mit „Amtlichem Kreisblatt". — WocheAbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Samstag, den 31. Mai 1919.
70. Jahrgang
Are deutschen Oegenvorschsäge. Weitere Einzelheiten.
Berlin, 25. Mai.
Aus den deutschen Gegenvorschläzen sind noch fol^ Agende Einzriheitcn hervorzuheben:
Bei seiner Foroerung der sofortigen Aufnahme in ?den Völkerbuno verzichtet Deutschland auf die 53er» ^wertung seines eigenen Vöikscbnnvsentwurfs für den ' Augenblick und erklärt sich bereit, auf der Grundlage des Entente Entwurfs in den Völkerbund einzutreten.
Für Elsaß Lothringen kommen bei der Abstimmung M einmal Anschluß an Frankreich und zweitens Selbständig- f kett des Landes indetracht.
Bezüglich Posens betrachtet die deutsche Regierung nur das jenseits der Demarkationslinie liegende Gebiet als verloren. Wenn inbezug auf das übrige Gebiet ; der Provinz keine Einigung zustande kommt, soll eine ; gemeindewerse Abstimmung erfolgen.
ilte Stellungnahme Deutschtands inbezug auf das l Saargebiet sowie die Kresse Eupen und Malmedy hat I die Regierung bereits in ihren Roten dargetegt.
Die Schadcnrrsetzletstung soll im Einzelnen wie folgt | geregelt werden: Deutschland erklärt sich bereit, zwecks I SchadenSersatzlrisiung 20 Milliarden Mark in Gold | bis 1926 zu zahlen, deSgl. 80 Milliarden Mark in I unverzinslichen Goldkons auszustellen. Die noch fest- I zu stellen den einzelnen Raten pro Jahr dürfen 10 Prozent I der Gesamtsumme nicht über steigen. Eine Kontrolle I durch die Entente wird nur dann zugestanden, wenn | Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. | Die ersten Zahlungen von 20 Milliarden Mark in Gold werden durch Aufrechnung des gemäß den Waffen- sttllstandsbedingungen ausgclielert-n Hteresgutes t. W. r von ca. ö Milliarden Mark, der deutschen Ansprüche im Auslande im Werte von 13 Milliarden — im | Goldkurs von etwa 6—7 Milliarden Mark —, der I deutschen Forderungen in Ktautschou, Schantung usw., ! etwa eine 1 Milliarde Mark, der RetchSetsenbahnen Reichspost und sonstigen amtlichen Gr bände int Reichs- ; land i. W. von 1 Milliarde Mark, der deutschen - Grundstücke, Gebäude und Einrichtungen in den etwa abzutretenden Gebieten (Posen) i. W. von 1 Milliarde Mark. Der Rest dürfte durch die jährltchrn Kohlen- lieferungen aufgebracht werden. Deutschland erklärt sich unter Umständen auch bereit, einen Teil seiner Reichseinnahmen (Zölle, Forsten, Domänen) zu verpfänden. Unsere wirtschaftlichen Gegenvorschläge gipfeln in der Forderung der wirtschaftlichen Gleichberechtigung im Inland, Ausland und Ueberfee. Deutschland erklärt sich bereit, sämtliche Liquidationen rückgängig zu machen und gegebenenfalls Ersatz zu leisten. Auf die wirtschaftliche Stellung in Kiaulschau wird restlos Verzicht ge» ■ leistet. Zum Schutz des Privateigentums wird die Verlängerung der Patentrechte auf fünf Jahre [ gefordert.
Der Forderung der Entente auf Herausgabe einer bestimmten Anzahl von Vieh wird zugestimmt, koch wird andererseits die ausgiebige Lieferung von Futtermitteln gefordert.
Die Rückgabe der Handelsflotte ist eine unserer Hauptforderungen. Deutschland verpflichtet sich dagegen auf seinen Werften im ersten Jahre 100 000 To., im zweiten 200 000, in den folgenden fünf Jahren je 300 000 Tonnen Schiffe zu bauen, und empfiehlt eine Interessengemeinschaft zwischen den Schiffahrtsgesellschaften der einzelnen Länder.
Deutschland ist gewillt, den Kehler Hafen bis zum Ausbau des Straßburger Hafens zu verpachten und 100000 Tonnen der Rheinflotte abzugeben. In den verschiedenen Seehäfen können mit Deutschlands Zustimmung Freizonen gebildet werden, in denen jedoch nur Verkehrs- und keine Industrieanlagen eingerichtet werden dürfen.
Der von der Entente gewünschte Bau von Kanälen und Eisenbahnen wird in Anbetracht der finanziellen Schwierigkeiten abgelehnt.
Aas deutsche Lied.
Das Haupt verhüllt mit dem Schleier
Der Trauer, zieht es durchs Land
Und hält die geliebte Leier
In müder, in erschlaffter Hand.
Das ist ein trauriges Schreiten,
Ein Wandern, so schwer und so bang,
Verstummt ist der goldenen Saiten
Dereinst so jubelnder Klang.
Als hätten sie niemals geklungen
Bet Stegen voll Herrlichkeit, -
Als hätten sie niemals gesungen
Von Helden im großen Streit.
Nur manchmal auf einsamen Heiden,
Die fern von den Menschen sind,
Da greift in die rostenden Saiten
Mit zitternden Händen der Wind.
Da klingt es wie Jammern und Stöhnen
Aus ihnen, wie Seufzen im Tod,
Da klagt's in erschütterden Tönen
Aus ihnen um Deutschlands Not.
Dann gleitet die Leier zur Erde,
Dann wirft sich das deutsche Lied
Mit schmerzerfüllter Gebärde
Aufweinend ins raschelnde Ried.
Johanna Weiskirch.
Beteiligung der Arbeiter bei der Besetzung
der Preisprüfungsstellen.
Dem Reichsernähmngsministerium gegenüber ist mehrfach darüber Klage geführt worden, daß bei der Besetzung der Preisp.üfungsstellen Arbeiter nicht indem Maße herangezogen werden, wie es im Interesse der
Arbeiterschaft und der Verbraucher wünschenswert wäre Nach § 3 Absatz 4 der Verordnung über die Errichtung vor Preisprüfungsstellen und die VersorgungSregelung vom 25. September 1915 sind die Mitglieder der Preisprüfungsstellen zur einen Hälfte aus dem Kreise der Warenerzeuger, der Großhändler und der Klein- Häadler, zur andern Hälfte aus unbeteiligten Sachverständigen und Verbrauchern zu berufen. Diese Bestimmung bietet mithin die Möglichkeit, dem berechtigten Wunsch der Arbeiter entgegenzrtkommen. Es liegt auch im allgemeinen Interesse, den Wunsch der Arbeiter zu erfüllen. G:rade für die Arbeiter ist die Preisregelung der Gegenstände des notwendigen Lebensbedarfs von ganz besonderer Bedeutung. Der Arbeiter, dessen Verdienst vollständig von der Beschaffung deS notwendigen Lebensunterhalts in Anspruch genommen wird, bringt den Preisfragen ein erhöhtes Interesse entgegen. Die zuständigen Arbeitervertretungen sind in der Lage, vertrauenswürdige und zuverlässige Personen zu bezeichnen, welche in den Preisprüfungsstellen mit der erforderlichen Sachkunde erfolgreich wirken können. Es darf wohl erwartet weihen, daß den Wünschen der Arbeiter, wo dieses nicht bereits geschehen ist, baldigst entsprochen wird. _________________________________________
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, den 30. Mai 1919.
—* Titelverleihung. Herr Polizeiwachtmeister Muth wurde zum Stadt-Oberwachtmeister und Herr Polizei- sergeant Hübner zum Polizeiwachtmeister ernannt.
—* Theater in der Turnhalle. Samstag, den 31. Mai ds. Jhs. Veranstalter nach langer Pause die hier wohlbekannte und beliebte Frankfurter Volksbühne, Direktion M. Henß, zwei Vorstellungen. Abends 8 Uhr gelangt die Operettenp^sse „Wer nicht in der Jugend küßt" zur Aufführung. ES ist dies die humorvolle süddeutsche Ausgabe, welche in Wien und-München mit großem Erfolg gegeben und für Frankfurter Dialekt bearbeitet wurde. In dieser Bearbeitung wurde das lustige Stück von der Gesellschaft seit Ostern in über 25 Orten mit überall großem Erfolg gegeben. Es steht somit auch hier ein genußreicher und vergnügter Abend bevor, auf welchen wir alle unsere Leser ganz besonders aufmerksam machen. Nachmittags 4 Uhr kommt das neueste Märchen, „König Osterhase", das im Schumanntheater in Frankfurt drei Monate lang mit großem Erfolg gegeben wurde, zur Aufführung. Alles Nähere ist aus dem Anzeigenteil der vorigen Nummer zu ersehen.
—* An unsere Leser! Täglich laufen in unserer Geschäftsstelle Anfragen über in der Zeitung angebotene Gegenstände ein, deren Beantwortung nur mittels Post geschehen kann. Es liegt im eigenen Interesse der Anfragenden, den Schreiben gleich die Rückpostkarte oder . zu mindestens das Rückporto beizufügen, da nur so eine schnelle Beantwortung gewährleistet wird und Anfragen ohne Rückporto unbeantwortet bleiben müssen!
Bergmanns Töetztertein.
Roman von Martin Förster. 10
(Forisltzung.)
„Ihr werdet mich doch keinen cltcn Mann nennen, wie Sachse?"
„Gewiß nicht, Sie sind ja in Ihrem besten Mannesalter, vielleicht fünfzig, nicht wahr?"
„Ich werde im September fünfzig und bin überzeugt, daß ich noch viel jüngere Leute überleben werde. Jr, „sagte er mit plötzlicher Entschiedenheit, „ich will jetzt mit Eurer Tochter sprechen. Wollt Ihr sie bitten, auf einige Minuten herauszukommen?"
„Ja."
Der Bergmann ging in sein Haus und betrat das kleine Vorderzimmer, wo Jutta am Piano saß und ahnungslos ihre Finger über die Tasten gleiten ließ.
Wer ist bei Dir im Garten, Vater?" fragte sie in ganz gleichgültigem Tone.
„Herr Diedrich."
„§qt Diedrich, was will der hier?"
Er kam, um mir die Stelle als Unteraufseher an- zubieten."
„Wirklich? Das ist ja herrlich! Du nahmst sie natürlich an?"
„Ja."
Wie ich mich freue, lieber Vater!" rief sie fröhlich, indem sie von ihrem Stuhl aussprang und ihn küßte. „Du wirst jetzt leichtere Arbeit haben und mehr zu Hause sein. Wo ist Herr Diedrich? Ich muß ihm danken."
„Du wirst ihn im Garten finden," erwiderte er, und über fein ernstes Gesicht flog ein schattenhaftes
Lächeln. „Geh' zu ihm mein Kino, er wünscht mit Dir zu sprechen."
Glühend vor Freude und Aufregung, verließ sie eilig das Zimmer und trat in den Garten. Sie fand ihres Vaters Arbeitgeber auf der kleinen Bank unter dem Lindenstrauch. Ein breiter Lichtstrom fiel aus dem offenen Fenster gerade auf seine Gestalt.
„Guten Abend, Herr Diedrich!" sagte sie freundlich und ging mit ausgestreckten Händen auf ihn zu. „M^in Vater hat mir von dem gütigen Anerbieten erzählt, welches Sie ihm gemacht haben. Wie soll ich Ihnen danken?"
Er erhob sich eilig, ergriff ihre dargebotene Hand und drückte sie zärtlich.
„Sie haben nichts zu danken, Fräulein Sachse, Ich weiß, daß er für die Stelle geeignet ist und sie verdient. Er wird sie gut ausfüllen. Ich wünschte — teilte Ihnen Ihr Vater nichts weiter mit?"
„Noch mehr?" fragte sie erstaunt.
„Spielte er nicht darauf an, daß ich noch aus einem anderen Grunde hierher gekommen wäre?"
„Nein, Herr Diedrich."
So hören Sie mich an, Fräulein Sachse! Ich hatte nicht allein nur Ihrem Vater, sondern auch Ihnen einen Vorschlag zu machen. Fräulein Sachse, ich habe Sie so lange geschätzt und gekannt, dürfte ich, könnte ich nicht hoffen, daß auch Sie mir ein klein wenig Interesse entgegenbringen."
„Aber Herr Diedrich, natürlich, sie begriff nicht, wo er hinauswollte.
Nun denn, „sagte er, kurz enschlossen, „hören Sie mich an, Jutta! Ich kam, Sie zu fragen, ob Sie die Herrin des Herrenhauses, ob Sie meine Frau werden wollen."
Die Frage war doch zu unvermittelt gekommen. Jutta fuhr zurück. Fast blieb sie einen Augenblick wie angewurzelt stehen, dann wandte sie sich wie zur eiligen Flucht.
„Verlassen sie mich nicht!" bat er inständig. „Ich bin zu rasch gewesen, ich habe Sie durch mein Unge- stüm erschreckt. O, hören Sie mich an: „Ich meine es ja gut mit Ihnen, Sind Sie mir böse?"
„O nein, Herr Diedrich," sagte sie, sich mühsam zur Ruhe zwingend, wie konnte ich böse sein! Aber ich bin überrascht. Ich — war so ahnungslos. Es tut mir so leid, aber —"
Er ließ sie nicht ausreden.
„Sagen Sie jetzt kein Wort weiter, mein liebes Mädchen. Sie sind erregt, erschrocken. Ich habe Ihnen gesagt, was ich wünsche und hoffe, aber, Sie sollen Zeit zur Ueberlegung haben. St« sollen wohl bedenken, welche Antwort Sie mir geben wollen."
Sie schwieg, und er fügte hinzu: „Ich habe vollkommenes Vertrauen zu Ihrer »inficht und zu Ihrem richtigen Taktgefühl. Ich bin viel älter al» Sie, ober ich könnte alles für Sie tun. Alle», was ich besitze, soll Ihnen gehören. Jebm Wunsch möchte ich Ihnen erfüllen. Nichts soll Ihnen abgeschlagen werden. O, denken Sie an dies alles, xnt geben Sie mir Ihre Antwort vielleicht in vierzehn Tagen. Für heute sage ich Ihnen gute Nacht."
„Gute Nacht!" sagte Sie wie mechanisch und er entfernte sich eilig und ließ sie wie im Traum verloren stehen. Als ihr Vater nach zehn Minuten in den Garten zurückkehrte, fand er sie noch so unter dem Fliederstrauch.