mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wschenbcilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Hit MsjmttMlki in Nnstilits gtltiUti Werssittes, 28. Juni 1919. (WILA.) Der Ariedensvertrag ist, wie vorgesehen, nachmittags um 3 Ahr im Schloß unterzeichnet worden.
Tag der Unterzeichnung, Tag der Trauer, Tag des । Unhells! VechüLe dein Haupi, Germania, damit du nicht schauest deiner Söhne tiefste Erniedrigung, Deutschland ärgste Schmach, des Vaterlandes schwerste und trübste Stunde.
Mit wehenden Fahnen waren wir ausgezogen, unsere Heiligsten Güter zu wahren, Haus und Herd zu schützen vor dem Einbruch feindlicher Horden, zu schirmen deutsches Land und deutsche Kultur vor der drohenden Vernichtung. Bon Anfang an war dieser Krieg im Bewußtsein unseres Volkes nichts anderes als ein Verteidigungskrieg. Wir sahen uns eingekreist von raubgierigen Nachbarn. Die einen, weil sie revanche- wütig auf Elsaß Lothringen starrten und weil ihre Eitelkeit die Niederlage nicht verwinden konnte, die deutsches Schwert ihnen bereitet. Die anderen, weil sie ihre Vormachtstellung zur See ihr Handels- und Jndustriemonopol, von dem gewerbefleiß'gen Deutschland bedroht sahen. Die dritten endlich, weil sie in Deutschland ein Hemmnis erblickten gegen ihre unersättliche Expausionslust und Eroberungsgier, gegen die unbeschränkte Ausbreitung ihrer europäisch übcrtü»chten, aber im Grunde asiatischen Halbkultur. Diese letzteren außerdem angestachelt durch die Milliarden, mit denen Frankreich sie gedungen hatte, ihm bei der Ausführung seiner Revanchepläne Beistand zu leiten.
In diese --espannte, mit Zündstoff ».s^Lts Atmosphäre schlug am 28. Juni 1914 das Attentat in Serajewo hinein, wie ein Funke ins Pulverfaß. Nachdem einmal die Dinge so wett gediehen waren, blieb uns keine Wahl. Wir mußten Oesterreich Ungarn betstehen, weil vorauszusehen war, daß nach der Zertrümmerung unseres Bundesgenossen wir daran kommen würden und dann, alleinstehend und ohne Beistand unseren Feinden umso leichter zum Opfer fallen würden. Wir wußten, daß in Oesterreich Ungarn eigentlich wir getroffen werden sollten, daß man uns der letzten Freundesstütze berauben wollte, um dann mit vereinten Kräften über uns herzufallen. Wir hatten daher das Recht, uns als die Angegriffenen zu fühlen und in dieser Ueberzeugung sind auch Deutschlands'Söhne 1914 in den Kampf gezogen. Es war ein Verteidigungskrieg, den wir reinen Herzens und guten Gewissens führten. Lüge und Verleumdung ist es, wenn unsere Feinde das Gegenteil behaupten. Eine Schandtat aber, die zum Himmel schreit, ist es, uns zu zwingen, unsere Unterschrift unter ein Schriftstück zu setzen, in dem wir anerkennen, die Uebeltäter gewesen zu sein, die die Welt aus Herrschsucht und EcoberungSgier in Brand gesetzt hätten. Niemals ist frecher die Wahrheit ver-
Zeitgemäßes, Unzeitgemäßes?
Worte Friedrich des Großen.
10. Januar 1757 an Minister Graf Fink:
Wenn ich das Unglück haben sollte, vom Feinde 'gefangen genommen zu werden, so verbiete ich, daß man auch nur die geringste Rücksicht auf meine Person nehme, und daß man dem die geringste Beachtung schenkt, was ich etwa aus meiner Gefangenschaft schreibe. Wenn mir ein solches Unglück zustieße, will ich mich für den Staat opfern, und man muß meinem Bruder gehorchen, der mir ebenso wie alle meine Minister und Generale mit dem Kopfe dafür haften soll, daß man eher eine Provinz noch ein Lösegeld für mich anbi.tet nd daß man den Krieg unter Benutzung der errungenen erteile fortfetzen wird, ganz als wenn ich niemals uf der Welt gewesen wäre.
25. März 1757 an seine Schwester Amalie:
Stellen Sie sich, ich beschwöre sie, über alle Er- ignisse; denken Sie an das Vaterland und erinnern Wie sich, haß seine Verteidigung seine erste Pflicht ist. Wenn Sie erfahren, daß einem von uns ein Unglück rustößt, so fragen Sie, ob er kämpfend gestorben ist, Md wenn das der Fall ist, so danken Sie Gott Dafür. Es gibt nur Tod oder Sicg für uns; -eins ^n beiden ist notwendig. Jedermann denkt hier so. ^ie, Sie wollten, daß jeder sein Leben für den Staat opfere aber nicht, daß Ihr. Brüeer das B-isptel dazu geben? O meine liebe Schwester, in diesem Augenblick gibt es nichts zu schonen. Entweder auf dem Gipfel DZ Ruhms oder vernichtet- . .
Mittwoch, den 2. Juli 1919
höhnt worden, als jetzt in Versailles bei der Friedens- un erzUchnung, und null und nichtig ist in unseren Augen jenes erzwungene Schuldbekenvtnis. Freilich, die Vecruchtheit unserer Feinde und ihre Geschickltchkett im Verdrehen und Verleumden ist zu groß, daß zu erwarten ist, daß sie auch aus dieser gewaltsam erpreßten Unterschrift aufs Neue uns einen Strick drehen werden. Sie werden der urteilSlosen Welt triumphierend sagen: „Seht, sie haben es ja selbst zuzestanden, daß sie ein Volk von Verbrechern sind, das nichts besseres verdient, als sein Schicksal der Aechtung, Wehrlosmachung und Birsklavung." Präsident Wilsrn, der größte Heuchler unserer Zeit, hat es ja erst dieser Tage öffentlich ausgesprochen, daß unsere Strafe so hatt und furchtbar ausgefallen sei, damit ein Exempel statuiert und andere Völker dadurch gewarnt würden.
So verfährt man mit einer Ration, die hex Welt seit Jahrhunderten durch Großtaten auf technischem, wissenschaftlichem, künstlerischem und kulturellem Gebiete die wertvollsten und unersetzlichsten Dienste geleistet hat, und die der Menschheit einzigartige Wunderwerke des Geistes, der Bildung und Gesittung geschenkt hat. So verfährt man mit der Nation, deren Genie sich in einem Goethe, einem Beethoven, einem Kant ausgesprochen hat, um nur diese drei in die Ewigkeithinausstrahlenden Sterne deutschen G-'' ^lebmS Herauszu- greifen. Wir müssen es erleben, daß man unser mit an der Spitze der Kultur voranschreitendeS Volkes mit dem Stempel des Verbrechertum; besudelt, ächtet und an den Pranger stellt, damit Zulukaffern, Senegalneger, Schwrrzfußindianer nnd andere Bundesgenossen und Freunde der Weltrichter von Versailles sich ein ab schr.ckendeS Betfp:el an uns nehmen.
Der drohende Ton, den unsere Feinde noch unmittelbar vor der Unterzeichnung anschlugen, indem sie uns ausdrücklich die Verantwortung für das Jnnehalten jedes Paragraphen zuschvben, beweist, daß eS ihnen ernst damit ist, erbarmungslos die Eeprrssungsschraube anzuziehen, die ihnen dieser unerfüllbare Vertrag in d e Hände gibt. An uns wird es fein, uns dagegen mit allen Kräften zu wehren. Der Krieg ist noch nicht aus, er wird nur mit anderen Mitteln fortgrführt werden. Deshalb müssen wir laut und vornehmlich schon jetzt bei der Unterzeichnung vor aller Welt unsere Stimme erheben, und Protest erlegen gegen das uns geschehene Unrecht, gegen die Vergewaltigung eines ganzen Volkes, die in der jetzt erzwungenen Unterschrift ihren Triumph feiert
Was am 28. Jani 1819 dem Jahrestag des
20. Juni 1757 an General Prinz Moritz von Anhalt- Deffau nach der verlorenen Schlacht von Kolin:
Das Herz ist mir zerrissen, alleine ich bin nicht niedergeschlagen und werde bei der 1. Gelegenheit suchen, diese Scharte auszuwetzen.
19. Juli 1757 an seinen Vertrauten Marquis d’ Argens:
Sehen Sie mich, mein lieber Marquis, als eine Mauer an, in welcher seit 2 Jahren durch das Schicksal Bresche gelegt wird. Ich werde von allen Seiten erschüttert. Häusliche Unglücksfälle, geheime Leiden, öffentliche Not, neu bevorstehende Plagen; das ist mein täglich, Brot. Glauben Sie aber nicht, daß ich nach- gebe. Lösten sich all, Elemente auf, so würde ich mich unter ihren Trümmern mit dem kalten Blut begraben, mit dem ich Ihnen jetzt schreibe. In so heillosen Zeiten »uß man sich mit Eingeweiben von Stsin und mit einem ehernen Herzen versehen, um alle Empfindsamkeit loS zu werden.
13. Juli 1757 an seine Schwester Nilhelmine, Markzrüfin von Bayreuth.
Ich bin König und habe gemeint, wie ein Monarch denken zu müssen. Mein Grundsatz ist fkti gewesen, daß einem Fürsten sein guter Name mehr wert sein muß als das Leben.
28. Oktober 1760 an Marquis d Argens.
Wie werde ich den Augenblick überleben, der mich nötigt, einen nachteiligen Frieden zu schließen; kein Beweggrund, kein» Beredsamkeit wird imstande sein, mich dahin zu bringen, daß ich meine Schande unterschreibe. Entweder lasse ich mich unter den Trümmern meines Vaterlandes begraben, oder, wenn dem Ge
70. Jahrgin,
Iürstenmordes in Serajewo, uns jetzt in Versailles geschehen ist, das muß jedem Deutschfühlenden die Röte der Scham ins Gesicht treiben, Zorn und Empörung Schmerz und Trauer muß eines jeden Deutschen Herz durchbeben. Brutalste Gewalt hat uns die Feder in die Hand gedrückt und uns gezwungen, die eigene Schande das erlogene Schuldbekenntnis, den Ver- nichtungs- und Erdrosselungsfrieden mit unserer Unterschrift zu bekräftigen. Wohl ist mit Blut eingeschrieben in die Blätter der Geschichte die Schreckenstat von Serajewo, wo ein edles Fürstenpaar dem Anschlag finsterer Fanatiker zum Opfer fiel. Aber größer noch ist das Verbrechen von Versailles, wo man kaltblütig und mit berechnender Grausamkeit mit einem e»zwu»g»«en Federstrich ein ganzes Volk polittsch, wirtschaftlich und moralisch zu erwürgen gedenkt. An uns wird es sein, durch umso treueres Festhalten am Beterland in der Zeit seines größten Unglückes den VerntchtungSplänen unserer Feinde entgegenzuarbeiten und unermüdlich so oder so die Revision des Schanddok»ments zu erwirke«. Durch Nacht zum Licht, das soll unsere Losung sein.
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— Versailles. Der Akt der Unterzeichnung. Die Zeremonie der Unterzeichnung im Spiegelsaale zu Versailles begann Samstag Nae _________ dem sämtliche Delegierte der irrten und assoziierten Mächte ihre Plätze eingenommen hatten, ««rden die deutschen Delegierten in den Saal geleitet und z« den für sie bestimmten Plätzen geführt. Der Vorsitzende der Friedenskonferenz, Clemenceau, erhob sich «nd erklärte, nachdem die Bedingungen der alliierte« und assoziierten Mächte von den Deutschen angenommen seien, ersuchte er die deutschen Bevollmächtigten, dasFriede»«do- kummt zu unterzeichnen. 6t hob hervor, die Untirziich- nung des FriedensvertrageS bedeute, daß die Bedingungen in loyaler Weise eingehalten werden müßten. Um L Ahr 11 Minuten unterschrieben die Reich»mi«ister Hermann Müller und Dr. Bell als erste den Friedexsvertrag. Hierauf unterschrieben der Reihe nach die Delegierte« der alliierten und assoziierten Mächte. Kurz vor 4 Uhr war der Akt beendet. Clemrnceau hob die Sitzung mit der Erklärung auf, der Friede sei geschloffen. 6t ersuchte die D»legierten der alliierten «nd assoziierten Mächte zu warten, bis die deutsche« Bevollmächtigten sich entfernt hätten. Die Militärmission »erbe die deutsche Delegation in das Hotel des Reservoirs zurückleiten. Die deutschen Bevollmächtigten »erließen darauf als erste den Saal und begaben sich in das Hotel des Reservoirs zurück.
schicke, das mich verfolgt, auch dieser Trost als zu schön erscheinen sollte, so werde ich mein Unglück zu beende« wissen, wenn es nicht mehr möglich ist, e« zu ertrage«. Stets habe ich der inneren Ueberzeugung und jenem Gefühl von Ehre gemäß gehandelt, das alle meine Schritte leitet und wonach ich stets handeln werde; mein Betragen wird immer m't diesen Grundsätzen überei«- stimmen.
3. Juli 1761 an den englischen Minister Pitt.
Zwei Triebfedern bestimmen mein Handeln: Die eine ist das Ehrgefühl und die andere das Wohl des Staates, den der Himmel mir znm Negieren gegeben hat. Sie schreibe.: mir 2 Gebote vor; einmal nie etwa« zu txn, worüber ich zu erröten hätt», »exn ich me.nem Volke Rede stehen müßte, «nd sadann: für meines Vaterlandes Heil xnd Ruhm den letzt»« Tropfen meine» Blut» htnzngeben. Mit solchen Grundsätzen erreicht man seinen Fried»« «ie, mit solchen Grundsätzen hi«lt Rom sich aufrecht gegen Hannibal nach der Schlacht von Sannä; mit solchen Grundsätzen behauptete sich Bure große Königin Elisabeth gegen Philipp U. und die unüberwindliche Flotte; mit solchen Grundsätzen hat Gustav Masa Schwede, anfgerichtet und den Tyranxen Christian au» dem Lande gejagt; und mit gleicher Seelengröße, Tapferkeit und Ausdauer haben die Prinzen von Oranien die Republik der Niederlande gegründet. Das sind die Vorbilder, denen ich zu folgen entschlossen bin.
5. Oktober 1761 an General ». Fastro» der in Gefangenschaft geraten war.
Sie sinnen zu mir sagen, wa» Franz I. nach der Schlacht bei Pavia an seine Mutter schrieb: „Alles ist verloren außer der Ehre!" H. M.