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mitAmtlichem Kreisblatt". WscheÄeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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M 48 Samstag, den 14. Juni 1919. 70. Jahrgang

Amtliches.

An die

GiMshmr her Prövlsz HrsssK-Naffs«.

Für den Fall eines VsrrückrnS der feindlichen Tr«ppm ergeht hierdurch an die Bevöikrrung in Staat und Land die ernste Mahnung, nicht planlos die Flucht zu ergreifen, sondern in Ruhe und Fassung dem Un vermeidtichen emgezenzufthen. Der Erste Schutz für Haus und Hof ist das Verbleiben am Orts. Das hat die Kriesserfahrung immer wieder gelehrt. Ein Ab strömen in die östlichen P,ostnzm und die daraus entstehende Anhäufung odSachlofer Menf..,enmassen würde zudem unter den heutigen E:nshrung»verhSlt nisten rasch Hungersnot, Seuchen und schwerste Aus­schreitungen auer Art zur Folge Haven.

Alle Beamten haben Weisung erhalten, auf ihren Posten zu verblttden und der Bevölkerung nach Kräften zur Seäe zu stehen. Gehe also Jedermann in Ruhe der gewohnten Beschäftig ng nach, vermeide alles, was dem Feinde Anlaß zu einem Einschreiten geben könnte, und Halle sich vor Augen, daß Flüchten die Gefahren für Lkden und Eigentum unabsehbar stilgert.

Castel, den 5. Juni 1919.

Der Oberpräfident. von Trott zu Solz.

MackessrA

Von D. Reinhard Mumm, M. d. N.

Ist cs möglich, in b>-r Gegenwart sich ein Empfinden für einzelne Persönlichkeiten zu wahren, so soll der Name des FeldmarfchaSS August v. Mackensen in der ersten Reihe stehen. Auf Schloß Zutat ist schutzlos -der Wu.k..r bf F^av/fiu pflögt2 l>," sttt der letzten ungarischen Umwälzung stlbst von jeder d-mschen Zeitung abgesperrt der Feldherr, dessen westgalizische Durchbruchsschlacht vom Mal 1915 gleich seinem zwei­fachen Donauüdergmg bie Geschichte aller Zeiten zu den größten strategischen Ruhmestaten rechnen wird. Unbesiegt ward er interniert, weil er 200 OuO deutsche Soldaten vor der Jn-ernürung gerettet hat; sich selbst mußte er preisgeben.

Nach seiner Abfahrt von Bukarest am 10. No­vember 1918 hatte sich das Oberkommando zunächst nach Hermannstadt in Siebenbürgen begeben, um von dort aus den Weitermarsch oder den Bahntransport der aus Rumänien über die Karpathenpässr zurück­flutenden Divisionen zu leiten Schon da nals erließ, der GeneralfeldmarsLall angesichts der unsicheren Ge samtlcge einen Armeebefehl, in dem er sagte, er w?tbe sich erst mit denLetztenfemsäHeeres in die Heimat begeben. Es gelang in den kommenden Wochen, den größten Teil des 'Heeres abzurosten, während die Rumänen in Siebenbürgen, die Franzosen in Rumänien langsam nachrücken. Das Ob; kommando Mackensen ging nach

Verginanns TschterLein.

Roman von Martin Förster. 11

(Fortsetzung.)

Jutta" fragte er in eigentümlich bewegtem Tone, wo ist Herr Diedrich?"

Er ging so eben fort."

Und was hat er Dir gesagt, mein Kind?" Er beugte sich zärtlich zu ihr herab.

O Vater, Vater, denke Dir!" Sie schlug die Hände vor das Gesicht und brach in Tränen aus.

Er zog sie zärtlich in seine Arme, und es währte eine ganze Zeit, bis sie sich so weit beruhigen konnte, um ihm "die siatigehabte Unterredung mitzuteilen. Die gewährte Bedenkzeit war ihm eine große Beruhigung.

Sage mir nur, lieber Vater, wünschest Du, daß ich ihn heirate?" fragte sie in beinah- angstvollem Tone. _ ,

Mein Kind, ich würde Dich niemals gegen Deine eigenen Wünsche zu beeinflussen suchen. Ich mun offe i gestehen, auch mich hat der Antrag im ersten Moment nur erschreckt. Aber überlege Dir die Sache, ^utta. Die Jugend vergeht, und das Leben ist ernst. Er ist ein reicher Mann, und er würde dich auf Handen tragen."

Aber er ist so alt, und überhaupt o Vater, ich kann es nicht!" ,

Dann tu es nicht. Ich gebe dir nur meinen bübtlidfen Rat. Ich möchte dich glücklich fih n mein Kind. Ich möchte, was mich auch trcsfin möchte, Dich gegen Sorge uub Mangel geschützt wissen. Die Frau eines armen Mannes hat viel zu ertragen, ihr Leben ist oft eine lange Qnsl. Aber lassen wir das letzt. Du hast Zeit, darüber nachzudenken. Denke nur an

Groß-Wardein; der Feldmarschall nahm im Palais des ErzdifchofS Quartier. Als Mackensen sich, um für alle Fälle in der Nähe seiner Leute zu bleiben, nach dem Schloß Papa des Fürsten Esterhazi, nahe bei dem Jn'crnierungslazer Cs-t begeben wollte, wurde er auf der Durchfahrt in Ofen Pest, gewaltsam angehalten und in Schloß Foth, nördlich v. Ofen-Pest, zunächst unter ungar­ischer, dann unter französischer Bewachung interniert; von dort wurde er durch die Franzosen widerrechtlich nach dem Schloß Futak bei Neusatz an der Donau über* führt, wo er sich noch befindet.

Bis auf geringe seinerzeit in Kronstadt und Rumä­nien sesigehaliene Teile der Armee ist somit Feldmarschall v. Mackenfen allein das Opfer seiner altpreußischen Pflichtauffassung geworden.

Gott gebe dem deutschen Volk auch in der kommen­den Zeit Männer, denen die Pflichterfüllung alles ist; Gott schenke dem Feldmarschall, daß er am 1. Oktober, an dem Tage, da er auf 50 Jahre Heeresdienst zurück- blicken kann, wieder unter den seinen weilt!

Deutsches Reich.

Gegen die Angst vor einem Staatsbankerott. Nach der Angabe des bayerischen Abgeordneten Roth- meyer soll der Verkehrsminister Frauendorffer geäußert haben, daß ein bayerischer Staatsbankerott nicht mehr zu vermeiden fd. Dieser Minister genießt kein großes Ansehen. Auf seine Aeußerung ist daher kein beson­derer Wert zu legen, Bayern allein kann ohnehin nicht bankerott machen, seine Finanzen sind viel zu eng mit denen des Reiches verbunden. Leider hat die Aeußerung des Ministers in verschiedenen bayerischen Staaten die Sparer verängstigt und einen Sturm auf die Sparkasse hervor;emfen. Vor den Nürnberger Sparkassen wurden in kurzer Zeit zwei Millionen Mark abgehoben. Die Vorsicht dieser ängstlichen Sparer war zwecklos, da sie ihr Guthaben nur in Papiergeld aus gezahlt erhalte« sonnten* Wenn Bayern oder das deutsche Reich genötigt werden sollte, einen Staats- bankmott zu erwägen, so würde auch das Papiergeld in Mitleidenschaft gezogen werden und von feinen Nennwort entsprechend verlieren. Mit dem finanziellen Geschick des Reiches und Bayerns sind alle Besitzer deutscher Schuldverschreibungen und deutschen Pavier- geldes unlösbar verknüpft. Darüber sollte sich jeder Deutsche klar sein.

Protest der vergewaltigten Völker. Eine von Tausenden besuchte Massenkundgebung der Vereinigung der vergewaltigten Völker und der Schutzbund für Grenz- und Ausländsdeutsche in Berlin sandte folgenden Funk-pruch an alle Völker: Die erste seit Kriegsaus­bruch tagende internationale Versammlung, die besucht vZn Tausenden von Männern und Frauen, erhebt nach Ansprachen eines Amerikaners, Aegyrt-rs, Chinesen, Inders, Iren, Persers, Türken, Tu-kestaners, Albaners

Dich allein. Wenn Du einen ganz festen Entschluß gefaßt hast, wollen wir wieder über die Sache reden." ---

Inzwischen war der ältliche Bewerber des schönen Mädchens ganz wohlgemut nach Hause gegangen. Er war nicht so töricht gewesen, sich einzubilden, daß ein so selten liebliches Geschöpf wie Jutta sich sofort in seine Arme werfen würde. Er hatte sogar von Vater und Tochter einen weit heftigeren Widerstand gegen seine Wünsche vorausgesetzt und war folglich noch ganz froh gewesen über das Resultat feiner Anfrage.

Die Beförderung des Vaters zum Unteraufseher war ihm in erster Linie nur Mttel zum Zweck Ein solches Entgegenkommen seinerseits mußte die Betreffen­den für ihn einnehmen, ganz abgesehen davon, daß er überzeugt war, den Mann durchaus an feinen rich­tigen Platz gestellt zu habe». Nun sah er in aller Ruhe der weiteren Entwickelung der Dinge ent­gegen.

Seit jenem Abend im Garten war eine Woche ver­gangen. Sachse war bereits in seine Stellung als Unter äusserer eingetreten und mit vielen Zeichen der Genugtuung von feiten der Bergleute und Beamten im Platz begrüßt worden.

Er war von Jugend auf eine sehr populäre Per­sönlichkeit gewesen, stets geachtet wegen seines Fleißes und'seiner geistigen Fähigkeiten. Auch seine bewährte Unerschrockenheit, die er in vielen.en von Streitig­keiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern bewiesen, hatte ihm das unbedingte «ertrauen der Bergleute gewonnen, deren Vorgesetzter er jetzt war.

Eines Morgens kurz nach sechs Uhr befand sich der neue Unteraufseher mit den Feuerleuten in seinem

und einer Viamen, sowie eines DeutschOesterreicherS eines Elfeß Lothringers, Schleswig-HolsteinerS, eines Vertreters der Rtzeinlande, des SaargebietcS, der Pfalz und der deutschen Oftmarken stürmischen Einspruch gegen den G^waltfeieden, der der Welt rufgezwungen werben soll. Zum Heile der Menschheit fordern wir einen Frieden des Rechts und der Verständigung, um der Bölkerversöhnung die Bahn zu ebnen. Die Friedens­bedingungen über das SUbstbestimmungSrecht der Völker find ein Hohn auf den Geist der Wilfonschen Grundsätze. Wir fordern das Recht unbeeinflußter Selbstbestimmung für alle vergewaltigen Völker und Völkerteile und wirklichen Schutz der Minderheiten in allen Ländern der Welt. Die unerhörten Opfer des Weltkrieges, unter denen alle Völker gelitten haben, müssen eine Weltwende zur Folge haben, die allen unterdrückten Vöikrrn Freiheit gibt und allen Völker­morden für immer ein Ende macht. Nur so kann die Welt zu einem dauernden Frieden gelangen. Wir richten diesen Pfingstruf an alle Völker der Erde, um dem Geist der Menschlichkeit zum Stege zu verhelfen.

Englands handelspolitische Pläne. In England stehen- wieBerlingske Tiddende" aus London berichtet große handelspolitische Pläne vor ihrer Verwirklichung die darauf susgehen, so schnell wie möglich den eng- lischen Warenexport nach dem nichtbolschewistischen Rußland wieder in Gang zu bringen. Zur Sicherung der Exporteure gegen das abnorme Handelsrisiko bei dem Verkehr mit Rußland wird ein großes staatliches V:rsicherungSfystcm geschaffen werden, das übrigens auch dem russischen Export zugute kommen soll. Von verschiedenen Großbanken sind englischen Unternehmern nicht unbeträchtliche Geldmittel zur Verfügung gestellt worden. Man hofft in England, durch diese zeittZen und energischen Bemühungen der amerikanischen und einer späteren deutschen Konkurrenz in Rußland vorzu- kommen. Der scharfe englisch-amerikanische Konkurrenz­kampf nimmt übrigens immer heftigere Formen an. Täglich wiederholen die amerikanischen Blätter ihre Angriffe gegen die englische Zensur, die in anscheinend berechnender Weise die amerikanische Handelskorre« spondenS verzögere und i «durch unwirksam mache.

Daily News" vom 29. Mai geben eine Be­kanntmachung wieder, wonach aus England nunmehr Lebensmittelpakete bis zu zwölf Pfund Gewicht nach Deutschland, Oesterreich und Ungarn gesandt werden dürfen. Die Pakete müssen durch Vermittlung des Emergency Commitee, 27 Chancery Lane, London AE., abgeschickt werden und dürfen 2 Pfund kondensierte Milch, 2 Pfund Schinken, Eier, Fett usw., 2 Pfund Butter oder Margarine, 2 Pfund Mehl »der chülsen- früchte, 2 Pfund Tee, Kaffee, Kakao, 1 Pfund Seife enthalten. Ferner dürfen auch Kleidungsstücke und Unterwäsche für den persönlichen Gebrauch verschickt werden.

Berschlage. Vor zehn Minuten waren die letzten Berg" leute in den Schacht gestiegen und jetzt auf dem Wege zu ihren Arbeitsstellen. Die Leute der Tagesschicht waren zu verschiedenen Teilen deS B.rgwerkS geschickt. Der Aufseher und seine Gehilfen waren oben an dem Schacht emsig beschäftigt.

Die Knechte fuhren gefüllte Wafferkübel zum Schacht und rahmen leere zurück. Alles war in vollem Gange.

Ich möchte heute eine gründliche Untersuchung aller Luftgänge vornehmen," sagte Sachse zu eine« Feuermann.Habt Ihr Zeit?

Oben bei Nummer drei ist eine verstopfte Stelle", entgegnete dieser,wir wollen heute versuchen, sie zu reinigen."

Dann ist er besser, Ihr tut dar, John. Vielleicht kann ich die Luftgänge allein untersuchen. Ich glaube, einige sind in sehr schlechtem Zustand."

Ja", erwiderte der Feuermann.Lena sprach oft davon, daß er sie reinigen lassen wollte, aber ich glaube, der Herr scheute die Kosten."

Wenn die Luftgänge schlecht find, so müssen sie auSgedessert werden. Wie würde el uns ergehen, wenn der Berginspektor uns einen unerwarteten Besuch machen sollte? Habt Ihr jemanden, der mich begleiten könnte?

Ta ist ein Arbeiter oben, der einen Ganz rei­nigt. Er wird vielleicht in einer halben Stunde fertig sein."

Wer ist e»?"

Franz Degow."

Franz Degow? Ich kenne ihn nicht. Ist er ein neuer Arbeiter?"

(Fortsetzung folgt.)