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mitAmtlichem Kreisblatt". Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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M 47.

Mittwoch, den 11. Juni 1919.

70. Jahrgang

die Beiräte zur Errichtung von Berufsämtern und für die Kommissionen zur Freimachung von Arbeitsstellen und empfahl zu letzterer die besondere Rücksichtnahme auf Facharbeiter und auf solche, welche in der Um* gegend des Ortes ihrer Arbeitsstelle wohnen. Einer Anregung auf weitere Erhöhung der Zündhölzer- Höchstpreise wurde nicht stattgegeben. Wegen der Ver­sorgung mit Kohlen und Spiritus beschloß die Handels­kammer persönlich in Berlin vorstellig zu werden. Sie ist dem Teutsch-Schwedischen und dem Deutsch-Ameri­kanischen Wirtschaftsverdand als Mitglied beigetreten und hat sich für die Errichtung einer Deutschen Han­delskammer in der Schweiz ausgesprochen. Sie sprach sich ferner dafür aus, daß für Detailgeschäfte Aus­nahmen von der Sonntagsruhe genehmigt würden je nach Lage der geschäftlichen und örtlichen Bedürfnisse und mit Rücksicht auf vorwiegend ländliche Kundschaft. Einen Antrag auf Wiedereinführung der MittagSzüge Hanau Friedberg beschloß sie zu unterstützen; diese verkehre« wieder seit dem 19. L. MtS. In Bildung begriffen ist ein LandeSauSschuß der preußischen Han­delskammern, welcher eine engere Verbindung zwischen ihnen und den zentralen Stillen von Verwaltung und Gesetzgebung vermitteln wird. Die Handelskammer wird in den Ausschuß voraussichtlich ein stellvertret. Mitglied zu entsenden haben.

* Höchst a. M. Infolge des Abwehrstreiks gegen dieRheinische Republik" haben die Franzosen in Höchst drei Arbeiter verhaftet, die sie offenbar als An­stifter des Streiks ansehen. Einer der drei, der Lackierer Krämer, ist wieder entlassen worden, er ist am ganzen Körper blau geschlagen. Die beiden anderen, Stadler und Schwitzinger, sitzen noch. Sie werden derart mit Gummifchläuchen und Reitpeitschen mißhandelt, daß man ihr Schreien mehrmals,bis auf der Straße hörte. Die Bevölkerung ist im höchsten Maße empört über den brutalen Terror, dem ruhige und ehrenwerte Männer ausgefitzt sind, bloß deshalb, weil sie in dem Demon­strationszuge am Dienstag hinter einem SchildHoch lebe das einige Deutschland!" hergingen.

* Witzenhausen. Die erste Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Kreiswirtschaftsverbandes gestaltete sich zu einer Kundgebung der Landwirte aus dem ganzen Kreise, da Mitglieder und Vertreter von weit­aus mehr als der Hälfte der Gemeinden des Kreises vertreten waren. Um 1'/, Uhv fand zunächst eine Tagung der Vertrau.nsmänner statt, in welcher die Satzungen des Kreiswirtschaftsverbandes eingehend besprochen und der Entschluß gefaßt wurde, dahin zu arbeiten, einen einigen Block der Landleute des Kreises Witzenhausen zu schmieden, der daran mitarbeiten soll, unser schwer barniederliegendes Vaterland aus dem Elend wieder zu lichteren Höhen emporzuführen. An diese eindrucksvolle Sitzung schloß sitz die indem Saale der K^one anberaumte öffentliche Versammlung, der mehrere Hundert Landwirte und zahlreiche Freunde der Landwirtschaft beiwohnten. Den Hauptpunkt der Ver- sammlung bildete der Vortrag des Dircktors des PcovinziallandbundcS der P ovinz Sachsen und Anhalt. In fesselnden Worten setzte er die Beweggründe aus­einander, die den Landwirt zwingen, alle persönlichen Wünsche in den Hintergrund zu stellen und mit allen Landleuten Deutschlands zusammen einen großen Bund zu bilden, der die wirtschaftlichen Jnteresfin der Land­wirte nachdrücklichst wahrnimmt und der dafür sorgt, daß die Landwirtschaft in Parlament und Regierung die Vertretung erhält, die ihr als dem stärksten Bürgerstande unseres Vaterlandes' gebührt. Auf welche Weise die zusammengeschlossenen Landleute dieses Ziel erreichen können, erläuterte er an dem Ausbau der in der Bildung begriffenen Organisation, die bereits einen starken Unterbau in den in verschiedenen Provinzen gegründeten Landbunden besitzt. ES wird dabei nicht wie es früher der Fall war, centraltsiert, sondern die Kraft des Bundes liegt in der Dec.ntralisation, wodurch die Arbeitskraft der einzelnen KreiSorganisationen gestärkt und die ArbeitSfreudigkeit gefördert wird. Weiterhin wu-de die Fassung der Satzungen beraten, die nach Klärung entstandener Wiedersprüche volle Uebereinstimmung ergab. Daran schloß sich die Wahl des Vorstandes, in den 17 Herren aus den verschiedensten Teilen des Kreises gewählt wurden. Nach Bekanntgabe einiger Wünsche seitens der Mitglieder über die Nächst­liegenden Arbeiten des Kreiswirtschaftsverbandes erreichte die wirkungsvolle Kundgabe der Landwirte des Kreises Witzenhausen gegen 6 Uhr ihr Ende. Wir hoffen, daß auch in unserem Kreise bald ein Zusammenschluß der Landwirte erfolgt. Der Geschäftsführer deS land­wirtschaftlichen Kreiswirtschaftsverbandes in Witzenhausen ist zu jeder weiteren Auskunft bereit.

Deutsches Reich.

15. Juni der drohende Tag des Gerichts für F-ankreich. Seit Wochen ist der 15. Juni immer wieder als Tag der Friedensunterzeichnung prophezeit worden. Die französische Regierung nnd Clemenceau find in schwerster Sorge. Ist bis dahin der Friede nicht geschlossen, so drohe der Generalausstand in Frankreich. Er ist für den 15. Juni angefitzt. Allmählich kristalifteren sich die Ausbünde in den ver­schiedenen Jnoustriczweigcn zu einem Massenstreik. Mit dem Metallarbeiter- und Bergleutestreit ist der Auftakt zum allgemeinen Ausstand vor sich gegangen. Die nächsten 14 Tage werden sichtbar die um sich greifende Arbeiterbewegung ihrem Gipfelpunkt entgegenführen. Der 15. Juni ist aber nicht nur der Termin für den Generalstreik, sondern auch der Tag, an dem sich eine Anzahl französischer Regimenter selbst demoslisieren will. Das steht aus drücklich in Zuschriften, die von Soldaten an dieHumantie" und andere Gewerkschafts- blätter gerichtet werden. Die Frage, ob Clemenceau noch einmal den Retter des Vaterlandes spielen könne wird sich sehr bald entscheiden.

Wie unsere Kriegsgefangenen denken. In dem Briefe eines deutschen Militärs, der das Gefangenen­lager von MonLoier besucht hat, heißt es, die deutschen Soldaten würden dortvon den Franzosen absichtlich durch Hunger, Frost und falsche ärztliche Behandlung dezimiert". Der Briefschreiber habeGrauenvolles" gesehen und gehört, es sei deshalb die höchste Zeit, daß die deutsche Regierung die Rückgabe der Gefangenen durchsetze. Dann Hefit es wörtlich in dem Briefe: Aber trotz allem lauten die Grüße, die mir Offiziere und Mannschaften auftrugen: Sage der Heimat: Wir wollen lieber noch länger bulLeu, -4s rin_Mtex-, land wiederfinden, das den Umsturz der Ordnung vor* zieht, und das Unrecht und Verbrechen zum Herrscher über die nationale Würde macht. Lieder in der Fremde sterben, als um den Preis eines schmählichen Friedens zurückkehren."

«Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, den 10. Juni 1919.

* Ein Frevel an Nrtur und Ernährung. Die Unsitte blühende Zweige von Bäumen herunterzureißen, macht leiser auch vor den Obstbäumen nicht Halt. Da­durch wird in weitem Maße die künftige- Obsternte die für die ohnehin knappe Ernährung eine Rolle große Rolle spielt, stark in Frage gestellt. Das Ernährungs- ministerium rietet bayrr an die Bevölkerung die dring­ende Mahnung, mit Rücksicht auf die Versorgung mit Frischobst, die Obsternte nicht durch gewaltsame Ver­nichtung der Blüten zu schädigen. Es fei auch jedes unnötige Zertreten von Gras und Getreideflächen ver­mieden. Bet der Rahrungsmittelnot darf kein Halm zugrunde gerichtet werden.

* Plenarsitzung der Handelskammer zu Hanau am 7. Mai 1919. Die im Februar d. Js. ncugc- wählten Handelskammermitglieder, die Herren Heinrich Deines, Karl Gereth, Carl Ginsberg und Otto Zimmer­mann zu Hanau, Ludwig Grau zu Bad Orb und Lorenz HcuoelS zu Tann (Rhön) wurden in ihr Amt eingeführt und den ausgeschiedenen Herren Fritz freutet und Ernst Zimmermann zu Hanau und Franz Schüßler zu Gersfeld wurde der Dank der Handelskammer aus­gesprochen. Soweit erforderlich, wurde die Zusammen- s tzung der Ausschüsse und Fachausschüsse der Handels­kammer erneut dezw. ergänzt. Zur Erhöhung der Zusammenarbeit ihrer Mitglieder und um diesen häufiger Gelegenheit zu persönlichen Aussprachen mit dem Vor­stand zu geben, beschloß die Handelskammer, für ste monatliche Sprechtage einzurichten, welche an jedem ersten Mittwoch im Monat statifinden werden; Wünsche hierzu empfiehlt fich für die Firmen des Bezirks, recht, zeitig der Handelskammer oder einzelnen ihrer Mitglieder zu unterbreiten. Nach Entgegennahme emes Berichts über die Tätigkeit der Handelskammer vom 1. Januar bis 30. April d. Js. wurden verschiedene Etatangelcgen- heiten erledigt und neue Gebührensätze für beeidigte Edelmetallpropierer aufgestellt. Zu den Gesetzentwürfen für Kriegsabgaben 1919 beschloß die Handelskammer eine Eingabe, welche hauptsächlich beantragt, Cmzel- unternehmern die gleichen Erleichterungen w.e Aktien- gesellschaften zu gewähren. Beschlossen wurde ferner, jede Gelegenheit zu benutzen, um auf schleunigen Abbau der Zwangswirtschaft hinzuarbeiten und an ständiger Stelle insbesondere auf die Gefahr der Sclbstyulfe hinzuweisen, zu welcher manche gewerblichen Kreise durch die ihnen auferlegten Beschränkungen gedrängt wurden. Die Handelskammer benannte Mitßlieder für

Mein Vaterland.

Teuer bist du mir gewesen,

Mein geliebtes, deutsches Vaterland, Ueber deine Schwelle, aus der Fremde kommend, Trat ich stets, die Schuhe in der Hand.

Und mein Herz, das heimwehkranke, brannte, Wie ein Wunder war's, das mir geschah, Schöner schienst du mir als alle Lande, Schöner, als die schönsten, die ich sah.

Und der Fremde Wunder, Glanz und Schimmer Schwanden mir vor deines Zaubers Licht, Aber so wie jetzt liebt' ich dich nimmer, Heimat, oder wußte ich's nur nicht.

Jetzt, wo dich, die sonst so freie, frohe, Wild umkrallt die tiefste, schwerste Not, Flammt dir meiner Liebe heilge Lohe Strahlend, lodernd, treu dir bis zum Tod.

Und ich will die Töchter und die Söhne, Vaterland, die in der Irre gehn, Deine hohe, wundersame Schöne

Lehren wieder liebend zu verstehn. I. W.

Vermischt.

Eine Ehrengabe für Eberhard König. Die Langhans- Stiftung des Deutschbundes (Sitz Sotha) zur Ehrung völkischer Dichter und Künstler verlieh ihren diesjährigen Ehrenpreis von 1000 Mark dem Drama- t ker und Epiker Eberhard König in Frohnau in der Mark. Die Ehrung erfolgte als Anerkennung für die letzten drei Hauptwerke Königs: das dramatische Helden­gedichtWieland der Schmied",Geratter Tod" (ein Märchen von der Menscheit) und die LegendenVon dieser und jener Welt".

Vor dem Münchener Standgericht fand am Montag der Hochverratsvrozeß gegen den russischen BotschewlfKnLrvlnc^is^n, dc-n- Füh» »e»^ch««,. Räterepublik statt- Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt unter Ausschaltung mildern­der Umstände die Todesstrafe.

München. DieM. A. A." teilt zur Hinrich­tung Levines noch folgende Einzelheiten mit: Levine lehnte es ab, sich mit dem Gesicht gegen die Wand zu stellen. Ebenso litt er es nicht, daß ihm die Augen verbunden wurden. Als das Kommando zum Feuern erfolgte, rief der Verurteilte laut:Es lebe die Welt- revolution ! Der betgezogene Arzt konstatiert« nach Abgabe der Schüffe sogleich den Tod des Livine.

Mannheim. Ein furchtbares Familiendrama spielte sich am Samstag vormittag hier ab. Der 40 Jahre alte Postassistent Jakob Friedrich Kaufmann erschoß seine Fr m, sein 7 Jahre alte« Töchterchen und dann sich feJfl Als der 9 Jahre alte Sohn nach Hause kam, wurde das Furchtbare entdeckt. Als Grund wird Ehezwist angenommen.

Hannover. Auf dem Bahnhof Gifhorn kam es am Samstag abend zu unbeschreiblichen Szenen. Als der Zug von Uelzen nach Braunschweig den Bahnhof erreicht hatte, sperrten RegierungStruppen den Bahnhof ab und veranlaßten sämtliche Fahrgäste, ihre Hamster­ware im Zug zurückzulassen und in einen andern Zug die umzusteigen. Es erhob sich ein großer Tumult, aber RegierungStruppen setzten den ihnen gegebenen Befehl durch.

Ueber 81 Zentner Kartoffeln, mehr al» 100 Pfund Butter wurden beschlagnahmt, ebenso Speck, Schinken und Würste in großer Anzahl. Es kam zu wüsten Auftritten und Tumulten. Kurz nach 10 Uhr abend- stand plötzlich der große Werkzeugschuppen auf dem Bahnhof, der mit Heeresgut gefüllt war, in hellen Flammen, wobei auch zahlreiche Lebensrnittel verbrann- en. Es wird angenommen, daß das Feuer von den ^Hamsterern aus Rache angelegt worden ist.

Berlin. Am 31. Mai ist stromabwärts an der Stelle, wo Rosa Luxemburgs Körper in das Wasser geworfen wurde, ein weiblicher Leichnam geborgrn worden. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß e» sich um die Leiche der Frau Rosa Luxemburg handelt. Da die in Betracht kommenden amtlichen Stellen erklärten, daß infolge der feit Monaten betriebenen planmäßigen Hetze mit der Möglichkeit von Aufläufen vor dem Schauhause zu rechnen fei, wohin der Körper gebracht worden war, verfügte da» Oberkommando die Ueberführung der Leiche nach dem Garnisonlazarett in Hoffen. Alle weiteren Maßnahmen und Anordnungen hat der zuständige Richter in völliger Freiheit und Selbständigkeit zu treffen.

In Berlin hat man Proben mit einer Propeller­eisenbahn gemacht, wozu berufene Sachverständige ge­laden waren. Die Propellereisenbahnen werben durch Flugmotoren und Propeller getrieben, die ähnlich einem Flugzeug am ersten Wagen angebracht find.