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mit „Amtlichem Kreisblatt". — WocheMlage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag — preis mit „Areisblatt vierteljährlich 2,— Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum |5 Pfg.
M 50.
Samstag, den 21. Juni 1919.
70. Jahrgang
SitbtMiijige Frist.
Versailles, 16. Juni. Bei der Ueberreichung der Entente-Antwort auf die deutschen Gegenvorschläge wurde auch eine Abmachung über die Verwaltung der besetzten Gebiete Deutschlands übergeben. Generalsekretär Dutasta erklärte bei der Uebergabe, er überreiche hiermit die endgültigen Bedingungen. Die deutsche Delegation solle in einer Frist von fünf Tagen vom Zeitpunkt der Uebereichung an gerechnet, erklären, ob sie gewillt sei, den Friedensvertrag zu unterzeichnen oder nicht. Ministerialdirektor Simon erwiderte, die Frist von fünf Tagen sei zu kurz bewsssn. Die deutsche Regierung und die deutsche Delegation behielten sich vor, eine Verlängerung der Frist zu verlangen. Herr Dutasta erklärte, er werde den alliierten und assoziierten Regierungen von dieser Erklärung Kenntnis geben. Vor 9 Uhr kam Dulssta nochmals nach Versailles und | teilte dem Ministerialdirektor Simon mit, die Entente hätte sich bereit erklärt, die Frist um 48 Stunden zu verlängern. Ministerialdirektor Simon antwortete, die Frist einzuhalten, jedoch werde erst die deutsche Regierung in der Lage sein, einen endgüldigen Entschluß zu fassen und sie werde der Entente mitteilen, ob die Frist von sieben Tagen eingehalten werden könne.
Es geht nach Stunden!
Versailles, 16. Juni. Wie „Mit Journal" erfährt wird die Empfangsbestätigung, die Graf Brockdorff bei I Ueberreichung der Antwort der Alliierten zu unter- schreiben hat, die Stunde der Ueberreichung vermerkt erhalt» n. Die fünftägige Frist wird vom Augenblick der offiziell so sestgesteüten Stunde an laufen.
Berlin, 13. Juni. Die Antwort der Entente auf die deutsche Denkschrift ist abermals verschoben worden. Sie wird nach französischen Blättern frühestens Sonn-
1 abend abend, wahrscheinlich iedech erst am Montag erfolgen, während die amerikanischen Blätter in Paris andeuten, daß es auch Dienstag werden sann. Die amerikanischen Blätter teilen als Grund des Aufschubs die Tatsache mit, daß der Viererrat sich in einen Fünferrat umgewandelt habe. Der nachträgliche Eintritt Japans erfordere eine neue Lesung der ganzen Antwort. Doch scheint diese Begründung nicht stichhaltig zu sein, da von anderer Seite andere Gründe angegeben werden, die ebenfalls nicht als stichhaltig erscheinen. Wahrscheinlich ist die Uneinigkeit im Friedensrat an der Verzögerung schuld. Nach den meisten Blättern wird man Deutschland 8 Tage Zeit zur Ueberlegung lassen.
Clemeneeem entschuldigt sich!
Versailles, 18. Juni. Bei der deutschen Delegation ist eine Note von Clemenceau eingelaufen, worin das Bedauern über die Pöbelausschreitungen bei der Abreise der deutschen Friedensabordnung ausgesprochen wird. Der P äsest des Seine-Leparlements ist beauftragt ji Bergmanns Ssstztertsin.
Roman von Martin Förster. 12
(Fortsetzung.)
„Ja, er ist erst acht Tage hier, aber er scheint ein tüchtiger, junger Mensch zu sein, ruhig und anstellig. Soll ich ihm sagen, daß er herkommt, wenn er fer- || tig ist?"
„Ja tut das."
Der Feuermann kehrte zu seiner Beschäftigung zu rück und Sachse beugte sich über den Tssch und schrieb seinen Morgenbericht über den Zustand des Bergwerks und die Zahl t er darin beschäftigten Leute. Er war kaum damit fertig, als die Tür sich öffnete und ein gebräunter, gut aussehender, junger Bursche eintrat.
Es war Franz Degow, wie John ihn genannt hatte, der neue Arbeiter im Herrenschacht, und zwar ■ würde Jutta in ihm den jungen Wanderer erkannt M haben, den sie vor dem Eingang ihres Hauses mit einem Trunk Milch erquickt hatte.
Degow kannte natürlich das verwandtschaftliche Verhältnis zwischen dem reizenden Ma chen und dem Unteraufsther. Nachdem er im Bergwerk Arbeit gefunden, hatte er sich eine Wohnung im Dorfe gesucht nd am andern Morgen sein Werk begonnen. ES war ihm nicht schwer geworden, feine natürliche Neu- "ierde in Bezug auf das schöne Mädchen, welches sich Shm so barmherzig erwiesen hatte, zu befriedigen, und ies war wie selbstverständlich, daß ihn seine abendlichen ErholungSgänge in die Nähe der Sachseschen Wohnung führten. Dabei hörte er denn zuweilen Urteile über den jetzigen Unteraufseher und seine Tochter. Beide genossen allgemeine Achtung. DaS junge Mädchen
worden, mündliche Entschuldigung beirmGesandttn Daniel^ vorzubringen. Der Prüfe!» Ehaleil und der Polizei- kommilssar Quadatlle, der nicht genügend Vorkehrungen getroffen hat, werd.n beide von ihren Posten abberufen.
— U.ber den Inhalt der Friedensbedingungen der Türkei verlautet, daß daS türkische Reich in Kleinasien weiter bestehen wird. Der Sultan wird die gesamte politisch-religiöse Oberaufsicht erhalten. Die Türkei muß auf alle Rechte über Konstantinobel verzichten, das unter internationale Kontrolle gestelle wird.
Rückreise der deutsche« Delegation.
Die deutsche Delegation ist Montag abend von Versailles mit Äonderzug abgereist. Auf der zwanz'g- stündigen Fahrt nach Weimar wird die Ueberfitzung des Dokoments ausgeführt werden. Einige Kommissare bleiben in Versailles.
Die Ankunft der Delegalion in Weimar erfolgt Dienstag Mitternacht. Am Mittwoch wird in aller Frühe das Kabinett zusammentreten. Im Laufe des Mittwoch werden dann Verhandlungen zwischen den Sachverständigen, die in die FriedenSstelle des auswärtigen Amtes berufen worden find, stattfinden und am Donnerstag wird die Nationalversammlung zur Antwort der Entente Stellung nehmen.
Häßliche Szenen.
Versailles, 16. Juni. Auf der Fahrt vomHoteldes Reservoirs zum Bahnhof vonNoissy-le-Ret, vonwoturSonder- zug der deutschen FriedenSdelegation nach Weimar abfuhr, wurden aus der Menge heraus nach einzelnen Autos Steine geworfen. Es wurden infolgedessen mehr oder weniger leichtverletzt das Mitglied der Delegation Dr. Melchior, Oberstleutnant v. Inländer, Assessor Dr. Mey>r und Frau Dornblüht, die an der Seite des Reichspostministers GiesbertS saß. Die Kundgebungen der Menge dauerten den ganzen Abend fort und verstärkten sich zum stärksten Johlen, Rufen und Schreien als sich die Mitglieder der Delegation auf der Straße zwischen den Hotels des Reservoirs und den Hotels Suisse und Vatel zeigten.
Die militärische Drohung.
Basel, 16. Juni. Wie die „Angence Centrale" meldet, sind von den Generälen Foch und Sir Douglas Haig für den Fall der NichtunterZeichnung des Vertrages Innerhalb der gestellten Frist folgende Maßnahmen beschlossen worden: Strenge Blockade und allgemeiner Vormarsch auf Berlin. Die Belgier, die zunächst Düsseldorf, Essen und Münster besetzen würden, würden über Westfalen, die Amerikaner über Wetzlar und Frankfurt, die Franzosen über Hanau, Würzburg und Ulm marschieren; die britische Armee würde mit den Belgiern vorrücken.
wurde viel bewundert und zugleich wohl ein wenig beneidet. Sie schien eine gewisse Ausnahmestellung im Dorfe zu behaupten und hielt sich von den übrigen Mädchen, namentlich aber von den Burschen, in angemessener Entfernung. —--
Als Franz Degow sich seinem Vorgesetzten zur Verfügung stellte, befahl ihm dieser, sich erst durch ein Frühstück zu stärken, da die bevorstehende Inspektion sie mehrere Stunden in Anspruch nehmen würde.
Etwa vierzig Minuten später befanden sich beide auf ihrem Wege zu den Lustgängen. Sie hatten sich ihrer überflüssigen Kleider entledigt unb, trugen nur kurze Beinkleider, Kappen und Schuhe, konnten sich somit in den vielfach gewundenen Galerien leichter fort' bewegen.
Da das Flöz in dem Herrenschacht seit länger als zwanzig Jahren im Betrieb stand, so waren die Gänge nach allen Richtungen hin so ausgedehnt. An der Westlichen Grenze war der Kohlenvorrat schon seit mehreren Jahren erschöpft und gerade durch diesen ausgebeuteten Teil liefen die Hauptluftgänge. Da Sachse fast sein Leben lang im Herrenschacht gearbeitet hatte, so gab es kaum einen Winkel in demselben, den er nicht kannte. Er schritt, von Degow gefolgt, auf dem steilen Wege, welcher als Nummer drei bekannt m d seit langer Zeit nicht mehr betreten war, vorwärts.
Sie mußten mehrmals stehen bleiben um Atem zu schöpfen, doch war ihr Fortschretten verhältnismäßig leicht, obgleich die Decke an manchen Stellen Herunter- gefallen war und den Weg streckenweise verschüttet hatte. Aber ab sie sich nordwärts wandten, wurde die Sache beschwerlicher, da die alte» Galerien, welche man hier durchwandern mußte, noch enger und nie-
Die AuSWauderuwge» nach Friedensschluß
Man schreibt uns: In den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung, unter Studierten, Offizieren, Kaufleuten und Arbeitern, besteht vielfach die Absicht auSzuwandern, um sich im Ausland eine Lebensstellung zu erringen, die die deutsche Heimat infolge der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht zu bieten vermag. Da das frühere hauprsächlichste Ziel der europäischen Auswanderung, die Vereinigten Staaten, für die ersten fünfJahre nach Friedensschluß infolge des erlassenen Einwanderungsverbotes den Einwanderern verschlossen ist, und die anderen feindlichen Ländern überhaupt nicht in Betracht kommen, setzt die überseeische Auswanderung ihre Hoffnungen in erster Linie auf die südamenkantschen Länder, die während des Krieges neutral geblieben sind. Es erscheint aber geboten, um Enttäuschungen vorzubeugen, darauf hin- zuweisen, daß gerade diese Länder schon jetzt das Ziel einer sehr starken Auswanderung sind. Nach Berichten amerikanischer Blätter hat seit etwa zwei Monaten eine außerordentlich starke Auswanderung aus den Bereinigten Staaten eingesetzt, und an ihr find auch die Deutschen in großem Umfang beteiligt. Gerade sie suchen aber ganz überwiegend die Länder von Mittel- und Südamerika auf. Diese starke Abwanderung aus der Union ist unzweifelhaft auf die feindselige Simmung zurückzuführen, die infolge des Krieges in den Vereinigten Staaten gegen die Deutschen herrscht. Bevor also aus Deutschland selbst Auswanderer nach Südamerika gelangen können, ist dort jedenfalls schon ein Teil des vorhandenen Bedarfs an Arbeitskräften gedeckt. Diese Tatsache sollte in Deutschland beachtet werden. Aber auch die neutralen europäischen Länder bieten durchaus nicht so günstige Aussichten für eine Auswanderung, wie vielfach angenommen wird. In den nordischen Staaaten beispielsweise hgben Deutsche, wie von sehr gut unterrichlrter SeRe^mlfgeteilt nur Aussicht auf eine Anstellung, wenn sie der betreffenden Landessprache vollkommen mächtig sind und eine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen. Wo diese Voraussetzungen fehlen, muß vor einer Auswanderung in diese Länder dringend gewarnt werden.
Deutsches Reich.
— Zur Linderung der Notlage der Armen in Deutschland überwies der Papst dem Zentralausschuß des Vinzenzvereins 50 000 Franken.
— Die Schweizer Lebensmittellieferungen für Deutschland bestehen nach dem bis 1. Oktober geltenden Abkommen in monatlich 50 Wagen Milcherzeugnisse, 25 Wagen Vollreis, 25 Wagen Schokolade oder Kakaopulver, 70 Wagen Fruchtkonserven, 5000 Stück Vieh und 2 500 Stück Ziegen. — Ter^Nagen ist zu 10 000 Kilo netto zu verstehen. — Deutschland liefert dagegen Kohlen, Eisen, Kali, Thomasmehl und Rohzucker.
driger wurden und die Derschüttungen vollständig den Weg versperrten.
Sie mußten häufig auf allen vieren über das Geröll kriegen, so klein war der Raum bis zur Decke, dazu befanden sie sich in nicht geringer Gefahr, denn über ihnen hingen lose Steine, welche die leichteste Be- lrührung zum Fall bringen und auf sie Herabstürzen lassen konnnte.
Es gelang ihnen jedoch ohne Unfall vorzudringen, bis sie die. Stelle erreichten, wo Sachse vor mehr als zwanzig Jahren gearbeitet hatte.
Hier ruhten sie eine Zeitlang aus, und Sachse sagte unwillig: „Es ist wahrhaft abscheulich, die Hauvtluftgcknge in einen solchen Zustand kommen zu lassen. Kein Wunder, daß die Arbeitsstellen schlecht verfilteren, wenn diese Gänge in solcher Unordnung sind. Ab.r in einigen Monaten soll es anders aus- sehen, bafir verbürge ich mich.
„Ja, das muß ich auch sagen, so verfallene Gänge habe ich ckoch nicht gesehen," meinte der junge Mann.
„Ihr habt wohl schon in Bergwerken gearbeitet?" fragte der Luffeher.
„Ich bin seit zwölf Jahren in Kohlenbergwerken beschäftigt gewesen und habe jede Arbeit verrichtet."
„Versteht Ihr etwas von Gas und schlagenden Wettern?"
„Ich dächte doch wohl."
„Nun, wenn Ihr Euch gut macht, will ich sorgen, daß Ihr vorwärts kommt," sagte Sachse, dem die offene Art Degow» gefiel, dann setzte er hinzu: „Ich werde sofort hier ausräumen lassen. Hier müssen sich ja unbedingt schlechte Gase entwickeln. Wir wollen zwei oder drei von diesen alten Wegen untersuchen. Nehmt Ihr die Gallerie oben, ich will nach unten gehen. (Fortsetzung folgt.)