Privatzimmer, als er in etwas kleinlauter Stimmung eintrat.
„Du willst wohl wegen des Raubanfalls mit mir sprechen, Onkel?"
„Natürlich!" fuhr Albert auf. „Was glaubtest Du sonst? Ich habe mein Geld, weiß Gott, nicht auf der Straße aufgelesen, und kann mich nicht so leicht über solchen Verlust Hinwegsetzen."
„Ja, es ist schändlich, ganz schändlich, Onkel," sagte Hermann zerknirscht. „Ich gäbe alles darum, wenn ich es ungeschehen machen könnte. Aber wie konnte ich böses ahnen? Der Mann, der mich ansprach, sah so anständig aus."
„Schnickschnack! Wenn man große Summen bei sich hat, so traut man nicht jedem beliebigen Fremden auf der Landstraße."
„Aber wie konnte ich nur an Gefahr denken, Onkel? Vilmar ist doch hundertmal mit ähnlichen Summen denselben Weg gefahren oder gegangen und hat nie besondere Vorsichtsmaßregeln angewendet."
„Das ist schon richtig. Es ist schändliches Pech, ein ganz schändliches Pech! Schade, schade, und eS tut mir Deinetwegen so leid, weil ich gerade anfing, Vertrauen in Dich zu setzen. Ich dachte selbst daran —"
„Woran, Onkel?
„Nun, ich dachte daran, Dir vielleicht einmal Vil« mars Posten zu geben. Wer weiß, wie lange er es noch macht!"
//
„Ach! Und jetzt nach dieser unglücklichen Geschichte denkst du nicht mehr daran?
„Du kannst Dich nicht wundern, wenn der Vorfall mein Vertrauen etwas erschüttert hat." (Forts, folgt.)