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mitAmtlichem Kreisblati". Wochcubeüsze: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Amtliches.

Betr. Ziegenmilch.

J.-Nr. 3705 K. G. Nachdem die Milchziegen größtenteils gelammt haben, ersuche ich die Herrn Bürgermeister und Gutsvorüeher von den Besitzern von Mtlchziegen unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnissen je nach Lage des Falles (M.lchertraz, Personenzahl, Zahl und Alter der vorhandenen Kinder rtr.) nach der Richtlinie der dem betreffenden Haushalt zustehende Fettmenge 12 Fetikarten pro Ziege ein- zuziehen.

Vom B-zuge von Vollmilch auf Schein sind die Ziegenhaltcr unter Berücksichtigung der Fettanrechnung insoweit auszuschließen, als der ihnen gesetzlich zustehende Mlchbedaif schon durch ihren Ziegenmelchertrag gedeckt ist.

In Zwciselsällen wird die Lage durch einen Sachverständigen oder einer Kommission festzustellen sein.

Auch können Ziegenhalter erst in zweiter Linie beim Verkauf von Magermilch durch die Verkaufsstellen berücksichtigt werden.

Schlüchtern, den 28. April 1919.

Der Vorsitzende des KreiSauSschusses.

Verteilung von Kerzen.

Den Gemeinden können wieder Kerzen zugeteilt werden. Die Herren Bürgermeister, wollen unter Angabe der Anzahl Haushaltungen, für welche Kerzen gewünscht werden, solche bei der Einkaufsstelle in Schlüchtern bis zum 5. Mai bestellen.

Bet den jetzigen Bahnverhältniffen empfiehlt es sich dringend, die Kerzen in Schlüchtern abholen zu lassen.

Schlüchtern, den 22. April 1919.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J.-Nr. 5477. Dem Tierarzt * Dr. Cämmerer in Steinau uno dem Tierarzt Bergien in Sterbfritz ist mit Genehmigung des H-rcn Regierungspräsidenten die Ergänzung-fleischbeschau im Kreise Schlüchtern in allen den Fallen übertragen worden, in denen die genannten zur tierärztlichen Behandlung zugezogen worden sind.

Der dem Tierarzt Dr. Cämmerer unter dem 5. Oktober 1914 I. Nr. 12338 Kreisblatt Nr. 51 erteilte Auftrag ist zurückgezogen worden.

Schlüchtern, den 28. April 1919

Der Landrat von Trott zu Solz.

I -Nr. 608. Die Herren Bürgermeister werden nochmals auf pünktliche Einhaltung des Termins zur Meldung der Ausgaben für die Erwerbslosen-Unter stützungen gemäß diesseitiger Verfügung vom 18.1. 19 J.-Nr. 292 hingewiesen. Ebenso ist auf ge­nauere Ausfüllung der Nachweisung zu achten. (zum 2. j. Mts.)

Bergmann« (Eocbterlein.

Roman von Martin Förster. 5

(Fortsetzung.)

Es war zwischen elf und zwölf Uhr abends, als auf der weißen Chaussee, welche nach Langenau führte, ein kleiner Trupp der ausständigen Bergleute heimwärts wanderte. Es war Sonnabend und der Löhnungstag in den benachbarten Mtmn, und die Bergleute hatten einen entfernten Schacht besucht, um von ihren Kame­raden einen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Streikes einzusammeln.

Daß sie nicht mit leeren Händen entlassen waren, zeigte ihr mehr oder weniger angeheiterter Zustand. Als sie Arm in Arm die Straße entlang schritten, ertönte aus threu Kehlen lautes Gelächter, heiterer Gesang, und ein fremder, ihnen begegnender Wanderer würde nicht geahnt haben, daß sie sich im Zustande verzweifelter Gegenwehr fanden.

Eirer von ihnen schlug vor, ein wenig Halt zu machen, aber Sachse ermunterte zum Weitergchen.

Er war efner der Nüchternsten und wünschte zu Weib und Kind zurückzuk-hren.

Er wurde aber überstimmt.

Ich habe eine Flasche Branntwein, Kinder, rief einer namens Nemnann;seht, hier ist sie. Setzt Euch, Kameraden, und machts Euch bequem. Es soll dem alten Leuteschinder schlecht bikommc», daß er uns verhungern läßt."

Ich möchte lieber nach Hause gehen," sagte Sachse wieder.Meine Frau wartet auf mich."

So wird das Deiner Alten nicht schade«, Kamerad," «»twortete Neuman«.Kemm', setz' Dich, wenn die Flasche leer ist, gehen wir alle.-

Mittwoch, den 30. April 1919.

Ausgaben, die künftig nicht zum «»gegebene» Termin gemeldet werden, können nicht mehr berücksichtigt werden, sondern müssen von den Gemeinden voll und ganz getragen werden. F-hlanzeige ist erforberlich.

8s wird ersucht, künftig auf jeder Lifte noch die Zahl der UnterftStzungStage in einer Summe zu ver­merken.

Schlüchtern, den 28. April 1919.

Kreis-Fürsorgeamt.

IrüHtingsreigm.

Kommt flink, ihr Mädchen, herbei, herbei! Wir grüßen den Frühling, den König Mai!

Und vor der Schönsten

, Knien wir hin,

Wir kränzen mit Blumen Die Maikönigin.

Horch nur, die Amseln Singen im Hag, Begrüßet mit Jubel Jedweden Tag.

Kommt flink, ihr Mädchen, herbei, herbei! Wir grüßen den Frühling, den König Mai!

Die Sonne leuchtet,

Das Herze wird weit, Es pocht so mächtig In Seligkeit.

Dar Glück soll man halten, Geschwind, geschwind, Zerstreut hat die Sorgen Der Frühlingswind.

Kommt flink, ihr Mädchen, herbei herbei, Wir schlingen den Reigen im wonnigen Mai.

Hedda v. Schmih.

^^auf?

Das F.ühaufstehen hat mit Recht bei allen Natur­völkern stets in großem Ansehen gestanden. Erstens verlängert es wirklich den Tag und somit die ArbeitS- zeit. Wer einmal ins Schlafen kommt, der wird nie fertig. Die Langschläfer sind den ganzen Tag miß­mutig, träumerisch, und so geht die Arbeit nicht vom Fleck. Der Vormitternachtsschlaf ist der beste. Das ist darum besonders wahr, weil diese Redensart aus der Erfahrung heraus entstanden ist. Der Schlaf­mangel einer Bsrmitternachtsstunde verlangt mindestens zwei Stunden Schlaf am Morgen, wenn dieselbe Stärkung erfolgen soll. Noch nachteiliger wirkt der Schlafmangel der NachmitternachtSstunden. Denn der Sonnenstand hat unbedingt Einfluß auf den Organis­mus des Körpers, das sieht man an den T:eren, namentlich an den Vögeln, die mit Sonnen-Untergang schlafen gehen. Die Wirkung der aufgehenden Sonne ist eine andere, wie die der niedergehenden. Die Morgensrifche hat besonderen gesundheitlichen Wert.

Da Sachse kein Spielverderber zu sein wünschte, setzte er sich zu den Genossen auf die grüne Bank; die gefüllte Flasche ging von Hand zu Hand und von Mund zu Mund, wobei die Unterhaltung immer lauter und lärmender wurde.

Dort sitzt der alte Geizhals und bebrütet seine Schätze!" sagte einer, auf das in der Ferne sichtbare Herrenhaus deutend, in dem noch ein paar Fenster erhellt waren.

Ja," erwiderte Sachse,Licht ist in seinem Zimmer. Ob er wohl Pläne ausheckt, wie er uns am besten fassen kann?"

Wenn wir den alten Tyrannen doch hier hätten! Er sollte b ld auS einem anderen Ton pfeifen!" rief einer der Männer zähneknirschend.

Wär es nicht ein Hochgenuß, ihm den Hals umzudrehen?"

Es folgte ein Jubelschrei, während die Flasche aufs neue die Runde machte. Dann schwiegen alle und horchten auf. Man hörte da» Rollen eines Wagens und das scharfe Klappern von Pferdehufen. Das Geräusch kam näher und näher. Sachse erhob sich und fragte seine Begleiter, ob sie bereit seien, nach Hause zu gehen. Sie standen widerwillig auf, und als sie sich dem Dorf« zu bewegten, begegnete ihnen das Fuhrwerk gerate vor dem verschlossenen Tor der Feldmark. 6s saß ein Mann darin, und als er sie be- merkte, rief er im herrische« Tone:Heda, Ihr Burschen, will einer von Euch die Pforte dort öffnen ?"

Die Leute horchten auf. Der Sprecher war der Mann, den sie noch eben hatte» umbringen »olle». War ei nicht ein eigener Zufall, der ihn gerade jetzt in ihren Weg führte? Einige der Bergleute ließen

70. Jahrgang.

Bei allen Frühjahrskuren und in den Bädern spielt das Frühnusstehen eine anerkannte Rolle. Im Früh­jahr, zur Zeit der Sprossens und BlühenS, ist das Frühaufstehen sehr empfehlenswert! Zu keiner Zeit duftet Garten, Wiese und Wald so angenehm, frisch und erquickend, wie des Morgens. Jeden Morgen feiert die Natur ihr Auferstehungsfest aufs neue. Während des Tages maltet sich die Vegetation immer mehr ab. Der Naturfreund begreift nicht, wie während der schönsten Herrlichkeit in der Natur so viele Menschen schlafen können. Sie lernen die wahre Schönheit der Natur nicht kennen. So bringt das Frnhaxfstehen nicht nur Wohlstand, Gesundheit und Weisheit ins Haus, sondern es verschafft auch einen wahren, reinen Lebens­genuß. Also: Frühsuf!

Deutsches Reich.

Der Reichspräsident hat die Ernennung v<» Exellenz Dernburg zum Reichsminister der Finanzen vollzogen. Reichsminister Dernburg wird gloichzeitig das Amt eines Vizepräsidenten des ReichSministeriumS übernehmen.

Immer mehr dringt die Erkenntnis in unser Volk, daß von all den Leiden, die der Weltkrieg für den Einzelmenschen brächte, das Los unserer kriegs- gesasgenen Brüder doch bei weitem das Tragischste ist. Wenn eS vielleicht bisher für diese ihrer Freiheit be­raubten Unglücklichen einen, wenn auch noch so schwachen Trost gab, so war es der Gedanke, daß auf der anderen Seite ebenso viele Tausende ein gleich bitteres Schicksal für ihr Vaterland zu ertragen hatten. Diesen Trost gibt es für die Unsrigen nicht mehr. Franzosen Engländer, Italiener sind frei, und nur die deutschen Gefangenen warten mit brennender Sehnsucht im Her­zen auf den Tag, der auch ihnen Erlösung von einem jahrelangen Martyrium bringe-' soll. Ist W Hr: nicht die heilige Pflicht eines jeden von uns, diese Aermsten gerade in der letzten schwersten PrüfungSzeit mit helfender Bruderliebe zu stützen und ihn.n, soweit es in unseren Kräften steht ihr Los zu erleichtern? Ja, keiner von uns wird und darf fehlen, bei dieser gemein­samen Hilfaktion, die es sich zur Aufgabe macht, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unsere Kriegs­gefangenen durch stehtS erneute LiebeSspende von der Heimat tiefstem Mitgefühl zu überzeugen.

Die ersten 350 000 Tonnen deutsche« Handels- schiffsraums werden, auch wenn alles gut geht, nicht vor dem 1. Juni von Newyork zurückkehren. Aus Argentinien werden die zweiten 350 000 Tonnen im Juli in Deutschland ankommen. Für die Zwischenzeit find ungefähr 260 000 Tonnen aus den Ententevor­räten in Europa verfügbar gemacht worden, darunter etwa 30 000 Tonnen Schweinefleich, 20 000 Tonne« andere Fette,d as übrige Äetretdemehl, Erbsen, Bohnen und RriS. Die Preise sind genau, wie bei den Ver­

ein zornige- Murren hören, ader Sachse gebot ihnen Schweigen und trat zu» Pforte.

Sind Sie es, Herr Wiedemann?" fragte er mit der Hand am Riegel.

Ja," rief der Mtenenbesitzer scharf.Was tut Ihr hier, Sachse?"

Ich und meine Kameraden haben am Königsschacht eine Sammlung für uns veranstaltet," antwortete Sachse schnell.

Hm! Habt Ihr? Geht mich nichts an. Oeffnet die Pforte! Laßt mich nicht warten!"

Ich möchte ein Wort mit Ihnen sprechen, Herr Wiedemann, sagte Sachse in respektvollem Ton.

Ich habe jetzt tone Zeit," grunzte der andere; wenn Ihr mich z» spreche» wünscht, kommt morgen zu mir. Oeffnet die Pforte! Hol' 6n$ der Teufels feite er halblaut hinzu. Die Situation war ihm nicht gerade gemütlich.

W«nn Sie mich nicht anhörin wollen, können Gi« selbst alteigen und die Pforte öffnen," entgegnete Sachse, indem er beiseite trat.

AuS dem Weg«, ihr Schurke» I" schrie Wiedemann, als die übrigen Bergleute sich um den Kopf seines Pferdes scharten. Er fürchtete sich. Die Sache sah doch sehr «ach einem Komplott auf. Er mußte ver­suche«, de« Leuten zu imponiren.Ich sage Such," fügte er hinz«, daß ich bewaffnet bin, und daß ich schießen werde, sobald einer von Euch mir zu nahe k»»rmt."

Kommt zurück, Kamerade», und laßt den Feigling «ach Hause fahren," sagte Sachse verächtlch.Er denkt, wir haben th« aufgelauert."- (Forts, folgt).