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mitAmtlichem KreiMM". WO Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 pfg.

M 57. Mittwoch, den 16. Juli 1919. \ 70. Jahrgang

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Auf dem Wege zur christlich-deutschen Kuttsröüßne.

Durch die in der Vorigen Nummer angedeutete Arbeit des ThesterkulturverbandeS ist in weitesten Kreisen die Bewegung zur Förderung des Theater- wesens in Fluß gekommen; als Hauptersolg dieses Strebens bleibt für die Zukunft die Tatsache, daß nunmehr weiteste Wolkskrelse einzusehen gelernt haben, daß in dem Theater keine Stätte bloßen Vergnügens zu sehen ist, sondern ein Bildungsmittcl aller ersten Ranges, eine Kulturleistung von hervorragender Wir­kung für die Gesamikultur des deutschen Volkes. Solche Erkenntnis tritt zu Tage wenn z, B. der Th. K. V.-ausschuß in Hannover dieser Tage den Beschluß faßte, der preußische Staat müsse den kulturell auf hoher Stufe stehenden Theatern dieselbe Fürsorge an» gedeihen lassen wie den Hochschulen oder anderen wissenschaftlichen Instituten. Früher hätte man so was verlacht, heute mag man Bedenken äußern, kein wahrer Volksfreund würde aber die prinzipielle Bedeutung des Theaters hier im weitesten Sinne gesagt an- zweifeln können. In den Gemeinde-, Stadt-, Kreis-, Provinzial-Landesparlamenten wird die Theaterfrage immer wieder in irgend einer Form auftreten und wie etwa die Schulfrage im Mittelpunkt des Interesses stehen. Diese Erkenntnis v»n der Wichtigkeit des TheaterwesenS hat nun den Führern der christlichen Volksmassen, das Gewissen geschärft: sie mußten erkennen, daß die Anteilnahme des christlichen Volkes an der Kulturleistung des deutschen Theaters ein außer­ordentlich geringer sei, daß es höchste Zeit sei, das christl. Volk für die Theaterkultur mobil zu machen. Als Organisation für diese Mobilmachung schufen sie denBühnenvolksbund" alsVereinigung zur Theater­pflege im christliche deutschen VolksgeMc" mit deut Sitz in Frankfurt a. M.

Dieser B.V.B. geht mit seinen Zielen über den Th. K. V. weit hinaus. Der Th. K. V. mußte sich auf Lösung der foz'.alen Aufgaben der Theaterkultur beschränken, um die weltanschauliche Neutralität zu wahren. Der B.V.B. ist der Beauftragte der christ­lichen Weltanschauungskreise und verfolgt ausdrücklich die literarischen und religiös sittlichen Tendenzen der christlichen Lebensauffassung. Er strebt danach, daß das deutsche Theater der Zukunft tief im deutschen Volkstum und im Christentum verankert sei. Die Gründerversammlung auf der das evangelische und katholische Deutschland durch Männer urd Frauen aus allen Teilen Deutschlands und Oesterreichs vertreten waren, am 8. und 9. April d. JZ. in Frankfurt a. M. prägte diesen deutschen, christlichen und volkstümlichen Charakter des Bundes scharf aus in den grundlegenden Paragraphen 1 und 2 der Satzungen:der B.V.B. bezweckt die Förderung der Bühnenkm-st und der »»itt'Ulm ii .. ..- im.............im .....................

Bergmanns ®5^tevlcin*

Roman von Martin Förster. 14

(Fortsetzung.)

Für immer", sagte sie fest.

Er war wiederum einen Schritt zurückgetreten, und sie benutzte den Moment, um die Haustür zu öffnen und sich seinen Blicken zu entziehen. Er starrte ihr einen Augenblick nach. Dann wandte er sich zum Gehen, zähneknrischend, mit dem Gefühl tiefster Demütigung im Herzen. Aber seine Lippen murmelten einen Rackeschwur.----

Als Franz Degow eilig und vorsichtig an den heruntergkfallenen Felsstücken Hinaufkroch, fortwährend Sachses Namen rufend, horchte er mit der größten Spannung auf das leiseste Geräusch, vernahm jedoch nichts.

In der größten Besorgnis hatte er endlich, auf Händen und Knien kriechend, dieHöhe des Trümmerhaufens erreicht und übellegte nun, was weiter zu tun sei.

Daß sein Gefährte unter der cinKchürzten Decke lag, war offenbar, daß die über ihn an-ehänsten F-Isenmaffen ihn erdrückt hatten, nur zu wahrscheinlich. Vielleicht war er nur betäubt, hatte d.e Rippen eingedrückt, einen Arm oder ein Bein gebrochen und konnte gerettet werden. - , .. . -

Aber wie war cS möglich, ihn unter dieser Masse von schweren, scharfen Felsstücken hervor zuziehen ? Franz hatte keine Werkzeuge bei sich, weder Hammer no^ Hacke oder Spaten, was sollte er tun? ,

Dichte Schweißperlen .standen auf seiner Stirn, während er über die verzweifelte Lage nachdachte.

Selbst, wenn es ihm gelingen sollte, durch die gewundenen Pfade seinen Rückzug zu finden, und Hilfe

dramatischen Dichtung im Sinne volkstümlich deutscher Kvltur und christlicher Lebensauffassung. Als seine nächsten Aufgaben betrachtet der Bund: Organisation der christl. Theaterbesucher, Erziehung weiter VolkS- kreise zum Verständnis der dramatischen Kunst, Förder­ung aller schöpferischen Kräfte, die in der christlichen Weltanschauung wurzeln. Auch den Lichtspielbetrieb sucht er im Dienste der Geschmaösveredlung zu beein­flussen. Daß es mit der nationalen Würde des deutschen Theaters schlecht bestellt sei, sahen wir früher schon. Der B.V.B. will da abhelfen, indem er dem schwer um sein geistiges Edelgut kämpfenden deutschen Volke die Schätze der nationalen Dichtung erschließt als Quellen nationaler Kraft. Praktisch heißt daS: nicht lauter Strindberg, nicht immer nur welscher Tand, nicht bloß ausländische Problemwürgerei, sondern Schiller, Wagner, Lienhard, vorn Ausland nur das Beste! Der B.V.B. will weiter die Bühne von der Vorherrschaft unchristlicher L-bensauffung befreien. Wer hcnttgentags mal zusammenstellte, was auf den Bühnen Deutschlands gespielt wird, der würde erstaunt sein, wie wenig da die Lebens- und Kuustanschnuung des christlichen Volkes zu Worte kommt. Friedrich Lien­hard der bedeutende neudeutsche Idealist, sagt gelegent­lich, diese Totschweigetaktik gegenüber den christlich- deutschen Künstlern sei so, daß man sich f*£ schäme, davon zu reden.Wir sind unbequem wegen unserer christlichen Weltanschauung und wir find unbe­quem, weil man sich von uns keine Kasse verspricht". Der B.V.B. will nun diesen Bann des Totgeschwiegeu- seins hinwegnehmen von dem deutsch christlichen Kunst­schaffen und ihm vielmehr den ihm gebührenden Platz an der Sonne erobern. Ein Beispiel für viele: in Frankfurt amNeuen Theater" erreichte die höWe Aufführungsziffer mit 36 WedekindsFrühlings-Er- wachen" Lin der Spielzeit 18/19, also in der Zeit größter geistiger und seelischer Not. Sehen wir uns dieses Stück näher an: der 1. Akt ist eine Ausein- anderreihung lüsterner Gespräche über die ersten ge­schlechtlichen Regungen und die Fortpflanzung. Der zweite enthält die Vergewaltigung eines 14jährigen Mädchens durch einen Sekundaner und den Selbstmord eines anderen Sekundaner». Der dritte ist die Ver­höhnung eines Lehrerkollegiums und die groteske An­erkennung der Berechtigung zur Unmoral. Durch das ganze schlingt sich der Haß gegen die Autorität von Elternhaus und Schule. Wieviel Seelen werden durch solche Stücke für immer unempfänglich gemacht für das, was uns in christlich-nationalem Sinne als Kunst gilt! Und solcher Stücke, dU einen Fausthieb in das Gesicht des christlichen Volkes bedeuten, find auf den Bühnen gar viele. Fceil'ch soll die Kunst das menschliche Leben auch mit seinen ganzen abgrundlosen Tiefen umfassen, aber fie soll grade aus der Tiefe in die Höhe führen! wahre Kunst steigert und heiligt die seelischen Kräfte

berbeizurusen, würde Sachse vielleicht tot sein, ehe diese den Ort erreichen konnte. Das Hin- und Hergehen würde wenigstens anderthalb Stunden in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, daß Franz sich durch die erworrenen Galerien überyaupt zurechtfand.

Nein, dieser Plan war unausführbar. Er durfte nicht den Verunglückten seinem Schicksal überlassen. Er mußte versuchen, ihn ohne Beistand und ohne alle Werkzeuge mit seinen bloßen Händen zu retten. Es gab keine andere Wahl.

Er setzte also entschlossen seine Lampe auf den Rand ein^s Felsstückes, warf feine Kappe ab, streifte die Hemeärmel auf und griff mutig den Steinhaufen an. Es wäre eine schwere Arbeit, aber er dachte nicht an die Mühe. Einige der Steine waren scharf wie zerbrochener Schiefer, aber er achtete nicht darauf, nicht auf seine blutenden Finger und Arme, seine zrrschundcnen Knie und zerrissenen Beinkleider, und so gefährlich auch die Sache war, so hielt er doch keinen Moment im Vordringen inne. Er ergriff dnen Stein nach b;m anderen und schichtete sie vorsichtig seitwärts, auf. So bahnte er sich nach und nach seinen Weg in die Höhe und gewann endlich nach einer halbstündigen, großen Anstrengung hinreichenden Raum, um aufrecht stehm zu können. Er konnte jetzt schneller arbeiten als in der unbequemen Lage, und dies gab ihm neuen Mut.

Während er einen Augenblick ausru^te und _ stch den Schweiß abwischte, glaubte er plötzlich ein Geräusch zu vernehmen. Er erhob noch einmal seine Stimme und rief:Bachse, Gachse! Wo seid Ihr? Sprecht, wenn ihr könnt! Seid Ihr am Leben? Ich versÄhe zu Euch zu kommen. Sprecht um Himmelswillen!"

Er horchte wie vorher, aber mit demselben Resultat.

der Menschen. Daß dieser Geist der Unchristlichen auf der Bühne so allseitig herrscht, ist kein Zufall, sondern die bewußte Arbeit der im Theaterleben allmächtigen freigeistigen, antichriftlichen Theaterklique und die Folge der Willenlostgkeit der christl. Kreise in diesen Dingen.

Er gilt also das christliche Volk aufzurütteln aus seiner Gleichgültigkeit, es zusammenzuschließerr in einer macht­vollen Organisation und dann mit dieser den Vormarsch anzutreten gegen den Geist der Vereinigung, für den den Geist des lebengestaltenden christlichen Kulturge- dankens. In dieser Bewegung sollen alle christlichen Volkskreise mit hineingerissen werden, weil das Theater eine Angelegenheit des gesamten christlichen Volkes werden, weil jedermann an den Segnungen der christ­lich-deutschen Kulturbahne teilhaben soll. Wir missen es erreichen, daß die Bühne unentbehrlich werde für jeden aufwärtsstrebenden Deutschen. Die Bühne soll uns in diesen Zeiten geistiger Not aus den Widrig­keiten des Lebens hinausheben in die Höheu reiner Kunst. Auch der ärmste Arbeiter soll in Zukunft nach des Tages harter Arbeit die Möglichkeit haben, sich z« erholen und zu erneuern durch den Besuch einer guten Schauspieler, einer meisterhaften Oper, sich zu erfreuen und zu erfrischen an dem goldenen Humor einer freundlichen Komödie. Wenn er einmal solch wahr­hafte Freude erlebt hat, wird er sich schämen' vor sich selbst, wieder Tingeltangel und Schmierenbühne auf« zusuchen.

Wer Herz, Sinn und Mut hat mitzuhelfen an dem Aufbau des Vaterlandes im chrisilich^deutschen Volks­geiste, der helfe mit durch den Bühnenvolksbund va» Theater zu einer Stätte des christlichen Kulturgedanken» zu machen. (Anm. Alles Nähere erfährt man durch die Geschäftsstelle des B.V.B. Frankfurt a./M., Katharinenpforte 6.

Wie der B.V.B. nun ssine Zdeen zu verwirklichen strebt, darüber in der nächsten Nummer ein Wort.

H. M.

Die Ratifizierung des Friedeusvertrages.

Die Erklärung der deutschnationalen Fraktion-

Unser deutsches Volk steht vor der letzten Entschei­dung über die Besiegelung unseres deutsches Elends. Einmütig hat die Deutschnationale Volkspartei be­schlossen, der Ratifizierung des vorliegenden Friedens- Vertrages zu widersprechen. Wir sind uns der Folge« einer Ablehnung voll bewußt. Gerade darum lehne« wir die Verantwortung für diesen FriedenSvertrag ab.

Nur für den Fall, daß die Mehrzahl dieses Hause» sich für die Ratifizierung entschließt, haben wir unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der Frieden unter­zeichnet worden ist, einen letzten Versuch gemacht, eine» Appell an das Weltgewissen zu richten, obgleich es sich in diesem Friedenswerk selbst verleugnet. Wir möchten die Wirkung dieses Friedensschlusses dadurch hemme«,

Es war das Geräusch abbröckelnder Steine, welcheS ihn irregführt hatte. Er machte sich wieder an die Arbeit und legte die Steine hinter sich. Es war mit den bloßen Händen eine böse Arbeit. Hätte er nur ein einziges Werkzeug gehabt. Er muß munter weiter schaffen ohne Ruhe und Rast und immer aufs neue durch Hoffnung seinen gesunkenen Mut beleben. Allmählich verkleinerte stch denn auch der Haufe» vor ihm; die Galerie hinter ihm füllte sich mit Felstrümmern, aber auch die Kräfte und der Wille des mühsam Schaffenden begannen zu erlahmen, denn Franz hatte jetzt über zwei Stunden lang gearbeitet. Das Blut tropfte ihm von den Fingerspitzen, feine Beinkleider waren von Schweiß durchnäßt, und sein Körper zitterte vor Anstrengung. Und noch immer keine Spur von Sachse. Er begann fast zu verzweifeln und ein Ohnmachtsgefühl wollte ihn übermannen.

Da, er hatte wie mechanisch noch eine dünne Steinplatte aus dem Trümmerhaufen gelöst, erblickte er etwa?, was sein Herz von neuer Hoffnung erbeben machte. Er sah einen dicken, nagelbeschlagenen Schuh, der einen Fuß bedeckte, Sachses Fuß. DaS erste Resultat einer fast übermenschlichen Anstregung, die erste Spur des Verlorenen.

Sachse, Sachse!" rief er aus.Ich bin hi^r! Sprecht zu mir! Nur ein einziges Wort!"

Aber alles blieb still, der Fuß lag fest und steif da. Er griff in seiner Verzweiflung nach dem Schuh und zog daran und bewegte ihn hin und her wie ein Bescffener. Aber es kam kein Ton einer menschlichen Stimme, selbst die heftigsten Schmerzenslaute "würde er mit Jubel begrüßt haben. So mußte er das Schlimmste fürchten, und völlig entmutigt brach er zusammen. ^Fortsetzung folgt.)