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K 51
Mttwoch, den 25. Juni 1919
70. Jahrgang
erWiMdKalender spricht
Es ist höchste Zeit, die Post - Bestellung auf die
Schüchterner Zeitung mit Amil. Kreisblatt für die Kreisstadt u. den Landkreis Schlächtern, zu erneuern. :—:
ergessen Sie es nicht!!!
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Die Krise vor der Lösung.
Ein Kabinett aus Zentrum und MehrheitssogaldemoKratle.
Weimar. 21. Juni. Das erste KüblNiLt Bau-.r ist lefäeitert und zwar an den Demokiaten, deren Eintritt licht möglich war. Bauer ist zum zweitenmal mit der Bildung eines Ministeriums beauftragt worden Dieses Mnisteriuw wird nur aus Mitgliedern des Zentrums ind der Mehrheitssozialisten bestehen. Es besteht die Öffnung, daß sich das Ministerium morgen der Natio- älversammlung vorstellen wird.
Weimar, 21. Juni. Bis gegen drei Uhr morgens and eine inoffizielle Besprechung beim Reichspräsidenten Ü führenden Politikern statt, bei der es sich darum
andelte, den Ministerpräsidenten und die neuen tänner des Kabinetts zu finden. Dem Vernehmen ach ist die Kabinettsbildung günstig im Fortschreiten nb das Ergebnis heute noch zu erwarten. Das adinett wird nur aus Sozialdemokrsien und Mit- liebern des Zentrums gebildet werden. Die Demo-
etgmasm» LsetztevLeiir
Roman von Martin Förster. (Fortsetzung.)
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Die Männer trennten sich und tarnen dann nach twa zehn Minuten wieder zusammen und verglichen hre Aufzeichnungen
„Der unter: Gang ist ganz voll Grubengas", sagte achse, „wenn ihn jemand unvorsichtig betritt, so stehe ch für nichts ein'"
„Oben ist es dasselbe", meinte der andere.
Sie gingen weiter, Sachse als Führer voran. Bald ießen sie auf einen großen Haufen von losem Ge- ein, welches erst kürzlich herabgestürzt zu sein schien, u. andm, daß ein Weiterschreiten völlig unmöglich ar.
„Wir werden uns einen Weg nach oben bahnen üffen, Degow," meinte Sachse, „sonst müssen wir zuck, und das möchte ich nicht gern. Wartet hier eine linute, ich will zuschen, wie es oben aussieht."
Ohne weiteres kletterte Sachse den Haufen hinauf und versuchte, sich unter der noch einigermaßen festen Decke Hindurchzuzwängen.
K „Ich glaube, wir kommen durch, Degow. Bleibt dort, bis ich Euch rufe," hörte Franz ihn rufen. _
Degow wartete also geduldig. Er hörte Sachse i arbeiten, wie er d'e FelSstücke hierhin und dorthin schob, und ganz unwillkürlich wanderten feine Gedanken auf einen Augenblick nach dem hübschen Häuschen feines Gefährten und der lieblichen Insassin desselben, als plötzlich ein lautes, dröhnendes Geräusch von nieder- fallenden Felsstücken ihm fast vor Schreck den Atem benahm. Dann folgte ein heiserer Schreckenöschrer, und dann war alles totenstill.
kratische Fraktion wird sich als solche nicht beteiligen. . Man hält es jedoch nicht für ausgeschlossen, daß einige Mitglieder der Demokratischen Partei in das Kabinett eintreten In den heutigen Votmittagsstunden sind die Fraktionen fast sämtlich zu Sitzung-n zusaMmengetreten,
um zu der neu geschaffenen Lage Stellung zu nehmen.
Die neuen Männer.
Berlin, 21. Juni. Nach zuverlässigen Meldungen aus Weimar soll das neue Ministerium Bauer aus folgenden Männern bestehen. Eine amt tche Bestätigung steht zur Stunde noch aus:
Präsident: Bauer, bisher Reichsa britSminisier; Stellvertreter im P-äsidium: Müller-Fulda, der das Reichsschatzministerium übernehmen soll. Ferner gehören ihm an Graf Verustorff als Außenminister; Noske, Retchswehrminister; Erzberger, Reichreisenb nminlster; Rechtscmwalt Sinzheimer, Reichsarbeitslümister; Dr. Preuß, Reichsinnenminister (der einzige Demokrat); Robert Schm'dt, ReichsrrnährungSmiuiftcr; Wisse!, ReichSwirrschaftSminister; Giesberes, Reichspostminiücr, Dr. David, ohne Portefeuille; Kolonialminifter Dr. Bell. Der Unterstaatssekretär Dr. Delbück, der dem Reichsjustizministerium angeboren soll, wird das Ministerium leiten, ohne jedoch das Ministerium zu übernehmen.
Bauer gilt bei allen Parteien als ein besonnener und außerordentlicher ma-vollcr Politiker. E. gehörte schon dem Kabinett des Prinzen Max von Baden an. Mit Scheidemann trat er damals als erster Sozial- demokrat in die Regierung ein und leitete ba? Reichs- arbeitLMinisterium. Vorher arbeitete er mit Se^itn zusammen im Vorstände der Generalkommtssion der freien Gewerkschaften. Seit 1905 g-hözte er dem Reichstag an.
Ein diploWatischer Erfolg Erzbexgersd
Berlin, 21. Juni. Aus Köln wird gemeldet: Wie bet Vertreter der Köln. Zig. in Weimar hört, hat Reichsmmister Erzberger bereits mit d-.« Verband FühlunZ' gerstimnrT!' und inJEerfeißeS angefragt^ wie sich der Verband ieeUen würde, hinsichtlich einer Nachgiebigkeit in den bekannten Punkten, die die Ehre der deutschen Nation antasten Daraufhin hat einstweilen der Verband unverbindlich durchblicken lassen, daß er einer Nachgiebigkeit nicht abgeneigt sei, wenn wir nicht ablehnten. Auf Grund dieser Fühlungnahme, sei jetzt ein offizieller Schritt unternommen worden. Man hofft bis Montag die Antwort des Verbandes zu haben uno dann ein Kabinett bilden zu können, dem auch die Demokraten wieder angehören können.
Basel, 20. Juni. Der Pariser Vertreter der Newyorker „Times" berichtet, daß in Paris gestern folgende Nachricht eingelaufen sei. Die gegenwärtige deutsche Regierung trete zurück und ein Unterzeichnungs- kabinett Eczberger sei in Bildung begriffen. Auf diese Nachricht hin haben neue Konferenzen zwischen den Vertretern der alliierten Regierungen fiattgefunben.
Wie zuverlässig verlautet, ist es möglich, daß infolge der Regiernngsänderung in Deutschland die Pläne der Friedenskonferenz einigermaßen geändert werden.
Basel, 20. Juni Dem „Amerikanischen Presse- bureau" wird aus Paris berichtet: Nach Mitteilung des Obersten House ist der den Deutschen gestellte Termin bis 24. Juni in keiner Weise als Ultimatum aufzufossen, woraus nicht geschlossen werden darf, daß die Verhandlungen nicht abgebrochen werden. Von Deutschland werde eine befriedigende Antwort erwartet, die jedenfalls Anlaß zu weiteren Verhandlungen bietet. Des Verkehr mit dem besetzten Gebiet gesperrt.
Berlin, 21. Juni. Wie die Waffenstillstands- kommifsioa berichtet, ist nach Mitteilung der französischen Besatzungsbehörden dee Verkehr mit tem best feien Gebiet vorläufig aufgehoben worden.
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Vorbereitungen zum RheLnSbergang.
Basel, 20. Juni. Den ganzen Rhein entlang werden Schiffsbrücken der Entente geschlagen. Die im Elsaß zusammengezogenen französischen Truppen werden auf 7« Will onen Stärke geschätzt.
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Bedingunglos angenommen.
Aie Annahmeerklärung.
Berlin, 23. Juni. Gesandter v. Haniel übersandte
Auftrage der Reichsregierung nachmittags 4.40 Uhr folgende Note an die Bevollmächtigten der alliierten
im
und assoziierten Regierungen:
Die Regierung der deutschen Republik hat aus der letzten Aiitteilung der alliierten und assoziierten Regierungen mit Erschütterrnng ersehen, daß sie entschlossen sind, von Deutschland auch die Annahme derjenigen Friedensbedingungen mit äußerster Gewalt zu erzwingen, die, ohne eine materielle Bedeutung zu besitzen, den Zweck verfolge», dem deutschen Volke seine Ehre zu nehmen. Durch den Gewaltakt wird die Ehre des deutschen Volkes nicht berührt. -Si«°.«tch--aMs hin zu verteidigen, dazu fehlt dem deutschen Volke nach den entsetzlichen Leiden der letzten Jahre jedes Mittel. Der übermächtigen Gewalt weichend und ohne damit ihre Auffassung über die unerhörte Ungerechtigkeit der Frieder-Sbedingungen aufzugeben, erklärt deshalb die Regieru-g der deutschen Republik, daß sie bereit ist, die von den alliierten und assoziierten Regierungen auferlegten Friedensbedingungen anzunehmen und zu unterzeichnen.
Deutsches Reich.
— Wie dem „B. T." aus Genf berichtet wird, wird dem „Matin" zufolge die Besetzung Berlins im Falle der Richtunterzeichnung des Vertrages in dieser Woche erwartet.
„Sachfe, Sachse 1" rbf Äezsw verzweifelt. Was ist pasiert? Was gibt es? Seid ihr verletzt?,,
Dabei kroch er auf Händen und Knien den Haufen hinauf. Aber er erhielt keine Antwort, und als er oben ankam, wo er noch vor kurzer Zeit Sachses Füße gesehen hatte, entdeckte er aber zu seinem Schrecken, daß ein neuer Einsturz den Weg versperrte.---
M hrere Stunden später stand Jutta Sachse an ihrer kleinen Gartenpforte u-sb schaute die Straße entlang, die nach dem Bergwerk führte, wv ihr Vater arbeitete. Es waren bereits zwei Stunden über die Zeit, wo er gewöhnlich nach Hause kam, und sie konnte sich die Verspätung nicht erklären. Ihres Vaters einfache Mahlzeit stand auf dem Küchentisch bereit. Das Haus sah so wohnlich und sauber aus, wie die geschickten Finger des Mädchens es nur Herrichten konnten, und alles wartete nur auf das Nachhausek mmen des Verfolgers. Jutta begann unruhig zu werden, als ihr wartender Bl ck die Gestalt eines jungen Mannes erspähte. Sie erkannte in demselben sofort den Neffen des Bewerksbesttz-rs- Daß dieser Neffe jetzt in dem Kontor beschäftigt war, hatte sie von ihrem Vater erfahren. Er hatte ihnen außerdem einmal eines Abende einen Besuch gemacht, bei welcher Gelegenheit sie feine bewunderten Blicke als recht zudringlich empfunden hatte. Sie selber war von der ansehnlichen Erscheinung des jungen Mannes keineswegs gefesselt worden. Sein selbstzufriedenes Wesen war nicht nach ihrem Geschmack, daher drehte sie sich schnell um, als wenn sie ihn nicht erkannt hätte, kehrte ins Haus zurück und schloß die Tür. Aber diesmal sollte sie ihrem Schicksal nicht entgehen, denn kaum hatte sie sich in der Küche nieder- gesetzt, als sie ein Klopfen an der Haustür hörte und sich ge-
zwangen sah, dem Neffen von Albert Diedrich zu öffnen.
„Guten Tag, Fräulein Sachse", sagte der junge Mann höflich und mit einem Lächeln, welches es selber für unwiderstehlich hielt.
„Guten Tag Herr Diedrich," erwiederte sie kühl. „Sie wollen wohl meinen Vater sprechen?"
Sie trat einen Schritt vor und zog die Tür hinter sich zu, da sie entschlossen war, ihn nicht ins Hau« kommen zu lassen.
„Ja, ich wünschte Herrn Sachse zu sprechen," antwortete er zögernd. „Ist er zu Hause?"
„O nein," war die schnelle Antwort. „Mein Vater ist noch nicht hier."
„Nicht? Es ist aber doch schon ziemlich spät," meinte er.
„Ja, es wundert mich auch. Sie kommen vielleicht später wieder vor."
„Ja, das werde ich tun," sagte er in einem so sonderbaren Ton, daß sie ihn befremdet ansah. Dann wandte er sich einige Schritte vorwärts und wandte sich plötzlich um.
„Hat uiemand vor mir nach Ihrem Vater gefragt, Fräulein Sachse?"
„Nein, Herr Diedrich," entgegnen sie beunruhigt, „warum meinen Sie das?"
„Nun, Fräulein Sachse — ich —" er hielt inne sah verlegen aus und fuhr dann fort: „Ich dachte, es würde Ihnen jemand mirgeteilt haben, daß Ihr Vater — ich — ich weiß nicht recht, wie ich mich autdrücken soll -"
„Was ist meinem Vater?" rief sie erbleichend. „Was meinen Sie? Gütiger Himmmel! Ich verstehe jetzt. Mein Vater was ist ihm passiert? Ist er —"
(Fortsetzung folgt.)