mt „Amtlichem Kreisblatt"
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Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag — Kreis mit „Areisblatt vierteljährlich 2,—^ Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 Pfi-
Samstag, den 19. Juli 1919.
70. Jahrgang
i Die Kshlennot im Kommenden Winter, ß Die Lage der Kohlenversorgung ist so bedrohlich ,d läßt sür den kommenden Winter einen so großen, her noch nicht gekannten Brennftoffmangel erwarten, | gestern das Reichswirtschafrsministerium die echrbehörden und die Vertreter der Bundcsftaaten k einer Besprechung gebeten hatte, um sie über die Schlage und die für den Winter zu erwartenden eigen zu unterrichten.
- Aus den eingehenden Darlegungen deS Reichskommiffars lT| die Kohlcuverteilung sei hervorgehoben, daß die infolge der allgemeinen Minderleistung und : großen Ausfälle durch Streiks in den-ersten 5 dieses Jahres nur ungefähr 60 Prozent der lemng zur gleichen Zeit des Vorjahres betragen Hinzu kommt, daß die Förderung der linksrheinischen gebiete feit der Besetzung für die rechtsrheinische orgung ausgefallen ist. Was bisher herüb rgelaffen ist, ist verschwindend wenig. Bestände, wie sie im Winter in den Kohlenrevieren sich ansammeln, dann im Frühjahr versandt zu werden, waren in Frühjahr infolge der gesunkenen Förderung auch nicht vorhanden.
Die Folgen zeigen sich in dem unser Wirtschaftsleben I allen Gebieten lähmenden Kohlenmangel. Sie rden erst im nächsten Winter in ihrer vollen Schwere W uns lasten. Die Eisenbahnen, die im vorigen Hie trotz äußerster Anspannung der Kriegswirtschaft M diese Zeit schon sür einen Monat Bestand hatten J mit Beständen für einen bis zwei Monate in den Mter hineingingen, haben heute kaum, was sie Ade für den eingeschränkten Betrieb brauchen. Die -Mwerke, deren Bevorratung im Sommcr für den Migerten Verbrauch im Winter von äußerster Mtigkeit ist, und die im vorigen Jahr um diese ‘K auch schon Bestände für durchschnittlich einen Hat hatten, leben heute durchweg von der Hand in »Mund und können ihren Betrieb meist nur unter Msten Schwierigkeiten aufrecht erhalten. Vorräte M nirgends vorhanden. Ganz ungeheuer rückständig Wie Hausbrandversorgung. Während im vorigen chre wenigstens die von der Kohle entfernten Gebiete Wlmaßen mit Vorräten versehen werden konnten, nn heute nicht nur an keine Bevorratung gedacht erden, vielmehr bleiben die Lieferungen weit ^c dem laufenden Bedarf zurück. Gerade die (Mörandversorgung hat der große Streik im Ruhrrevier M das empfindlichste getroffen. Die Ausfälle sind mehr einzubolen. Die Effenbahnsireiks der letzten Wen haben eine geregelte Versorgung unmöglich Wcht und die Ausfälle weiter verschärft. In der . »dusrrie werden nur die allerlcbensw.chügsten Betriebe M auch tiefe nur mit den größten Schwierigkeiten Dermaßen ausreichend versorgt- Alle übrige Industrie kommt nur (inen Bruchteil ihres Bedarfes und auch Hr nur ganz schwankend und unregelmäßig, da die Mustrie die Hauptlast der Förderausfätle und der nkchisßörungcn zu tragen hat.
j8u alledem kommen die Lasten, die der Friedensvertrag § auferlcgt, und die bei allem ernsten Willen, den Mag bis zum äußersten zu erfüllen, auch dann zur M eine Unmöglichkeit sind, wenn ihre Erfüllung W nur zu einem erheblichen Teil von uns verlangt
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Mber auch dann, wenn die Entente den Verhältnissen WRechnung trägt, ist die Lage heute so, daß wir ■ Voraussicht nach auf allen Gebieten oyne Moffvorräte in den Winter gehen. Dann aber, an im Herbst und Winter Wagenmangel, Schnee, $ uud E.szang den Eisenbahn- und Schiffsverkehr m n, den Bedarf der Eisenbahnen, der Gaswerke, KEsiktrizitätswerke, des Hausbrandes und der Orte zugleich zu decken, ist ganz ausgeschlossen, wenn wir wieder einen so milden Wmter ommen sollten wie die letzten beiden. Wir haben » vor uns: in Stadt und Land eine ganz ungenügende '^bedeutend schlechtere HauSbrandversorgung als im Wrz bedeutend schlechtere und ungleichmäßige >sorgung der Gaswerke und Elekirizitätswerke, ^ingcrung der Zufuhren an die Industrie in einem das einschneidende Arbeitslosigkeit und Ungerung der Produktion selbst wichtiger Industrien Mmeidlich erscheinen läßt. „ „ ,
- ®$ ist dringend nötig, daß auch die Öffentlichkeit M den Ernst der Lage sich klar wird. ______ T Deutsches Reich
- ~ Berlin. (Sk Dmchsühmng d-S gtlelins.) k deutschen Delegierten in Versailles teilen mit, daß
die von ihnen aufgenommenen Verhandlungen wegen der Durchführung des FriedensvertrageS von _ den Alliierten in durchaus entgegenkommender Form geführt werden, fachlich aber an der striktesten Durchführung der unterschriebenen Bedingungen festgehalten wird. Soweit es sich um die Durchführung unmöglicher Leistungen handelt, hat die deutsche Abordnung die Aufgabe, anannehmbare Vermittlungswege zu finden. Dies gilt zurzeit für die von der Entente geforderte Leistung in Kohlen. Wenn wir in diesem Punkte streng die Abmachungenerfüllenmüssen, dannwird das gleichbedeutend mit dcrLahmlegung jedes Wirtschaftsbetriebes in Deutschland. Es gilt das Zugeständnis der Entente zur Annahme von Ratenlieferungen zu erreichen. Die Entente hat der deutschen Abordnung erklärt, daß die deutsche Regierung mit allem Nachdrue, nötigenfalls mit Zwangsmaßnahmen, dafür zu sorgen hat, daß das deutsche Volk arbeite und dadurch die Durchführung der Friedensbestimmungen ermögliche. Auch hinsichtlich der Viehlieferungen besteht die Entente auf schnelle Durchführung der Versprechungen. 5Äe Stellung von Zivilarbeitern als Ersatz für die Kriegsgefangenen wird ebenfalls in den Vordergrund geschoben. Die Entente denkt an die Ueberführung dieser Arbeiter in Gruppen von 500 bis 1000 Personen und erklärt, sie in dem Wtederaufoaugebiet in Baracken unterbringen zu müssen.
— Berlin. (Verkehrsregelung zwischen dem besetzten und unbesetzten Deutschland.) Nach eingehender Besprechung mit sämtlichen beteiligten Ressorts wird in den nächsten Tagen in Köln eine Zusammenkunft aller Brückenkopfoffiziere und der in Frage kommenden Sachverständigen, statt frühen, um eine endgiltige Regelung des Vrkchrs zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet herbetzusühren. An den Besprechungen werden Vertreter aller zuständigen Behörden teilnehmen. ^i» Kommissar desVorsttzenden der deutschen Waffenstillstandskommission, Reichsminister Erzberger, ist von Weimar zu den Besprechungen Dr. Bein entsandt worden.
— Die Schwarzen für Deutschland. Die Dualaleute haben sich sür Deutschland erklärt, gelobten der dentschen Regierung Treue nnd wollen alles daransetzen, um mit dem neuen Deutschen Reich in Frieden zu leben. Das ist ein neuer Beweis der Lügenhaftigkeit der englischen Behauptung, daß die Afrikaner keinen Wunsch hätten, als von Deutschland befreit zu werden!
— Das neue Luftpostbrtesporto ist, wie die „Luftpost-Korrespondenz" mtttetlt, nunmehr festgelegt worden. Ein Brief bis 20 Gramm soll 25 Pf. kosten, also 10 Pf. mehr als ein gewöhnlicher Brief, ein solcher über 20 bis 50 Gramm 65 Pf., ein solcher über 50 bis 100 Gramm 105 und über 100 bis 250 Gramm 145 Psg., eine Postkarte 20. Eilboten Zustellung muß besonders bezahlt werden. Außer der so viel geforderten Einführung einer Luftpostkarte ist die Uebernahme des Luftpaketdienstes seitens der Post zu begrüßen. Luftpostpakete werden von allen Postanstalten gegen einen Gebührenzuschlag von 5 Mk. für jedes Kilogramm zum gewöhnlichen Paketporto angenommen. Die Größe darf 60 Zentimeter in Länge, Breite und Höhe nicht überschreiten, während das Gewicht unbegrenzt bleibt. Bet der Neuregelung, deren. Inkrafttreten nahe bevorsteht, soll auch die Herausgabe der schon so lange in Aussicht gestellten Lustpostbriefmarken erfolgen. Den Zubringerdienst für die gesamte Luftpost übernimmt künftig auch die Postverwaltung.
— Ars erster holländischer Dampfer ist in Hamburg der. Dampfer „Mars" am Montag mit einer Ladung Stückgut eingeteoffen, das erste Schiff, das nach Aufhebung der Blockade ohne Kontrolle Hamburg angelaufen hat.
— Rotterdam. (England, der Herr der Ostsee.) „Daily Mail" meldet, daß das von Deutschland abgetretene Memelgebiet als Freihafen erklärt werden soll. Englische Großhandelshäuser und SchiffSreedereien haben Landgebiete im Kreise Memel erworben zur Anlage von Handelsniederlassungen.
— Rotterdam. „Daily News" melden: Der Abtransport der deutschen Kriegsgefangenen aus England beginnt am 18. Juli. In den ersten vierzehn Tagen werden 52 000 Kriegsgefangene heimbefördert.
— Bern. Nachdem die letzten Schwierigkeiten, die der Entlassung der etwa 1000 noch in der Schweiz befindlichen deutschen Internierten im Wege standen, beseitigt sind, wird die Kriegsinternierung in der Schweiz in etwa Monatsfrist beendet sein.
— Der Vormarsch auf Budapest. Die „Times" melden: Der konzentrische Vormarsch auf Budapest hat begonnen. Artillerie- und Sturmtrupps sind auf etwa 42 Kilometer der Hauptstadt nahegerückt. Die Ententetruppen gegen Budapest find 50 000 Mann
stark. Drei Viertel des früheren ungarischen Staates sind von den alliierten Truppen besetzt.
Belagerungszustand in Pommern.
Der L. A. meldet daß im Zusammenhang mit dem drohenden Landarbeiterstreik über große Teile Pommerns der Belagerungszustand verhängt wurde.
Kritische Lage in Pommern.
Berlin, 15. Juli. Die „Voss. Ztg." meldet aus Stettin: Die Verhängung des Belagerungszustandes über ganz Pommmern hat unter den Sozialdemokraten ziemliche Erregung verursacht. In Anklam ist es gestern nachmittag zum Generalstreik gekommen. Zuerst traten die Arbeiter des Landwirtschaften Einkaufsvereins in den Ausstand. Sie begaben sich geschlossen nach den anderen Betrieben und zwangen die Arbeiter zur sofortigen Arbeitsniederlegung. Durch den Streik find fast alle Betriebe stillgelegt und der Anklamer Anzeiger konnte nicht erscheinen. Das Wasserwerk arbeitet vorläufig noch. Die Gewerkschaften sind gegen den Streik. In Köslin find die Metallarbeiter in den Ausstand getreten. Der Betrieb der Straßenbahn ruht dort ebenfalls.
Berlin, 15. Juli. Von unverantwortlicher Seite haben stch die Landarbeiter des Kreises Mohrungen in Ostpreußen in wilde Streiks hetzen lassen. Verhandlungen sind mit ihrem Zentralverband im Gange.
Die neue Erbschaftssteuer, die der Nationalversammlung zugegangen ist, bringt die wichtigste Neuerung unter allen Steuergefetzen, die Besteuerung von Erbschaften von Ehegatten und Kindern. Das deutsche Reich hat sich bisher noch immer gesträubt, diese Besteuerung des Gatten- und Kindererbes einzuführen, aber bei der heutigen traurigen Finanzlage ist sie nicht zu umgehen, und so wird die Vorlage auch zweifellos angenommen werden. Ihre Bedeutung liegt nicht allein in der finanziellen Belastung, sondern auch in dem Umstände, daß sie eine Kontrolle dafür bildet, ob während der Lebenszeit der Erblasser keine Steuerhinterziehungen stattgefunden haben.
Die Erbschaftssteuer zerfällt in eine Nachlaßsteuer, welche das gesamte hinterlassene Vermögen mit niedrigen Sätzen (1—5 Prozent) belegt und in eine Erbanfall- (bezw. Schenkungs ) Steuer, die vielfach abgestuft ist.
Die Nachlaßsteuer wird vom gesamten Nachlaß als solcher ohne Rücksicht auf die Zahl der Erben erhoben. Sie beträgt: für die ersten angefangenen oder vollen 200 000 Mark 1 v. H., für die nächsten 300 000 Mark 2 v. H., 590 000 Mark3».H., Mark 1000 000 Mark 4 v. H. und die weiteren Beträge 5 v. H. Für die Berechnung der Steuer ist zu beachten, daß von dem Rachlaßvermögen stets der Betrag von 20000 Mark vorweg als nicht steuerpflichtig abzuziehen und daß der Grundsatz her Durchstaffelung durchgeführt ist. Die Nachlaßsteuer für einen Nachlaß in Höhe von 600 000 Mark würde danach, um ein Beispiel anzu- führen, sich folgendermaßen berechnen:
20000 Mk. = frei
200 000 Mk. = 2 000 Mk.
300000 Mk. = 6 000 M.
80 000 Mk. — 2 400 Mk.
600 000 Mk. = 10 400 Mk.
Zu der Erbanfallsteuer werden 6 VerwandschaftS- grade zwischen Erblasser und Erben unterschieden. Für den ersten dieser Grade (Kinder und Ehegatten) beginnt die Steuer bet kleinen Erbanfällen bis zu 20 000 Mark mit 4 Prozent, sie beträgt für die nächsten 30 000 Mark 5 Prozent, 50 000 Mark 6 Prozent und steigt bis auf 20 Prozent bei Erbschaften von über einer halben Million. Bei den Erben entfernten Verwandtschaftsgrades steigen die Prozentsätze, bei Erben entferntesten VerwandschaftSgrades ist die Steuer 1s Prozent bei 20000 Mark 20 Prozent bei den nächsten 30 000 Mark, 25 Prozent bei den nächsten 50 000 Mark und schließlich 50 Prozent bei Beträgen über 500 000 -Mark. Ueberall gilt die Bestimmung, daß größere Erbteile bis zu den einzelnen Höchstbeträgen nur die niedrigen Steuersätze zu entrichten haben. Man hat steuertechnisch dafür das Wort „Durchstaffelung" eingeführt.
Also, wer 600 000 Mark zu versteuern hat, zahlt nicht den Steuersatz für 600 000 Mark, so ndern staffel weise den Steuersatz, wie er für die ersten 20 000 Mark, für die folgenden 30000, für die nächsten 50 000 Mark usw. festgesetzt ist, bis die 600 COO Mark erreicht find. „Lachende" Erben wird es also nicht mehr soviel geben wie bisher^ Die Steuer wird