SchlmMnerMung
mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wocheilbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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JS 43. Mittwoch, den 28. Mai 1919. 70. Jahrgang
Himmelfahrt.
Wieder stillt der Himmel offen,
Wie tt damals offen stand, Als die fromme Scyar der Hirten
Dort im Stall den Heiland fand;
Wieder haben sich die Engel
Auf der Erde eingestellt,
Daß sie Gottes Wunder schauen,
Zeugen aus der andern Welt.
Von der Erde auf zum Himmel,
Diesen Weg ging Gottes Sohn,
Aus dem Dunkel hm zum Lichte,
Von dem Kreuz zum Königsthron;
Jesu räch hinauf zur Höhe
Set auch unser Schritt gewandt, Aufwärts, aufwärts, aus der Tiefe
Hin zum ew'gen Vaterland.
Himmelsahrt.
Jüngst hörten wir einen von jenen Neunmalklugen reden, die da tun, als wären ihnen alle Schätze des Westens und der Erkenntnis eigen, und als brauchten sie nur den Mund aufzumachen, um der Welt ihre^iätsel zu künden. Er gehörte zu denen, die bei dem Wandel der Dinge über Nacht den Loyalitätsfrack ausgezogen und die Ballonmütze aufgestülpt haben, und wollte nun unsern Kaiser in seinem Unglück tadeln, daß er sich so oft zu den Dogmen des Christentums bekannt habe, wo doch diese Dogmen für jeden Verständigen längst abgetan seien. Dabei kam er auch auf das nahende HimmelfahrtSfest zu sprechen und stellte den Glauben an die Heilstatsache dieses Festes als einen überwundenen Standpunkt hin, den man der Menschheit von heute nicht mehr zumuten dürfe. Auch sei ein solcher Glaube gänzlich übsrflrsfig.
Ist dem wirtlich so? Wir meinen, das gerade Gegenteil sei Wahrheit. In der Himmelfahrt Christi liegt nichts weniger als eine unerträgliche Belastungsprobe unseres Glaubens. Ein großer Prediger der christlichen Kirche hat sich hierüber einmal folgendermaßen ausgelassen: „Will euch ein solcher Ausgang von J.su Leben verwunderlich dünken? Aber ich frage: ist denn dieser AuSgang seines Lebens anders als sein ganzes Leben selbst ? Der als ein „geheimnis voller Fremdling" auf diese Erde kam, als ein geheimnisvoller Fremdling über diese Erde wandelte, — ifi’s denn so rätselhaft, wenn er auch als ein geheimnisvoller Fremdling von dieser Erde geht? Kennt ihr nicht das Wort, das er selbst einst in stiller Nachtstunde geheimnisvoll zu Nikodemus geredcc hat: „Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel gekommen ist". In dem „vom Himmel" lie^t das Rätsil, nicht in dem „gen Himmel". Weihnacht und Himmelfahrt sind nur Anfangs- und Endpunkt eines Geheimnrstes." Niemand, besten Hirn nicht von seichtem Auf! älicht umnebelt ist, wird sich
Bergmanns Töetztertein.
Roman von Martin Förster. 7 (Fortsetzung.)
„Ich spreche im Ernst, Sachse. Wenn ihr den Posten haben wollt, dann ist er Euer. Ich kam deshalb her. Jedenfalls überlegt Euch die Sache. Es bedeutet für Euch dreißig Mark mehr wöchentlich und kürzere Arbecksdauer. Es ist eine gute Stelle, und wenn Ihr mir nicht gefielet, würde ich Euch das Anerbieten nicht gemacht haben."
Der Minenbesitzer hielt inne, und Sachse schwieg auch.
„Ich weiß, warum Ihr zögert", rief Diedrich dann.
„Warum?"
„Weil es Euch entgegen ist, den Arbeitern befehlen zu sollen, die sonst Eure Kameraden waren."
„Ja, das ist der Grund," antwortete Sachse.
„Das laßt Euch nicht kümmern und glaubt mir auf mein Wort, daß ich nicht knausern werde. Nehmt die Stelle an, und ich will die Leitung des ganzen Platzes ich Eurer Hand lassen. Die Leute sollen nie wieder zu murren haben, daß sie von ihrem Herrn unbillig behandelt werden. Versteht Ihr? Nun, Sachse, gebt mir Eure Hand."
„Ich will die Stelle annehmen."
„Das freut mich. Hier ist meine Hand darauf. Ihr werdet es niem ls bedauern."
Die Männer drückten sich die Hände. Nach einigen Minuten begann der Minenbesitzer wieder, diesmal in verändertem Tone.
„Sachse," sagte er leise und ein wenig unsicher,
der unwiderstehlichen Logik dieser Sätze zu entziehen vermögen.
Und überflüssig sollte der Glaube an die Himmelfahrt sein? Wir meinen, noch niemals sei der Trost, der in dieser Heilsbotschaft liegt, dem Menschenherzen und insonderheit dem deutschen Menschenhcrzen nötiger gewesen als geradem der Gegenwart. Dunkel liegt auf dcn Wegen unseres Volkes, und alle» rings um uns erscheint in Nacht und Nebel versunken. Da richten sich die Blicke wie von selbst hilfesuchend nach oben. Die Himmelfahrt ist ja nur der vorbereitende Akt für die Erhöhung Christi. Aufgefahren gen Himmel, fitzend zur rechten Hand Gottes. Christus regiert, Christus sitzt im Regiment. Sein Reich ist ein Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, und er wird nicht, dulden, daß die Lüge dauernd siegt, und das Unrecht für immer triumphiert. Bei ihm, dem gen Himmel Gefahrenen und Erhöheten, der ein Herr ist über alle Reiche und Völker, ruht unsere Hoffnung. Er wird den Vernich- tungsplänen unserer Feinde wehren und ihre Anschläge gegen uns über kurz und lang zunicht machen. Das ist der Trost, den die Himmelsbotschast in unsere Seele senkt.
Was aber für das Völkerleben im großen gilt, das gilt auch für das Leben des einzelnen. Millionen und Aber-Millionen haben Krieg und Revolution Wunden geschlagen, die nimmer vernarben, über ungezählten Gräbern tauen unsere Tränen, und des Elends ist kein Ende. Wieder heißt es da: die Herzen aufwärts! Jesus, der gen Himmel Gefahrene und Erhöhte, lebt, seine Gnade waltet segnend über einen jeden von uns, sein Licht durchleuchtet uns, seine geistige Allgegenwart trägt uns, sein Lebensodem umfängt uns.
„Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?
WÄ deckt sie mit schützenden F.tuKu zu?
Ach bietet die Welt keine Freistatt uns an, Wo Sünde nicht herrsche nicht anfechten kann;
N'tn, nein, h'er ist fie nicht,
Die Heimat der Seele ist droben im Licht."
„I sus im Himme', Jesus im Herzen, das Herz im Himmel, der Himmel im Herzen." So wollen wir Himmelfahrt feiern.
Deutsches Reich.
— Kein Friedensangebot der Entente. Immer noch tauchen wieder Gerüchte auf, daß Deutschland während des Krieges Gelegenheit gehabt hätte, mit der Entente Frieden zu schließen und die deutsche Regierung habe diese Gelegenheit versäumt. Nunmehr wird nach sorgsamster Prüfung des Aktenmaterials von maßgebender Seite erklärt, daß von einem offiziellen Friedensangebot der Entente an Deutschland nichts bekannt ist.
— Mündliche Friedensverhandlungen. Aus Paris wird gemeldet, daß eine einfache Ablehnung der deutschen
„bii mir ist noch eine andere Stelle zu besitzen, wobei Ihr mir helfen könntet."
„Ich verstehe nicht, welche Stelle Sie meinen, Herr Diedrtch."
„Ich meine die Stelle in meiner Häuslichkeit im Herrenhaufe. Ich glaube, es wird nach gerade Zeit, aus Heiraten zu denken, und es gibt nur ein weibliches Wesen in der ganzen Welt, das ich zur Frau möchte."
„Und die wäre?"
„Eure Tochter."
Eimn Augenblick stand Sachse wie vom Donner gerüht, völlig sprachlos vor Ueberraschung. Dann gewann er mühsam seine Fassung wieder und sagte mit zitternder Stimme: „Jutta? Meine Jutta? Aber Herr Diedrich!"
„Sachse, es ist mein heiliger Ernst. Ich habe sie seit Jahren gekannt, wie Ihr wißt, und sie mit jedem Jahre reizender gefunden. Ich sage Euch bie, reine Wahrheit, wenn ich behaupte, daß sie die einzige in der Welt ist, die ich zur Frau möchte. Ich hoffe, Sachse", fügte er bittend hirzu, „daß Ihr gegen mich als Schwiegersohn keine Einwendungen habt."
„Nun", war die zögernde Antwort, „ich kann nicht sagen, daß ich etwas gegen Euch einzuwenden hätte. Natürlich bin ich sehr überrascht, aber —"
„Jutta" ergänzte der andere, „sollte sie etwas gegen mich haben?"
„Ja, Herr Diedrich, sie mag anders darüber denken," sagte Sachse ehrlich. „Meine Tochter hat ihren eigenen Willen, und um die Wahrheit zu sagen, ich möchte nicht versuchen, fie auf irgend eine Weise zu beeinflussen."
Natürlich nicht, und ich will Euch auch nicht darum
Gegenvorschläge durch die Alliierten nicht mehr in Frage kommt. Amerika und Italien treten für einen gerechten Meinungsaustausch mit Deutschland ein. Nach den in Versailles vorliegenden Informationen wird es nun doch zu mündlichen Verhandlungen kommen. Nach dem „Secolo" droht Italien, sich an den Friedensverhandlurgen in Paris nicht länger zu beteiligen und mit Deutschland direkt in Friedensverhandlungen einzutreten.
— Paris. Verlängerung der Frist für Gegenvorschläge. Den Deutschen ist für das Einreichen der Gegenvorschläge eine Verlängerung der F.ist bis zum 29. d. Mts. gewährt worden.
— Der Kommandeur des GrenzschutzbataillionS 2 Major Werner Bloem ist diesseits der Demarkationslinie von Polen erschossen worden.
— Ausweisungen aus München. Größere Ausweisungen sind gegenwärtig in München im Gav-e. Es handelt sich größtenteils um sogenannte lästige Ausländer. Ein Teil ist bereits abgeschoben in eine Sammelstelle, von wo sie dann in einzelnen Gruppen an die Grenze kommen. Man erwartet von der Ausweisung, die in die Tausende gehen dürfte, auch eine Besserung auf dem WohnungSmarkle.
— Keine Verstaalichung der Hypothekenbanken. Die Frage, ob die Hypothekenbanken demnächst verstaatlicht werden sollen, hat in der letzten Zeit die Tages- und Finanzpresse wiederholt beschäftigt. Diese Erörterungen haben in den beteiligten Kreisen auch zu einer Beunruhigung geführt, die nicht ohne Schaden für die Ordnung in unserem Hypothekenwesen bleiben konnte. Es wird deshalb von amtlicher Seite festgestellt, daß in den maßgebenden Stellen die Ansicht vorherrscht, daß zurzeit eine Verstaatlichung der Hypothekenbanken nicht in Fragekommt. Die organische Eingliederung der Hypschekrnbank-a Gemeinwirtschaft, wie sie angestrebt werden muß, wird späterer Zeit vorbehalten und dann in aller Oeffentlichkeit besprochen werden können, so daß Unklarheiten und Spekulationen auf diesem Gebiet vermieden werden. Zurzeit aber kommt eine Verstaatlichung, wie amtlich wiederholt wird, nicht in Frage.
— Die Instandsetzung der Reichstagesbäude». Wie von der Verwaltung des ReichstagSgebäudeS mitgeteilt wird, ist nicht daran zu denken, daß die Nationalversammlung dort ihre Sitzungen in absehbarer Zeit wird aufnehmen können. Erst für Sude Juni ist nach Aufhebung der Quarantäne der Beginn der JnstandsetzungSarbeiten in AuSstcht genommen, die bei dem großen Umfange der Zerstörungen voraussichtlich nicht vor Anfang Herbst beendet fein werden. Eine Verlegung der Nationalversammlung in da» Herrenhaus kommt deshalb nicht in Betracht, weil hier nur 300 Plätze vorhanden und jdie übrigen Nebenräume durch Behörden belegt worden sind.
bitten. Ader ich hielt es für meine Pflicht, zuerst Sure Zustimmung einzuholen. Ihr müßt zugeben, daß die Verbindung in vieler Hinsicht sehr vorteilhaft für Eure Tochter sein würde."
„Ja, gewiß", gab Sachse mit einer gewissen Zurückhaltung zu.
„Sie würde Herrin eines der größten und schönsten Häuser der ganzen Gegend sein. Sie wirbe alles haben, was eine Frau sich nur wünschen kann, feine Kleider, Juwelen, Wagen und Pferde. O," setzte er mit einem Ausbruch von Enthusiasmus hinzu, „er gibt nichts, was ich nicht tun würde, um fie glücklich zu machen".
„Ich glaube eS," war alles, war der Bergmann hervorbringen konnte.
„Ich darf es also Eurer Tochter sagen?"
..Natürlich."
„Ihr würdet nicht vorziehen, zuerst mit ihr zu sprechen?"
„Nein, ich möchte lieber, daß Sie die Sache unter sich abmachten," war die zögernde Antwort.
„Ihr glaubt doch nicht, daß sie bereit» eine andere Neigung hat?"
„Gewiß nicht. Darauf könnte ich schwören. Ich glaube nicht, daß Jutta je an einen Mann gedacht hat."
Diedrtch atmete erleichtert auf, und beide versanken in Schweigen. Dann bemerkte der Minenbefitzer: Glaubt Ihr, Sachse, daß es gut sein würde, gleich mit ihr zu sprechen?"
„Das müssen Sie selbst entscheiden. Wenn Sie eS wünschen, will ich sie zu Ihnen schicken, oder vielleicht gehen Sie lieber zu ihr hinein. Wer nicht wagt, gewinnt nicht," fügte er in scherzendem Tone hinzu.