chlüWrnerKUung
mit „Amtlichem KreMlaLN — WocheMlM: Illustriertes Sonntagsblatt.
Telefon 63. :: Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11402 :: Telefon 63.
Erscheint Alittwoch und Samsfa- — Preis mit „Areisblatt vierteljährlich 2,—■ Alk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 Pfj.
> 55
Mittwoch, den 9. Juli 1919.
70. Jahrgan,
Zufgep«ßt Fotkrfreunde!
Ale wahren Volkofreundr find eifrig an der Arbeit, dem von den Mühen dieses furchtbaren Krieges zcr- quälten Volke wieder aufzuhelfen, ihm die alte geistige und seelische Spannkraft zu schaffen. Wer dazu beitragen will, muß vor allem auch den Volksmassm die Gelegenheit zu echter Erholung, zu wahrer Freude schaffen. Nur ein kurzsichtiger Pessimist wird meinen können, die entsetzliche Tragik dieser Zeit lasse eS nicht zu, an Freude zu denken. Der kluge Voiksfreund vergißt nie die alte Wahrheit: von Zweien ist immer der dcr Stärkere, der der Fcoheste ist. So müssen auch wir froh im rechten Sinne sein, um stark genug zu sein, die drückende Atlaslast dieses furchtbarer Friedens zu tragen, und um die harte Arbeit des Neuaufbaues von Heimat und Vaterland leisten zu können. Frsiiuh die rechte Freude brauchen wir dazu! „Zehnmal in einer Woche begegne ich der Lust, etttmal der Freude, und ich werde nachdenklich, wenn ich lautes Lachen und Gesang aus der Ferne höre. Denn biege ich um die > Sie deS Hauses, um der Freude den Gruß zu bieten, iso treffe ich zumeist ihre Stiefschwester, die Lust, die dralle Dirne mit den groben Zügen und dem aufgelösten Haar;" das ta f nicht so bleiben! Der durch tausendfache' Todesmäher draußen im Felve für immer geheiligten deutschen Jugend gebührt wahrhaftig, als Braut nicht die grobe Dirne Lust, sondern die heitere, liebliche Jungfrau Freude mit den leuchtenden Augen und den goldigen Wangen! dem deutschen Volke, den Jungen und den Allen, geziemen nicht hemmungslose Vergnügungssucht, nicht Tingeltangel und Foxtrott, -sondern die reinen Freuden der Künste Volkslied und Oper, Gebiet und Schauspiel. Das sind keine überspannten Forderungen. Man ist feste dran, tatsächlich den gesamten Volksmassen das Theater zugänglich zu machen. Die Gelegenheit ist günstiger denn je. Die Verkürzung der Arbeitszeit schafft den arbeitenden Massen die Zeit, sich ein persönliches Leben zu schaffen. Wie man es im einzelnen versucht, den Weg zu bereiten zu der von allen besuchten deutschen Volksbühne, darüber ein andermal mehr. Wir werden da eingehender rom TheatcrkulturmrLand und dem Bühnenvolks- bund zu sprechen haben. H ute will ich nur von einem der Hauptseinde all dieser zum Wohl des Volkes begonnenen Bildungswerke sprechen. Dieser Volksfeind ist der kapitalistische Geschäftsgeist engherzigen Eigennutzes, wie er in den Reihen der herrschenden Theater- leute sich äußert.
s Ein praktisches Beispiel soll diesen Geist an den Pranger stellen! In diesen Wochen wurde zwischen ?dem „Deutschen Bühnenverein" (d. i. die Vereinigung der Theaterdirektoren) und dem „Verlegerkartell" (d. i. die Vereinigung der kapitalistischen großen VerlagSbuch- i Handlungen) ein Vertrag abgeschlossen, nach dem kein Mitglied bei BühnenvereinS ein Werk aufführen darf,
pergmantu Lsctztevtein.
Roman von Martin Förster. 13
(Fortsetzung.)
Sie konnte nicht vollenden. Es war plötzlich, al5 wenn sich cin NrbU vor ihre Augen legte. Sie Miterte heftig und mußte sich an den Türpfosten lehnen.
1 Er wollte ihr zu Hilfe eilen, ihr Beistand leisten. Aber sie nahm sich gewaltig zusammen und streckte äbwehrend die Hände gegen ihn aus, dann sagte sie wit bebender Stimme: „Es ist nichts, Herr Diedrich. Aber erlösen Sie mich aus dieser Angst. Was ist geschehen?"
»Ich fürchte, Sie sind nicht stark genug."
W „Aber bitte, bitte! Diese Ungewißheit ist das Wchrcckltchste von allem. Was ist es? Sehen Sie, ich Ain jetzt auf alles gefaßt und ganz ruhig."
I »Ihr Vater ist unten im Schachte verunglückt, »der —"
! »Tot!" schrie sie auf. Ihre Stimme klang so gellend, daß sie selber davor erschrak.
[ »Nttn, nein! Nur ein wenig verletzt. Ihr Vater und einer von den Leuten mußten die alten Lichtgänge untersuchen und in einem fiel die Decke ein, und ein Stein traf Ihren Vater."
I »Aber es ist nicht gefährlich?" fragte sie st-mls«. sagen Sie es, sagen Sie es mir! Verhehlest Sie mir nichts I Mein armer, armer Vater!"
_ „Er ist jetzt in Sicherheit. Ich schwöre es Ihnen. ®3 ist nicht gefährlich."
N „Gott sei Dank! Gott sei tausendmal Dank! Wringen Sie ihn Ht nach Hause?"
„Sie werden bald kommen."
welches nicht in dem Verlag des VerlegerkartellS erscht»nen ist, während umgekehrt kein Aufführungsrecht an Nichtmitglieder des BühnenvereinS erteilt wird. Auf deutsch heißt daS: das deutsche Theater, dss dem Volke dienen sollte, wird im Zeitalter der Demokratie unfrei gemacht von einer Handvoll kapitalistischer Berliner Literaturmacher; Der Schauspieler darf nur Stücke spielen, welche diese volksfremden Berliner geschäftstüchtigen Theaterleute selbst verlegen und junge, aufstrebende Dichtertalente werden nur dann die Aufführung ihrer Werke an der deutschen Bühne erleben, wenn einer der großkapitalistischen Verlage sich herab- läßt, ihr Werk zu verlegen. Grad waren wir glücklich so wett, daß auf den deutschen Theatern auch mal die aufstrebenden Talente der Arbeiterdichter, der nationalen Dichter zu Worte kamen neben all den inländischen und ausländischen Aposteln her Dekadenz, neben all dem Schlamm eindeutiger Pariser Unsitten- Posfin und schon holt der Geist des Eigennutzes aus, um diese hoffnungsvollen Ansätze zu zerschlagen. Durch diese Vertrustung der Literatur werden nicht bloß die Städte mit Theatern betroffen, sondern auch aS die Theaterfreien Gemeinden. Wenn volksbildungsfreund- liche Vereinigungen wie der Bühnenvolksbund oder der Rhein-Mainische Verband es unternehmen wollten, in kleineren Städten neue Werke unbekannter Dichter aufzuführen, dann würden sie keinen tüchtigen Theaterleiter und keine erstklassigen Schauspielergruppe finden Lur Aufführung, wenn das Stück nicht in innern Ver- leg^rkartell erschienen wäre.
Jeder Volksfreund sieht, da ist etwas nicht in Ordnung. Da Heißt's aufgcpaßt! Protestkundgebungen, Demonstrationen mit Pfeiffen auf Hausschlüsseln helfen da nicht. Auch hier hilft nur die Organisation, als Ausdruck einer Macht. Die Offensive gegen den Geschäftsgeist, die sittliche künstlerische und soziale Unzulänglichkeit im Theaterleben haben den Theaterkultur- verband und den Bühnenvolksbund ausgenommen.
H. F. E. M.
Kindenöurgs Verantwortlichkeit.
Der Feldmarschall au den Reichspräsidenten.
Generalfeldmarschall von Hindenburg richtete anläßlich seines Rücktritts an den Reichspräsidenten folgende Drahtung:
Herr Reichspräsident!
Die Unterzeichnung des FrtedenSvsrtrageS gibt mir zu folgender Erklärung Veranlassung: Für alle Anordnungen und Handlungen der Obersten Heeresleitung seit dem 29. August 1916 trage ich die alleinige Verantwortung: auch sind alle mit der Kriegführung zusammenhängenden Entschlüsse und Befehle Seiner Majestät des Kaisers und Königs seit diesem Tage auf meinen ausdrücklichen Rat und unter meiner vollen Verantwortung gefaßt und erlassen worden.
„Ist er zu sehr verletzt, um allein gehen zu können?"
„Das weiß ich wirklich nicht so genau. Aber mein Onkel sagte mir, ich könnte Sie vollständig beruhigen."
„Gott sei Dank", prurmelte sie. Dann wandte sie sich ab, wie um ins Haus zu gehen.
„Fräulein Sachse was kann ich für Sie tun?" fragte er, indem er seine glühenden Augen auf ihr bleiches Gesicht heftete.
„Nichts, Herr Diedrich, ich wüßte nichts", antwortete sie hastig. „Ich danke Ihnen."
„Mein Onkel läßt Ihnen sagen, da» Sie nichts sparen sollten, um ihrem Vater behaglich zu machen. Alles, was er sich nur wünschen mag, soll er erhalten."
„Das ist sehr gültig von Herrn Diedrich. Bitte, bestellen Sie ihm meinen Dank. O, mein armer, armer Vater!"
„Und Sie »erde« doch Gebrauch »ach»« von meines Onkels Anerbieten?"
„Das kann ich nicht versprechen. Ich »erde eS meinem Vater mitteile«, und er mag entscheiden. Ach. ich weiß ja noch gar nicht, was ich hoffen darf. Sie — Sie »erde« mich gewiß entschuldigen!"
Sie strekte die Hand aus in dom unbestimmten Gefühl, sich erkenntlich zu zeigen, und er drückte sie fester als sie erwartet hatte. Sie mußte sie ihm entziehen.
„Fräulein Sachse!" rief er au«, als er ih»« Hand freigab. „Sie können sich nicht denken, wie tief, wie aufrichtig ich in diese« traurigen Fall mit Ihnen empfinde."
„Ja, ja, ich glaube es. Ich dankeJhnen, Herr Diedrich!"
Ich bitte, diese Erklärung zur Kenntnis des deutschen Volkes und der alliierten Regierungen zu bringen.
gez. von Hindenburg, Generalfeldmarschall.
Hannover, 4. Juli. Anläßlich einer Kundgebung dcr hiesigen Studentenschaft vor der Wohnung des Generalfeldmarschall von Hindenburg hielt dieser eine Ansprache an die Studenten, in der er sagte:
Ich danke der Studentenschast für den herzlichen Willkommengruß in meinem neuen Heim. Der Geist der deutschen Jugend zeigt mir, daß Deutschland wieder aufblühen wird zu alter Größe. Verzagen Sie nicht, und helfen Sie mit, daß unsere Feinde uns nicht verachten, sondern achten lernen, dann wird Deutschland wieder erstehen zu alter Blüte, so wahr ein Gott lebt. Nochmals meinen herzlichen Dank, vor allem auch den Kommilitonen, die ich hier nicht persönlich begrüßen kann.
Die Kaisersöhne treten für ihren Dater ein.
Berlin, 6. Juli.
Prinz Eitel Friedrich von Preußen hat an den König von England folgendes Telegramm gerichtet:
Deiner Majestät dem König von Großbritannien und Irland.
In Ausübung selbstverständlicher Sohnes- und Offizterspflicht stelle ich mich mit meinen vier jüngeren Brüdern Euer Majestät an stelle meines kaiserlichen Herrn Vaters im Falle seiner Auslieferung zur Verfügung, um ihm durch unser Opfer den entehrenden Gang zu ersparen.
Im Namen der Prinzen Adalbert, August Wilhelm, Oskar und Joachim von Preu^en^.——-------—-
Friedrich von Preußen.
Deutsches Reich.
— Die Reichsbank hat den Preis für Abgabe von Gold an die Industrie auf 9000 R1. für das Kilo Feingold erhöht. Der Friedenspreis berechnete sich auf 2790 Mk. für das Kilo Feingold. Ebenso setzte des Reichsfinanzministerium vor einigen Tagen den Höchstpreis für Silber auf 320 Mk. für das Kilo Frinstiber fest, gegenüber einem Höchstpreis von 175 Mk. im März vorigen Jahres.
— Berlin. Die „Deutsche Allg. Zig." meidet aus Weimar daß der Entwurf über die große Vermögensabgabe dcr Nationalversammlung erst im Herbst vor- gelegt werden soll. Der Ertrag soll vor «Hern zur Tilgung der Reichsschulden dienen. Dir Vermögensabgabe kann hauptsächlich in KriegSanleihe erfolgen. Aus der großen Vermögensabgabe erwartet das Reich 70—90 Milliarden.
— Ecbschaftsstmer und landwirtschaftliche Grnnd- stücke. Das neue Srbschaft»steuerges«tz bringt eine wichtige Aenderung der Bewert«ng»»orschrtften bei der Vererbung von land- und forstwirtschaftliche» Grund-
„Jch würde so glücklich sein, wenn ich Ihnen die» so recht zeigen dürfte, Fräulein Sachse, haben Sie Vertrauen zu mir."
„O, Herr Diedrich lassen Si, mich! Ich bin so in Angst. Es ist alles so pötzlich über mich gekommen."
„Aber gerade deshalb, lassen Sie mich Ihnen bei« stehen, Ihnen helfen! Ich meine es ja so, gut mit Ihnen, so treu! Fräulein Sachse' ich —"
„Lassen Sie mich ich flehe Sie an."
„Aber ich liebe Sie! Ich muß ei Ihnen sagen, jetzt, oder niemals. Stoßen Sie mich nicht znrück. Ich kann viel, ich kann alles für Die tun. Ich —"
Sie richtete sich plötzlich aaf und trat ihm fest gegenüber. „Herr Diedrich", sagte sie mit mühsam beherrschter Stimme, .der Zeitpunkt für Ihre Liebeserklärung ist schlecht gewählt. Sie hätten mich jetzt, gerade damit verschonen sollen. Aber wein Sie eS denn durchaus hören wollen: ich liebe Sie nicht und kann niemals die Ihre »erden!"
Er fuhr zurück, trat aber sogleich wieder vor und versuchte ihre Hand zu fassen.
„Seien Sie nicht so hart," bat er dringend. Geben Sie mir einen Hoffnungsstrahl. Sagen Sie, daß ich wieder kommen soll!"
„Nein das kann ich nicht!"
„Aber warum ? Lieben Sie denn einen anderen?" „Sie $ab<n kein Recht, eine solche Frage zu stellen."
„Aber Sie müssen mir erlauben »iederzukom- men. Sie müssen es. Ich werbe noch einmal Ihre Neigung gevinyen, ganz gewiß!"
„Ich kann nur Wiederhole«, was ich sagte, und habe jetzt nur die eine Bitte: Lassen Ske mich allein I"
„Für heute ja — aber —"
(Fortsetzung