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mitAmtlichem Kreisblatt

Telefon 65.

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Wochellbeilage: Illustriertes SonnLagMatt

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Sanistag, den 9. August 1919

70. Jahrgang

Richtpreise.

Die Preisgestaltung für Obst hat infolge der offem. i sichtlich übermäßigen Preisforderungen an verschiedenen | Erlen zu Gewalttätigkeiten geführt. Zur Vermeidung ^derartiger Vorgänge, die sich, da immer mehr Gegen­stände des täglichen Gebraucht dem freien Handel über« Blaffen werden, leicht auch bei anderen Lebensmitteln : wiederholen könnten, ist es notwendig, daß die Preis- i prüfungsstellcn von ihren Befugnissen zur Erzielung Seiner angemessenen Preisbildung Gebrauch machen. Die Preisprüfungsstellen sind zu diesem Zwecke gcschaffen. Es sind den Gemeinden dafür weitgehende Machtbefug- Nisse erteilt worden, und d'e Preisprüfungsstellen sind in der Lage, für die Gegenstände des notwendigen f Lebensbedarfs, also vor allem für alle NahrungS- und Eenußmittcl, Angemessenheitspreise (Richtpreise) auf- ; zustellen.

Durch die Aufstellung von Richtpreisen ist besagt, .daß in allen Fällen, in denen sie überschritten werdcn, Bbie Vermutung einer übermäßigen Preissteigerung vor- liegt, wenn der Hersteller oder Händler nicht ganz be­sondere Unkosten nachweisen kann, die das übliche Maß ^ersteigen. Die Strafverfo'gungsbehörden sind ange- wiesen, bei Ueberschrestung der Angemessenheitspreise 'wegen Preiswuchers nach der Verordnung wegen Preis- ltreibereien vom 8. Mai 1918 (Reichsgesetzbl. S. 395) "einzuschrciten.

St Den Herstellern und Händlern, die, soweit sie zu den ehrlichen Handelskrisen gehören, an der Bekämpfung der Preisauswüchse das gleiche Interesse haben wie die Verbraucher, wird empfohlen, sich wegen der Festsitzung von Richtpreisen mit den zuständigen Landes- und Be- zirk-preisprüfungsstelsin oder den für die einzelnen

1 Benehmen zu setzen.

Der Rcichsernahrungsminister hat die Regierungen der deutschen Freistaaten ersucht, die Strafverfolgungs- | behörden, Wucherdezernate usw. auf diese Bestimmungen ! hinzuweisen, mit dem Bemerken, nach Aufstellung von I Richtpreisen bei unzcrech fertigten Ueberichreitungen der

I als angemessen erachteten Preise nachdrücklich einzu- I schreiten. Die PreiSprüfungsstellsn sind vom Reichser- | nährungsminister aufgefordert worden, bei allen Gegen- I ständen des notwendigen LebenSbedarsS, die im Laufe I der kommenden Wirtschaftsperiode von Reichshöchstpreisen i freigelassen werden, durch Aufstellung von Richtpreisen I und andere Ueberwachungsmaßnahmen auf angemessene | Preisbildung hinzuwirken.

Eine Erklärung HtndcnLurgs. Von der Kommandostelle Kolberg istW. T. B." folgende

^^gebung zugegangen: Die Angriffe gegen meinen früheren Mitarbeiter, General Ludendorff, mehren sich. Ohne mich in eine Erörterung über das Unberechtigte dieser Angriffe einzulaffen, bemerke ich, daß für alle Entschließungen der O. H. L. ich allein die volle Verantwortung trage. General Ludendorff hat stets im Einverständnis mit mir gehandelt. Wer den General Ludendorff trifft, trifft also mich.

gez. v. Hindenburg, Generalfeldmarschall.

Einer Verfügung des Kriegsministers zufolge werden unabhängige und Kommunisten im Heere nicht mehr geduldet.

Die Reichsfarben sind Schwarz-Rot-Gold. Die Handelsflagge schwarz weiß-rot mit den Reichsfarben in der oberen inneren Ecke.

~ Berlin. Der Abzug der Amerikaner aus dem Rhcmland. Die amerikanische Besatzung des Rhein- landes soll in Kürze aufhören, nur ein amerikanisches Infanterie-Regiment wird Zurückbleiben. Die Heimreise des Generals Pershing wird in den ersten September- tagen erfolgen.

l ~ Berlin. Elsaß-Lothringen. Die Zahl der aus den Reichslanden Vertriebenen beträgt bis jetzt über 55 000 Personen mehr. In Straßburg macht sich mehr und mehr eine Bewegung für Neutralisierung Elsaß-Lotbrin genS geltend.

Eine erfreuliche Erklärung. Kronprinz Rupprecht von Bayrrn hat erklärt, er werde unter keinen Um- standen einer Aufforderung, einem außerdeutschen Gerichtshöfe Rede und Antwort zu stehen, gutwillig Folge leisten, und er begründet dies damit, daß er nicht in der Lage sei, ein Gericht anzuerkennen, in welchem der Kläger zugleich der Richter ist, und weMe^iEirkltchkest als, Instrument zur Befriedigung angeblichen^kelit^dw' 'MegsmötUr- fac^v 1 ^a^. Diese Auff ssung kann man und sollte man überall in Deutschland vollkommen teilen. Kein deutscher Fürst vor allem dürfte anderes denken und handeln.

Was heute bei uns möglich ist. Welche Zustände unter dem Regiment der revolutionären Machthaber gegenwärtig bet unS eingeriffen sind, baron zeugt folgende Nachricht: Eine dreißigköpfige, mit Hand­granaten bewaffnete Räuberbande brächte auf der Strecke EssenKöln einen Gütereilzug zum Stehen und raubte ihn vollständig aus. Vier Räuber wurden später nach heftigem Kampf dingfest gemacht, die übrigen sind entkommen. Das erinnert an Vorkommnisse im äußersten Westen der Vereinigten Staaten- von denen wir früher mit Schaudern gelesen und gehört haben. Wahrhaftig, wir haben es weit gebracht dank der glorreichen Revolution.

Paris. Zulassung deutscher Zahlungsmittel in Frankreich. Das Verbot der Einfuhr von deutschen

smMimjm

Banknoten, deutschem Gelde und anderen deutschen Zahlungsmitteln ist aufgehoben worden.

Rotterdam. (Fünf Dampfer n it Kriegsgefangenen aus England unterwegs.)Daily News" meldet: Die ersten fünf Transportdampfer mit deutschen Kriegs- gefangenen verlassen am Donnerstag die englischen Häfen. Die Heimbeförderung der deutschen Kriegs- gefangenen ist am Freitag früh endgültig vom Wirrste- rmm beschlossen worden.

Bern. Die Postverbindung mit Frankreich. Be- zuglich der Wiederaufnahme der Postverbindung mit Deutschland wird in einer Note an die Pariser Blätter mitgeteilt, daß die von Frankreich nach Deutschland aufgegebenen Korrespondenzen ein beträchtliche Ver­zögerung erleiden würden, da die Zensur außerordent­lich scharf gehandhabt werde. Geldsendungen irgend­welcher Art find verboten. Dagegen ist völlige Freiheit für Sendungen von Zeitungen und Propagandaschriften gewährleistet. Die Posttarife sind dieselben wie vor dem Kriege.

Wucher-AezemaLe.

Zur weiteren Ausbau der schon bisher getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Wuchers und Schleich­handels und ähnlicher kriegswirtschaftlicher Zuwider­handlungen hat der Preußische Staaiskommiffar für Volksernährung die Errichtung besonderer Wucherdezer- nate in allen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern sowie in größeren Industriestädten veranlaßt. Die Be­arbeitung aller mit Wucher und Schleichhandel zu- sammenhängenden Maßnahmen durch einen besonderen hauptamtlichen Bearbeiter wird die Wirksamkeit des Kampfes gegen diese Mißstände erhöhen.

Der Reichsarnahrungsminister hat den Regierungen oder entsprechender Weise vorzugehen. Er wem oaoci besonders darauf hin, daß es sich empfiehlt, diese Wucher­dezernate in enge Verbindung mit den Arbeiter- und Verbraucher-Organisationen zu bringen, die bei der Be­kämpfung des Schleichhandels und Kriegswuchers mit­wirken sollen.

Von dieser Anregung ist auch dem Zentralrat der deutschen Republik und der Zentralorganisation der Gewerkschaften Mitteilung gemacht worden. Die Zen­tralorganisation.wurde ersucht, bei ihren Unterverbänden daraufhinzuwirken, daß sie auf Ersuchen der Behörden geeignete Personen ernennt, die als Hilftorgane zur Bekämpfung des Schleichhandels und Wuchers in die Feststellungskommissionen ausgenommen werden sinnen. Die Organisationen haben sich sämtlich bereit erklärt, zur wirksameren und einheitlichen Bekämpfung der Schleichhandels mit den Wucherdezernaten der Poltzei­verwaltungen Fühlung zu nehmen.

Bevginanirs C»^ie«leitt

Roman von Martin Förster.

(Fortsetzung.)

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Aufrichtig gestanden ja, Herr Diedrich," antwortete Sachse mit einem Gefühl der Erleichterung.Mit Frauen läßt sich immer schwer verhandeln, und je mehr man sie in eine bestimmte Richtung drängt, um so weniger fügen ste sich."

Gut also. Laßt Euch jedenfalls Zeit. Ich will inzwischen sorgen, daß es Euch an nichts fehlen soll."

Ich danke herzlich, Herr Diedrich."

Die beiden Männer drückten sich die Hände und trennten sich, und Diedrich schlug, ohne den Gegenstand seiner Sehnsucht gesehen zu haben, den Weg nach dem Herr nhause ein, während der andere mit dem Gesühl aufrichtiger Dankbarkeit zurückblieb.

Er war

5. Kapitel.

Franz Degow, der mutige Lebensretter des so sehr beliebten Unteraufsehers, hatte sich durch die wackere Tat allgemeine Achtung und Anerkennung erworben. Er galt außerdem als tüchtiger Arbeiter und angenehmer Kamerad. Stets hilfsbereit und gefällig, ohne jede Aufdringlichkeit, stand er in dem Ruf eines Menschen der schnell forikommen würde in der Welt. Er war auch ein angenhmer Gesellschafter, der zu Zeiten und mit Maßcn gern im DorswirtShause sein Glätten trank und wenn er auch zunächst keine Gesellschaft suchte, bet zufälligem Zusammentreffen stets bie ©anüiliuT keit erhöhte. Er war auch mit allen gut Freund, uiu es gab in dem ganzen Kreise nur einen, gegen den er eine wirkliche Abneigung hegte. Dieser eine war Hermann Diedrich, der Misse des Minenbesitzers Der -- ^ I- f-f« Beziehungen

zu den Dorfbewohnern als Degow, aber durch seine eigene Schuld. Als Neffe des Herrn hatte er sich e n bedeutendes Ansehen gegeben, betrug sich anmaßend und unverschämt gegen die Bergleute, md hatte eine scharfe Zunge, daß er allgemein gehaßt und gefürchtet wurde.

Sein Verhältnis zu Degow war von Anfang an kein freundschaftliches gewesen infolge einer an sich unbedeutenden Meinungsverschiedenheit in der Kneipe. Aus derselben war eine Wette entstanden, die der junge Diedrich zum allgemeinen Gaudium verloren hatte und bezahlen mußte. Die Sache war so harmlos wie möglich, hatte aber doch in der Brust des Buchhalters der sich ohnehin infolge seiner Ausnahmestellung leicht überstimmt fand, einen Stachel zurückgelassen, der ihn immer aufs neue gegen den jungen Bergmann reizte. Nun wollte es außerdem das Schicksal, daß die beiden auch in der Liebe Nebenbuhler werden sollten, einst­weilen freilich noch unbewußt.

Seit Dachses Unfall war Degow mehrere Male bei ihm gewesen und stets sehr warm begrüßt worden. Der Unterausseher und seine Tochter ließen keine Ge­legenheit vorübergehen, dem mutigen Retter ihre tief gefühlte Dankbarkeit zu beweisen, und der junge Berg- mann war glücklich über ihr Lob und über die Erlaub­nis, den Kranken gelegentlich besuchen zu dürfen. Allerdings machte er von der letzteren keinen so aus­giebigen Gebrauch wie er es seiner Neigung nach gern getan hätte. Aber je mehr sich sein Herz der holden Tochter des Aufsehers zuneigte, um so weniger wünschte er, derselben aufdringlich zu erscheinen. So kam es wie von selber, daß Jutta es war, welche ihn je nach- dem zum Kommen oder längerem Bleiben aufforderte, und so herangezogen, verplauderte er manches Slünd-

in der anheimelnden Häuslichkeit, und wie bei dem Vater allmählich die schweren Schmerzenstage vorüber- gingen und der langwierigen GenesungSzeit Platz machten, da fanden sich leise und unvermerkt unter seinen Augen zwei junge Herren zu einnander.

Aber noch wußte Jutta nicht, wie ihr geschah. Erst ein äußerer Umstand mußte sie auf das aufmerk­sam machen, was in ihrer Seele vorging.

Sie begegnete eines Tages, als sie von dem angrenzenden Pachthofe die Morgenmilch holen wollte, dem Briefträger, der ihr ein umfangreiches, wohlver­siegeltes Schreiben einhändigte.

Sie öffnete dasselbe erwartungsvoll und entnahm ihm aus verschiedenen Umhüllungen einen schmalen, goldenen Ring, der mit ein paar leuchtenden Sternen besetzt war. _ .

Mit einem Schrei des Entzückens steckte sie das hübsche Kleinod an ihren Finger. Er paßte ausge­zeichnete, und sie erfreute sich von Herzen daran, während sie mit dem beringten Finger den begleitenden Brief auSeinanderfaltete. Derselbe lautet« folgender, maßen:Teurs Jutta! Wenn Sie wüßten, wie sehr ich Sie liebe, würden Sie vielleicht auch etwas Mitleid mit mir haben und mich erhören, Sie sind so schön, so gut und so verständig, wie ich noch kein Mädchen sah. Sie würden alles aus mir machen können, einen besseren, einen vollkommen guten Menschen. Ich könnte alles für Sie tun. Ich bin wohlhabend und so weit es in meiner Macht steht, würde ich Ihnen die Reich, tümer dieser Welt zu Füßen legen. Ich siehe Sie an nehmen Sie den beifolgenden Ring als Angebinde von mir und tragen Sie ihn als Zeichen, daß Sie geneigt find, dermaleinst meine Bitte zu erhören. Als ich früher einmal zu ihnen sprach, geschah es in einem unpassende