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mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Samstag, den 16. August 1919.
70. Jahrgang
Sie neue Weichsverfassung in Kraft getreten. I Berlin, 13. Aug. Das Richsgesetzblatt v-röffentlicht die neue Verfassung, die damit in Kraft getreten ist. Der Reichspräsident hat den bisherigen Präsidenten des Retchsm'-nisteriums, Herrn Gustav Bauer, zum Reichskanzler ernannt. Die verfassunggebende deutsche Nationalversammlung füH von jetzt an die Bezeichnung Reichstag", die bisherige Vertretung der Landesregie- runaen bei der Relchsregierung, der Startenausschuß, hat au'gehört zu bestehen. An seine Stelle ist der „Reichsrat" getreten.
Der Reichspräsident hat eine Verordnung erlassen, daß alle BeaMten des Reiches und der Länder, der Gemeinden, Kommunal» erbände und sonstigen öffentlichen Anstalten sovie die Angehörigen der Wehrmacht unver- izl'ch auf die Reichsverfassung zu vereidigen sind.
Das neue unzarische Kabinett.
Berlin 13. Aug. Die Kabinettskrise in Budapest gelöst. Im Ministerrat, der gestern in den späten icndstunden zusammentrat, fiel heute morgen um 4 die Entscheidung, nachdem die Einigung mit den ozialdemokraten zustandegekommen war. Lovaszy »ernimmt die Führung des Kabinetts, Minister des aSwärtigen Graf Julius Andrassy, Kultusminister tefan Szado, Kriegsminister Stefan Friedrich, Handels- Inlster Caramy, Volkswirtschastsmimster Petdl, Unter- htsminister Huszar. Die anderen Porlfeuilles dürften >ch im Laufe des Tages besetzt werden.
■ Ein Steckbrief hinter Bela Khun
Berlin, 13. Aug. Die Budapester StaatSanwalt- Mchast hat gegen Bela Khun und Genossen einSttasver- Mchren eingeleitet und hinter ihnes-hrr cr.en Steck rief «lasten.
■ Wie uns weiter dazu aus Wien gemeldet wird, wird die deutsch österreichische Regierung Bela Khun und die anderen Volksbeaustragten nicht auSliefern, da die Bew lltgung des Asylrechtes im Einverständnis mit ' den Wiener Vertretern der Entente erfolgt ist.
1 Deutsches Keich.
— Der Umzug der Nationalversammlung nach ^Berlin ist nunmehr für die letzte Augustwoche festgesetzt, er Des Berliner Reichstagsgebäude steht seit Montag Moriger Woche zur Aufnahme der Nationalversammlung Mreit.
M — Die Reichsregierung soll beabsichtigen, an die - Entente mit dem Ersuchen heranzutreten, ein größeres Heereskomtngevt unterhalten zu dürfen, als es im - Friedensvertrag vorgesehen ist.
M — Entlassungen in der Reichswehr müssen in der nächsten Zeit in größerem Umfange vogenommen ; werden. Es handelt sich um eine halbe Million Mann ; Pasten, die im Wirtschaftsleben untergebracht werden
Bergmanns Töchterlein
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Roman von Martin Förster. (Fortsetzung.)
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H „Nun — und sollte kS denn wirklich zum Aeußersten ftSNMcn, Franz, wir sind doch schließlich nicht an ihn ^kettet, weder Du, noch Vater. Es gibt mehr Bergwerke in der Welt, sogar in der Nachbarschaft, schütteln wir den Staub von unseren Füßen und Mchen weiter. Ich fürchte nichts gar nichts, so lange wir nur zusammen bleiben."
B, ®c ließ sich endlich beruhigen und dann kamen sie Dde überein, daß es besser sein würde, wenn Jutta N allein mit ihrem Vater spreche. Franz wollte sich W bintge Zeit entfernen, aber noch an diesem Abend Malchren, um Sachses Entscheidung zu hö.en. Sein Herz ertrug kein längeres Warten.
1 W unmittelbar, nachdem er gegangen, trat Sachse R Haus. Er war erstaunt, seine Tochter allein zu
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„Franz Degow war hier, Vater," sagte sie leise „er W auch noch wieder kommen, nur eine Besorgung m Dorfe machen. Es ist Dir doch recht, wenn er "überkommt?"
W „G:wiß. Es freut mich, ich habe ihn gar zu gern. ist der verständigste, junge Mann, der mir je frommen ist, dabei macht er einen entschieden ungebildeten Eindruck. Ich möchte wetten, daß er ^-age gesehen hat und ursprünglich aus keiner FWamtUe flammt.“
"Wutta antworte nicht, und ihr Vater fuhr nach einer e fort: „Diedrtch war also heute abend sehr gelaunt. Er schien sich aufrichtig zu freuen, daß ' mir so gut ging. Er sprach von allerlei Aenderungen
müssen. Es sind .daher bei den Reichswehrtruppen- kommandos und bei den Reichswehrbrigaden Arbeiter- »ermittklungsstellen eingerichtet worden. '
— Berlin. Wie wir erfahren, wird eine Kundgebung der Deutschen Gewerkschaften vorbereitet, die in schärfster Weise eine Absage an die unverantwortliche sparta- kistische Agitation der Kommunisten unter den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern Deutschlands bringen soll.
— O ffentliche Unordnung. Der Vorwärts bringt einen Artikel unter dieser Ueberschrift. Er beleuchtet darin das Treiben der Unabhängigen, das Zu» standekommen einer öffentlichen Ordnung in Deutschland durch die fortwährenden Streikwühlereien der Unabhängigen zu hintertreiben. Wo ein Streik aussichtslos erscheint, empfehlen die Unabhängigen passive Resistenz und Sabotage, besonders bei der Eisenbahn, im Bergbau, in den Gas- und Elektrizitätswerken, also gerade in den lebenswichtigsten Betrieben wird zuc Zerstörung der Produktionsanlagen aufgefordert. Der Vorwärts fragt dann weiter: Wem ist es da noch zweifelhaft, daß es sich hierbei um mörderische Anschläge auf das Leben unseres Volkes handelt? Die öffentliche Ordnung in Deutschland soll für immer unmöglich gemacht werden. Gegen so eine verbrecherische Tätigkeit muß das Volk mit allen verfügbaren Mitteln geschützt werden. Durch die Tätigkeit der Unabhängigen und Kommunisten wird in dieser gärenden Unruhe das P.oblem der öffentlichen Ordnung auf Gewalt gestellt. Jeder anständige Mensch wird das bedauern, aber es ist ein Lebensgebot für Staat und Volk. Der öffentlichen Ordnung und den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Volkes haben sich alle anderen Interessen unterzuordnen, selbst das Interesse der Unabhängigen und Kommunisten nach stärkstem Verkauf ih:er Mitgliedsbücher. Die linksradikalen Gruppen sollten endlich ihre Feindschaft gegen die Demokratie und ihre Streikpropaganda aufgeben und dadurch mithelfen, die Voraussetz mgen zu schaffen, unter denen außerordentliche staatliche Machtmittel überflüssig werden. Dann kommen wir zum Frieden!
— Hamburg. Der am 30. Juli von Newyork abgegangene Dampfer „Alfred Nebel" bringt 8745 Säcke Briespost aus Amerika mit. Die Ankunft in Hamburg ist Mitte August zu erwarten.
— Nach einer Reutermeldung teilt das amerikanische Schiffahrtsamt mit, daß die Pläne für den Bau von 2 Dampfern fertiggestellt sind, die bei einer Länge von 1000 Faß nnd bet einer Geschwindigkeit von 30 Knoten imstande sein werden, den Atlandischcn Ozean in vier Tagen zu durchqueren.
— Deutschland kann frieren. Die europäische Kohlenkomm ssion ist, wie der „Corriere della Sera" aus Paris berichtet, erstmalig zusammengetreten. Die Tatsache, daß auch ein Vertreter des amerikanischen
die er noch in Haus und Garten vornehmen wollte."
„Wirklich?" erwiderte sie gleichgültigen Tones.
„Vorausgesetzt, daß —"
„Daß, was?"
„Daß er auf eine gewisse Frage eine günstige Antwort erhält."
Die letzten Worte wurden sehr nachdrücklich gesprochen und von einem bezeichnenden Blick begleitet. Jutta errötete leicht- Es war nur zu offenbar, wo ihr Vater hinauswollte, aber sie war fest entschlossen, jetzt Klarheit in die Sache zu bringen.
„Schade, schade", begann ihr Vater aufs neue, „daß er nicht wenigstens zwanzig Jahre jünger ist."
„Was hast du ihm gesagt?"
„Was konnte ich sagen? Ich deutete ihm nur an, daß ich mich niemals in Deine Angelegenheiten mischen würde, und daß erfich selbst an Dich wenden sollte."
„Das ist gut. Ich habe meinen Entschluß gefaßt."
„Ja, Du willst also seinen Antrag annehmen?"
„Nein, nein, ich will ihn nicht annehmen." Sie war in höchster Erregung aufgesprungen und sank neben ihres Vaters Stuhl in die Knie. „Ich kann ihn nicht heiraten, ich kann es nicht, denn ich — liebe einen anderen!"
Sie schmiegte sich an Ihn, ihr blonder Kopf ruhte auf seinen Knien und so erzählte sie ihm — stockend und in abgebrochenen Sätzen von ihrer Liebe und.thren Hoffnungen.
Als er alles gehört und sie sich beruhigt hatte, fragte er: „Du hast alles überlegt mein Kind? Hast Du die Wichtigkeit des Schrittes, den Du tun willst richtig erwogen? Dir wird die Wahl gestellt, entweder
Delegierten Hoov'r der Sitzung be'wohnte, lassen hoffen, daß Amerika sich seiner Pflicht der Solidarität mit den europäischen Nationen während der beängstigenden Kohlenkrise erinnern werde; wenn auch nicht im entferntesten damit gerechnet werden könne, daß Amerika den erschreckenden Kohlenausfall Europas von etwa 20 Millionen Tonnen monatlich werde decken können. Die Vereinigten Staaten müßten Südamerika versorgen und könnten wegen des Schiffsraummangels nach Europa nicht mehr als höchstens zwei Millionen To. Kohlen monatlich liefern. Das einizige wirksame Mittel zur Bekämpfung der europäischen Kohlenkrise bestehe in der Vermehrung der Kohlengewinnung in Europa und namentlich Deutschlands. Die Kommission werde natürlich keine Rücksicht nehmen auf den Kohlenbedarf der deutschen Industrie, und in erster Linie an die Erfüllung der deutschen Verpflichtungen gegenüber den Alliierten denken.
— Amsterdam. (Die russische Regierung will Moskau verlassm) Laut „Allgemein Handelsblad" meldet „Daily Mail" aus Helsingfors, daß die Unzu- friedenheit über die Sowjetregierung in Moskau im Wachsen begriffen ist, und daß die Regierung Maß- nahmen trifft, um den Kremel zu räumen und nach Tula, 120 Meilen von Moskau, überzusiedeln.
— Kopenhagen. (Melnungsumschwung in Rußland.) Nach einem Telegramm aus Helsingfors wird gem.ldet, daß die letzten Nachrichten geeignet sind, das größte Aufsehen zu erregen.- Aus ihnen geht hervor, daß t« der russischen Auffassung ein allgemeiner Umschwung ja der Stimmu ig gegenüber den Bolschewisten sich bemerkbar macht und daß der Bolschewismus immer mehr an Baden- uerUert^ In -ganz- Rußland fomme es megets Mangel an Lebensmitteln zu Unruhen. Selbst in Moskau haben so schwere Unruhen stattgefunden, daß Lenin erwägen solle, den Sitz seiner Regierung sofort nach einem weniger gefährdeten Ort zu verlegen.
— Rotterdam. (Die Lebensdauer des russischen Bolschewismus) Die „Daily Mail" erklärt, daß man die Lebensdauer des russischen Bolschewismus noch auf fünf Monate schätzt. Die Regierungsform der konsti- tutionellen Monarchie wurde von d.r russischen Gegenregie- rung in Uebereinstimmung mit England und Japan als die für Rußland einzig mögliche Staatsform propagiert.
— Halbe Leistungen. Die Leistungen ibet Aerk« stättenarbeiter der Eisenbahnverwaltung find seit der Revolution fast auf die Hälfte gesunken. Dies ergibt ein Vergleich der Zahl der Arbeiter mit der der hergestellten Lokomotiven. Die Haupt- und Nebenwerk- stätten der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung beschäftigten am 1. April 1914 insgesamt 70 300 Arbeiter, am 1. November 1918 dagegen 108 500, am 1. Juni 1919 sogar 164 900. Im Jahre 1913 wurden im Durchschnitt wöchentlich 610 Lokomotive«
an der Seite eines reichen Mannes das Leben einer Dame zu führen, oder mit einem armen Dich um» tägliche B ot abzumühen."
„Ich habe alles bedacht, Väterchen," erwiderte sie entschlossen, als sie ihr tränenfeuchtes Antlitz emporrichtete. „Ich will gern arm sein, aber glücklich. Ich kann keine Vernunstheirat machen. Ich kann es nicht, Vater, quäle mich nicht."
„Du hast vollkommen freie Wahl, mein Kind," sagte er, sie zärtlich auf die Stirn küssend. „Franz Degow soll mir ein lieber Sohn sein. Ich hege längst väterliche Gefühle für ihn. Außerdem danke ich ihm mein Leben. Der liebe Gott segne Euern Bund."
Wenige Minuten später stand der junge Arbeiter dem Vater seiner E wählten gegenüber, um seine Werbung anzubringen. Bange Zweifel hatten sein Herz bestürmt, aber sie schwanden vollständig bei der aufrichtigen Freude, dem warmen Willkommengruß, mit dem ihn der alternde Mann in seine Arme schloß, um dann die Hand seines Lebensretters mit der seiner blühenden Tochter zu vereinigen.--
Nachdem die erste Rührung vorüber war, und dar Brautpaar Hand in Hand dem Vater gegenüber faß, begann der junge Mann über seine Herkunft und Familienverhältnisse zu sprechen und offenbarte bet dieser Gelegenheit seinen Zuhörern eine überraschende Tatsache. Sein eigentlicher Name war nicht Degow, sondern, — Wiedemann, und er war der leibliche Neffe des vor Jahren verunglückten MinenbefitzerS Konrad Wiedemann.
(Fortsetzung folgt.)