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M 41. Mittwoch, den 21. Mai 1919. 70. Jahrgang.
Amtliches.
J-Nr. 3012 K.-A. Auf Sonnabend den 31. Mai d. Js., vormittags 10 Uhr habe ich einen Kreistag (Kreishaus) anberaumt.
Schlüchtern, den 14. Mai 1919.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Der Gegenvorschlag.
Berlin, 19. Mai. Das „B. T." berichtet aus Versailles: Der Berliner Korrespondent des „Daily Chronicle" will aus guter” Quelle erfahren haben, daß der deutsche Gegenvorschlägen«! Ab'auf der Frist festgestellt sein wird. Die deutsche Regierung werde darauf bestehen, daß die 14 Punkte Wilsons die Bedeutung eines internattonalenMbkommens haben. Die Deutschen beanspruchen die Bestimmung der Ostgrenzen durch die Volksabstimmung, beten Ausgang für beide Teile bindend sein müsse. Was das Saargebiet anbelange, so sei Deutschland bereit, den ganzen Ertrag der Kohlengruben an Frankreich abzutreten, ohne die Gebiets- sorderungen Frankreichs anzuerkennen. Ferner sei die deutsche Regierung willens, alle Entschädigungen zu leisten, falls Deutschland die notwendigen Erleichterung m zum Wiederaufbau seines Wirtschaftslebens erhalte. Die Abrüstung könne in dem vorgeschriebenen Umfang nicht durchgeführt werden, solange die innere Ordnung nicht hergestellt sei. Die deutsche Regierung verpflichtet sich aber, diese Bedingungen zu erfüllen, sobald die Lage es gestatte. Zum Beweis der friedlichen Absichten Deutschlands solle den Alliierten der Rest der Kriegsflotte ausgeliefert werden, falls ein Test der Handelsflotte rurückoezeb-n würde. Wenn m^- -Vorschlags- abgelehnt werden sollten, müßte die deutsche Regierung die V-rtragsunterschrift verweigern.
Deutsche Rückwanderer.
Von den "vielen Millionen Auslanddeutschen, die vor Ausbruch des Weltkrieges sich im feindlichen Auslande befanden, weilen viele Tausende im Mutterlands. Vielen von ihnen ist es gelungen, sich den Qualen der jahrelangen Jnternierung durch gefahrvolle Flucht zu entziehen; andere dagegen sind unter Hinterlassung ihrer gesamten Habe aus dem feindlichen Ausland ausgewiesen worden. Ihnen folgen jetzt zahlreiche Reichsdeutsche aus den osteuropäischen und überseeischen Staaten.
Zerbrochenen Herzens sehen sie nach der deutschen Niederlage banger Zukunft entgegen. — Zwar sind die Zurückgekehrlen in persönlicher Sicherhett, aber auch sämtlicher Subsistenzmittel beraubt. Die amtlichen Reichsstellen sehen sich außerstande, ihnen die nötigen Mittel zum Einrichten in die neuen Verhältnisse zu verschaffen und in Krankheitsfällen und anderem Mißgeschick der bittersten Not zu steuern. Dies Ziel hat sich nun die Rückwandererhilfe E. V. gefetzt, eine Vereinigung von allen am Auslanddeutschen interessierten Organisationen.
Um ferner die Landsleute aus der Fremde in das wirtschaftliche Leben einführen und dauernde und wirksame Hilfe leisten zu können, wird die Rückwanderer- Hilfe eine in den meisten deutschen Bundesstaaten genehmigte, großzügige angelegte Sammlung ab 1. Juni 1919 Veranstaltern
In dieser Stunde muß das einigende Bewußtsein alle deutschen Herzen durchsingen: „Wir müssen den Auslanddeutschen die Treue halten, die sie uns bewahrten."
Wir müssen sie geistig aufs engste verketten mit unserm Schicksal. Deutschland braucht seine Auslands-- brüder zum Mitwirken an deutscher Arbeit. Und deshalb werden alle im öffentlichen Leben stehenden Personen, insbesondere Auslanddeutsche oder Firmen sowie Einzelpersonen, die Beziehungen zum Ausland haben, zur Mitarbeit an dem großen Gelingen aufge- fArbeit und gebeten, ihre Adressen einzusenden an die Rückwandererhilfe E. V., Schöneberg Ufer 21, IlL
Deutsches Reich.
— Ludwigshafen. (Truppenverstärkungen in bet Pfalz.) Die an den Rheinbrücken gelegenen Garnison orte in der Pfalz, im Elsaß und in den Rheinlanden erhielten in den letzten Tagen bedeutende Truppenver- stärkungen. Namentlich französische und englische Reserven sind eingetroffen, sowie zahlreiche Artillerie. Die Inspektionsreise des Marschalls Foch wird fortgesetzt. Der Marschall wird zunächst die sranzöstschen Truppen in der Pfalz besichtigen und sich zu diesem Zweck von Koblenz nach Landau begeben, wo er mit General Gerard zusammentreffen »wirb. Die pfälzischen Bahn
höfe tragen infolge der bevorstehenden Ankunft Fochs Flaggenschmuck.
— Einschüchterungsversuchk der Entente. Wie mitgeteilt wird, werden seit einigen Tagen von Frankreich nach dem besetzten Deutschland fortgesetzt Züge mit Kanonen dirigiert. Auf einem Bahnhof des Hennegaus wurden in weniger als 12 Stunden 10 Züge schwere Artillerie gezählt. Belgien hat fünf JahreS- klaffen wieder einberufen. 800 000 Waggons mit Munition, die in Belgien liegen, dürfen noch immer nicht freigemacht werden, da die Heeresleitung der Entente ihre Einwilligung versagt. Da die belgische Presse über diese Dinge offen spricht, so ie Absicht einer Pression auf Deutschland unverkennbar.
—,22 deutsche Passagierdampfer urfb 89 Frachtdampfer mit zusammen 831000 Bruttotonnen wurden, bis zum 9 Mai an England ausgeliefert.
— Ortsgruppen der Unabhängigen für Einigkeit.
In einer Volksversammlung, die in Goldap statt- fand, und an der Männer und Fruuen aller Parteien teilnahmen, wurde die Regierung aufgeforbert, die Unterschrift zu dem Friedensvertrage zu verweigern. Ein Telegramm an den Reichspräsidenten^ Strägt die Unt „rift des Vorsitzenden der sozialdemokratischen unaoyängigen Partei. Daraus geht hervor, daß der ostpreußische Vertreter der unabhängigen So,naldemo- kraten, Haase, wegen seiner Haltung in der Friedensfrage in seinen eigenen Reihen Widerspruch findet. Auch die Vertreter der unabhängigen Sozialdemokraten in Bernburg haben in einer Kundgebung, die ebenfalls an den Reichspräsidenten gerichtet ist, erklärt, daß sie mit dem ganzen Volk in dieser schweren-^f zusammen-, stehen a^ÜLi.1.
— Eine neue Schleichhandelsverordnung. Wie verlautet, plant da? Reichsernährungsamt die Herausgabe einer neuen Schleichhandelsverordnung, in der vorgesehen wird, daß allen Polizeiorganen, die sich in irgendeiner Hinsicht nicht als unbedingt zuverlässig erwiesen haben, Hilfskräfte aus den Kreisen der Konsumenten beigeordnet werden. Sie sollen aus den Konsumentenverbänden, den Landarbetter- und Bauernräten entnommen werden.
— Berlin. (Revolutionäre Stimmung in England?) Die „Freiheit" läßt sich aus Amsterdam telegraphieren: Die Zeichen revolutionärer Stimmung in England nehmen zu. Seit der irischen Debatte im Unterhaus erklärte der Arbeiterparteiler Harthorn, daß die orgen visierten Arbeiter langsam, aber sicher zur Entscheidung gezwungen würden. Die Behandlung Irlands bewiese, daß die wirkliche Macht nicht bei der Regierung liege, sondern bet der organisierten Bands von Militärs und Reaktionären.
— Abtransport der deutschen Salonikttruppen. Den wiederholten Vorstellungen der deutschen Regierung, die Alliierten möchten endlich den Abtransport der deutschen Truppen aus Konstantinopel und Saloniki in die Hand nehmen, war bisher nicht statt- gegeben worden. Erst am 7. Mai hatte die Regierung erneut das Ersuchen an die Alliierten gerichtet, den Heimtransport unserer Orienttruppe, deren köperliche und seelische Lage nach den nach Deutschland gelangten Na urtchlen sehr bedauerlich ist, durchzuführen. Wie nunmehr der Waffensüllstandskommission mit« geteilt worden ist, ist diese berechtigte Forderung von der Entente endlich erfüllt worden und die Heim- fchaffung der deutschen Truppen von Konstantinopel und Saloniki bereits im Gange.
— Deutsche Kriegerwaisen nach der Schweiz. Die Nationalstiftung sendet aus eigenen Mitteln etwa 1000 unterernährte Kriegerweisen aus den Industriezentren für einen sechswöchentlichen Aufenthalt nach der Schweiz. Der erste Zug, etwa 400 Kinder aus Groß-Berlin, wird Anfang Juni abgehen. Die Aus wähl der Kinder erfolg: auf Vorschlag der amtlichen Fürsorgestellen für Kriegshinttrdliedene.
— Der Abschied der türttschen Kolonie. Die türkische Kolonie in Deutschland hat bis erste Gelegenheit benutzt, um nach der Heimat zurückzukehren. Sie wendet sich in einem Abschiedsschreiben an die „Deutsche Allgemeine Zeitung", aus dem wir folgendes wiedergeben wollen: „Die türkische Kolonie verläßt Deutschland nach einem vieljährigen, an schönen Kr- innerungen reichen Aufenthalt und glaubt, bei dieser Gelegenheit einet ihrer angenehmsten Verpflichtungen nachzukommen, wenn sie, bevor sie den deutschen Boden verläßt, dem ganzen deutschen Volke ihren wärmsten und innigsten Dank ausspricht für das während der letzten schicksalsschweren Jahre erwiesene bundesbrüder- liche Entgegenkommen. Das Gefühl der Dankbarkeit wird in dem Herzen des türkischen Volkes fortlebe^.
Die türkische Jugend, welche in dieser schweren Zeit in Deutschland gelebt hat, wird in der verantwortungsreichen Zukunft an die ihr erwiesene Güte und Brüderlichkeit zurückdenken und ibren deutschen Freunden stets nahe bleiben".
— Wie die Polen die deutschen Gefangenen behandeln. Von einem aus polnischer Gefangenschaft zurückgekehrten deutschen Offizier wird berichtet, daß in dem polnischen Gefangenenlager-Szczypiorno an der russisch-polnischen Grenze geradezu unglaubliche Zustände herrschen. Die Gefangenen sind in verlausten Baracken untergebracht, Stroh und Betten stehen ihnen nicht zur Verfügung. Die Mittagskost besteht in der Regel aus heißem Wasser mit Wrukenstücken und stinkendem Pferdefleisch. Der Kommandant, ein ehemaliger sächsischer Landwehr-Kavallerie-Rittryeister, ist für niemand zu sprechen. Es muß dringend gefordert werden, daß diese haarsträubenden, allerdings echt polnischen Verhältnisse so rasch wie möglich geändert werden.
Die Vernichtung der deutschen Ostmark.
Die feindlichen Friedensbedingungen, die jetzt unseren Unterhändlern in Versailles überreicht find, übertreffen an Grausamkeit und Härte die schlimmsten Befürchtungen. Wenn der Friede auf dieser Grund läge wirklich zustande käme, dann wäre Deutschlands Schicksal endgültig besiegelt. Das gilt besonders von dem ungeheuerlichen Gebietsraub im Osten, den nur ein geradezu fanatischer Vernichtungswille diktieren konnte Er triff: DeuMlands Lebensnerv an seiner ■ empfindlichsten S^ue Niemals könnte sich das deutsche Volk bei solch unerhörter Vergewaltigung beruhigen. Niemals kann unsere Regierung auch solche Bedingungen unterzeichnen. Ebensogut könnte sie das Todesurteil unseres Vaterlandes unterschreiben. Was anderes als ein Todesurteil für Deutschland ist dieses „Buch der Bedingungen" ? Wo ist der „Gerechtigkeitsfrieds," die „Versöhnung der Völker", wo find die Wilsonschen 14 Punkte geblieben? Brutal wirft der Sieger das Schwert der Macht in die Wagschale und i beweist damit, daß in der Welt immer noch die harten Tatsachen, nicht wohlklingende Phrasen entscheiden. So wollen auch wir uns erinnern, daß es noch Tatsachen gibt, die für uns ins Gewicht fallen können, und daß wir es ferner in der Hand haben, solche Tatsachen zu schaffen. Die Posener haben uns dafür ein lehrreiches Beispiel gegeben — gehen wir endlich zu ihnen in die Schule! Gelingt es unseren Unterhändlern nicht, die deutsche Ostmark den gierig ausgestreckten Klauen des Polentums zu entreißen, dann wird sich, dessen find wir sicher, das gesamte Deutschtum der Ostmark erheben wie ein Mann und mit den Waffen in der Hand sein Recht auf Haus und Hof und auf ein unabhängig^ deutsches Leben verteidigen l
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Lokales und Urovinzielles.
Schlüchtern, den 20. Mai 1919.
—* Eine Konferenz aller dem hessischen Volks» schullehrerverein ungehörigen Lehrer und Lehrerinnen des Kreises findet am Tage vor dem Himmelfahrtfeste, Mitwoch, den 28. Mai, vormittags 10 Uhr im Saale des Gasthauses „Zum Hess. Hof" in Schlüchtern statt. Tagesordnung: 1. Der Geschichtsunterricht nach den neuen Bestimmungen (Oberlehrer Walther). 2. Be-. sprechung der Leitsätze über Schulreform. 3 Heimatbuch für den Schulqebrauch (Lehrer Flemmig). 4. Rä- Lcwahl. Urlaub für alle Konferenzteilnehmer ist erteilt. Der Vorsitzende des BezirkSvereins Schlüchtern: Flemmig.
—* Bei den auf Grund der Verordnung der Preußischen Regierung vom 18. Februar 1919 fiattge- habten Wahlen sind folgende KreistagSmitglieder gewählt worden: 1. SanitätSrai Dr. Stern, Schlüchtern; 2. Bürgermeister Stückratb, Schlüchtern; 3. Stadtbaubeamter Stiebeling, Schlücht-wn; 4. Schuhmachermeister Linkersdörfer, Steinau; 5. Mühlenbauer Ludwig Korn, Saimünster ; 6. Hauptmann a. D. Berta, Soden; 7. Werkmeister Arthur Kunde, Heeolz; 8. Rechner Adam Börner, Elm; 9. Inspektor Preiß. Vollmerz; 10. Gastwirt Wienhold, Hütten; 11. Bauer Adam Scheel, Hütten; 12. Bürgermei'.r Christ, Oberzell; 13. Bürgermeister Maienschein,(Schwarzensels: 14. Bauer Konrad Gärtne -, Sterbfritz; 15. Kaufmann Ferdinand Schuster, Sterbftitz; 16. Brunnenbohrer Johannes Ziegler, Altengronau; 17. Gastwirt Eduard Heil Ulmbach; 18. Gastwirt Josef Roll, Romsthal; 19 Zimmermeister Ullrich Sieling. Hintexsteinau; 20. Landwirt Johannes Müller, Kressenbach.