WüchremerMung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wocheukilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Areisblatt vierteljährlich 2,— Mk. — Anzeigen kosten die kleine^ Zeile oder deren Raum (3 Pfg.
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Samstag, den 28. Juni 1919
70. Jahrgang
Amtliches.
: J.-Nr. 1249. Uaterstützungrgtsuche werden von Maligen Heeresangahörigen des Mannschaftsstand-S ,d von ehemaligen Unterbeamten der Militärverwal- mg, sowie von ihren Hinterbliebenen, häufig an das liegsministerium gerichtet. Ueber derartige Gesuche ,ben aber die zuständigen Versorgn? gsämtcr entweder 1 Mständig zu entscheiden oder mindestens Ermittelungen ßer die Vcrhältniffe der Unterstützungsbedürftigen an« »stellen. Letzteres geschieht unter Inanspruchnahme der : ZezirkskommandoS oder der amtlichen Fürsorzestellen. 1 ; Um Verzögerungen in der Erledigung der Unter» lützungSgesuche zu vermeiden, kann den Bittstellern der vorerwähnten Unterklassen somit zu ihrem eigenen Vor- Wil nur dringend geraten werden, sich vorkommenden lenLü nicht an das Kriegsminifterinm, sondern ^ n da- zuständige Kreisfürsorgeamt zu wenden. ” Schlächtern, den 26. Juni 1919.
Kreis Zürsorgeamt.
^ Am Dienstag, den 8. Zuti d. Is.,
vormittags 9 Uhr indet in Gterbfritz eine ZicgettbockkSrung statt.
^u dieser sind nicht nur die Böcke vorzuführen, deren sun lnkörung erstmalig gewünscht wird, sondern auch sämt- iche bisher schon angekörten Ziegenböcke.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf vor- __ kehrnde Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher n Weise (Schelle rc.) in ibr»« ^"°n... Elriism ksam zu bei aachen.
an Lei rriH
Schlächtern, den 24. Juni 1919.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Ein Ausruf der Regierung.
An das deutsche Volk!
Die Reichsregierung hat mit der Zustimmung der Nationalversammlung erklärt, den Friedensvertrag zu unterschreiben, schwersten Herzen» unter dem Druck der rücksichtslosen Gewalt, nur in dem einen Gedanken, unserem wehrlosen Volke neue Kriegsopfer undHunger-
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£etl i quälen zu ersparen.
Der Friede ist geschlossen. Nun wahrt und sichert l b I den Frieden.
leri Das erste Erfordernis ist: Vertragserfüllung! | Jede Anstrengung muß an die Erfüllung dieses Ver- i träges gesetzt werden. Soweit er ausführbar ist, muß ! er ausgeführt werden. N'mmer werden wir derer ver- gessen, denen die Abtretung droht. Sie sind Fletsch von unserem Fletsch. Wtr werden für sie eintreten, wo wir können, wie für uns selbst. AuS dem Staatsver-
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bände können sie gerissen werden, aber nicht aus unserem Herzen.
Das zweite Erfordernis ist: Arbeit! Die Lasten dieses Friedens können wir nur tragen, wenn keine Hand müßig ist. Für jede nicht erfüllte Leistung können die Gegner mit Vormarsch, Besetzung oder Blok" kade antworten. Wer arbeitet, verteidigt den heimischen Boden.
Das dritte Erfordernis heißt: Pflichttreue! Wie wir trotz aller Gewissensnot auf dem Posten geblieben find, so muß es jeder einzelne machen: der Soldat, und zwar Offiziere, Unteroffizier« und Mannschaften, der Beamte, jeder muß, um des Ganzen willen, seiner Pflicht treu bleiben, auch in diesen bösesten aller bösen Tage.
Man zwingt uns, Drusche einem fremden Gericht auszuliefern. Wtr haben uns bis zum äußersten dagegen gewehrt. Fü, die tiefe Erbitterung unserer braven
-8 Truppen haben wir volles Verständnis, aber wenn Offizier und Mann jetzt nicht noch fester für innere Ordnung eintreten helfen, so liefern wir nicht nur ein r paar Hunderte, sondern Millionen unserer LnndSleute 8 aus und War der Okkupation, der Annexion und dem Terror.
Deutschland muß lebensfähig bleiben. Ohn? innere rgi Ordnung keine Arbeit, ohne Arbeit keine Vertrags«, füllung, ohne Sertragserfüllung kein Friede, sondern
Wiederaufflammen des Krieges. Wenn wir nicht alle mithelfen, ist die Unterschrift unter dem Vertrag wertlos, dann kann es keine Erleichterung, keine Revision und kein fchlicßlichrs Abtragen der ungeheuren Lasten geben. WaS heute an Tagen versäumt wird, kann unseren Kindern Jährender Knechtschaft kosten.Schon heute müssen Volk und R-gierung an die Arbeit gehen. ES darf keine Pause geben und keiner beiseite stehen. Es gibt nur ein Weg aus der Finsternis dieses Vertrages: Erhaltung von Reich und Volk durch Einigkeit und Arbeit. Helft uns dazu Männer und Frauen!
Der Reichspräsident: Ebert.
Die Reichsregierung: Bauer, Erzberger, Hermann Müller, Dr. David, Dr. Mayer,
W ff ll, Rob. Schmidt, Noske, Giesbert«
_________Dr. Bell, Schlicke.
SiezesjuSel in Waris.
Basel, 24. Juni.
Die „Liberte" meldet: In Paris herrscht angesichts der Annahme bei Frieden-vertrage» großer Jubel. Sofort nach Bekanntgabe läuteten die Glocken. Es fanden an verschiedenen Stellen der Stadt Freudenkundgebungen statt, namentlich auch vor dem Palais Bourbon und vor den Gebäuden der alliierten Gesandtschaften. Elemeceau, Lloyd George und Ailson wurden besondere Ovationen dargebracht. Die Stadt war abends illuminiert. Fackelzüge bewegten sich durch alle Straßen. Die Vorbereitungen zur großen Siegesfeier in Paris sind beendet. Die Festlichkeit wird unmittelbar nach der offiziellen Unterzeichnung des Vertrages ihren Verlauf nehmen.
Versailles/24. Juni.
Um Zwischenfälle, wie sie vor acht Tagen anläßlich der Abreise der deutschen Friedensdelegation vorgekommen waren, zu verhindern, waren im Laufe des gestrigen Tages und nachmittags im Hofe des Hotels Vatel, des Reservoirs und Sutsse sowie in der Um« gebuug Truppen und Gendarmerie aufgestellt worden. Der neue Präfekt des Departement» Seine et Oise hat sich wlrdrrholt persönlich von den getroffenen Vorberettungtn überzeugt. Gestern abend kurz vor 7 Uhr versuchten einige junge Leute — offentstchtltch Studenten — eine Kundgebung vor dem Hoiel bei Reservoirs zu veranstalten. Sie wurden jedoch sofort von der PolzU versprengt.
Gestern abend kurz nach 8 Uhr wurden im Park von Versailles Fccndenschüsse abgegeben. Eine große Menschenmenge begab sich sodann zum Park und besonders auf den Placr des Armes, wo einige Ansprachen g« halten wurden. Der Umkreis der drei Hotels wurde von Truppen und Polizei schärfflens abgesperrt, sodaß bisher weitere Zwischenfälle nicht zu verzeichnen gewesen sind.
Deutsches Reich.
— Friedensvertrag und Generale. Von den leitenden Militärs hat sich, wie wir hören, nur General Sreoner für eine Unterzeichnung des Friedens ausgesprochen.
— Eine weitere Milliarde für die Familienunter- stützungen. Räch einem ReichSgesetz vom Jahre 1888 hat die Auszahlung von Familienunterstützungen an die Familien von Kriegsteilnehmern durch die sogenannten Lieferungsverbände zu erfolgen. Diese LieferungS- verbände sind in Preußen die Stadt- und Landkreise. In dem ReichSgesetz ist die Rückzahlung der verauslagten Beträge an die Lieferungsverbände seitens des Reiches vorgesehen, aber kein Zeitpunkt bestimmt, bis zu welchem die Rückzahlung zu erfolgen hat. In Anbetracht des großen Umfanges, den die Familien- unterstützungen im Kriege angenommen haben, ist bisher vierteljährlich etwa eine Viertelmilliarde den Lieferungsverbänden zurückerstattet worden. Neuerdings hat das Reichs finanzministeriur« eine weitere Milliarde zur Verfügung gestellt, deren Auszahlung an die Lieferungsverbände zurzetterfolgt. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" weiter erfährt, ist ein Gesetzentwurf über die Termine der weiteren Rückzahlung zurzeit im Stande der Vorbereitung.
— Gegen die Auslieferung des Kaisers. Vertreter des Reichsverbandes Deutscher Unteroffiziere überreichten dem Reichsw-hrminister eine Kundgebung mit der Bitt«, sie der Reichsregierung zu übermitteln. Die Kundgebung richtete sich gegen die Forderung der Entente auf Auslieferung des Kaisers und gewisser angeblich schuldiger Persönlichkeiten. Sie bittet gleichzeitig, die Regierung möge Schritte unternehmen, die geeignet sind, eine Umbildung aller derjenigen Punkte bei gegnerischen Friedensvertrages herbeizuführen, welche die Verletzung der deutschen Ehre fordern.
— Eine würdige Antwort. Der englische General Geugh hat an den General Graf v. der Goltz in Libau den Befehl erlassen, die deutschen Streitkräfte aus dem Baltikum zurückzuziehen. Die Antwort bei deutschen Generals war erfreulich mannhaft »nd korrekt. Sie lautet: „Ich wetse es mit vollster Entschiedenheit zurück, daß Sie sich anmaßen, mir Befehle zu geben. Ich bin deutscher General und empfange nur von meiner vorgesetzten Behörde Befehle. Das Dortige Schreiben wird an meine Vorgesetzten weiter gegeben, eine Antwor auf diplomatischem Wege erteilt werden. t gez. Graf v. d. Goltz.
— Berlin. (Die im Kriege 1870/71 erbeuteten Fahnen verbrannt.) Dienstag vormittag gegen 10 Uhr erschien eine Gruppe von Studenten und Angehörigen des Freikorps vor dem Zeughaus, verschaffte sich Eintritt und holte die dort aufbewahrten im Kriege 1870/71 erbeuteten französischen und belgischen Fahnen heraus. Diese wurden dann im Beisein einer schnell hinzugeströmten Menge unter dem Gesänge von „Drutsch- land, Deutschland über alles" und anderen Vaterlands- liedern vor dem Denkmal Friedrich des Großen verbrannt.
— Berlin, 23. Juni. (Ausschreitungen in Berlin.) Au» Entrüstung über die hohen Lebensmittelpreise, besonders die für Kirschen und Erdbeeren, zogen heute mittag gegen 12 Uhr etwa 500 Personen beiderlei Geschlechts durch die Invaliden- und Brunneustraße und plünderten dort vor allem die Lebensmittel- und Zigarren- läden. Etwa eine halbe Stunde später drangen die Exzedenten in den Wochenmarkt ein und raubten die dort auf den Schrägen aufgelegten Waren. Im Laufe des Nachmittags in der vierten Stunde kam es zu schweren Ausschreitungen in der Markthalle in der Jnvadenlidenstraße, Ecke der Ackerstraße. In allen Fällen wurden RegierungStruppen herangezogen, die die Ruhe wiederherstellten. In der Jnvalidenstraße wer die Aktion nach 5 Uhr noch nicht beendet. Die Plünderungen im Norden Berlins haben bis in die späten Nachmittagsstunden ihren ^Psvtz- -^aeawiMv sonders in Mitleidenschaft gezogen sind die Invaliden-, Brunnen- und Badstraße. Es sind bisher etwa 20 Personen festgenommen worden. Bas Militär, Mitglieder der Einwohnerwehr und die Polizei find zur Zeit damit beschäftigt, die sich immer wieder bildender Zusammenrottungen und Aufläufe zu zerstreuen. In übrigen ist die Stadt ruhig. Wie viele Perfoaen vem letzt worden sind, konnte bisher noch nicht festgestelr- werden. Ihre Zahl dürfte gering sein, da das Militalt mit äußerster Schonung vorgegangen ist.
— Amsterdam, 24. Juni. (Nüchterne Aufnahme in London). Die Nachricht von der Zustimmung der Deut- fchen zur Unterzeichnung wurde in London ruhig ausgenommen. Er wurden keine Kundgebungen veranstalttt wie beim Waffenstillstand
Die Werse»ku»g der deutschen Alotte.
„Die Deutschen werden eines Morgens mi Erstaune« hören, daß ihre Flotte auf dem Meeresboden liegt!" - So hatte wenige Jahre vor dem Kriege Lord Ainston Churchill, der einstige Chef der britischen Admiralität, im Uaterhaus« geweissagt und gesprochen. Ost hat man sich seither mit grimmigem Spott der überheblichen Worte de» englischen SeelordS erinnert. Besonders wohl nach der Schlacht am Lkagerrack, als die grand fleet, gar arg zerbeult, in ihre Häfen lief, um fortan bis zum Ende des Krieges die der deutschen Flotte zugedachte Rolle der „Ratten die man aus den Löchern herausholen" werde, mit großer Meisterschaft selbst durchzuführen. w
Nun ist am Schlüsse bei großen blutigen Welten- drama» die Weissagung durchaus doch noch in Erfüllung gegangen: die deutsche Schlachiflotte liegt auf dem Grunde der Nordsee. Aber das ist so ganz a«ders gekommen, all der Prophet und seine gläubigen Zu Hörer sich's damals wohl dachten!
Als Deutschland, Glück zerbrach, als an unser noch unbesiegtes Heer der Ruf zur Rückkehr in die Heimat erging, da hatte auch für die Flotte die Schicksalsstunde geschlagen. Es kam der Tag, an dem die prächtige« Schiffe, deren Anblick jeden Deutschen mit^siolzer Freude erfüllen mußte, zum leiten Male unter Dampf im Heimathafen lagen. Aus den ergreifenden Schilde- rungen der Männer, denen die schwere Mtssion zusiel, st«, den harten Bedingungen des Waffenstillstandes entsprechend, auf der Fahrt zur Uebergabe an die Entente nach England zu geleiten, wissen wir, wie bitter hart ihnen die Erfüllung dieser Pflicht geworden ist, .wie ihnen, der Gedanke, auf diesen kampferprobten treuen Schiffe« nunmehr den Brttenwimpel, den Union