SchlußMnerMung
mit „Amtlichem Kreisblatt" -- Wochtubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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M 62.
Samstag, den 2. August 1919.
70. Jahrgang
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Deutsches Reich.
— In der Nationalversammlung wird gegenwärtig ein Streit über die Schuld am Kriege ausgefochten zwischen Eczberger und Gräf, in der Preffe kämpfen dazwischen Helfferich, Michaelis, Ludendorff usw. Wenn eben Not im Hause- ist, kehrt der Familienzwist ein und die Nachbarn — in diefem Falle unsere Feinde — freuen sich darüber und nutzen die aufgedeckten N.-dens- arten für sich und zum weiteren Nachteil für das deutsche Volk weidlich aus. Täglich liest und hört ; man vom Beginn eines Wiederaufbaues des Deutschen Reiches. Betrachtet man aber die Streikwut im Volks I, die Streikwut der Parteien, so wird man *an den
rmbau zu Babel erinnert, wo die Bauleute ausein- »erliefen, weil sie sich gegenseitig nicht verstanden, > jeder vernünftig und ruhig denkende Deutsche sagt , die Redensarten vom Wiederaufbau sind noch rasen, es hat eher den Anschein, als ob noch weiter dem ehemals so stattlichen „Deutschen Haus" nieder- iffen wird. Unser Ansehen und Cr.dit wird bei hem Gebühren weiter sinken und die Not höher gen. Wir sitzen in der Tinte drin, und statt uns über zu streiten, wer daran schuld ist, sollten wir suchen, baldigst wieder herauszukommen.
— Weimar. Die Organisation der Steuerbehörden.
ie das „B. T." hört, wird der Gesetzentwurf über Vereinheitlichung der Reichssteuern folgende Grundsätze wickeln: Die oberste Instanz des ganzen Apparates :d das Reichsfinanznnnsterium. Der Reichsfinanzhof :b oberste Sp:uchbehörde über alle Steuer sacken t. Unter dem Reichsfinanzministerium stehen zunächst Landerfiaanzämter. Finanzberichte sollen den ndesfinanzämtern als Berufungsinstanz gegen die tscheidungcn der Finanzämter ungegliedert werden, n Lander finanzärmern unterstehen die Finanzämter, i der Veranlagung der Vermögens- und Einkommen- uer wirken Ausschüsse gutachtlich mit, wie überhaupt den Landesfinanzämtern das System der Ausschüsse,
denen von den Selbstverwaltungsorganisationen cgeschlagene ehrenamtliche Mitglieder teilnehmen, eine EAndere Rolle spielen wird.
— 85 Milliarden als erste Zahlung. Eine Reuter- pesche meldet aus Paris: Die Alliierten haben die en finanziellen Anforderungen an Deutschland für den Jahresabschnitt 1919/20 auf 8ö Milliarden fest- gesetzt
m I — Der neue Geist bei der Eisenbahn. Der i« preußische Minister der öffentlichen Arbeiten Oeser ver- " öffmtlicht einen Erlaß, der die Demokratisierung der Eiier bahnverwaltung vorbereitend, den Aufstieg mittlerer „ «nd unterer Beamten in höhere Stellen ermöglichen und erleichtern soll. Zunächst soll die bisher zur An- * stsllung als Mitglied einer Eisenbahndirektion notwendige höhere Staatsprüfung in geeigneten Fällen erlassen und
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bemann« Tschterlein.
Roman von Martin Förster. 16
cl| _. (Fortsetzung.)
in! Wie manche andere in ihrer Lage würde mit tausend Freuden ein Anerbieten ergriffen haben, das threinedcntlm- Madknnach geradezu glänzende Zukunftsaussicht eröffnete. U Aber eben das, was er zu bieten im stände war, «ug auch immer wieder dazu bei, feinen Mut neu zu bclebm.
I Er sagte sich, daß sowohl Sachse wie seine hübsche Tocht-r so viel gesunden Menschenverstand besäßen, um die Dauer einem dürftigen, arbeitsamen, sorgenvollen Dasein das gebotene Wohlleben vorzuziehen. Er wollte ihnen genügende Bedenkzeit gewähren, so mußten sie. ja schließlich seinen Wünschen fügen. Soi te aber Jutta wider Erwarten sich als unbeugsam erweisen, so er noch einen andern Plan in Bereitschaft, der entschieden glücken und den Vater zu seinen Gunsten Uimnun mußte. Handelte es sich doch um ein Geheimnis Atzten, das sich gegebenenfalls sehr gut würde als Waffe benutzen lassen. Natürlich wollte er zu letzten Mittel nur im Notfall seine Zuflucht Aber gewinnen mußte er das Mädchen, dieser ^Hluß stand fest bei ihm.
V+3 Licht der scheidenden Sonne umstrahlte seine wl» Gestalt, während er langsam und doch von Unruhe getrieben auf das Häuschen des Mnterausiehers zuschritt.
P Gartenpforte begegnete er einer hübschen
- kMEdeteu Frau, die er als Freundin und Nachbarin r Sachses kannte. Da sie eben aus dem Hause kam, T^ an und erkundigte sich nach dem Befinden
es sollen mittlere Beamte, die sich als Vorsteher von Aemtern und Nebenämtern gut bewährt haben, zur Besetzung dieser Stellen herangezogen werden. Weiter wird in Aussicht genommen, bei einigen Direktionen Stellen für Hilfsdezernenten zu schaffen, die ebenfalls durch mittlere Beamte besetzt werden sollen, um solchen Gelegenheit zu geben, ihre Eignung als Amtsvorstände zu erweisen. Auch für die unteren Beamten sollen die Möglichkeiten eines rascheren Aufstiegs in die mittlere Laufbahn erweitert werden.
— Die Aenderung des Schulkonwromisses. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Weimar: In den neuen Behandlungen über das Schalkompromiß in der Reichsverfaffung hat man jetzt im Einvernehmen mit den Unzelstaatlichsn Kultusministern eine neue Ber- ständigungsgrundlage gefunden, der dann, wie man hofft, auch die Demokraten zustimmen könnten. Danach soll grundsätzlich überall die Simultanschule gelten, nur wo der Wille der Mehrheit der Erziehungsberechtigten eine besondere Konfessionsschule wünscht, soll diesem Verlangen auf dem Wege der LandeSzesetzgebung Rechnung getragen werden können.
— Die versenkte deutsche Flotte. Nach einer in Paris eingetroffenen Meldung konnten von den 53 deutschen Schiffen, die in Scapa Flow versenkt wurden 23 müder gehoben werd.n. Die anderen sind unrettbar verloren. Dazu ist zu bemerken, daß sich unter den gehobenen Schiffen nur Torpedobootszerstörer und kleine Kreuzer befinden. Die großen Kriegsschiffe außer der „Baden" sind sämtlich verloren.
— München. (KühlmannS Zeugnis) Der frühere Staatssekretär des Reußeren Kützl.nan r ist mit der Abfassung der Aufzeichnungen über seine Tätigkeit als Auslandsminister beschäftigt, die noch in diesem Jahre im Druck erscheinen werden. Er erklärt im übrigen schon jetzt, daß ein bestimmtes englisches oder französisches Friedensangebot niemals der Reichsregierung vorgelegen habe.
— Haag. (Deutsche Metallwaren für England.) Zwischen einer, englischen Finanzgruppe und einer holländischen Firma als Zwischenstelle wurde eine Abmachung mit deutschen Exporteuren und Fabrikanten über die Ausfuhr deutscher Metallerzeugnisse nach England getroffen. Dies ist das erste Ergebnis der Rückgängigmachung der Ausfuhrbeschränkungen nach England.
— Das Siegesfest der Belgier. In Gegenwart von Präsident Poincaro und deffen Gattin wurde in Vrüffel das Siegesfest begangen. Die Reden, die zwischen König Albert und Poincarö bet dem Festmahle gewechselt wurden, betonten stark die engen Beziehungen zwischen Frankreich und Belgien. Der Jubel beim Einzug der Truppen der alliierten Armee war unbeschreiblich.
— Zürich. Eine Versöhnungsaktion von Kriegsteilnehmern. Eine in Genf gegründete deutsch-französische
„Es geht fihr gut Herr Diedrich," verfitzte sie, „so gut wie es gehen kann. Und er wird gepflegt wie ein Fürst. Aber eine Tochter wie die Jutta gibtS auch nicht zum zweiten Mal. DaS ist ein Prachtmädel."
„Ja, ja", sagte der andere schmunzelnd und fügte dann wie beiläufig hinzu: „Ist das Mädel zu Haufe?"
„Nein, üe ist ausgegangen, um etwas aus dem Dorse zu holen. Darum bat sie mich, nach ihrem Vater zu sehen. O, es geht ihm sehr gut, und die Leute sagen ja, daß er nur Ihnen und seiner Tochter dafür zu danken hat."
„Mir auch?" sagte Herr Di.drich, dessen Mund sich zu wohlgefälligem Lächeln verzog. „Das ist selbstverständlich. Wenn ich für meine Untergebenen nicht im Krankheitsfalls sorgen wollte, so verdiente ich keinen guten Arbeiter. Und nun gute Nacht, Frau Walter!"
Die Frau sah ihm mit gemischen Gefühlen nach, während er ins Haus trat, und entfernte sich dann. Die Art und Weise, wie sich Diedrich des verletzten Beamten annahm, machte doch einen guten Eindruck bei den Arbeiterfamilien, umsomehr, als sie zu seinen sonstigen HandlungSwesen in grellem Widerspruch stand.
Umstrahlt von der Abendsonne und dem Glorienschein anerkannte Großmut, betrat der Minenbesitzer die Wohnung des Beamten und fand diesen letzteren im Lehnsessel am Fenster sitzend mit einer Zeitung in der Hand.
Nach einigen Worten über den Vorfall und den Zustand des gebrochenen BeincS kam man auf den jungen Mann zu sprechen, der sich als Lebensretter ein so großes Verdienst erworben.
„Er hat mit übermenschlichen Kräften gearbeitet, um Euch hcrauszuholen," sagte Herr Diedrich. „Ohne
Vereinigung ehemaliger Weltkriegsteilnehmer wird Ende dieses Jahres in der Schweiz einen Kongreß ehemaliger deutscher und französischer Kriegsteilnehmer veranstalten. Die Vereinigung will gegen den Haß und für den internationalen Frieden kämpfen. Sie hat den französischen Schriftsteller Roman Rolland und den deutschen Gelehrten Professor Dr. N eolai gebeten, den Shren- Vorsitz der Vereinigung zu übernehmen.
— Paris, 25. Juli. Zwei Verräter in Sicherheit? Echo de Paris meldet aus Washington: An Bord eines Dampfers trafen in den Vereinigten Staaten zwei Offiziere ein, die dem Stäbe des Marschalls Hindenburg angehört haben sollen. Von ihrem Posten aus sollen sie die genauen Kriegspläne des Marschalls Hindenburg an den General Pershing verraten haben, sodaß Pershing jeweils rechtzeitig die entsprechenden Gegenmaßnahmen treffen konnte. Die beiden Offiziere heißen Alfred Schulz, Artillerieoffizier und Grothe, Fliegeroffizier. Sie stehen unter strenger Bewachung da vermutet wird, daß von deutscher Seite ein Attentat gegen sie geplant wird.
— New Dork, 30. Juli. Seit der amerikanischen Kriegserklärung wurde hier die erste öffentliche Versammlung der Deutsch Amerikaner abgehalten, woran mehrere tausend Personen teilnahmen. Der Vorstand erklärte, daß Amerika Deutschlands Propagandasystem, seine Organisation und auch die verhaßte deutsche Kultur notwendig habe, was allgemeinen Beifall «us- löste. Es wurde beschlossen, sofort anS Werk zu gehen, um Deutschland und Oesterreich finanzielle Hilfe zu gewähren. Man hofft, in einigen Wochen bereit» ein DarlöhLN- -von K1 Million*»—Dollar-als erste Nutk anbieten zu können.
Unstimmigkeiten auf dem Gswerkschaftstag-
Die deutschen Vertreter sollen sich schuldig bekennen.
Amsterdam, 26. Juli. In der heutigen Vor- ^mittagSfitzung der Konferenz des internationalen de« werkschaftskongresses, an der die Vertreter Amerikas, Englands, Deutschlands, Belgiens, Hollands, Schwedens, Spaniens der Schweiz, Frankreichs und Oesterreichs teilnahmem, warf der belgische Vertreter den deutschen Gewerkschaften und ihren Führern sehr scharf vor, sich während des Krieges nicht gegen die Behandlung der belgischen Arbeiter und die Fortschaffung der belgischen Jadustriematerials gewandt zu haben. Bauer, der Abgeordnete der Deutschen, der nach Brüssel gekommen sei, habe erklärt, daß er nichts dagegen machen könne. Der Sprecher forderte, daß die Deutschen, bevor die Bilgier mit ihnen zusammen einer Organisation bei« treten, sich als Schuldige mit ihrer Regierung erklärten und ihr Bedauern über das verübte Verbrechen, den Massenmord in Belgjen aussprechen. Auch die österreichischen Gewerkschaften erklärte der belgische Abgeordnete für schuldig.
ihn wäret Ihr ein toter Mann. Ich muß sehen, was ich für ihn tun kann."
„Sie sind sehr gütig, Herr Diedrich," meinte der andere mit aufrichtiger Wärme. „Auch ich habe für f« vieles zu danken."
„Ihr habt mir nichts zu danken. Ein Mann, der durch treue Pflichterfüllung verunglückt, hat im Gegenteil nur Anspruch auf meinen Dank. Aber wo ist Eure Tochter?
„Ins Dorf gegangen, um ein paar kleine Besorgungen zu machen. Sie wünschen sie zu sehen?"
„T as nicht gerade, aber ich vermißte sie. Ihr wißt Sachse, was ich in bezug auf sie für Wünsche und Hössuungen hege. Ich bin bisher Eueres Unfair wegen nicht darauf zurückgekommen. Nun sagt mir einmal ganz aufrichtig, was haltet Ihr von meinen Aussichten? Habt Ihr nicht mit ihr darüber fe» sprechen?"
„Nein, das tue ich grundsätzlich nicht. Aber ich möchte glauben, daß — Ihre große Güte gegen mich — sie —"
„Zu meinen Gunsten stimmt? Das sollte mich freuen!
„Mich auch, Herr Diedrich. Ich hoffe das beste. Aber ich glaube, man muß sehr vorsichtig sein."
„Ganz gewiß. Sagt nichts? Ich kann nicht w«gen, den guten Eindruck aufs Spiel zu feßen, indem ich sie wieder so überrumpele. Außerdem kann ich ja warten."
„Ich glaube auch, das würde das beste sein."
„Natürlich! Ich habe mir fest vorgenommen, kein Wort über die Sache zu sprechen, bis Ihr Euch vollständig erholt und die Arbeit wieder ausgenommen habt. Glaubt ihr nicht daß dies das beste ist?"
(Fortfi tzung folgt.)