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mitAmtlichem Kreisblatt"

Wochcobtilage: Illustriertes Sonntagsblatt

Telefon 65.

Erscheint L^cittwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 Pfg.

Amtliches.

I.- 7493 K.-A. Auf Dickstag, den 23, September vormittags 1 /s9 Uhr habe ich einen Kreistag anbe- räumt. (Kreishaus).

I Schlüchtern, den 5. September 1919.

H Der Landrat: von Trott zu Solz.

U Der nationale Hilfsausschuß für Deutschland und Deutsch-Oesterreich in den Vereinigten Staaten hat umfassendste Verbindung für sein Hilfswerk getroffen. Die ersten Verschiffungen von Milch und Nahrungs­mitteln zur freien Verteilung unter die notleidende Bevölkerung sind unterwegs. Für Erholungsheime, für Unterstützung der Kriegswaisen, für Stärkung der Kranken und Schwachen durch Kuren und Landauf- enthalt wird überall gesammelt.

f ReichSgesetzliche Maßnahmen gegen die Wohnungs- Wot sollen bevorstehen. Zwischen den Reichsstellen und den Einzelstaaten haben Verhandlungen über die Materie Dnes Einschreitens des Reiches gegen die Wohnungsnot onnen.

s' Zwischen Deutschland und Elsaß Lothringen ist die eförderung geschlossener Privatbriefe jeder Art zvge- sftn worden. Nach der belgischen Zone der besetzten Usch-n Rheingebiete gerichtete Briefe in Handels- d Industrie-Angelegenheiten müssen in der Aufschrift- feite mit*ber AngabeGeschäftsbrief" versehen sein.

- In Ausführung der von Frankreich sür die Ermordung des Sergeanten Mannheim in Berlin orderten Sühne hat Deutschland 100 000 für die Familie bezahlt und eine Million in Gold an die französische Regierung abgeführt die sie dem inter- ationalen Roten Kreuz überreichen wird.

. Laufende Teurungszulagen für unehelich' Kinder csallener Kriegsteilnehmer. Die laufenden Teuerungs­lagen, die den Hinterbliebenen gefallener Kriegsteil- ehmer der Unterklassen seit Juni dieses Jahres ge- hrt werden, kommen auch den unehelichen Kriegs- ivaisen z' gute. Die ihnen gewährten Zuwendungen ßrhöhm sich dadurch für Kinder, deren Mutter lebt, Stuf 285,60 Mark jährlich, für Kinder, deren Mutter sticht mehr am Leben ist, auf 403,20 Mark jährlich. -:Wbenso können auch die Zuwendungen für uneheliche Rinder von Militä Personen der Oberklassen vom 1. Juni d. Jz. ab entsprechend erhöht werden.

Die Beschränkung der Einwanderung in die ereinigten Staaten wird arch von den Arbeiterver- Wänden, die die Konkurrenz und ein Sinken der Löhne befürchten, unterstützt.

M Der amerikanische Lebensmittelkontrolleur Hoover W zum Oberkommissar für die Ernährung Europas Wrnannt worden.

Ungünstige Ausfichten für die Petroleumver-

ergmanns Tschtevlein

Roman von Martin Förster. (Fortsetzung.)

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W So besann er sich denn auch nicht, ihn nach Monats- als cbermals eine Stelle frei wurde, höher auf. '^en zu lassen. Hermann wurde dadurch der nächste Wulerbeamte des erwähnten Kassierers, Vilmar mit Wiamen, und er gab sich der leisen Hoffnung hin, mit UM Zeit selbst bbfen verantwortungsreichen Posten , ibckleiden zu können.

8 Filmet war über sechzig Jahre alt und von wacher ^sundhcit, hatte sich außerdem in seiner vierzigjährigen Mienstzeit ein kleines Kapital zusammmengesparl, von Zinsen er sich ein sorgenfreies Alter zu bereiten Meoachte.

®$ erschienen Hermanns hochfliegende Gedanken icht ganz ungerechtfertigt. Nun traf es sich noch, daß Serode an diesem Zahltage der Kassierer fehlte und ermann der nächste war, um die Pflichten desselben ^ übernehmen. Während er noch mit seinen Gedanken fichäsrigt war, gewahrte er von der Dorfgasse hcr- mmeud e.n Einspännerfuhrwerk und erkannte selten als Lenker desselben. Der Wagen hielt vor dem ureaugcbäude, und gleich darauf trat Albert Diedrich i . in das Kontor.

Mvr^?am soeben von dem kranken Kassierer, dessen Moustand ihm recht besorgniserregend erschien.

r "^mar meinte, Du wüßtest wegen der Auslöhnung ^scheid", setzte er dann hinzu.Ich würde Dir Wie Cache überlassen können."

» ^ O"kel. Das Geld müßte nur ton der geholt werden."

^a, Du traust Dir also die Sache vollständig

:: Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11403

Mittwoch, den 10. September 1919

sorgung. Das Reichswirtschaftsministerium hat dem Hamburgischen Kriegsversorgungsamt mitgeteilt, daß in diesem Winter mit Petroleumeinfuhr aus Galizien und Rumänien vorerst nicht zu rechnen sei. Deutschland wird in diesem Winter fast ganz von Amerika abhängig sein. Bisher sind jedoch amerikanische Zufuhren noch nicht eingetroffen, und es ist auch noch nicht zu über- sehen, wann irgendwie nennenswerte Zufuhren eintreffen werden. Vor Ende September wird auf keinen Fall eine Petroleumverteilung möglich sein, und die zu erwartende Petroleumknappheit wird auch in diesem Winter zur Rationierung des Petroleums nötigen.

Berlin. Für die Hebung der Kohlenförderung. Im Ruhrrevier haben in den letzten Tagen auf einer großen Anzahl Zechen Versammlungen stattgefunden. An allen Versammlungen nahmen Vertreter der Berg­leute teil. Gegenstand der Verhandlungen war in allen Fällen die Hebung der Förderung, insbesondere die Erörterung der Frage, ob sich die Belegschaften in Anbetracht der bestehenden nationalen wirtschaftlichen Gefahren zur Leistung von Ueberschichten herbeilassen wollen. In den meisten Versammlungen einigte man sich dahin, daß, bevor an die Bergarbeiter das Ver­langen nach Ueberschichten gestellt würde, erst deren berechtigte Wünsche erfüllt werden müßten. Vor allen Dingen Reformterung des Knappschaftswesens, Auf- besscrung der Entlöhnung entsprechend der Schn ere und der Gefahren des Berufs, den der Beruf ist dem Handwerk gleich zu achten, das erlernt werden müsse, Abbau der Arbeitslosenunterstützung, Arbeitszwang im Bergbau für diejenigen, deren Arbeiten durch Frauen Kriegsbeschädigte verrichtet werden können. Wenn für diefes Jahr infolge des Kohlenmangels Urlaub nicht gewährt werden könne, so müsse wenigsten eine Ent­schädigung in Höhe des während des Urlaubs zu zahlenden Lohnes gewährt werden. Nicht Kohlen- mangel, sondern Wagenmangel sei in den meisten Fällen die Ursache der Kohlennot. Nicht an die Berg­arbeiter dürfe der Ruf nach höherer Leistung ergehen, sondern an die Metallarbeiter in den Eisenbahnwerk­stätten und Lokomoüobauanstalten. Es wurde allgemein hervorgehoben, daß sich die Bergarbeiter der Verant­wortung der Allgemeinheit gegenüber bewußt seien und ihre Pflicht täten.

Berlin. Spartakus an -er Arbeit. Hier sind in den letzten Tagen 125000 kommunistische Flugblätter beschlagnahmt worden, die zu einem kommunistischen Aufstand für die vierte Septemberwoche auffordern.

Paris. Akklimatisierung der Elsässer. Der Temps läßt sich von seinem Berichterstatter aus Straßburg schreiben: Ungefähr zwanzigtausend Elsäffer und Loth­ringer der Jahresklassen 1918 1919, die im deutschen Heer seit September 1916 und seit März 1917 gedient haben, werden im Oktober unter die Fahne gerusen. Im Vergleich zu den französischen Jahresklaffen ge-

übernehmen zu können ? Villmar hat alles aufgeschrieben, und auf der Bank bist Du ja schon früher gewesen. Du wirst wissen, wieviel Kleingeld Du brauchst."

Ja, ganz genau. Ich habe heute morgen alles durchgesehen, als Villmar nicht hier war. Ich habe schon oft bei der Auszahlung geholfen."

So geh' nur gleich nach der Bank! Du kannst den Einspänner nehmen, und wenn ich nachher nicht hier sein sollte, schicke ihn nur herüber nach dem Herrenhause."

Gut, ich danke Dir."

Und wenn Du ausgelohnt hast, so komm zu mir."

Jawohl", entgegnete Hermann, seinen Hut nehmend.

' Fünf Minuten später fuhr er die alte Gasse hinauf nach der Bank in der nahen Kreisstadt P.

Es war an demselben Tage kurz nach ein Uhr, als Sachse sein Haus verließ, um nach der Mine zu gehen, und sich plötzlich beim Namen rufen hörte. Er sah sich um und war sehr erstaunt, Albert Diedrich blaß und verstört zu erblicken.

Wollt Ihr nach dem Schachte?" fragte er kurz.

Ja, zur Auslöhnung. Es ist ja Sonnabend."

Ihr braucht Euch nicht zu beeilen, um zwei Uhr wird heute nicht ausgezahlt."

Weshalb nicht?"

Weil das betreffende Geld geraubt worden ist.

"tlm Gotteswillen! Wann und wie?"

Der Raulanfall fand heute morgen kurz nach elf Uhr statt, und zwar auf der Chaussee gerade dem Herrenhause gegenüber. Dreitausend Mark, Sachse, denkt Euch das!"

Aber wie ist das möglich ?" stammelte der Unter-

Telefon 65.

70. Jahrgang

«innen diese junge Leute ein Jahr, weil sie vom Ab- schluß des Waffenstillstandes an von der Dienstpflicht befreit waren. Die freiwillig nach dem Waffenstillstand in den Dienst eingetreten, kommen mit ihrer Jahres- klaffe zur Entlastung. Die Diensttauglichen werden soweit wie möglich denjenigen Waffengattungen zuge­teilt, unter denen sie unter der deutschen Armee gedient haben. Um diese Rekruten nicht allzusehr von ihrer Heimat zu entfernen, wird man sie möglichst den Elsaß- Lothringen nächstgelegenen Garnisonen zuteilen. Es handelt sich, so schreibt der Berichterstatter, weniger um die Frage, diese Soldaten nach dem französischen Militärgesetz zu ersetzen, als sie zu akklimatisieren. Die französische Militärbehörde wird den in Frage kommen­den Garnisonen besondere Heime für die Elsaß- Lothringer eröffnen.

Lokales uud Arovinziekes.

Schlüchtern, den 9. September 1919.

* Von gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die Obstpreise überall sehr gefallen find, so kosten Birnen, deren Höchstpreis 45 Pfennig per Pfund ist, in Bamberg 20 Pfg., Mostobst in Nürnberg Zentner 20 Mark, Tafelfrühobft in Würzburg 30 Mark. Auch aas Stuttgart und vom Bodensee kommen Massenan- gebote in Obst. (Hoffentlich macht sich das auch bei uns bemerkbar.)

* Kommenden Sonntag, den 14. d. Mts. wird im Gasthaus zumHesstschen Hof" ein Konzert zu Gunsten der heimkehrenden Kriegsgefangenen von Schlüchtern, stattfinden. Im Hinweis auf die in Aussicht gestellten Leistungen des Offenbacher GesangSdoppelguartett, sowie der Kapelle F. A. Regt. 63 (Frankfurt) dürste ein zahlreicher Besuch zu erwarten sein.

* Neuwahlen zum Aammunallandtag^ Der Lan­desausschuß hat die Zähl j.i von den ausgehenden Kreisen des Regierungsbezirkes zu wählenden Abgeord­neten gemäß §§ 8 und 9 der Provinzialordnung vom 8. Juni 1885 folgendermaßen festgesetzt: 1. Kassel- Stadt 8 Abgeordnete, 2. Kassel-Land 3, 3. Eschwege 3, 4. Frankenberg 2, 5. Fritzlar 2, 6. Fulda 4, 7. Geln- hausen 3, 8. Gersfeld 2, 9. Hanau Stadtkreis 2, 10. Hanau Landkreis 3, 11. Hersfeld 2, 12. Hofgeis- mar 2, 13. Homberg2, 14. Hünfeld 2, 15. Kirchhain 2, 16. Marburg 3, 17. Melsungen 2, 18. Rotenburg 2, 19. Grasschaft Schaumburg 3, 20. Schlüchtern 2, 21. Herrschaft Schmalkalden 3, 22. Witzenhausen 2, 23, Wolfhagen 2 und 24. Ziegenhain 2. Das gibt zu­sammen 63 Abgeordnete bei einer Bevölkerungrzahl von 1008053 nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910.

* Gewöhnliche Postpakete nach Großbiitannien sind wieder zulässig. Die Freigebühr beträgt bis auf weiteres 1 Mark 60 Pfg. für das Paket.

aufseher.JH verstehe das nicht, Herr Diedrich."

Ich auch nicht, Sachse," war die trockene Antwort. Ich begreife es jetzt noch kaum. Aber es kam so! Vilmar ist zu krank, um ins Kontor zu kommen. So beauftragte ich meinen Neffen, das Lohngeschäft zu besorgen. Ich gab ihm die Anweisung, und er fuhr nach der Bank, um das Geld zu holen. Er bekam es richtig ausgezahlt und war dann ein solcher Narr, es sich unterwegs abnehmen zu laffen."

Er wurde beraubt, sagen Sie?"

Ja, beraubt, in der Gasse gerade meinem Hause gegenüber. Er sagte, er sei langsam den Weg entlang gefahren, als ein gut gekleideter Mann ihn angehalten und nach meiner Wohnung gefragt habe. Während er ihm antwortete, wurde er dann plötzlich rücklings von zwei Männern überwältigt, welche hinten aufgestiegen fein müssen."

Die infamen Schurken!" fuhr Sachse heraus.

Ja, und das am Hellen Tage! Eine unglaubliche Frechheit! Aber der junge Esel hätte mehr Verstand haben sollen. Was braucht er in der einsamen Gasse anzuhalten, wenn er soviel Geld bei sich führt."

Und die Diebe jinb natürlich entkommen?"

Natürlich sie waren fort ehe Hermann wieder zu sich kam. Der eine würgte ihn, und der andere hielt ihm ein feuchtes Tuch vor Mund und Nase. Die ganze Sache dauerte nur einige Minuten. Ihr könnt Euch denken, in welcher Verfassung er zu mir kam."

Das ist ja eine merkwürdige Geschichte," sagte Sachse nachdenklich. Und was denken Sie zu tun ?"

(Fortsetzung folgt.)