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mitAmtlichem Kreisblatt". Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt

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Erscheint Nlittwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum f5 Pfg.

M 37.

Mittwoch, den 7. Mai 1919.

70. Jahrgang.

Die erste Sitzung des Aeichsausschusses der KriegsSeschädtigLen- und Knegstzinterbliebenenfürsorge.

Der Nrichsausschuß der Kriegsbeschädigtenfürsorge, zu dem sich alle deutschen amtlichen Organisationen der Kriegsbeschädigtenfürsorge im September 1915 zusammen» geschloffen hatten, hat sich am 12. Slpril 1919 aufgelöst, weil seine Aufgaben nach der Verordnung vom 8. Februar 1919 auf den neuen RetchSausschuß der Kriegs­beschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge über­gegangen find, der dem Reichsarbeismtntfterium bei­gegeben ist.

Durch die neue gesetzliche Regelung sind die soziale Kriegsbeschädigten- und KriegShinterbliebenenfürsorge, die sich in ihrem Wesen so nahe verwandt sind, aufs engste vereint und zugleich als Aufgaben des Reiches anerkannt worden, ohne daß dadurch die Mitarbeit der freien Wohlfahrtspflege eingeschränkt werden soll. Der organisatorische Ausbau beider Fürsorgegebiete soll sich an die bestehenden Fürsorgestellen möglichst nahe an­schließen; er wird derartig geordnet, daß sowohl in den Beiräten der örtlichen und Hauptfürsorgestellen, wie auch in dem Reichsausschuß selbst die Kriegsbeschädigten und Kriegsyinterdttedenen vertreten sind und in der praktischen Fürsorgearbeit mitwirken. Dem Reichsaus­schuß gehören außer diesen Vertretern der Kriegsbeschä digten und Kriegshinterbliebenen und einigen auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge erfahrenen Persönlich­keiten vor allem die Vertreter der Hauptfürforgestellen an. Da die Bildung der neuen Hauptfüosorgenellen noch nicht überall durchgeführt ist, die Vereinigungen der Kriegsbeschädigten uns Kriegshinterbliebenen, die «neL yder mehrere Vertreter in den Rnfl^usschu entsenden können, noch nicht bestimmt sind und somit die Zusammensetzung des ReichsausschuffeS noch nicht endgültig feststeht, wurde die Satzung des neuen Reichs- ausschusses am 12. des Monais zunächst nur vorläufig beschlossen. Zum Vorsitzenden wurde der Vorsitzende des bisherigen Reichsausschusses, Landesdirektor von Winterfeldt, Berlin, zum steuvertretenden Vorsitzenden, der Vorsitzende des Beirats der Nattonatsufmng, Ministertalrat Dr. Schwey:r, München, vorläufig ge­wählt. In diesen Wahlen fand die Anerkennung für das, was Reichsausschuß und Nationalstiflung bisher geleistet haben, deutlichen Ausdruck. Ihrer ersprießlichen Mitarbeit gedachie auch UuteriiaatSsek.etär Caspar, der in Vertretung des dienstlich behinderten ReichSarbeits- mintsters die Sitzung leitete, mit warmen Worten des LankeS. Die Verhandlungen ' des Reichsausschuffes galten in erster Linie der Errichtung der Hauprfür forgestellen und der weiteren Durchführung der Ver- ordnung vom 8. Februar 1919 über die soziale KriegS beschädigten- und Kriegshinterdliebenenfüi sorge; dabei wurde einstimmig der dringenden Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß das Reich unverzüglich ausreichende Mittel für die soziale Kriegsbeschädigten- und Kriegs- hinterbliebenenfürsorse be.eitsteuen solle, da die frei­willigen Gaben der VollSspcnde für Kriegsbeschädigte (Ludendorff-Spende) und der Ratiooalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen nur für die ergänzende Fürsorge verwendet werden dürfen.

Deutsches Reich.

Der Wiederzusammentritt der Nationalversammlung.

Die Nationalversammlung soll nach einer Meldung des Berl. Tagebl." nun doch in Berlin vorausstchtlich am Donnerstag zusammentreten. Als Tagungsort ist die alte Bibliothek neben dem Palais Kaiser Wilhelms 1 ausersehen. Es soll fich nur um einige wenige Voll­sitzungen handeln, in denen nur die FriedenSfragen erledigt werden. Dann soll die Nationalversammlung mach etwa 14 Tagen biS 3 Wochen wieder nach W.imar zurückkehren. Die AnSschüffs sollen in der Zwischenzeit in Berlin ihre Arbeiten erledigen.

Die Errichtung von Einwohnerwehren wird in Preußen sämtlichen Ortschaften zur Pflicht gemacht, um «gegen die mit deren schweren Levensmüttlnot zu nehmende Unsicherheit in Stadt und Land, gegen die aus dem Anwachsen des Verbrechertums enstehende größere Gefahr für Leben und Eigentum, gegen be­waffneten Aufruhr, Plünderung und Bandendiebstahl sich selbst zu schützen." Die Mitglieder dieser Wehren sollen 24 Jahre alt und wenn möglich Feldzugsteil- nehmer sein; sie sollen sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammensetzen. Die Mitglieder müssen sich auf die republikanische StaatSform verpflichten und versprechen, treu hinter der vom Volke gewählten Regierung zu stehen und ihre Gesetze und öffentlichen

Anordnungen nötigenfalls mit Waffengewalt zu schützen. Der Dienst soll, soweit möglich, ehrenamtlich sein.

Die Bedeutung Argentiniens für unsere Ver­sorgung. In dem Ausfuhrhandel Argentiniens nahmen die bedeutendste Stellung die Erzeugnisse der Viehzucht und der Landwirtschaft ein. Das von der Statur so sehr begünstigte Land exportiert alles nur Erdenkliche, angefangen vom lebenden Vieh, den Häuten, der Wolle Büchfenfleisch, Margarine, Butter, Käse usw. bis zu fast sämtlichen Getreidearten und Wein. Es ist nun von größter Wichtigkeit, festzustellen, welche Mengen unmittelbar für die Verschiffung zur Verfügung stehen, und zwar aus früheren Ernten und aus der jetzigen. Eine ausschlaggebende Rolle spielen natürlich die Eisen­bahnen und der Schiffsraum. Nimmt man an, daß diese zur Bewältigung der Transporte ausretchen, so dürften zurzeit etwa 5 Millionen Tonnen Weizen, 8 Millionen Tonnen Mais, 8- bis 900 000 Tonnen Hafer, mindestens 800 000 Tonnen, vielleicht aber auch über 1 Million Tonnen Leinsaat und 3- bis 400 000 Tonnen Gerste usw. verladen werden könne». Man glaubt, nach zuverlässigen Schätzungen, daß von der letzten Wollschur noch die Wolle von 20 Millionen Schafen in Erzeugerhänden ist, während schon die von 40 Millionen (einschl. der aurgesührten) durch die Hände der Händler gegangen ist, gegen 39 Millionen im Jahre vorher und 45 Millionen vor zwei Jahren.

250 Kohlenschächte ersoffen. In Rheinland und Westfalen sind 250 Kohlenschächte ersoffen. Der Reichs- kohlenkommissar hat angeordnet, daß alle geförderten Kohlen zur Inbetriebnahme der Pumpen an die Zechen zu liefern find, welche unter Wasser stehen. Es besteht daher zunächst keine Aussicht, daß die Kohlenknappheit auihört.

Der Zusammenhang von Alkohol und Ver­brechen wird mittelbar durch die Erfahrungen beleuchtet, die man vielfach während des Krieges gemacht hat, wo der bekannten Verminderung des Alkoholsverbrauch» ein Rückgang der Vergehen und Verbrechen zur Seite ging. So weist in einer auf die Provinz Schlesien bezüglichen Untersuchung Oberarzt Samtäcsrat Dr. Zierrmann u. a. auf einen Bericht der OberstaatSanwaltschaft in BreSlau hin, aus dem Hervorgcht, daß sich die günstigen Einwirkungen der Kriegsmaßnahmen auf die Straf- fälligkeil deutlich erkennen lassen. Danach wurden mit den Schnapsbeschränkungen während der Kriegszeit Erfahrungen ganz ähnlicher Art gemacht wie im Jahre 1913 in Obelschleften, als grlegenilich eines Lerzar- detrerstreiks die Bramweinschankstätten geschloffen worden waren. Es ist damals in dieser Zeit keine einzige Ausschreitung, keine Bluttat »der ein ähnliche» schweres Verbrechen vorgrkommen, während unmittelbar nach Oeffnung der AuSschänke die Kriminalität wieder ihr gewöhnliche» Bild zeigte. Auf Grund seiner Nachweise kommt Dr. Z. zu dem Ergebnis, daß es in hohem Grade wünschenswert sei, daß die Einschränkung bet AtkoholtSmuS nicht nur eine vorübergehende Errungen­schaft des Krieges bleiben möge.

Schleswig Holstein. Beim Staatsministerium haben kürzlich Besprechungen mit Vertretern Schleswig- Holsteins staltgefunden. Die Staatsregierung ließ bet Schluß dieser Besprechungen erklären, daß sie für eine starke Vertretung der geäußerten Wünsche und der ge- samten Interessen Schleswig-Holsteins bei den bevor­stehenden FrieoenSverhanvlungen eintreten werde. Die Regierung werde es sich angelegen sein lassen, bet der in Vorbereitung befindlichen VerwaltungSreform für den ganzen preußischen Staat, die in der Durchführung demokratischer Grundsätze und .umfassender örtlicher Selbstverwaltung ihren Kern finde, die Eigenart Schlrswig-HolftetnS. im Rahmen Preußen» zu voller Entfaltung zu bringen. Dabei werde energische wirt­schaftliche Förderung, Beschleunigung der Eindeichungen und des Ausbaues der Verkehrswege im Vordergründe stehen müssen. Bet der Umstellung von Heeres- und Marinebetrieben werde die Regierung nach den Wünschen der Provinz zu helfen bemüht sein.

Bamberg. (Erschießung der Kommunistenführer.) Von der Regierung Hoffmann wird folgende Mittei­lung auSgegeben: Die Kommunistenführer Landauer und Eglhofer sind verhaftet. Sie werden ebenso be­handelt werden, wie sie die Geiseln behandelt haben, die in einer Anzahl von 8 bis 10 am Luitpoldgymnasium erschossen worden find. Eglhofer werbe heute früh bereits standrechtlich erschossen. Am BahnhofSviertel wird der hauptsächlichste Widerstand geleistet, ebenso in den südlichen Teilen der Stadt. Der Häuserkampf ist zur Zeit außerordentlich heftig. Auch verhetzte Frauen beteiligen sich daran. Unter den auf der RegterungSsette

Gefallenen befindet sich auch der General v. Ragel- Sichberg

Nürnberg. (Der Kampf in München.) Nach hier eingelaufenen Meldungen dauerten in München die Barrikadenkämpfe im Norden und Nordoste» der Stadt die ganze Nacht durch mit außerdentlicher Er­bitterung an. Teilweise griff auf Seite der Regierung»- truppen die Artillerie in den Kampf ein. Die Zahl der Toten wurde bisher auf 200 geschätzt. Privat- meldungen aus München bestätigen die Ermordung von zehn Geiseln durch die Spartakisten.

Aus München. Wie ein Augenzeuge aus München erzählt, wird dort die bessere Bevölkerung durch dauernde Haussuchungen, die auch nachts statt- finden, beunruhigt, die meist mit Diebstahl und Raub verbunden sind. U. a wurde das Kapuzinerkloster und verschiedene Schwesternschaften, darunter das milden Zwecke» dienende,Ma«ienhei«' vollständig auSgeplündert. Die rote lernet ist sichtlich im Zerfall begriffen. Die militärischen Gegenmaßnahmen schreiten sehr rasch und plaamäßig fort.__

Mahnruf au alle Obstbaumbefitzer.

(Gleichviel ob es sich um Obstbaum auf Feldern »der Wiesen, in Plantagen oder in Gärten handelt.)

Verdoppelt Eure Ernten an dem nun endlich als für die Volkswirtschaft wichtig anerkanntem Obst aller Arten durch Befolgung nachstehender Ratschläge:

1. Vor allem nötig ist sorgfältige richtige Pflege, Düngung und Schädlingsbekämpfung, die leider noch überall in den Kinderschuhen steckt!

2. Macht vor allem die Baumscheiben vom Stamme aus bis zur Kronentraufe vollkommen frei von allem Graswuchs, der immer die notwendige Ernährung der Bäume hindert, inoem das Regen- und Tchmelzwaffer und die Düngstoffe festgehalten werden und daher den Bäumen verloren gehen!

3. Entfernt den Graswuchs für alle Zeiten und laßt ihn nie wieder auskommen.

4. Lockert jede Baumscheibe.

5. Düngt sie mehrmals im Jahr mit Mist oder nassem Torfmull, Kalk, Thomasmehl, Superphosphat, Kalisalz, schwefelsaurem Ammoniak, Kalksttckstoff usw., darin sind die 4 wichtigsten Bestanotctle einer Volldüng- ung enthalten. Die Ausgaben dafür kommen wieder durch reichere Obsternten und häufigere volle Tragbar- keit der Bäume herein; auch der Verlust an Heu wird veroielfacht dadurch wettgemacht! (53 wächst ja sowieso unter den Baumkronen das Gras nur ganz mangelhaft.)

S. Bei anhaltender Trockenheit wässert Eure Bäume aber nicht an den Stämmen, sondern im Bereiech der Kronentraufe, da sich dort die Faierwurzeln befinden, die allein die Aufnahme der Nährstoffe besorge». Durch solche Pflege wird der »öden durchlüftet und den Bo­denbakterien der nötige Sauerstoff zugeführt, sie dan­ken eS Euch durch restlos« Umarbeitung der Nährstoffe, die den Bäumen und dem Blütenansatz zugute kommen.

7. An hügeligen Standorten der Obstbäume «äffen die Baumscheiben iu eine ebene Fläche gebracht werden, damit das Tagwasser den Bäume» erhalten bleibt und es nicht zu Tal abfließe» kann.

8. Der abgestochene Rasen muß talwärts als hoher Wall geschichtet werden, bergwärt« vom Baum wird soviel Erde abgegraben und an den Wall gebracht, bis ein schwalbenuestartiges und gegen den Ber, abfallende» Gebilde geschaffen ist, das den Zwecken der Lafferzu- führung in Zukunft allezeit entspricht. Wer seine auf hügeligem Gelände stehenden Obstbäume nicht in dieser bewährten Weise unterstützt und diese Wafferfänge nicht immer in Ordnung hält, muß auf nennenswerten Er­trag verzichten! , .

9. Weiter: Haltet dt« Kronen der Bäume immer so licht und luftig, daß man auch in beblättertem Zustand« durch das Gezweig gut hindurchsehen kann! Wenn nicht alle Teile der Krone, also alle Blätter und Früchte von der lieben Sonne beschienen werden, ist die Menge der Früchte, deren Geschmack, Größe und Färbung immxr mangelh^t.^^t aa.^c(j4 j>ie Rinde der Stämme und Aeste von abgestorbenen Teilen, sowie von Moos, Flechten und Ungeziefer und bestreicht alle so behandelten Stellen mit 20proz.Obstbaumkarbolineum".

Lokales und MovinzieLes.

Schlüchtern, den 6. Mai 1919.

*vHerrn Stadifekretär Alt wurde aus Anlaß feiner 25 jährigen Dienstzeit bei der Stadt der Titel Sladtobersekreitr verliehen und eine Ehrengabe von 500 Mark überwiesen.