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mitAmtlichem Kreisblatt"

Telefon 65.

Ji 31.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Alk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum (5 pfg.

Das Kreuz.

Schmucklos Kreuz, auf Fels erhöht, Ragend in des Himmels Bläue, Sonnumwobcn, sturmumweht, Immer wieder künd'st aufs neue

Allen Menschen hier im Tal,

Was auf Golgatha geschehen, Predigst stumm von Leidensqual Und von Tod und Aufersteh-n,

Breitest aus die Arme weit, Segnend, liebreich zu umfangen Menschenelend, Menschenleid, Still zu mildern Sorg' und Bangen,

Zeigst hinauf in die lichte Höh'n, Daß der Herr will alles wenden, Wenn wir dorthin unser Fleh'n, Unsre Blicke gläubig senden.

Schmucklos Kreuz, auf Fels erhöht Ob vom Sonnenglanz umwoben, Ob von Stürmen wild umweht Immer zeigst du stumm nach oben!

Arthur Scholz

Die Gesamtsynode für unsere Kriegsgefangenen.

Ansprache des Borsitzenden Superintendent D. Klingender.

Unter all dem, was in diesen Monaten schwer auf

unseren Herzen liegt, gibt es eins, was die Herzen jedes Vaterlandsfreundes so bekümmert wie nichts in den vergangenen Jahren. Zu all dem was an Schmerz über den Zusammenbruch unseres Volkes, unserer Zu­kunft, so vieler Einrichtungen, so vieler wertvoller dm-si unsere Seelen bei ein

Güter, die wir besessen ha

* l

geht, zu dem allen kom

Herz für unser Vaterland und die Brüder hat, der große Schmerz, daß 800 000 unserer Brüder heute noch, auch nachdem die fremden Kr.egsgesangenen aus- geliefert werden mußten, in Gefangenschaft schmachten und daß noch keineswegs das erlösende Wort gesprochen worden ist. UnS steht vor der Seele ihr Geschick. Wie viele unter uns hören, und wie v ele in unserer

weiteren Bekanntschaft und Freundschaft hören aus den Briefen und Nachrichten, die wahrlich durchaus noch immer das Dunkle schildern, wie tief traurig die Lage unserer Kriegsgefangenen immer noch ist. Und es ist nicht zu erwarten, daß in kurzer Zeit diese Bande gelöst werden.

Meine Herren! Während des ganzen Krieges haben viele taufende von Familien diesen tiefen Schmerz mit sich getragen und haben manchmal gesagt, der Schmerz würde nicht so schwer sein, wenn wir wüßten, daß unser Sohn, unser Mann in ehrlichem Kampfe in der Zeit der ersten Begeisterung sein Leben hätte lassen müssen. Der Trost, den wir Pfarrer so

Bevgnrcrnns Od^terUin*

Roman von Martin Förster. 1'

(Nachdruck nicht gestattet.)

1. Kapttel.

Der Besitzer beS Bergwerks.

Auf dem breiten Kieswege zwischen dem Rasenplätze nb dem stattlichen Herrenhause wanderte der Besitzer ksselben, Herr Konrad Wiedermann, nachdenklich auf nb ab. Es war ein herrlicher Sommernachmittag.

ie Bäume und Glasflächen des wohlgepflegten Gartens zi 'langten im sast'gsten Grün, und rings umher auf den Feldern wogte der Erntesegen.

Ein wenig talabwärts, zur Seite eines langgestreckten Hügels lag das Dorf Langenau, zu dem das Herren­haus gehö.te. Das Dorf war eng und winkelig und, zeigte eine große Anzahl kleiner, altmodischer Häuser, in denen etwa dreitausend Bergleute xnb Baumwollen- spinner mit ihren Familien wohnten. Weiterhin, wo ich die weiße, staubige Chaussee längs des Höhenrückens i>ah!nzog, qualmten die Schornsteine und klapperten die Hämmer des Eisenwerkes. Zugleich befanden sich hier iahlreiche Kohlenlager, und die an G-rüstcv angebrachten Rollen, die die Kohlenkäften aus den Schächten hcrauf- ^förderten, waren in unaufhörlicher Bewegung.

Konrad Wiedemann horchte aufmerksam auf das iaktmäßige Geräusch des regen industriellen Betricd.s, ^ad sein Auge ruhte wohlgefällig auf der Stätte der Arbeit, ganz besonders aber auf einem bestimmten ^chachteingang, der sich in der Mitte des Tales befand. t .

Es war der sogenannte Herrenschacht, der seit unbent« Ren Zeiten den Besitzern von Haus und Dorf Lange- H gehörte. Und erst seit dem heutigen Tage war er

:: Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11403

Mittwoch, den 16. April 1919

oft ausgesprochen §n)en: Ihr köunt Wenigstens glauben euer Sohn, euer Mann kommt noch einmal zurück, während wir wissen, daß die fremde Erde unsere Söhne deckt, der Trost wirb allmählich immer matter, denn wir wissen, was für eine furchtbare Gewalt die lange Zeit der Kriegsgefangenschaft auf die Gemüter ausgeübt hat. Wohin man hört, t man, sie sind

enttäuscht, hinein.

Daran sammlung soll, nicht alles Leid

sie sind verbittert, traurig bis ins tieftste

vor allem können wir, die wir eine Ver- sind, in der die Bruderliebe obenanstehen vorüber gehen. Und wenn den Christen in dieser Welt auf dem Herzen liegen soll,

so wie es Jesus Christus auf dem Herzen lag, der im Blick auf große Not sagtemich jammert des Volks" so liegt der Schmerz um unsere Kriegsgefangenen auf unsere Seele, weil wir Christen sind, evangelische Christen, weil wir Nachfolger unseres Herrn und Heilandes sind, weil wir seinen Sinn in uns tragen wollen.

Darum bedarf es wohl kaum einer besonderen Aussprache darüber, daß wir das tiefste Mitgefühl mit denen tragen, in deren Adern unser Blut rollt, in deren Herzen unser Glaube wir sagen es in Zu- v.rsicht unser Glaube gewesen ist, und die dermal unter viel Kreuz und Not und unter entsetzlichem Druck ihre Tage hinbringen müssen ohne zu wissen, daß bald der Tag der Befreiung kommen wird Da rum lassen Sie uns von ganzem Herzen an diese unsere Brüder denken, und ich bitte, daß wir, wenn wir morgen unsere Sitzung beginnen, daß wir dann in unserem Eingangsgebet ganz besonders d cser unserer Brüder gedenken möchten.

Wir haben im letzten ,^reiben des Gesamt- «Lynodal-Ausschusses an die Preslptcricn dem Ausdruck gegeben, daß man der gefangenen Brüder doch namentlich im sonntäglichen Gebet gedenken möchte. Wir sind es schuldig, daß keiner unserer Gottesdienste jetzt hingeht, ohne daß dieser tiefe Schrei nach dem lebendigen Gott um Rettung und Hilfe und Beistand und Befreiung für unsere Brüder zum Ausdruck kommt.

Es geht jetzt eine große Bewegung durch die Ocffentlichkeit, durch unsere Gemeinden, in der für die Kriegsgefangenen eingetreten wird. Wir such wollen unsere Stimme erheben, nicht nur in einer Entschließung, die wir aussprechen und die doch verhältnismäßig als ein Hauch vergeht, sondern wir werden gut daran tun, an die Stellen zu gehen, die wir mit verantwortlich machen müssen, daß sie alles cinsetzen, damit die Zeit der Befreiung sobald wie möglich kommt. Wir sind es unseren Brüdern schuldig, daß wir an die Friedens­kommission sofort einen solchen Aufruf richten, indem wir sagen, daß die Gesamtsynode sich über die Lage der Kriegsgefangenen ausgesprochen haft ihr Los aufs

Eigentum von Herrn Wiedemann. Es war der Traum eines langen, arbritSvollen Lebens gewesen, der damit seine Erfüllung fand, und wohl mochte das Auge des glück.ichen Besitzers in gerechtem Stolz leuchten, wenn er, endlich am heiß erstrebten Ziel, auf vergangene Jahre zurückblickte.

Aus dem Volke hervorgegangen, in einer Hütte geboren und auf der Straße aufgewachsen, war er bereits als fünfzehnjähriger Bursche in den Kohlen schachten beschäftigt und auf das Werk seiner Hände angewiesen gewesen. Seine Mutter war früh durch die Mißhandlungen eines unmenschlichen Ehemannes in den Tod getrieben worden, der Vater später durch eine Explosion im Schachte umgekommen. Konrad befaßt jetzt keine Angehörigen als einen Bruder, zu dem er schon seit Jahren in keinerlei Beziehungen stand.

Sein ganzes Leben hindurch war er sparsam, ja geizig gewesen. Sein einziges Sehnen war auf Ver dienst gerichtet zu allen Zeiten, und jede der erworbenen Münzen wurde sorgsam getrommelt. Er war stolz, sich rühmen zu können, daß sein L»hn niemals zu niedrig gewesen sei, um nicht etwa» d«»»n zu erübrigen, und seine dünnen Sippen hatten sich verächtlich zusammen- gezogen über einen armen Teufel von Bergmann, welcher ebenso viel und vielleicht nach mehr verdient hatte wie er selber xnb doch wegen Schulden verklagt wurde.

Früh und spät war er bereit gewesen, selbst seine ErholungSstunden zu opfern. Keine Arbeit war ihm zu schwer und zu schlecht, wenn sie ihm nur Lahn ein brächte. Und so hatte er ein Goldstück nach dem anderen zu seinen Ersparnissen gelegt und nach und nach seine Stellung im Bergwerk verbessert. Noch in den. zwanziger Jahren stehend, hatte er die am geringsten

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70. Jahrgang

tiefste beklagt und die Kriegsgefangenen ihrer herzlichen Teilnahme versichert hat, daß wir im Einklang mit Millionen von Deutschen, als die Vertretung unserer Landeskirche, unsere Stimme erheben und daß wir es von der KriedenSkommission mit Bestimmtheit ver­langen, daß auch dar alleräußerste und letzte geschieht, damit unsere Kriegsgefangenen sobald wie möglich zurückgeführt werben.

Aufhebung der Verordnung über Bucheckern.

Nachdem die Zeit der Ernte für Bucheckern abgeschlossen ist, hat der NeichSernährungSminister bestimmt, daß die Vtrordnung über Bucheckern vom 30. Juli 1918 mit dem 15. Mai 1919 außer Kraft tritt (R G.Bl. Nr. 77). Mit dieser Maßnahme ist den Stimmen Rechnung getragen, die sich besonders in der letzten Zeit aus verschiedenen Teilen des Reichs gegen die weitere Geltung der Bucheckernverordnung aussprachen.

Bis zum 15. Mai bleibt den Sammlern die Möglichkeit der Verwertung der gesammelten Buch­eckern nach der bisherigen Verordnung. Danach kann das gesamte Sammelergebnis an die von den Salbei= zentralbehörden eingerichteten Sammelftelen unter Geltendmachung des Anspruchs auf Oelrücklieferung abgeliefert werden, oder es sann die AuSsteLung eines SchlagscheinS zwe cks eigener Verwertung in den zugelassenen Oelmühlen beantragt werden. Nach dem 15. Mai 1919 wird der Reichsausschuß für pflanzliche und tierische Ofte und Fette, Berlin, Bucheckern nicht mehr abnehmen. Auch Schlagscheine w.rden nicht mehr ausgestellt werden, so daß eine Verwertung der Bucheckern in den Oelmühlen zum Oelschlagen nicht mehr zulässig ist. Es treten mit öfeflm Ieitpuntt vielmehr die allgemeinen gesetzlichen Vorschriften in Kraft, wonach alle durch Pressung gewonnenen Oele nach wie vor an den Relchsausschuß für Oele und Fette abzuliefern sind.

Es liegt daher im eigensten Interesse der Sammler, alle etwa noch nicht abgelieferten Bucheckern nunmehr umgehend bei den Abnahmestellen gegen den hohen Sammellohn von Mk. 1,60 bis 1,70 für das Kilo­gramm abzuliefern, damit sie nicht der Verwertungs- möglichkeit der Bucheckern verlustig gehen. Für die Zeit räch dem 15. Mai 1919 Vorkehrungen bezüglich Der bis dahin noch nicht gesammelten Bucheckern zu treffen, erscheint nicht erforderlich, weil inzwischen die Bucheckern spakig geworden sind und ein nennens­wertes Oelerträgnis nicht mehr besitzen.

Deutsches Aeich.

Der Ressort-Minister hat die Einführung von Kohlenhöchstpreisen angekündigt, falls das Kohlensyadikat eine Preiserhöhung vornehmen sollte.

bezahlte Beamtenstelle erlangt, aber nachdem er einmal seinen Fuß auf die unterste Spross» gesetzt, hütete er sich sorgfältig, wieder einen Schritt rückwärts zu tun.

Nach Verlauf von acht oder zehn Jahren wurde aus dem Feuermann ein Untcraufseher und nach dem­selben Zeitraum der Setter deß Bergwerks. In wiederum zehn Jahren war er Agent und Haupiverkäufer der Kohlen und nun endlich nach noch einem halben Hezen nium stand er als Besitzer der Herrenschachtes da.

Dies alles zog an seinem inneren Auge vorüber, während er langsam vor seinem Besitz suf- und abschritt. Er dachte an seine v.erzigjährigen Mützen und Ent­behrungen, an seine freudlose Tage, sein liebeleeres Leben, an seine Unbeliebtheit unter den Bergleuten der Umgebung.

WaS kümmerte ihn dies aäe«, heute, wo er groß dastand, vom Erfolg gekrönt, vom Glück begünstigt. Harte Worte und noch härtere Verwünschungen kvnnten ihm nicht« schaden. Er sah ja auf sie alle herab, die ihn beneideten xnb ihm im füllen fluchten. Wenn ihn die Arbeiter in Langen«* einen elenden Geizhals, einen Ränkeschmied, einen Tryannen, einen Blutsauger nannten, was kümmerte bal ihn? War er doch der Herr, der Besitzer des B»rgwerkr, in das er vor einigen vierzig Jahren als Betteljunge eingetreten war, zerlumpt und arm. Er hatte den Preis gewonnen, nach dem er mit aller Macht gestrebt, und nun war er zufrieden.

Im Vollgefühl seines Triumphes wandle sich Konrad Wiedemann endlich seinem Hause zu und trat sofort in das kleine, dürftig möbliert» Zimmer, welches mit dem NamenKontor" beehrt wurde und zur Erledigung der Privatgeschäfte diente.