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'mitAmtlichem RreWatt" Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 pfg.

Samstag, den 23. August 1919

70. Jahrgang

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Der Kohlenmaugel bedingt, daß jeder elektr. Licht spart soviel er kann.

3m Joch des Fritdrus.

Die Klage ist nur allzu berechtigt, daß weite Kreise des deutschen Volkes immer noch nicht begriffen haben, was der Friedensvertrag von Versailles für uns be­deutet. Sicher mit jedem Schritt, den wir in der Au führang des Friedens tun, werden wir immer drückender das Joch des Friedens spüren, den der Feind, uns auferlegt hat. Immer härter wird der Griff zu spüren sein, mit dem der Find versuch n wird, unsere Kraft in seinen Dienst zu stellen. Bei dem Reichsnot­opfer, das von uns gefordert wird, und das dem Vater- lande auch dargebracht werten muß, ist diese Hand schon von ferne sichtbar geworden. Wir hoffen und erwachn aber, daß es möglich sein wird, die Milliarden- abgabe ihrem Griff zu entziehen. Jedenfalls ist es Mars zu verurteilen, wenn in Deutschland selbst Stim­men laut werden, die dem Feinde eine Auslegung des Ariedensve:träges im Sinne seiner räuberischen Ab- ichten gem fsermaßcn ins Ohr sagen. Für jeden Deut-

n muß es selbstverständlich sein, daß der Feind nicht >as mindeste Recht hat, uns die Erleichterung unserer chuldenlast unmöglich zu machen. Immerhin wird auch dieser Fall den leichtlebigen und leichtsinnigen Kreisen unseres Volkes deutlich machen, was es heißt, in einen Friedensvertrag verstrickt zu sein, wie ihn England und Frankreich zu unserem Verderb ausgesonnen ^ben.

Sehr lehrreich istin M^Lz. ^ >i,,b|,nrr * ^"~ P"?

den die Verhandlungen über den Widderaufbau von Nordfrankreich nehmen. Wir sind ja der Entente, als sie die Anerkennung unserer Verpflichtung zur Wie­dergutmachung verlangte, bis aufs äußerste entgegen gekommen. Selbst Graf Brockdorff-Rantzau, der im übrigen dem FUnde ungerechte Zugeständnisse entschieden -verweigerte, verstand sich zur Uebernahme einer An- griffsschuld, die uns verpfl chten sollte, alle Schäden in Belgien und Nordfrankreich bis zum letzten Heller und fennig wiedergutzumachen. Jetzt handelt es sich darum, diese Verpflichtung auszuführen, und da ist mancher MDeulsche wohl der Ansicht gewesen, der Feind werde, geführt von unserer Bereitwilligkeit, ihm zu helfen, Deutschland gewissermaßen als den rettenden Engel be­grüßen, der ihm das verwüstete Kriegsgelände in Nord- frankreich und in Belgien wieder in ein Paradies um- H schaffe. Weit gefehlt! Der Feind zeigt nicht die min­deste Rührung über unsere edlen Absichten, sondern er bleibt b-i dem Grundsatz : Geschäft ist Geschäft. Deutsch­land soll nicht nur die Kosten zum Wiederaufbau auf-

Bersmann* Tsetztevlein

Roman von Martin Förster. (Fortsetzung.)

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bringen sondern auf der Ententeseite wollen sie alle, vsm großen Unternehmen bis zum letzten Arbeiter, an den Milliarden verdienen, die Deutschland erpreßt werden. Unsere unmittelbare Beteiligung an den Wiederaufbau- arbeiten in Nordfrankreich in Belgien ist sie gänzlich ausgeschloffen, wird sehr gering sein und sich in den Grenzen halten, in denen man ohne deutsche Arbeit und Hilfskräfte überhaupt nicht auSkommt. Mit Bewußtsein wird die Entente verhüten, daß Deutschland bei den Arbeiten, die es in Belgien und Nordfrankreich bezahlen muß, einen Nutzen für die eigene Volkswirtschaft erzielt. Wir werden im großen und ganzen die Verpflichtung haben, die Milliarden aufzubringen, und die feindliche Volkswirtschaft wird sich in unangemessener Weise daran bereichern. Auch hier wird eine Hoffnung vernichtet, die mancher sehr in Rechnung stellte, wenn er von einer Wiederannäherung Deutschlands u. Frankreichs träumte.

Der lauteste Weckruf aber, der die immer noch be­törten Kreise unseres Volkes inM:$ zur Wirklichkeit bringen sollte, st die schmerzliche Klage, die von unseren gefrngenen Brüdern im Auslande herüberdringt und die bet uns im Lande immer lauteres Echo weckt. Der Feind schlägt mit der Roheit, die er bet der Regelung dieser Frage zeigt, jedem menschlichen Empfinden ins Gesicht. Beim Waffenstillstand scheiterte unser erster Versuch, die zu befreien, die in unsagbarer geistiger Not und körperlichem Elend auf feindlichem Boden schmachten. Wir dachten, die Annahme des FciedcnS- vertrages auf unserer Seite müßte die äußerste Grenze sein, bis zu der die Not und Pein unserer Gefangenen überhaupt wahren könnte. Nun ist der Friede inzwischen durch uns ratifiziert worden und immer noch zeigt man auf der Gegenseite nicht das geringste Verständnis für die schreckliche Qual, die man unseren gefangenen Volks-

freundliche Absicht, die deutschen Gefangenen, die in seiner Hand sind, als Druckmittel zu benutzen, um uns im Notfälle in der Erfüllung der FctedenSbedtngungen gefügiger zu machen. Alles andere ist leere Ausflucht. Tatsächlich können einer sofortigen Freilassung der Gefangenen auch nicht die geringsten Bedenken im Wege stehen. Daher ist es verständlich, wenn sich im deutschen Volke die Zurückhaltung unserer Gefangenen in Fein­desland zu einer Quelle ungeheurer Verbitterung ge­staltet hat. Es hat in diesem Zusammenhang nicht an Vorwürfen gegen die Regierung gefehlt. Es wäre sicher ungerecht, wenn man sie anklag n wollte, daß sie etwa absichtlich die Freilassung unserer Gefangenen durch­kreuze. Aber man könnte doch von ihr erwarten, daß sie mit allem Nachdruck, auch mit den Mitteln einer öffentlichen Propaganda, darauf hinarbeitrte, die Lei- denszeit unserer Gefangenen abzukürzen, daß sie alles, wrs in der Welt noch an Gewissensbedenken und Mit­gefühl vorhanden ist, in Bewegung setzte, um einen

moralischen Druck aus den Feind auszuüben. Etwas derartiges wäre entschieden viel wichtiger als eine öffent­liche Propagande im deutschen Volke, die mit sehr zweifelhaften Müteln den einzigen Zweck verfolgt, Herrn Eczbergers geschichtliche Entstellungen und Verzerrungen dem Volke unter dem Deckmantel staatlich approbierter Wahrheit zu überreichen.

Die Mörder der Zarenfamilie.

Riesenprozeß gegen 164 Personen.

Die MoskauerPrawda" veröffentlicht ein Doku­ment, das geeignet erscheint, allen in Westeuropa verbreiteten Gerüchten, daß der Zar noch lebe, ein Ende zu machen. Das Dokument ist der Bericht der Untersuchungskommission, die der Oberkommandterende der sibirischen Armee Domontowilsch entsendet hatte, um an Ort und Stelle alle näheren Umstände über das Ende des Zaren Nikolaus II. zu erheben. Die Kommission bestand aus zehn Senatoren der Omsker Regierung, die am 18. März d. Js. nach monatelangen Erhebungen amtlich feststellen konnten, daß der Zar und dessen Familie tatsächlich in furchtbarer Weise getötet mürben. Alle bisher gemeldeten Einzelheiten über den Tod der Zarenfamilie sind unrichtig. Der Zar und seine Angehörigen wurden nicht durch einige Mann der Bewachung heimlich ermordet, ^ie Zaren- familte bildete vielmehr den Gegenstand eineß fürchter­lichen und blutigen Schauspiels für eine Menschenmenge, die die Tötung von der Wache erzwäng. Nicht weniger als 164 Personen werden in dem Bericht der Omsker Kommission als Mörder der ZarenfamMe namentlich angeführt. Beeidete Aussagen liegen d^ür vor, daß diese 164 Menschen den Zaren, die Zarin, und deren Kinder vom Leben zum Tode beförderten. Die Grau- ^M^foHifl^ teaMiM» W----- Grund dieser Erhebungen die Anklage wegen Mordes gegen die 164 Personen erhoben. Alle konnten ver­haftet werden und wurden den ordentlichen Gerichten überwiesen. Der Prozeß soll öffentlich stattfinden.

Deutsches Reich.

Wie Reichswirtschaftsminister Schmidt in der Nationalversammlung mitteilte, ist die Forderung der Entente von 40 Millionen aus 21 Millionen herab- gesitzt worden.

Die Kosten für die Nationalversammlung. Wie die LandeszeitungDeutschland" schreibt,. belaufen sich die Unkosten, die die Nationalversammlung durch ihre Tagung in Weimar verursacht hat, ohne Diäten und Gehälter bis j tzt bereits auf über l*/4 Millionen und werden die Summe von 2 Millionen Mk. erreichen. Nicht berücksichtigt sind dabei die Unkosten der Reichs- postrurwaltung, die sie für Weimar ausgeworfen hat

Sachse war aufs Acußerste erstaunt. Er hatte keine Ahnung gehabt, daß der letzte Besitzer des HerrenschachteS irgend welche Anverwandte besaß, zumal das Testament 8 desselben nicht die geringste dahin zielende Andeutung H enthalten hatte, und es um so auffallender erscheinen mußte, daß Albert Diedrich der alleinige Erbe war.

Auch Franz Degow war überrascht, in seinem jetzigen l Schwiegervater einen Mann zu finden, der ihm über das Leben seines Verwandten so genaue Aufschlüsse geben konnte. Seine Vermutung, daß derselbe ein geiziger, hartherziger Egoist und bei seinen Arbeitern verhaßt ge­wesen, wurde durch Sachse in vollem Maße bestatt. t.Dagegen war F.anz im stande, nach den Erzählungen seiner Mutter manche; aus KonradMiedemanns Jugendzeit zu berichten, was Sachse wiederum neu war.

Er erzählte, das Konrad und sein Bruder Wilhelm sich beide als Bergmanns-Kinder aus den niedrigsten Anfängen emporgearbeitet und aus eigener Kraft eine verhältnismäßig angesehene Stellung erreicht hätten, wie aber die beiden Brüder in ihrem Ehrgeiz und dem Streben nach ein und demselben Ziel häufig aneinander geraten seien, und der Aeltere mit seinem rücksichtslosen Egoismus gewöhnlich den Sieg davongetragen habe.

Dieser war denn auch in seinen Bestrebungen l er Glücklichere gewesen, während der andere durch Krankheit und allerlei Schicksalsschläge immer weiter zurückgekommen

*||nb schließlich (im Elend gestorben war. Den Beuder I hatte er nach und nach aus den Augen verloren, die - ^eigentlichen Unterstützungsgesuche, namentlich von der Mutter des jungen Mannes, hatten kein Gehör gefunden.

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Die letztere war bald nach dem Gatten gleichfalls einer langwierigen Krankheit erlegen und der damals kaum achtjährige Franz auf die Gnade seiner mütterlichen Verwandten angewiesen gewesen. Ein Vetter derselben, mit Namen Degow, ein verhältnismäßig wohlhabender Bergmann, hatte sich des hübschen, aufgeweckten Knaben angenommen und ihm eine bessere Erziehung gegeben als den meisten seiner Standesgenossen zu teil wird. Als Adoptivsohn desselben war <r gewohnt, sich nach seinem Namen zu nennen, und er bediente sich desselben um so lieber, als er nach dem Tode seines Pflegevaters, einem unwiderstehlichen Dränge und dem Wunsche seiner Mutter folgend, den Schacht ausgesucht hatte, der einstmals seinem Onkel gehört hatte, und somit von - Rechts wegen in seinen Besitz hätte übergchen müssen.

Er wünschte nicht, Herrn Albert Diedrich in seiner Eigenschaft als übergangener Erbe gegenüberzutreten, aber es reizte ihn, die Gründe zu erforschen, welche wohl seinen Onkel zu dem völlig unerklärlichen Testament bewogen haben konnten.

Auch Sachse konnte ihm hierüber keinen Aufschluß geben, gab aber zu, daß die Sache ihrerzeit großes Aufsehen gemacht utb wohl auf irgend eine geheime Verpflichtung zurückzuführen sein müsse. Jedenfalls versprach er sowohl wie seine Tochter feierlich, FranzeZ Inkognito streme zu wahren.

Ihr Interesse und ihre Teilnahme an dem Schicksal des jungen Mannes waren, wenn möglich, durch das Gehörte noch erhöht worden, und als sie sich nach diesem glücklichen Abend trennten, wußten sie, daß ein festes, inniges Band sie für alle Zeiten umschlingen würde, und daß sie in Vereinigung bereit waren, allen kommenden Gefahren zu trotzen, mochte die Zukunft bringen, was sie wollte.

6. Kapitel

Es war gegen Abend, ein paar Tage nach dem eben geschilderten Ereignis, als Albert Diedrich zufällig die Hauptstraß.' des Dorfes entlang schritt und, von ihr ungesehen, Jutta aus einem Laden kommen sah. Sein Entschluß war sofort gefaßt. Er bog in ein Setten- gäßchen ein, um nicht bemerkt zu werden, und eilte auf einem kleinen Umwege nach dem schattigen Pfade, den sie auf ihrem Nachhause passieren mußte. Es währte auch nicht lange, so vernahm er ihren elastischen Schritt und sah ihre schlanke Gestalt zwischen den Bäumen auftauchen.

Er ging ihr entgegen und begrüßte sie mit ausge­streckter Hand. Sie legte zögernd die ihrige hinein. Ihre blühenden Wangen waren plötzlich blaß geworden.

Er sah ihr forschend ins Gesicht.Ich sah Sie lange nicht," sagte er mit vor Erregung heiserer Stimme.Wissen Sie, daß mir dies sehr schwer geworden ist?"

Sie antwortete nicht, sondern befreite nur ihre Hand, die er festgehalten hatte.

Es freut mich, daß es Ihrem Vater wieder so gut geht," sagte er, seinen Ton ändernd und neben ihr herschreitend.

Ja," sagte sie einfach,ich bin auch sehr glücklich darüber." Dann setzte sie, ihren Schritt beschleunigend, hinzu:Ich muß mich beeilen, ihm sein Abendbrot zu machen, er wird bald nach Hause kommen."

Warten Sie noch e.nen Augenblick, Fräulein Sachse! Ich habe ihnen etwas zu sagen."

Sie schwieg resigniert. Es blieb ihr nichts übrig als dem Unvermeidlichen mutig entgegenzutreten.

Sie erinnern sich, was ich vor mehreren Wochen in Ihrem Garten zu Ihnen sagte ?" fing er an, nachdem er sich ein paar Mal geräuspert hatte,