mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Mittwoch, den 14. Mai 1919.
70. Jahrgang.
Noten der deutschen Friedensdelegation.
Versailles, 9. Mai Der erste Delegierte der deutschen Friedensdelegation ReichSminister des Auswärtigen Graf Broävorff-Ran^au hat heute abend folgende Noten an den Präsidenten der Friedenskonferenz, Herrn Clemenceau, gerichtet:
Versailles, 9. Mai.
Herr Präsiden!!
Die deutsche Friedensdelegation hat die erste Durchsicht der überreichten FriedenSbedingungen vollendet. Sie hat erkennen muffen, ba^ in entscheidenden Punkten die vereinbarte Basis des Rechtfriedens verlassen ist. Sie war nicht darauf vorbereitet, daß die ausdrücklich dem deutschen Voike und der ganzen Menschheit gegebene Zusage auf diese Weise illusorisch gemacht wird. Der Vertragsentwurf enthält Forderungen, die für kein Volk erträglich sind. Vieles ist außerdem nach Ansicht unserer Sachverstä.digen unerfüllbar. Die deutsche Friedensdelegation wird den Nachweis im Einzelnen erbringen und den alliierten und äffe eiferten Regierungen ihre Bemerkungen und ihr Material fortlaufend zugehen lass n. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.
Brockeoiff Rantzau.
. Versailles 9. Mai.
Herr Präsident I ,
Die deutsche Friedensdelegation beehrt sich, zur Frage des Völkerbundes Stellung zu nehmen, indem sie anbei ein deutsches Programm überreicht, das ihrer Meinung nach zum Problem des Völkerbundes wesentliche Anregungen enthält. Die deutsche Friedensdelegation behält sich vor, sich noch eingehend zum Entwurf der alliierten und aflvciiertcn Regierungen zu äußern. Sie macht jedoch schon heute auf den Wider- MAch aufmertsam, bei darin liegt, baß Deutschland zwar das Statut des Völkerbundes als einen Bestandteil des uns überreichten Vertragsentwurfes' unterzeichnen soll, sich aber nicht unter den Staaten befindet, die zum Eintritt in den Völkerbund eingeladen sind. Die deutsche Delegation stellt die Anfrage, ob und gegebenenfalls unter welchen Umständen eine solche Einladung beabsichtigt ist.
Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.
Brockdoiff-Rantzan.
(Anmerkung: Das in der zweiten Note erwähnte Programm ist der seinerzeit in der deutschen Presie veröffentlichte Entwurf eines Völkerbundesvertrages.)
Deutsches Reich.
— Berlin. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Seit Bekanntwerhen der feindlichenFriedenSbedingungen gehen beim Reichspräsidenten und beim Reichsnunifter- j
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ergmann» Tochterlein.
Roman von Martin Förster. 6
(Fortsetzung.)
Hen Fast ohne es zu wollen, fragte sie nun doch mit le«” is stockender Stimme: „ Möchten Sie nicht einen enblick verweilen? Sie müssen doch sehr müde und dg sein. Ich hole Ihnen einen Schluck Milch dort >te«: dem Hause. Sie entschuldigen bitte."
„Ich bin durstig und müde," entgegnete er be- g. jben, „und ich werde so frei sein, Ihre Freundlich- " anzunehmen."
_ * Sie eilte ins Haus und kehrte gleich darauf mit siem Krug frischer Milch zurück. Dann drückte er " yr herzlich die Hand und sagte mit aufleuchtendem Blick: „Gott segne Sie."
3. Kapitel.
Ein warmer Sommerabend breitete sich über die ’ Landschaft. Die Sonne stand hinter rosig gefärbten 1 Wolken, in den Waldpfaden verdichteten sich die Schatten, und von dem jungen Saatfelde ertönte Nachttgallgesang.
In dem kleinen Garten, welcher dem hübschen und , wohnlichen Hause der Sachses gegenüber lag, saßen der Bergmann und seine Tochter — er in seinem mit gedrucktem Kattun überzogenen Armstuhl, sie auf dem niedrigen, rohen Sitz, welchen der Vater vor Jahren für sie zu recht gezimmert hatte unter einem üppigen Fliederstrauch.
Während er gemütlich seine Tonpfeife rauchte, schweifte sein Blick nach dem bleigefaßten Fenster, um welches er mit vieler Mühe einen Kranz von Efeu gezogen hatte, dann nach dem großen Rosenstrauch an -er Schwelle des Hauses, dessen weiße Blüten die Luft
Präsidenten zahlose T legramme aus allen Teilen Deutschlands ein, die den entschiedensten Protest gegen die uns zugemutete Vergewaltigung enthalten. Alle bringe« die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Reichr- regierung keinen Frieden annehmen würde, der den nun vorliegenden . Bedingungen irgendwie entspreche. Der Reichspräsident und die Reichsregierung sind außerstande, auch nur einen Teil dieser Kundgebungen zu beantworten. Keine wird ungehört verhallen. Der Reichsregierung sind sie eine willkommene Stärkung für ihre mit allen Kräften geförderten Bemühungen, vom Gewaltfrieden zum VerhandlungSfriede« zu gelangen.
— Berlin. (Neue Verhandlungen mit den Polen.) Die preußische Staatsregierung hat sich dem polnischen Obersten Volksrat gegenüber bereit erklärt, in unmittelbare Verhandlungen Mit Polen über die Frage der gegenseitigen Freigabe von Geiseln, Internierten und Gesangeneu einzutreten. Sie hat das preußische Ministerium des Innern und das Kriegsministerium beauftragt, diese Verhandlungen mit den Polen zu führen. Wie wir hören, ist seitens dieser beiden Ministerien an den Obersten polnischen Volksrot telegraphisch die Einladung ergangen zur Aufnahme dieser Verhandlungen am 8. oder 9. Mai.
— Berlin. (Die deutschen Gegenvorschläge.) Am Freitag fand eine Sitzung des Kabinetts unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten Ebert statt. An der Sitzung nahmen auch die preußischen Minister Hirsch, und ^^ipe Ftschbeck teil. DaS Ergebnis dieser Beratungen war die Fertigstellung der deutschen Gegenvorschläge auf die FriedenSbedingungen der Entente. Mit Versailles fand ein ununterbrochener telegraphischer Meinungsaustausch statt. Die deutschen Gegenvorschläge, deren Veröffentlichung unmittelbar bevorsteht, stützen sich auf die Li^nschen 14 Punkte und aus die Erklärung des Staatssekretärs Lansing vom ö. November 1918.
— Berlin. Rückkehr aus Südwestafrika. Nach einer Mitteilung aus dem Haag treffen am 10. Mai abends in Rotterdam 1473 Südwestafrikauer, darunter der Gouverneur mit Frau, 67 Offiziere, 43 Frauen 44 Kinder und 1317 Mann ein. Der Transport wird über Wesel nach dem Durchgangslager in Münster geleitet und von dort in die Heimat entlassen. Weiter» Einzelheiten und die Namen der Eintreffenden sind noch unbekannt ünd werden nach Eintreffen neuer Nachrichten veröffentlicht.
— Berlin. (Die Schulden von Berlin.) Der städtische Haushalt der Stadt Berlin schließt mit einem Fehlbetrag von 20 Millionen Mk. gegenüber einem Ueberschuß im vorigen Jahre von 25 Millionen Mk. ab.
— Versailles. (Summarisches Verfahren hinsichtlich deutscher Gegenvorschläge.) Wie das „Journal" bericht tet, haben die Alliierten für die Prüfung der deutschen '
mit ihrem Dufte erfüllten, nach dem sauber gepflegten Küchengürtchen und darüber hinweg in das dämmrigs Tal, wo die Bergwerke und Eisenhämmer nach des Tages Arbeit in Schweigen gehüllt lagen.
Aber wohin auch immer seine Augen wanderten, sie suchten immer aufs neue die Mädchengestalt, deren flinke Finger fleißig die Nadeln bewegten. Daß des Bergmanns Sein und Denken völlig tn seinem Kinde aufging, war unschwer zu erkennen.
Die letzten fünfzehn Jahre hatten in Sachses Dasein nur geringe Veränderungen hervorgebracht. Er wohnte noch tn dem Häuschen, in dem er mit seiner Frau gelebt hatte, als der Leser zuerst seine Bekanntschaft machte. Er arbeitete auch noch in demselben Schacht und hoffte dort zu sterben.
Es hatte tm Dorfe und in der Nachbarschaft einen erschütternden Eindruck gemacht, als Konrad Wiedemann an jenem Sommermorgen steif und kalt, mit zerschmert- terlem Kopf und seinem Revolver in der erstarrten Hand, aufgefunden wurde. Die Untersuchung der Waffe bezeugte, das ein Lauf abgefeuert war, ünd einige Leute erinnerten sich auch, am Sonnabend etwa um Mitternacht einen Schuß gehört zu haben. Daß der Mmenbefitzer durch fremde Hand ein gewaltsames Ende gefunden hatte, schien demnach wahrscheinlich, aber bei der gerichtlichen Untersuchung fand sich kein stichhaltiger Beweis für diese Annahme.
Die Polizei hatte wohl genügende Verdatchsgründe, da der Tote bet den Streikenden so verhaßt gewesen war, u. verfolgte eine Zeitlang jede Spur, aber diejenigen, welche mit den näheren Umständen des Unglücksfalles bekannt waren, bewahrten aus persönlichen Rücksichten absolutes Stillschweigen.
Einige Tage nach Wiedemanns Tode wurde zur
Gegenvorschäge folgendes Verfahren vereinbart: Die deutschen Vorschläge werben den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Diese werden ihre Schlußfolgerungen formulieren und an den Rat der Vier senden, der darücker entscheidet, inwieweit den Schlußforderungen stattgegeben werden soll. Auf keinen Fall kann die Erörterung verlängert werden und die Deutschen werden die letzten Beschlüsse der Sieger schnell anzu- nehmen haben.
— Ein Streikgesetz. Es verlautet, daß bei der Regierung Erwägungen über gesetzliche Maßnahmen zur Unterdrückung von Ausständen im Gange seien. Die Bestimmungen des Staattkommissars für Ober- schlefien über den ArbeitSzwang in den Bergwerken haben eine so günstige Wirkung gehabt, daß man der Frage naher treten will, umfangreiche ArbeiterauSstände die das wirtschaftliche Seron schwer beeinträgtigen, mit gesetzlichen Mitteln zu verhindern.
— Amsterdam. (Holland und Deutschland.) Dem „Allg. Handelsdl" wird gemeldet, daß die Versendung von Steinkohlen aus dem Ruhrgebiet nach Holland gestern in gesteigertem Maße wieder ausgenommen worden ist. Nach demselben Blatte ist jetzt die Bezahlung von 8000 To. Gefrierfleisch, deren Ausfuhr noch Deutschland die Assoziierten gestattet haben, geregelt. Mit der Ausfuhr wird dieser Tage begonnen werden. Die Bezahlung geschieht in Gulden. Die Niederländische Ueberseetrust teilt mit, daß in Zukunft auch die Ausfuhr von Nordseeheringen nach den nichtbesetzten Teilen Deutschlands und Oesterreichs gestattet wird.
— Für sofortige Freilassung der Gefangenen. Wie der S. A. hört, ist an die Ailliierten eine Note ergangen in der verlangt wird, daß die deutschen Kriegsgefangenen da nunmehr die Friedensverhandlungen begonnen haben, sofort freigelassen werden. Der Friebensmrtraz sieht vor, daß die Gefangenen erst nach Ratifizierung freigelassen werden.
— Nach den Friedensbedingungen soll Deutschland ein Gebiet abtreten, das von ungefähr 5 Millionen Menschen bewohnt ist. Von diesen 5 Millionen Menschen sind die Hälfte rein-deutsche Volksgenossen.
— Reichseisenbahnkonferenz. Wie verlautet, findet am 13. Mai in Eisenach die erste Konferenz statt, um über die Bedingungen der Uebernahme der Eisenbahnen der Einzelstaaten durch das Reich und die Feststelluung der zu zahlenden Entschädigungen zu verhandeln. Beteiligt sind sämtliche deutsche Staaten mit Eisenbahnbesitz, also Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Mecklenburg-Schwerin und Oldenburg.
— Berlin. Zur Prüfung der deutschen Antwort auf den Friedensvorschlag wurden in Versailles 5 Kommissionen eingesetzt Die Kommission für militärische und politische Fragen steht unter dem Vorsitze des Gesandten v. Hantel, die willst aftlichen Fragen führt v. Stockhammer, die Finanzkommission Dr. Melchior,
allgemeinen Ueberraschung ein Testament des Minen- besitzers eröffnet, in welchem er jeden Pfennig, den er besaß, seinem Freund und Geschäftsführer Albert Diedrich vererbte. Besondere Freude erregte diese Tatsache nicht, denn der Genannte hatte sich während der Leitung des Herrenschachtes bei den Bergleuten fad ebenso verhaßt gemacht wie der tyrannische Eigentümer selbst. Aber schon an dem Tage, wo die Sache bekannt wurde, tat der glückliche Erbe einen Schritt, der viel dazu beitrug, die öffentliche Stimmung zu seinen Gunsten umzustimmen.
Er ließ einige von den tüchtigsten Bergleuten kommen und teilte ihnen seinen Entschluß mit, die beabsichtigte« Lohnabzüge seines Vorgängers seinerseits nicht innnezu- halten. Am nächsten Morgen konnten alle unter den alten Bedingungen ihre Arbeit wieder aufnehmen, und was während des Streikes geschehen war, sollte niemand nachgetragen werden.
Sachs« war einer der ersten gewesen, die sich am folgenden Morgen im Herrenschacht gezeigt hatten und ihre Arbeit dort fortsetzten. Dann, im Winter, kurz vor Weihnachten, wanderte er mit Weib und Kind nach einem entfernt liegenden Fabrikdistrikt aus, und noch fünf andere Bergleute mit ihm, da sie zwischen sich und die Chaussee, auf welcher der Minenbesitzer in der Sommernacht sein Leben eingebüßt halte, einen beträchtliche« Zwischenraum zu legen wünschten. Doch kehrte Sachse später auf die dringenden Bitten seiner Frau in die alte Heimat zurück und ließ sich aufs neue in Langenau nieder.
Nach drei oder vier Jahren starb dann plötzlich sein geliebtes Weib und ließ ihn mit seinem einzigen Kinde, der hübschen, kleinen Jutta, allein. Nach diesem traurigen Ereiguis wurde Sachse in vieler Beziehung ein ganz