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mitAmtlichem Kreisblatt".----- Wochesbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag preis mitAreisblatt vierteljährlich 2 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum {5 pfg.

M 45 Mittwoch, den 4. Juni 1919. 70. Jahrgang

KmaenH

gilt evangelisches Weltkonzil.

Der Volkskirchliche Arde'tSverband evang. Gemein- stn und Vereine Groß Berlins hat folg nden Funk- pruch an vier hervorragenden Vertreter der eoang. Christenheit im neutralen uub feindlichen Ausland 'sErzbtschof Cöserblom, Upsala (Schweden), den Präst- rMten des Komitees zur Gebetsgemeinschaft für den ^ttebin Balt in Ede (Holland), Rev. F. P. Meyw ^n der Christuskirche in London und D. John Mott, Leiter der Christl. Siudemenvereinigung in den Ver­einigten Staaten) zur Uebermittlung an die ihnen nahe- 'sichenden Kreise gesandt:

Die evangelische Christenheit Berlins ist aufs , tiefste irschütttrt durch die uns von unsern Gegnern in "Dersailles zugemuteten Friedensbedingungen. Diese .Kcdingungm, die unsere Frauen und Kinder zumlang- Jamin Verhungern und unser ganzes Volk auf Gene­rationen zum Frondienst b^s ausländischen Großkapita­

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lismus verurteilen, 8 Millionen Deutsche in den öst- J^en und westlichen Grenzmarken gegen ihren Willen meiner iremben Herrschaft unterwerfen und das evan^ lische G aubenSteben in dielen Gebieten auf schwerste bedrohen, stehen in unvereinbarem Widerspruch mit dem CI flogramm des Präsidenten Wilson, das Deutschland um Niederlcgm der Waffen veranlaßt hat Sie dienen liebt dem Frieden unter den Völk ru, sondern '^ en Haß und bereiten neue Kriege vor.

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Ist eS nicht genug des MordenS und Fassens? sollten nicht die evangelischen Christen der gangen

mi Bett ohne Unterschied der Partei und des Bckcnnt- iss s sich zu einem flammenden Protest gegen einen tnj stieben erheben, wie ihn die alten Babylonter und tömer ihren besiegt, n Feinden aufgezwungen haben?

>n( Wir sind zwar bereit, jedes Opfer zu bringen, um die 20 «echttgten Gchadenrrfstzansprüche unsers Ge-?.or zu

»efriedigen, aber wir fordern, daß das freie Selbsibe-

limmungsrecht der Völker auch den Bewohnern unserer )st- und Westmarken zug^billigt wird, daß unsere

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))n mglücklichen Gefangenen endlich in die Heimat entissien "-Sverden und daß den deutschen Missionszesellschaflen .ßj ms gleiche Recht zur Mitarbeit an der Erfüllung des göttlichen Misfior.sbrfehls wie auch den anderen

gewährt wird.

J Evangelische Christen! Eure hart bedrängten deutschen Glaubensgenossen bitten Euch: Gedenkt des letzten Willens unseres Heilandes,daß sie alle eins seien" und bezeugt die Solidarität der evangelischen Christenheit durch Euer Eintreten für uns. Laßt uns einander die Hände reichen und gemeinsam daran Arbeiten, daß Friede auf Erden werde! Um das zu erreichen, schlagen wir die Einberufung eines evange- lischen WeltkonzilS vor, auf dem über den Wiederauf­bau der durch den Krieg zerstörten Weltmission ver­handelt werden sollte. Wir halten den Erzbiichof Eöderblom von Upsala für die geeignete Pe sönlichkeit, um solches Weltkonzil einzuberufen."

Eine von einigen Tausenden besuchte Volksversamm­lung Berliner Evangelischer im Lustgarten zu Berlin am' 25. d. Mts. stimmte einmütig dieser Ent­schließung zu.

Nach der vorläufigen preußischen Verfassung sind die Rechte des Kömgs von Preußen, soweit er der oberste Herr der Landeskirche war, auf 3 evangelische Minister überg.'gangen. Als Minister in evangsttsche Angelegenheiten hat das Staatsministerium den Effen^ bahnminister Defer, den Finanzminister Dr. Südelum und den Mini ter des Innern Heine bestimmt.

Die preußische Rettungsmedaille, die das Bild Friedrich Wilhelms 111 zeigt, wird künftig nicht mehr verliehen. Ueber eine neue Auszeichnung w.rd Der handelt. , , .

| Berlin. Wie dieP. P. N." hören, hat das . preuß. Staatsministerium einen Beschluß gefaßt, n.ch dem neben den auf Grund eines ganz demokratischen Wahlrechts gewählten Gemeindevertretungen kein Anlaß für das Wetterbestehen der Arbeiterräte mehr als gegeben angesehen wird.

D»e Hebung der Einfuhr von Lebensmitteln wird von Berlin genuldet. Aus der Schweiz sollen 20 Waggons Käse kommen. Aus Holland und Dänemark sollen L; den letzten Tagen viel gün-ltgere Angebote in Butter und Fett vorliegen a s noch vor wenigen Woch.n. Der Botte:preiü bet ug damals noch 2223 Mark das Pfund, die neuen Angebote sollen etwa 10 Mk. für das Pfund Butter verlangen.

Unserer früherer Errährung-minister Batocki

ermähnt dringend, alles zu tun, damit wir über die nächste Zeit hinwegkommen. Er sagt: Es werden Monate folgen, wo wir verhungern müssen, wenn nicht eine gewaltige AuSlandszufuhr uns rettet. Es kommt im April oder Mai 1920 die Hungersnot, wenn die deutschen Industriearbeiter nicht bis dahin die nötigen Werte geschaffen haben, um uns die Einfuhr zu erkaufen und zwsr kommt dann eine Hungersnot, gegen welche die schlimmsten Kohlrübenmonate der Kriegszeit ein Kinderspiel waren.

Zu der deutschen Gegenforderung v. 12 850 000 000 Mark für durch die Blockade angerichtete Schäden schreibt dieD. Allgem. Ztg.", daß sich die Forderung auf die Zeit nach dem Waffenstillstand bezieht. Da seit Besitzung der Rheinbrückenköpfe Deutschland kampf­unfähig geworden war, hat die Blockade aufgehört, ein Kriegsmittel zu sein, sondern ist nichts als ein unzulässiger feindlicher Zwang zur Annahme eines DiktatfriedenS.

In einer Unterredung des ReichSministers Grafen Rantzau in Versailles mit dem Berichterstatter des Vorwärts antwortete der Minister auf die Frage, wie er die letzte Kundgebung der Unabhängigen zugunsten der Unterzeichnung um jeden Preis beurteile, dahin, er könne die tiefe Sehnsucht der arbeitenden Masse nach der endgiltigen Wiederkehr des Friedens nur zu gut begreifen. Er sei nach' Versailles mit der festen Absicht gekommen, das, was an früheren Wohlstand und Glück des deutschen Volkes noch übrig bleibe, zu verteitigen. Aber auch dieser letzte Rest würde durch die uns über­reichten FciedenSbedinzungen vernichtet, und da frage es sich, ob nicht durch eine Verweigerung der Unter­schrift diese Rettung eher zu erreichen wäre, als durch eins Unterwerfung, wie sie die Unabhängigen verlangen. Die deutschen Delegierten würden sich e den Interessen gerade der deutschen Arbeiterklasse schwer versündigen, wenn sie Bedingungen unterschrieben, die nichts anderes als verewigte Hungersnot und Arbeitslosigkeit bedeuteten. Auf die Frage des Berichtserftatters, ob er nicht fürchte, daß diese Kundgebungen doch Erfolg hätten, sagte der Minister: Jedenfalls nicht den, daß sie mich veranlassen könnten, meinen festen Entschluß aufzuzeben, nichts zu unterschreiben, was nach meiner und aller Sachver­ständigen Überzeugung einer Vernichtung des Volkes gleichkommt.

Zu dem rheinischen Hochverrat. Auch die Zentrumsblätter bringen jetzt, da sich alles im Rhein­land gegen die Loslösung erklärt, entschiedene Erklär­ungen gegen die Loslösung der Rheinlande. Die Köln. Volksztg." versichert, daß die Errichtung eines rheinischen Gliedstaates nur im Rahmen des Deutschen Reiches erfolgen sollte.

Bayerns Finanzen. Im Aeltestenausschuß des bayrischen Landtages gab die Regierung ein trauriges Bild der bcyrischen Fmanzlage. Der ungedeckte Fehl­betrag der Staatseisenbahnen beträgt allein 330 Mil. Der finanzielle Verlust durch die Räterepublik wird auf 250 Millionen Mark geschätzt.

- Wien. Großer diplomatischer Erfolg? Das Neue Wiener Journal", das zu den Ententemissionen beste Beziehungen unterhält, meldet heute in fettestem Druck: Die Deutschen haben mit ihren Gegenvor- schlügen einen großen diplomatischen Erfolg erzielt. Die bedeutsamen amerikanischen Meldungen über zu gewährende große Zugeständniffe an Deutschland lasten hoffen, daß es schließlich doch.zur Unterzeichnung des Vertrages kommt und der Welt eine Fortsetzung des Kriegszustandes erspart werden wird. Nur Frankreich wolle vorläufig nichts von den Zageständnist.n wissen, aber es sei kein Zweifel mehr, daß Amerika offen gegen Frankreich Front macht.

Einheitliche Festsetzung der Brotausbeute.

Bei den einzelnen Kommunalverbänden bestehen erhebliche Unterschiede in der Festsetzung der Brotaus- beute, die vielfach auf einseitiges Urteil der örtlichen Sachverständigen zurückjuführcn sind. Zur Behebung dieser Unterschiede hat das RetchHernährungSministerlum ordnungsgemäße Backversuche vornehmen lassen, welche ergaben, daß sich aus HO Teilen Mehl im Durchschnitt aller gebräuchlichen Backverfahren 140 bis 141 Teile ausgedackenen Brotes herstellen lassen. Für Sackgewicht und Verlust beim Aufschnitt sind hiervon 4 bis 5 Teile in Anrechnung zu bringen, sodaß man 136 a^eile Brot auf 100 Teile Mehl als Norm für die Brolausbeute f.ststellen kann. Die Verwendung der zugelastenen Brot- streckungsmittel verändert diese Ausbeute nicht wesentlich. Bei Verwendung von Frischkartoffeln sind auf je 100 Teile zu ersetzenden BrotmehleS 38 Teile roher Füsch-

kartoffeln zu rechnen. Bei Herstellung von grobem Schwarzschrstbrot kann man nach den Backversuchen mit einer Brotausbente von wenigstens 133 bis 134% rechnen. Diese Zahlen erhöhen sich für Großbetriebe um IV«. Das RUchsernährungSministerium hat daher die Kommunalverbände zur Festsetzung einer entsprechen­den Backausbeute, und zwar für kleine Betriebe von 136% und für Großbetriebe von 137%, ange­wiesen. Die Beachtung dieser Vorschrift soll durch sach­gemäße laufende Kontrolle der Bäckereien sichergestellt werden.

Zuckermaugel, Zuckermißwirtschaft, Zuckerschleichhandel.

Trotz aller Aufklärungen macht sich in der Bevöl« kerung und in der presse immer wieder eine Beun­ruhigung über angebliche Zuckermißwirtschaft bemerkbar. Demgegenüber ist festzustellen: .

Infolge des Krieges (Arbeiterschwierigkeiten, Dünger­mangel, Verkehrserschwerungen, (Kohlenmangel) ist die deutsche Zuckererzeugung gegenüber dem Frieden etwa auf die Hälfte herabgegangen. Im laufenden Jahre ist der Rückgang besonders groß gewesen, weil sowohl die Ernte wie die Verarbeitung der angebauten Zuckerrüben durch die Folgen des Waffenstillstandes und der Urn- wälzung stark beeinträchtigt wurde und weil die teil­weise Besetzung deutschen Landes, besonders der stark zuckerer^eugenden Provinz Posen, einen sehr erheblichen Ausfall an greifbarem Zucker zur Folge hatte (Roh­zuckererzeugung 1913/14 rund 42 Millionen Zentner, 1917/18 rund 30 Millionen Zentner, 1918/19 rund 25 Millionen Zentner). Der Gesamtausfall des lau« senden Jahres übersteigt ganz wesentlich die Ersparungen, die sich aus der Demobiimachun^^erotbtty_____Z

Der Verbrauch im Inland ist gegenüber FriedenS- zeiten nicht gesunken) er ist in einzelnen Gegenden und Bevölkerungskreisen gestiegen. Die gleichmäßige Ver­teilung dar Zuckers auf den Kopf der Bevölkerung zwingt an vielen Stellen zur Einschränkung gegenüber dem Friedensverbrauch. Dazu kommt eine ungeheure Steigerung des Verbrauchs an Marmelade und Kunst­honig infolge des Mangels an Butter, Schmalz und Margarine. Für diese Industrien sind mehr als 6 Millionen Zentner, also fast ein Viertel des gesamten Vorrats, zur Verfügung gestellt. Den Mehrbedarf zu befriedigen, ist in diesem Jahre leider ebensowenig mög­lich wie die Ausgabe von Einmachzucker. Die Kopf­ration an Mundzucker soll, wenn irgend möglich, auf­recht erhalten werden.

Von Zuckermißwirtschaft kann keine Rede sein. Für die Herstellung von Süßigkeiten wird im Jntereffe der Aufrechterhaltung von 1400 Betrieben mit 25 000 Arbeitern eine Zuckermenge gegeben, die auf den Kopf der Bevölkerung im ganzen Jahre wenig mehr als ein Pfund ausmacht. Diese Menge kann daher ebensowenig mit Recht beanstandet werden, wie die oft bemängelten Zuteilungen für Weinzuckerung und Bienensütterung. Diese Zuteilungen sind dem Gesamtbeträge nach (etwa 600 000 Zentner) nicht groß und unentbehrlich, weil der Wein 1918/19 ohne Zuckerung zum großen Teil unverwertbar gewesen wäre und weil ohne Zuckerfütte- rung die auch für die Obstbaumbefruchtung wichtige Bienenzucht vernichtet werden würde. Zur Ausfuhr wird Zucker nur verwandt, soweit er in zuckerhaltiger Ware (KodenSmilch usw.) wieder hereinkommt.

Die im Schleichhandel vertriebenen Zuckermengen können natürlich nicht festgestellt werden, «erben aber offenbar überschätzt. Ein gestohlener Waggon Zucker ist für den Schleichhandel eine erhebliche, für den Ge- samtinlanbsverbrauch aber eine geringe Menge. Die Bekämpfung des Zuckerschleichhandels ist, wie die allen Schleichhandels, sehr schwer, da die Schleichhändler mit allen Hunden gehetzt sind. Als Ausgangsstellen für den Schleichhandelzucker kommen die Zuckerfabriken nicht in Frage; diese sind schon im Interesse der Zuckersteuer genau kontrolliert. Der meiste Schleichhandelzucker kommt aus Veruntreuungen, besonders aus Diebstahl und Raub, auch kommt es vor, daß Betriebe, die Zucker zur Verarbeitung zugeteilt erhalten, ihn zum Teil zu unerlaubter Verwendung abgeben. Besonders ärgerlich ist das Auftreten von Schleichhandelzucker in Luxuswaren, z. B. in Stißigkeiten. Diese Auswüchse zu bekämpfen, ist Sache der örtlichen Polizei. Sie hat dabei eine ausgezeichnete Handhabe in der Verord­nung über die Höchstpreise für Süßigkeiten, indem sie alle Verkaufsstellen, in denen Süßigkeiten über Höchst­preise abgesetzt werden, einfach schließen kann.