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mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochcnbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Mittwoch, den 3. September 1919
70. Jahrgang
Unsere Gefangenen.
W London, 31. August.
Gz sind Anordnungen zur Heimbeförderung der auf ranzöstschem Boden in englischer Hand befindlichen l(Utttin Kriegsgefangenen getroffen worden.
Versailles, 31. August.
| Die internierte Kommission zur Abbeförderung der Mischen Kriegsgefangenen hat gestern vormittag im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten ihre erste Sitzung abgehalten.
r Wie „Journal" schreibt, sei man in gewissen Kreisen „es Glaubens, daß von den Alliierten in dem Augen- bltch in dem sie den Friedensvertrag hinsichtlich der Bedingungen über die deutschen Kriegsgefangenen für giltig erklärt hätten, wahrscheinlich eine Gegenleistung Deutschlands erwartet werde, nämlich daß Deutschland Dbcrschlesien räume. Im übrigen glaubt das Blatt, der vorzeitige Abtransport der Kriegsgefangenen sei auf sMlischen Einfluß zurückzuführen. Nach der Pariser Ausgabe des „Newysrk/Herald" sollen Amerika und England beschlossen haben, im Laufe der nächsten oder ildernächsten Woche täglich 2000 deutsche Kriegsgefangene Mutrampottieten. Augenblicklich befinden sich 48 COO fangene unter amerikanischer Bewachung. Das Bitt |aßt: Die französisch. Regierung wird die unter Hrer V.wachung befindlichen Kriegsgefangenen zurück' Malten, bis der Friedmsvertrag ratifiziert ist.
Win Amerikaner gegen den Achmachfrieden.
M Amsterdam, 31. August.
M Das Pressebüro Radio meldet aus Washington: Senator Knox erklärte im Senat, die Vereinigten Maaten sollten es ablehnen, den Versailler F.iedens- Mtrag zu unterzeichnen und sollten eine^ Sonderfrieden Kl Deutschland schließen. Durch seine schweren und Mausamen Bedingungen lege der Friedensvertrag Deutschland Strafen auf, die die internationalen Gesetze verletzten. Der Friedenszustand trete jedoch ein, sobald Großmächte den Frieden ratifiziert hätten. Die ^Gereinigten Staaten sollten ihren eigenen Frieden ^schließen. Knox fuhr fort: Ich bin der Ansicht wir sollten gegenüber Deutschland auf jegliche aus dem »Wieg entstandenen Entschädigungsansprüche verzichten und dafür sorgen, daß Deutschland statt dessen Kredite erhält. Präsident Wilson hat im Jahre 1917 Wärt, das KriegSziel der Vereinigten Staaten sei, die i aulokcatische Macht zu stürzen und das deutsche Volk in die Lage zu versetzen, selbst über sein Schicksal zu bestimmen. Die Vereinigten St aalen müßten aus dem Krieg gehen, wie sie in den Krieg gezogen seien: frei, ^unabhängig und Herr ihres Schicksals. Knox hob die Wertvollen Dienste hervor, die die amerikanischen Unter- r tonen deutscher Abstammung den Vereinigten Staaten geleistet haben. Sie seien froh in den Kampf gezogen
f*emann» Tsetztertein. Roman von Martin Förster. 22 ■ (Fortsetzung.)
Daß auch Albert Diedrtch darum wußte, schien den Webenden zweifellos, denn er war ihnen mehr als einmal auf den Abendspaziergängen begegnet, hatte aber weder durch Blick noch durch Wort gezeigt, daß ihn ihr gegen- ^W"gls Verhälmis irgendwie interessiere oder gar tm sei, ihn in seinen Gefühlen zu kränken.
8 Er begrüßte jedesmal das junge Paar mit freund- Wem Läch ln. Beide fühlten sich durch seine LiebenS- Würdigkeit sowohl angenehm überrascht, als wegen aller Befürchtungen beruhigt. Es war nur zu offenbar, daß alternde Mann selbst das Törichte seiner Wünsche •■ Wg^hen hatte, und daß der flüchtige Rausch, den er i M" Leidenschaft hi.lt, ebenso schnell wieder verflogen war. -M HEen sie ahnen können, daß hinter der glatten AiM^nseite rasendes Verlangen, koshafte Tücke, gemeine -ttachepläne lauerten!
^it Sachse die Arbeit wieder ausgenommen, hatte Mgow greifbare Beweise von Wohlwollen und Dank- g des Ersteren erhalten. Sein Lohn war erhöht ^N^ und er erhielt gewöhnlich Aufträge von größerer »Moeutung nnd mehr Verantwortlichkeit als die gewöhn- Arbeiter. Heute zum Beispiel hatte er die Aus- " Eines der eingefallenen Luftwege zu beauf- [ M^en. Es war eine Tätigkeit, der er im vollen *j uj, gewachsen war, zugleich eine Vertrauensstellung, mit Stolz erfüllte. Dennoch war er ein wenig ^urch die offenbare Bevorzugung bei seiner s un^ verhältnismäßig kurzen Dienstzeit den Neid nameraden zu erregen. Möglichenfalls würde auch M Herr, der ohnehin keine allzu freundlichen Gefühle
in der Ueberzeugung, daß es letzten Endes zum Besten ihrer deutschen Blutsverwandten sei. Statt dessen seien Friedensbedingungen auferlegt worden, die das deutsche Volk nie erfüllen könne.
Rückkehr zur Akkordarbeit?
Cin Bekenntnis des „Vorwärts" — Lebens- mittelzulagen als Prämien.
Berlin, 26. August.
Ueber die Akkordlohnfraze schreibt der „Vorwärts", anknüpfend an die schwere Kohlenkatastrophe, die wir unmittelbar vor uns haben, folgendes:
- „Darüber herrscht allgemein Klarheit, daß die prekä.e Situation, die Deutschland jetzt durchlebt, nur durch gesteigerte Arbeitsleistung behoben werden kann. Seit den Tagen der Revolution ist eine Unzahl goldener Worte der Mahnung zum Pflichtgefühl gegenüber der Arbeiterschaft verbreitet worden, — der Erfolg ist ausgeblieben. Unser Volk ist krank, so krank, daß die Ratschläge des Arztes allein nicht mehr für die Heilung genügen. Es bedarf des kühnen Eingriffs, um den Gesundungsprozeß zu forcieren! Die Revolution in Deutschland hat — wie in Rußland und Ungarn — durch den Niederbruch auch der Autorität in der Produktionsleistung viele unselige Hemmungen ausgelöst. So sehr wir es am Anfang begrüßt haben, daß die Akkordarbeit beseitigt worden ist — weil in einem Staate mit gesundem Pflichtgefühl aller Volksschichten es keines äußeren Zwangsmittels zur Arbeit bedarf —, so groß ist die Enttäuschung darüber, daß die Pflicht zu rützlicher Arbeit für das Volksganze nicht überall geübt wi d. Heute erkennen gerade in der Arbeiterschaft ruht erhebliche Teile die Notwendigkeit, die Bezahlung nur nach der Anwesenheit tm Betriebe zu reformieren und an ihre Stelle die Bezahlung der wirklichen Arbeitsleistung zu setzen. Der Umstand, daß Arbeitsunlustige den gleichen Lohn erhalten wie Arbeits- lustige, wirkt lähmend auf die guten Elemente in der Arbeiterschaft. Sie fragen sich mit Recht, warum sie für ihre Treue und Gewissenhaftigkeit genau so bezahlt werden wie die Arbeitsunlustige» für mangelhafte Stiftungen. In Ungarn und in Rußland hat man sich gezwungen gesehen, einen Anreiz für die Erhöhung der Arbeitsleistung zu schaffen, und man hat in beiden Ländern nur den Ausweg gefunden, die wirklich geleistete Arbeit statt der Arbeitszeit zu bezahlen! Man ist zum Akkord- und zum Prämienlohnsystem übergegangen und hat damit einen sehr günstigen Erfolg gehabt. Jetzt stehen wir in Deutsch'and, namentlich durch die Gefahren angeregt, die infolge der trostlosen Vergeutung in den Eisenbahnwelkstätten in unserem Transportwesen aufgctaucht sind, vor der Notwendigkeit, gleiche Maßnahmen zu ergreifen!"
gegen ihn hegen konnte, nicht damit einverstanden sein. Er war sich nicht einig, ob er nicht diese Bedenken Sachse mttteUcn sollte, und verzehrte daher unter allerlei widerstreitenden Gefühlen sein Frühstück.
Er hatte dasselbe kaum beendet, als der Unteraufseher erschien und ihn bat, ihn nach einem anderen Teile des Schachtes zu begleiten, wo die Luftwege in noch schlechterem Zustande waren und gleichfalls sofort in Angriff genommen werden mußten, zumal sie im Falle eines Unglückes wichtige Passagen bildeten. Sachse beabsichtigte, diese Arbeit ganz unter die Leitung seines künftigen Schwiegersohnes zu stellen. Es war dies abermals eine Auszeichnung, aber er versicherte auf Franzens besorgte Einwendungen, daß der Minenbesitzer mit seiner Errichtung bekannt und vollkommen einverstanden sei.
Es war ein mühseliger Weg, den sie verfolgten. Sie mußten sich unausgesetzt ihren Weg über Trümmer und Geröll bahnen, sich oft im buchstäblichen Sinne durch die Oeffnungen winden. Dabei wurde ihr Vordringen durch die dicke, heiße Luft ganz unendlich erschwert. Schweißtriefend und keuchend langten sie endlich nach einer Stunde etwa in einer wenig erhaltenen, alten Galerie an, wo sie einen Moment ausruhten, um Atem zu schöpfen.
Nachdem sie sich abgekühlt hatten, begann Sachse die vorzunehmende Strecke auSzumessen. Er bezeichnete die einzelnen Punkte mit Kreide und schrieb seinen Namen daran. Dann hielt er plötzlich inne und blickte aufmerksam in die Höhe.
„Was ist das für ein sonderbarer Geruch, Franz?" „Ich merke das auch eben. Es richt wie nach schlechtem Petroleum."
„Ja, offenbar brenzlich. Was kann das sein?" Beide Männer hielten nach einem kräftigen Atemzüge
Deutsches Reich.
- Berlin. (Hindenburg an die deutsche Jugend.) Anläßlich des fünfjährigen Jahrestages der Schlacht bei Tannenberg brachten die Schüler der Hannoverschen Schulen dem Feldmarschall von Hindenburg eine Huldigung dar. Auf eine Ansprache aus der Menge erwiderte der Feldmarschall u. a : „Haben Sie herzlichen Dank für die Worte, die Sie an mich gerichtet haben. Sie kommmen von Herzen und sind zu Herzen gegangen. Wenn es mir gelungen ist, heute vor fünf Jahren einen glänzenden Steg zu erringen, so führe ich dies auf Gottes Fügung und auf den Geist der mir anvertrauten Truppen zurück. Dieser Geist darf uns nicht verloren gehen, wenn auch jetzt traurige Zeiten für uns angebrochen sind. Wir dürfen den Mut nicht sinken lassen. Wir müsftn wieder werden, was wir damals waren, als in Versailles das neue deutsche Kaiserreich gegründet wurde, wobei ich mich unter denjenigen befand, die das erste Hoch auf den Kaiser ausbringen konnten. Der Geist dieser großen Zeit darf uns nicht verloren gehen in dieser schlappen Zeit. Dafür hat die kommende Jugend zu sorgen, uno der Geist, der aus Ihren Worten spricht, gibt mir dte Gewähr dafür, daß sie wiederkommen wird, wenn ich sie auch nicht mehr erleben werde. Ich muß unser deutsches Vaterland von dort oben wiedersehen, frei von Gemeinheit, Falschheit und Unwürde. Unser deutsches Vaterland lebe hoch?"
— Prinz Waldemar von Preußen, der bis zu Beginn des Krieges Regierungsreferendar bei der Königlichen Regierung in Hannover war, hat sich auf Hemmelmark bet Eckernsörde mit Prinzessin Calixta zur Lippe vermählt. Der PUnz ist der älteste Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen und dessen Gemahlln Irene, geb. Prinzessin von Hessen und wurde am 20. März 1889 in Kro^ geboren, äKv-stand ais-HRrptmann rr ls ftrttr des Garderegiments zu Fuß und als Kapitänleutnant a la suite der Marine. Die Gemahlin des Prinzen, Prinzessin Calixta zur Lippe aus Hannover, ist die älteste Tochter des am 6. August vor Lüttich gefallenen Obersten Friedrich Wilhelm zur Lippe Kommandeur des 1. Hannoverschen Infanterieregiments Nr. 74 und dessen in Hannover tm Witwenstand lebender Gemahlin Prinzessin Gisela zur Lippe, geb. Prinzessin zu Isenburg und Büdingen, sie wurde am 14. Oktober 1895 in Potsdam geboren.
— BreSlau. (Streik in den schlesischm Papierfabriken.) Die „Bresl. Ztg." meldet aus Hirschberg: In sämtlichen Papierfabriken des Riesengebirges haben die Arbeiter wegen Lohnstreitigkeiten die Arbeit nieder- gelegt. Es feiern rund 1800 Mann. Dadurch ist einer der wichtigsten Papiererzeugungsdistrikte der Provinz Schlesien sttllgelcgt worden.
— Was die Zigarette dem Reich einbringt. Das Zigarettenrauchen hat trotz aller Verteuerung seit Be-
die Luft an. Ja, es war offenbar. Es war Rauch, der ihnen entgegentrieb. Es mußte irgendwo brennen.
Sie beschleunigten ihre Schritte, öffneten mit sta kem Druck ihrer kräftigen Schultern verschiedene Türen und gelangten glücklich in den unteren Teil des Schachtes, den sie vom Fußboden bis zur Decke mit einer wirbelnden, qualmenden Rauchwolke angefüllt fanden.
Sachse eilte den Schacht hinauf, und Degow folgte ihm auf dem Fuße. Aber ihr Vordringen war nicht leicht. Der Rauch benahm ihnen den Atem und ver- dunkeüe ihre Blicke. Dann und w:nn strauchelten sie über die in der Mitte des Schienenweg.S angebrachten Rollen, aber endlich war die Biegung erreicht, und dann entfuhr SachseS Mund ein heiserer Schreckens- schret: „Mein Gsrt, Franz, sieh die Flammen! Das Maschinenhaus brennt!"
„Um Gotteswillen!"
Beide Männer standen einen Augenblick wie erstarrt. Sie waren jetzt vierzig oder fünfzig Meter von dem Maschinenhause entfernt, in welchem sie deutlich die hervorbrechenden Flammen wahrnahmen. „Ich sehe keinen Menschen," keuchte Sachse dann. Hoffentlich sind sie alle in Sicherheit. Aber schnell, schnell, daß wir vorbeikommen, ehe es zu spät ist. Nimm einen Anlauf. Halte Dir die Mütze vor den Mund!"
Sie stürzten vorwärts wie die Besessenen, blind und taub, mit angehaltenem Atem, beinahe mitten in die Flammen hinein. Es war ein Moment voll grauenhafter Verzweiflung und Todesangst, aber glücklicherweise nur ein Moment. Dann standen sie beide jenseits des Flammenmeeres inmitten einer Schar von Männern und Knaben, die sie mit schreckensbleichen Gesichtern umringten. (Fortsetzung folgt.)