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mitAmtlichem Kreisblatt". Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum s5 Pfg.

M 38. Samstag, den 10. Mai 1919. 70. Jahrgang.

M Ie^ti gebe fei« Schei-m für mine KlikWchqcnen!

Groß Hessen oder Rheinfranken?

Der Direktor des Darmstädter Staatsarchivs, Dr. I. R. Dietertch, hat soeben seinen in der Hauptver­sammlung des Htflor-Ver.ins für daS Großherzogtum Reffen am 24. 3. gehaltenen Vortrag im Verlag düses Verems unter dem Titel:Großhesien oder Rhein- franken? Eine frammeskunoliche und geschichtliche Betrachtung" im Druck erscheinen lassen. Es lohnt sich, die wichtigsten Punkte Herauszugreifen.

Der erste Teil des VortrageS untersucht eingehend die stammeskundlichen Grundlagen des inr Auge ge­faßten gesamlhessischen Gebietes, und bringt dabei manches neue. Ais Hauptergebnis dieser vielumstrittenen germanischen Völkerschiebungen bleiben für uns bestehen, daß nach Chlodwigs großem Alamanensteg 496 chatilsche Franken, (die wohl noch nicht lange dem Frankenreiche angegliedert waren"), nunmehr endgültig die Alamanen zum Abzug zwangen aus den noch von ihnen besetzten mittelrheinischen Gebieten. Der chattisch hessische Stamm, lange zusammengepreßt und zurückgchalten, breitete sich jetzt mit staunenswerter Kraft bis zur Pfalz, bis an Nahe und Reckar aus, zunächst als Oserschicht und allmählich im 6. und 7. Jahrhundert die dort zurück­gebliebenen suebischen, aMmanischen u. a. Volksreste aussaugend. Volks- und Mundart, die sich so heraus- bildete, bezeichnen wir als rhei-ffränkisch. Das chattisch- Hessische hat sich nur im Norden des Gebietes haupt­sächlich in Niedecheffen rein bewahrt.

Diese Stammesverhältnisse vM^ss n nun den Vortragenden, dem neuen staatsäü^oäklÄ.een Dcgtipe Großhesseu" einen anderen, obwohl nahe verwandten gegenüber zu stellen, den er Rheinfranken nennt. Da aber anerkanntenmLssen das ganze rheinfränkische Gebiet sein stammliches Gepräge eben durch die chattrsch- hessische Oberschicht empfangen hat und es die gewöhn­lichste Erscheinung der Geschichte ist, daß der durchaus überwiegende und herrschende Stamm dem gewonnenen Lande auch seinen Namen aufprägt, wäre der Gegensatz: Großhesien oder Rheinfranken, ein Streit um Worte, wenn der Verfasser nicht feinen BegriffRheinfranken" zugleich gegenüber Großhesien die erweiterte Bedeutung zugedacht hätte, daß er auch Pfalz und Nahetal mit einbezieht. Er greift dam.t den Plan des deutschen Gliedstaates:Pfalz-Hessen". wieder auf, wie ihn Reichsminister Preuß in seinem Verfassungsentwurf und Pros. W. Vogel, der Berliner Geograph, in seiner Broschüre und Karte (Deutschlands bundesstaatliche Neugestaltung, Berlin 1919) vorgesehen hatten. Für Dieterich 'ist dabei das Entscheidende, daß nur durch solche M itaufnahme der Rheinpfalz Rheinhessen aus

Verginanns Ts^tevtein

Roman von Martin Förster. 5

(Fortsetzung.)

Die Mahnung kam zu spät. Einer der am meisten Betrunkenen sprang vor, um den Kopf des Pferdes zu fassen. Da ein Aufblttzen ein Knall und das erschreckte Tier stürzte im wahnsinnigen Galopp die Straße hinauf. Sachse und seine Freunde standen einen Augenblick und horchten auf die rollenden Räder, da plötzlich ein lauter Krach ein gellender Schrei und dann tiefes Schweigen!

Mein Gott, er ist herausgeschleudert," rief Sachse, das gibt ein Unglück!"

Als die Bergleute die Stelle erreichten, fanden sie ihren Herrn blu end und leblos neben dem zertrümmer­ten Wagen liegen. Sie hoben den Körper auf und versuchten, ihm die Lippen zu öffnen, Branntwein einzu- flößen. Alles umsonst. Dann, als sie die schreckliche Wahrheit nicht länger bezweifeln konnten, stahlen sie sich wie die Diebe über die Felder davon. Alle waren jetzt nüchtern geworden und die bis dahin so beredten Zungen wie gelähmt durch starres Entsetzen. Wa« sie gewollt, war ohne ihr Zutun geschehen. Eine höhere Hand hatte gnädig ein Verbrechen verhütet.-----

Es war im Rosenmonat. Die Bögel sangen, die Blumen blühten, und in den Wiesen duftete das frischgemähte Heu.

An einem der grün umsäumten Pfade, welche vom Dorfe Langenau zur Ehsuffee führen, saß ein Mädchen auf einer Grasbank unter dem Schatten einer Hage- dornhecke. Sie war eine ungewöhnlich liebreizende Erscheinung, blondlockig, blauäugig, von wunderbar

seiner sonst zu großen überrheinischen Vereinzelung erlöst und zugleich nur in solcher starken mittelrheinischen Stellung der neue Staat seine verbindende mitteldeutsche Aufgabe vollkommen erfüllen werde. Auch Dieterich (derGe- lehrte stammt selbst aus mlthessischer Familie) ist darin Großhcsse", daß er (S. 16.) den Zusammenschluß beider Hessen nach langer geschichtlicher Trennung freudig begrüßt; aber derBegrtffGroßh<ssens ist ihm zu eng, er will einenstreng paritätischen" Staat, der seine Alt­hessen wie auch seine Kurmainz« und Kurpfälzer, Katholiker und Protestanten zufriedenstellt. Dazu werde der BegriffRheinsranken" die größere Werbe- kraft haben.

Wie in diesem Plane, etwa durch kräftige Ausge­staltung der Eisenbahn- und WafferstraßenetzeS usw., NiederhkAm und Kassel z» »ollem Recht kommen können, wie weit beiden vielgestaltigen Möglichkeiten des künf­tigen Deutschlands der Plan ausführbar sein wird, muß die Zuknnft lehren. Dr. H. B.

Deutsches Reich.

Der Verfassungsauschuß der Nationalversammlung sprach sich für die Uebernahme der Eisenbahnen auf das Reich und für den Erwerb aller Privat-Eisen- bahnen aus.

Aufhebung der Ortsschulaussicht. Der Entwurf über die Aufhebung der Ortschulaufsicht in Preußen wird der Landesversammlung in den nächsten Tagen zugehen. Er sieht die völlige 1 ffhebung der Ortsschul- aussicht vor. O.^ ^retsschula rsstcht soll durch Fach­männer erfolgen.

An zuständiger Stelle wird den Pol.-Parl. Nachr. bestätigt, daß die Erleichterung unserer Lebens­mittelversorgung noch sehr gering ist. Die Fortdauer der Schwierigkeiten sei ausschließlich auf die sparta- ktstische und unabhängige Verhetzung der Arbeitermassen zurückzuführen.

Streik in Italien. In ganz Italien, außer in Mailand, ist das Personal der Kleinbahnen, der Tram­bahnen und der Binnensee-Schiffahrt, insgesamt 100 000 Personen, in Streik getreten.

In Versailles hat der Austausch der Vollmachten und wechselseitige Prüfung derselben stattgefunden. Zwei Tage sind dazu nötig gewesen. Nun werden 10 Tage zum Studium des Entente Eutwurfs gegeben. Dann soll eine 14 tätige Frist bis zur Entscheidung laufen. Der Vorfriede kann also im günstigsten Falle erst Ende Mai unterzeichnet werden. Also weitere Wochen der Ungewißheit und furchbarer Spannung hat das deutsche Volk neben seinen inneren Nöten durchzu-

zierlichem Wuchs und durchsichtigem Kolorit, eine eben erschlossene Menschenkno'pe in dem ganzen Zauber ihrer achtzehn blühenden Lenze.

Ihre Kleidung war aufs äußerste einfach; der breit­randige Strohhut lag neben ihr auf dem Gras«, und sie hielt ein Buch auf den Knieen, das sie wahrschein­lich zum Nachdenken anregte, denn sie schaute sinnend über dasselbe hinweg inS Weite.

Nach einer Weile wurde durch näherkommende Schritte ihre Aufmerksamkeit geweckt, und als sie den Weg hinunterblickte, sah sie die Gestalten zweier Fuß­gänger. Den einen derselben, einen kräftig gebauten Mann von fünfzig Jahren mit flammend rotem Bart, kannte sie wohl. Es war Albert Diedrich, der jetzige Besitzer des HerrenschachteS.

Sein Begleiter war halb so alt, hatte eine frische Gesichtsfarbe und blondes Haar. Seine Verwandtschaft mit dem anderen war unverkennbar. Der jungt Rann war elegant gekleidet und hatte einen guten Wuchs und wohlgebildete Gesichtszüge. Als die beiden Männer an dem Mädchen vorübergingen, nickt« der ältere, Diedrich, ihr lächelnd zu, erhielt aber einen sehr förm­lichen Gegengruß. Der jünger« streift« dte Erschnnunz erst mit einem flüchtigen Blick, wuxbtt sich dann aber noch einmal nach ihr um und rief im Don, höchster Ucberraschung:Alle Wetter, Onkel, »er ist biefe Schönheit?"

Meinst Du die Kleine da!* fragte der andere «in wenig kühl.

Jawohl; sie ist ja ein reizendes Gtschöpf."

O, sie ist eine von den Dorfmädchen, di- Tochter eines steifnackigen Bergmanns, welcher in meinem Schacht arbeitet."

kosten. Der Friedensvertrag in französtschisch-engltscher Sprache gedruckt, umfaßt 350 Quartseite». Erfreulich ist vorläufig, daß grundsätzl.ch beschlossen worden ist, daß die nach dem Waffenstillstand in Frankreich zurück- gehaltenen deutschen Kriegsgefangenen durch den Vor- friedenSvertrag Deutschland zurückgegeben werden. Dieses verpflichtet sich dagegen, eine gewisse Anzahl Handwerker und gelernte Arbeiter nach Frankreich zu schicken, um die Wiederherstellung der verwüsteten Ge­biete zu fördern.

Berlin. (Der Wohnsitz des Reichspräsidenten.) Nach der D. Z. ist als künftiger Wohnsitz des Reichs­präsidenten das bisherige Kronprinzenpalais Unter den Linden in Aussicht genommen.

Berlin. (Die Lage im Reiche.) Die Lage im Reiche kann hinsichlich der Prod»cktionStätigkeit als beruhigt bezeichnet werden. Nur in Mannheim ergaben sich Schwierigkeiten, die durch den Kohlenmangel Her»or- gerufen sind. Die Arbeitslosigkeit in dieser Stadt ist noch relativ hoch ; am 30. April waren dort noch über 6000 Personen beschäftigungslos.

Halle a. S. Halle erhält die 7., 8. und 9. Kompagnie der Landesjäger mit Artillerie- und Kavellerie- Abteilungen als ständige Garnisonierung. Heute rückten bereits zwei Kompagnien ein.

Heimkehrende Gefangene. Von den in ameri­kanischen Händen befindlichen stauten und verwundeten deutschen Gefangenen, deren Heimbeförderung am 5. April begonnen hat, sind bis jetzt 90 Offiziere und 2492 Mann freigegeben worden. Am 25. April ist ein neuer Transport mit 265 deutschen Gefangenen von Tours nach Limburg abgegangen.

(Die Kameruner wollen deutsch bleiben.) Wie verlautet, hat eine Abordnung englischer Offiziere Ka­merun bereist und sämtliche Häuptlinge befragt, welche Nation sie als Schutzmacht haben möchten. Dis Si»- geborenen baten einstimmig um die Entfernung der Franzosen aus Kamerun, die Mehrzahl sprach sich für eine deutsche Besetzung aus.

Der englische LebenmitteldampferSueenlatt" ist mit 2600 Tonnen Lebensmittel, »on London kommend, im Hamburger Hafen eingetroffen. Der Dampfer ist der erste englische Dampfer, der nach Kriegsausbruch nach Hamburg gekommen ist.

In Hobocken behalten die Deutschen »on ihren großen Kaianlagen noch drei Stück.

Der frühere russische Gesandte in Berlin, Joffe, soll bei der Einnahme von Äilna getötet worden sein.

Petersburg wurde durch Finnen besetzt.

Wie heißt sie?"

Wie sie heißt? Jutta Sachse. Aber gib Dir keine Mühe, hat durchaus ihrrn eigene» Geschmack »»d gehört za den Früchten, die »icht für je>n**nn ge­wachsen sind. Aber um auf da» zurückzukom««», Bernhard, was ich vorhin sagte. Senn Du »irklich entschlossen biß, seßhaft zu werde», weder schwere Arbeit noch mäßigen Lohn sch«, so will ich mich be­mühen, eine Beschäftigung im Berg»erkskontor für Dich zu finden."

Die Seiden Männer setzten ihr«n Weg fort, und Jutta versank wieder in ihre Träumereien.

Es währte nicht lange, so wurde di« »ohltuende Stille durch die heiseren Töne der Dampfpfeife au* den verschiedenen Schächten unterbrochen und somit di« MittagSstund« angedentet. Es »«r Zeit für sie, nach Hans« zu gehen, »m ihren Keinen Haushalt in Ord­nung in bringen, ehe ihr Setter heimkehrte. Sie erhob sich, streifte die Srashalme »,n ihrem Anzug und ging auf dem Fußpfade nach Ungenau zu.

Der Weg zu dem Häusche», in welchem di« Sachs«- wohaten, führte an einem Stück Weideland entlang, da, durch eine Hecke «ingefriedet war. An der hölzernen «arrier», welche den Eingang schloß, leh»t« ein Mann Mit jungem, hübschem Gesicht, aber abgetragenen Kleider« »nd bestaubten Stiefeln. Als J»tta mit zögerndem Schritt bei ih« vorüber ging, redete er sie an und fragt« mit besonders wohlklingtnder Stimm« nach dem Wege zum Herrenschacht.

Jutta gab freundlich Au»k«nft und der Fr««de wandt« sich zum Gehen. Aber er sah so»e und abgehetzt aus, und der »etße Staub, der die ganz« Gestalt bedeckt«, mußte ihm die Kehle «usgedörrt haben. (Forts, folgt.)