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MAmtlichen! KreisMtL" Wochcnbcilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint RMwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, 2Tif. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 Pfg.

» 70.

^ Trostlos.

Unsere wirtschaftliche Lage ist trostlos. Das Sinken ijr Valuta ist beängstigend. Wenn es so foitgeht, immt der StaatZbankerott so sicher wie das Amen t der Kirche.

Nur noch 20 Pfennige wird unsere Mark im Aus- Mde gewerkt. Wer dazu die Achseln zuckt, muß sich aran erinnern, daß wir die Kriegsentschädigungen in die Entente in Gold oder Goldeswert zu zahlen Wen. Einschließlich der Vergütungen für die feind- & Truppenverpflegungen in den besetzten Gebieten 0Uen 200 Milliarden in Gold oder Goldeswert her- Mkemmen, das sind tausend Milliarden Mark. Wie -das fertig gebracht werden soll, entzieht sich jeder Er­örterung. Nur das steht fest, daß uns nichts geschenkt wird. Die Entente wird nehmen, was da ist.

D So weit sind wir, und die Folgen stellen sich ein. Die Stillegung von gewerblichen Betrieben infolge jM Kohlenmangels geht jetzt in gesteigerter Schnelltg- seit Hand in Hand mit der Beschränkung des Eisen­bahnverkehrs. Dazu kommt die wachsende Schließung von großen Unternehmungen, weil die Abgaben weit Wer die Einnahmen gestiegen sind, der Betrieb also Wht mehr lohnn Wir abeiten heute so teuer, daß wir M Preisen, bei welchen noch etwas übrig blecht, nach Hern Auslande nicht mehr viel Absatzmöglichkeit haben, Md im Innern sinkt der Verkauf infolge der unsiche­ren Verhältnisse. Dabei steigen die öffentlichen An- Mrdervngen ununterbrochen. Die für den ersten Okto- 'ber in Aussicht genommene Erhöhung der Eisenbahn- fahipreise überstellt alles, was man für möglich gehalten hat. Die vierte Wagenklasse wird soviel kosten, wie bisher die zweite, die dritte wie dt. erste, die zweite wie die zweite und erste zusammen. Was soll 8 solchen Verhältnissen werven? Ein Zirsammenbruch. oer vielmehr diese Zustände bedeuten bereits eine Katastrophe.

; Es ist ja auch gar nicht anders möglich, daß in der Welt das Vertrauen auf die deutsche Solidität ent­schwindet, wenn bet uns Millionen über Millionen ausgegeben werden und trotzdem keine wirkliche Besser- ung in den wirtschaftlichen Verhältnissen eintritt. Jetzt im Sommer können wir unseren Eisenbahnbetrieb nicht mehr aufrechterhalten! Diese Tatsache schlägt alle Vertuschungen oder Beschönigungen aus dem Felde. Rechnet man bet der Entente mit dem Verfall Deutsch­lands an den Kommunismus, so rechnet man auch --schon mit der Besetzung unseres Landes, um sich durch geeignete Maßnahmen die Zahlung der Kriegsentschä­digung zu sichern. Deutschland steht rann unter der ^Zwangsveiwaltung inmitten von feindlichen Bajonetten. KaS ist das Ende.

| Alle Ermahnungen helfen scheints nichts, das -Drucken von Papiergeld nützt aber auch nichts, wir betten von Tag zu Tag tiefer in den Sumpf von

Bergmanns Tret-tevlei«.

Roman von Martin Förster. 21

(Fortsetzung.)

Der Minenbesitzrr ^war eben zu diesem Entschluß gekommen, als seine große, knochige alte Haushälterin ins Zimmer trat. Sie hatte so häßliche, grobe Züge, daß sie in ganz Langenau als Vogelscheuche verschrien war.

Ihr Herr Mffe ist da, Herr Diedrich," berichtete Ich wußte nicht, ob Sie Zeit hätten, ihn zu sprechen."

Er soll nur hereinkommen, Frau Hempel."

Sie entfernte sich mit schlurrendem Schritt, und einen Augenblick später trat Hermann' Diedrich ein, augen­scheinlich in sehr guter Laune.

Guten Morgen, Onkel. Noch beim Frühstück? Ich ging gerade vorüber und wollte einmal vorsprechen."

Schön. Du bist mir immer willkommen, Hermann. Setze Dich! Du hast wohl schon gefrühstückt?"

Schon lange. Ich danke Dir. Ich komme eben vom Bergwerk und habe ein wenig mit Sachse geschwatzt."

Wo hast du ihn gesehen?"

Am Schacht natürlich."

Ach, richtig! Ich vergaß eben, daß er Sonntags auch dort nachsteht. Was wußte er denn neues zu berichten?"

Nichts Sonderliches. Ich verließ ihn an der Einfahrt des Schachtes in Gesellschaft eines jungen Menschen. Ich glaube Tegow heißt er."

Degow! O! Kennst du ihn?"

Gewiß, wie ich andere Bergleute kenne."

Was hälft du von ihm? Er sieht gut aus, nicht

Samstag, den 30. August 1919.

Wirtschaftslosigkeit. Daß ein solcher Zustand, in dem man vom Schuldenmachen lebt, keine Dauer haben kann, ist so klar, wie zwei mal zwei gleich vier. Die Wirkung ist da in dem jammervollen Stand der Mark von 20 Pfennigen.

Eine Rettung ist immer noch möglich. Wir brau­chen nur zu arbeiten, dann kommt der Aufstieg von selbst.

Deutsches Reich.

' Dr. Friedrich Naumann, der Vorsitzende der deutsch demokratischen Partei ist am 24. August in Travenmünde infolge Schlaganfalls gestorben.

Ein großer deutscher Katholikentag wird im Oktober in München statifinden.

Die Auswanderung des deutschen Handels. Aus den Hansastädten kommt die Nachricht, das sich immer mehr deutsche Großunternehmer dem Auslande zuwenden. In Bremen haben zahlreiche Exporteure und Baumwollhändler thrGeschäfc verkauft und sind zum Teil auch nach Spanien gezogen, um sie dort weiter zu führen. In Holland hat es vor allen Dingen das amerikanische Kapital verstanden, deutsche G.oßkaufleute heranzuziehen.

Deutsche Luftschiffahrt. Das neue deutsche Luftschiff Bodensee" ist am letzten Sonntag von Friedrichs- Hafen nach Berlin geflogen. Die Abfahrt erfolgte vor­mittags 10 Uhr, die Ankunft in Berlin nachmittags 4 Uhr; trotz des regnerischen und stürmischen Wetters machte das Lufschiff noch eine Rundfahrt um Berlin und landete um 5 Uhr in Staaken.

Berlin. Zugeinschränkungen schon am1. Sept. ? Wie von maßgebender Stelle verlautet, werden voraus­sichtlich bereits vom 1. September ab infolge des Kohlenmangels weitgehende Zugeis^chränkungen vor­genommen werden müssen. Es sind tu einzelnen Be­zirken Kohlen nur noch für eine Woche vorhanden.

Vor neuen Unruhen im Ruhrgebiet.* In unter­richteten Kreisen wird behauptet, die Papiere die man kürzlich bei Haussuchungen bei kommunistischen Führern in verschiedenen Orten des rheinisch-westfälischen In­dustriegebietes vorfand, ließen keinen Zweifel darüber, daß seitens der Spartakisten und Kommunisten ein neuer Anschlag im Ruhrgebiet geplant sei. In einer Rede, die der Führer der Unabhängigen Abg. Ludwig- Hagen im Kreise Jserlohn hier, sagte er, daß ein neuer Schlag geplant sei, der kommen werde trotz Ungarns. Er brmerkte, daß der Zusammenbruch der Räteregierung in Budapest die deutschen Bolschewisten nicht abhalren werde, einen neuen Versuch zu machen das Rätesystem in Deutschland einzuführen. Im ganzen rheinisch-westsälifchen Industriegebiete wird trotz der äußeren Ruhe wieder mächtig gewühlt. In Arbeiter- kreisen wird offen erklärt, im September solle es etnen^ großen Schlag geben. Die Radikalffierung der

wahr, und ist sehr intim mit den Sachses! Aber das ist sehr natürlich, weil er dem Unteraufseher das Leben gerettet hat."

Ja, ja," meinte Hermann in gering schätzigem Tone. Ich halte gerade nicht viel von ihm."

Warum nicht?" fragte Diedrich scharf. In seinem Hirn regte sich plötzlich ein neuer Gedanke.

O, er ist ein eingebildeter Narr und weiß alles besser als andere Leute."

Wirklich?" fragte der andere spöttisch.Du bist wohl eifersüchtig? Ich denke mir, er hat ein Auge auf Sachses Tocher geworfen."

Ein B.ick auf seines Neffen Gesicht zufügte, um seine Vermutung zu bestätigen. Die Andeutung, daß Degow der bevorzugte Liebhaber des viel umworbenen Mädchens sein könne, war ein Hieb der traf. Hermann Diedrich versuchte nicht einmal, seine Gefühle abzu- leugnen. Sein Onkel war zu frieden und baute auf diese Wahrnehmung einen neuen Plan. Wenn es gelang, Hermann gegen den Nebenbuhler aufzuhetzen, so war das für ihn um so günstiger. Seinetwegen hätten sie sich gegenseitig umbringen können, um ihm völlig freies Feld zu lassen.

Also Du hast Dich wirklich auch in das Mädel vergafft?" fragte er mit schlauem Lächeln.Na, alle Achtung vor Deinem Geschmack. Ich habe nichts dagegen. Aber das kann ich Dir sagen, wenn Du noch etwas zu erreichen hoffst, so mußt Du Dich beeilen. Sonst schnappt sie der andere weg. Ich sah sie erst gestern abend zusammen."

Der Jüngere unterdrückte einen Wutschrei.Wo?" stieß er heraus.Wo sahst Du sie zusammen?

Nun, dicht vor ihrer Wohnung, und zwar kurz vor Dunkelwerden."

70. Jahrgang

Arbeitermassen macht unverkennbare Fortschritte. Unter den E.senbahnern, Postbeamten und Angestellten der großen Werke herrscht Unzufriedenheit. Man hofft indessen, daß der Ernst der gesamten wirtschaftlichen und politischen Lage Deutschlands die Mehrheit abhalten werde, der Vernichtungspolitik der Kommunisten Gefolgschaft zu leisten.

Aufgehobene Häuteversteigerung. Die vom Schutzverband für Häuteverwertungen Mitteldeutschlands in Leipzig abgehaltene erste Zentralauktion konnte nicht zu Ende geführt werden, weil der Verein sächsicher Gerber Verwahrung gegen die weitere Versteigerung eingelegt hatte, angesichts der abgegebenen hohen Ge­bote, die kein Gerber anlegen konnte. Vermutlich werde die Ware, für ausländische Rechnung aufgekauft. Da der größte Teil der Teilnehmer an der Auktion den Protest unterstützte, wurde die Auktion für aufgehoben erklärt.

Amsterdam. (Amerikanische Senatoren für einen neuen Frieden ohne Völkerbund.) LautPressebüro Radio" hat Senator Knox bei einer in seinem Büro stattgefundenen Konferenz erklärt, daß der Friedens­vertrag mit Deutschland von den Vereinigten Staaten völlig abgelehnt werden wird. Er sagte, die Vereinigten Staaten sollten sich überhaupt nicht in die Verhältnisse in Europa einmischen und hätten nichts mit dem in dem Friedensvertrag bezüglich der zukünftigen Bestim­mungen der europäischen und asiatischen Völker und Gebiete getroffenen Regelungen zu tun. Senator Lodge äußerte, wenn der Völkerbundsvertrag aus dem FriedenS- vertrag herausgeschält werde, so trete er nicht für die Ablehnung des Friedensvertrages ein. Lodge versucht augenblicklich die oppositionellen Elemente zu sammeln. Die oppositionellen Senatoren haben die Absicht, eine Vortragsrundreise durch ganz Amerika bis zum Stillen Ozean anzutreten, um die öffentliche Meinung für die vollständige Ablehnung des Feroder-sversages ohne Völkervund zu gewinnen.

Amsterdam. (Der amerikanische Senatausschuß gegen Japan.) Wie das Pressebüro Radio aus Washington meldet, nahm der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten die vom Senator Lodge vorgeschlagene Abänderung des Friedensvertrages an, derzufolge China statt Japan den Hafen von Schantung übernimmt. Englischen Blättern zufolge organisieren die Sinnfeiner in Washington eine auf ganz Amerika sich erstreckende england-feindliche Propaganda.

Newyork. (Das Einwanderungsverbot.) Das Einwanderun^skomilee unterbreitete dem Kongreß einen Gesetzentwurf, durch den die Einwanderung auf zwei Jahre verboten wird. Die Annahme der Vorlage ist wahrscheinlich.

Zurück zur Akkordarbeit.

Die passive Resistenz, die Arbettsunlust und Gleich« gültigkeit gegen alles Kommende bilden zurzeit das

Ha! Das ist schändlich! Das wäre niederträchtig!" Hermann lief aufgeregt im Zimmer auf und ab.

Nun, nun," meinte der andere begütigend.Es wird so schlimm nicht sein. Wenn Du ernsthafte Ab­sichten hegst, aber wirklich ernsthafte, so muß und wird sie Dir natürlich den Vorzug geben. Versuche nur Dein Heil! Ich will Dir, wie gesagt, absolut nicht im Wege sein."

So bin ich also wirklich Deiner Zustimmung sicher?" Vollkommen sicher."

Dann mußt Du mir aber helfen, Onkel."

Ich? Wieso?"

Du mußt diesen Degow sofort entlassen oder dafür sorgen, daß ein anderer es tut."

Das kann ich nicht. Es würde mir zu sehr ver­dacht werden. Verlange nichts Unbilliges von mir, Hermann!"

Er sprach in sehr bestimmtem Tone und kam sich sehr gerecht und edeldenkend vor, während er trotz der anfänglichen Weigerung des Neffen klingelte und für diesen ein paar Flaschen Vier bestellte. Dann schenkte er sich selber in aller Gelassenheit ein Gläschen Coqnak ein, nötigte den anderen zum Trinken, und es gelang ihm wirklich, diesen allmählich zu beruhigen und seinen Plänen gefügig zu machen, ohne indessen sich selber auf irgend welche.Versprechungen einzulassen.

7. Kapitel.

Es war zwischen acht und neun Uhr morgens, als Degow mit einigen Kameraden in einem alten Luftgang des Herrenschachtes nahe an der Stelle, wo Sachse ver­unglückt war, sein Frühstück verzehrte. Mehrere Wochen waren seit dem Abend verflossen, an dem sich Franz und Jutta ihre Liebe erklärt hatten, und ihre Verlobung war in Langenau kein Geheimnis mehr. (Forts, folgt.)