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mitAmtlichem Kreisblatt". Wochesbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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K 26. ~ Samstag, den 29. März 1919. 70. Jahrgang.

Aufnahme

von Kindern der städtischen und Jndustris- i Bevölkerung in ländliche Familie«.

| Auch in diesem Jahre tritt die Stadt. Frankfurt a. Main und der Kreis Hagen i./W. mit der Bitte an uns heran, wieder einer möglichst großen Zahl erho- ilungsdcdürftiger Kinder Aufenthalt in den ländlichen -Familien unseres Kreises zu gewähren.

| Die schweren Folgen dieses Krieges für die Jugend «in den Großstädten und Industriegebieten haben sich Ihn vergangenen Winterhalbjahr in noch weit verstärk

3 klerem Maße wie in den Vorjahren bemerkbar gemacht, F kwovon die erschreckenden Berichte der Aerzte und

l anderer Sachverständiger über die Sterblichkeit der 1 s Kinder infolge Unterernährung beredtes Zeugnis ablegen, d | Wir richten daher auch in diesem Jahre nochmals ? r die dringende Bitte an die gesamte Bevölkerung des k Kreises, das Liebeswerk durch Ausnahme einer möglichst l großen Anzahl erholsngsdeöürftizer Kinder zu unter- I stützen, wobei wir die Hoffnung aussprechen, daß es den I Städten und Industriegebieten möglich ist, im nächsten t | Jahre infolge der LebenSmittelzusuhren aus dem Aus- * I land wieder geregeltere und bessere Verhättniffe in ihre

I Ernährung zu bringen.

| I Unsere Vertrauensleute werden wie im Vorjahre I mit Auskunft und Ratschläge gerne unsere Werbelätig- I feit unterstützen; die diesbezüglichen Unterlagen gehen » denselben erster Tage zu.

Schlüchtern, den 27. März 1919.

Kreis Farsorgeamt. von Trott zu Solz.

I J.Nr. 240. R. K. "

GefaugeueKspeude.

Der Opfer und Pflichten Riesenmaß, das uns der I Weltkrieg aufgezwungen hat, b-sreit uns nicht von der I Sorge um unsere kriegsgefangenen Söhne und Brüder I im Ausland. Die Feinde scheuen sich nicht, das vom I Schicksal erdrückte, am Boden liegende deutsche Volk I auf die höchste seelische Prüfung zu stellen, indem sie I die Freilassung seiner in langer Gefangenschaft schmach- I tender Angehörigen verweigern. Und wie mag es 3 | diesen Aermsten ums Herz sein, die der Heimat fern, " I das Unglück doppelt schwer empfinden, das über ihr 3 I Vaterland gekommen, die mißbraucht und verachtet in I der Hand eines schonungslosen Feindes in harter Frohn- r I arbeit ein unwürdiges Sklavenlehen führen?

f I Machtlos und in der Unmöglichkeit ihre Freiheit zu fordern und erzwingen zu können, ist es unsere heilige I Pflicht, alle unsere Kräfte einzusitzen, um wenigstens ihr > I Dasein erträglicher zu gestalten, um sie aufzurichten s I zum mutigen Ausharren im Bewußtsein, daß im Mit- i I gefühl ihres Leidens, wir ihrer dankbar, treu und unab- * I lässig gedenken.

:= I Der 50. März d. Js. ist in allen deutschen f I Landen zum Opfertag für unsere Kriegsge- I fangeneu festgesetzt worden.

Es bedarf der einmütigen, opferwilligen Hilfsbereit- > I schast des deutschen Volkes, um planvoll und wirksam E I das Los seiner tapferen Kämpfer zu verbrsiern, denen n I es versagt ist, in ihre Heimat zurückzukehren. Darum: | Kerzen und Kände auf.

f I damit die Ernte des Tages als Ausdruck dankbarer Gesinnung und herzlichen Mitgefühls für seine krtegs- ( | gefangenen Brüder und Söhne, eine feste Grundlage t | für die Linderung ihrer Leiden bilde.

I Des Dankes der Gefangenen kann ein Jeder r | gewiß sein.

I Die Herren Pfarrer, Lehrer, Beamte sowie die , | Mitglieder der beiden Roten Kreuzv,reine bitten wir, I sich in den Dienst der guten Sache zu stellen und die | Sammlung nach Kräften zu unterstützen. In Schlüchtern » I bitten wir den Herrn Seminardireklor, in Steinau den | Herrn Steuor, in den übrigen Gemeinden die Herren I ersten oder Hauptlehrer die Sammlung durch Schüler ,1 I am 30. März vornehmen zu lassen. Die eingehend H I den Gelder bitten wir, an den Kreisfürsorgebeamten Wieschmann in Schlüchtern, Zimmer 13 Kreishaus, ? I die Sammellisten an die Geschäftsstelle des Männer- Vereins vom Roten Kreuz ab iefern zu wellen. In der Schlüchterner Zeitung wird über die Gaben öffent- H | sich quittiert werden.

[ I Schlüchtern, den 18. März 1919.

' I Der Landrat.

£ I Der Frauenverein vom Roten Kreuz.

7 I Der Männerverein vom Roten Kreuz.

. | Die Eltern, Geschwister, Bräute, und sonstigen Ange- ; I hörigen der Gefangenen aus dem Kreise Schlüchtern.

KommungSarr-tsz.

Der Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Caffel trat am Montag nachmittag im GtäsdehauS- saale zu seiner 44. Tagung zusammen. Er wurde eröffnet durch eine Ansprache des Herrn Oberprasiderten Staatsministers von Trott zu Solz, die hinwies auf die schwere Not,^. die auf unserem Vaterlande lastet, auf die furchtbaren Erlebnisse der letzten Monate, die Niederlage nach außen und den Umsturz im Innern. Mehr als vier Monate sind seitdem vergangen, ohne daß es gelingen konnte, die Wiederkehr der Ruhe und Ordnung zu sichern. Aufruhr, Staub, Mord und Plünderung herrschen im Lande und rufen blutige Gegenmaßregeln Hervo-, um die völlige Arnachie zu verhindern. Unser Wirtschaftsleben steht vor dem völligen Zusammenbruch, die Hungersnot bedroht das Land. Im Westen stehen feindliche Besatzungen auf deutschem Boden, im Osten reißt der Pole deutsches Land und droht der Einbruch der russischen Bolsche- wisten. Wehrlos ist das einst so mächt ge deutsche Reich bei Willkür seiner Feinde preisgegeben. Wehr­los steten wir vor einem Friedensschluß, der die Ohn­macht Deutschlands besiegeln, ihm furchtbare Lasten auferlegen wird. So ist unsere Lage. Sie zu beschönigen, oder zu verschleiern wäre ein Verbrechen. Wir sind unrettbar Prioren und dem Untergang ver­fallen, wenn es so weiter geht, wenn sich das Volk nicht auf sich seist besinnt. Nur dann, wenn sich das deutsche Volk wieder auf seine idealen Güter besinnt, nur dann, wenn es seine ganze Kraft und seinen ganzen Fleiß einsetzt, ist noch eine Rettung des Vater­landes möglich, nur dann die Hoffnung berechtigt, daß sich unser unglückliches Vaterland in ernster jahrzehnte­langer Arbeit aus seinem tiefen Stirz zu neuer Blüte erhebt und unsere Kinder und E M sich wieder mit Stolz Deutsche nennen können. ' v

Der Herr Ob.rpräfident wies darauf hin, daß die Not der Zeit ihre Spuren auch in den Vorlagen zeige die dem Kommunallandtag rorgelegt sind, im Haus­haltsplan, der Vorlage von Notstandsarbeiten. Wenn es trotzdem möglich sei, bei den alten Zuschlägen zu bleiben, so sei daß der Voraussicht der Verwaltung und ihrer sparsamen Wirtschaft zu danken. Der Redner streifte weiter die SiedlungSgenossenschaft Hessische Heimat" und die im Vorjahre vom Kommunal­landtag inS Leben gerufene Hessen-Nassauische Lebens­versicherungsanstalt. Dann hieß er die Abgeordneten und den neugewählten Herrn Landeshauptmann von Gehren herzlich willkommen und erklärte den 44. Kommunallandtag für eröffnet.

Abg. Metz übernahm als ältestes Mitglied den Vorsitz. Durch Zuruf wurden Kammerherr von Keudell als erster und Oberbürgermeister Dr. G-beschuS als zweiter Vorsitzender gewählt. Zu Schriftführern wurden die Abgg. von GruneliuS und Müller (Allen- dorf), zu Stellvertretern die Abgg. Brunner und Krause gewählt.

Dann nahm Kammerherr von Keuedell daS Wort. Auch er sprach von der schweren Zeit, die auf unserem VateUande liegt, von den Hoffnungen, die wir nach unendlich schnüren Opfern haben zu Grabe tragen müssen. Waffen- und wehrlos ist Deutschland den Be­dingungen rachsüchtiger Feinde preiSgegeben. In diesen Tagen stehen wir vor der großen Schicksalsfrage, ob wir die Bedingungen annehmen oder lieber tot als Sklave alles auf eine Karts setzen sollen. Dazu kommt im Innern die Revolution mit dem Umsturz der alten bewährten Staatsordnung, die Beseitigung der guten alten, mit der Geschichte der deutschen Stämme aufs tiefste verwachsenen Monarchie, deren Bestand noch vor wenig Monaten der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volk-S durchaus gesichert erschien. Möge die Partei, der die Früchte der Revolution zugute kom­men, in gerechter Weise würdigen, welche gewaltigen Opfer an idealen Gütern, an innerer Ueberzeugung alle diejenigen zu bringen haben, die auf dem Boden des geschichtlich gewordenen StaateS stehen und denen die Entwickelung unseres Volkes nur im Rahmen der Monarchie denkbar schien. Lassen Sie mich heute, wo wir Abschied nehmen von dem, was gewesen ist, was für viele von uns den Hauptinhalt des Lebens bedeutete dem G-fühle des Dankes und der inneren Verehrung Ausdruck geben, mit dem auch wir Kurhessen von dem nun von der Weltbühne abtretenden Geschlecht der Hohen halbes Jahrhundert zur preußischen Monarchie gehört zollern heute scheiden. (Beifall) Wenn wir, die wir nur ein haben, auch nicht so eng mit dem Herrscherhause ver­wachsen waren wie die alten preußischen Provinzen, so fordert doch die historische Wahrheit, daß wir dankbar anerkennen, daß wir uns wohl gefühlt haben im Staate

der Hohrnzollern und daß niemand von uns in der vergangenen Zeit an eine Aenderung des Geschickes unserer Heimat gedacht hat. Ich weiß mich eins mit Ihnen, wenn ich sage, daß im Herzen unserer Bevölke­rung eine warme und herzliche Verehrung bestand für den Träger der Kaiser- und Königskrone, der oft in den Mauern dieser Stadt geweilt und gern mit seiner Gemahlin in unseren schönen hessischen Wäldern Er­holung gesucht und gefunden hat. Innig nehmen wir Anteil an dem Geschick des Herrscherhauses, möge es dem Kaiser und der Kaiserin beschieden sein, in Ruhe und Frieden ihren Lebensabend im Lande ihrer Väter zu beschließen.

Abschiedsstimmung liegt auch über diesem Hause. Denn für Viele von uns wird das wohl die letzte Tagung sein, der wir beiwohnen. Die Neuwahlen, die von der Regierung angesetzt sind, werden eine Umbildung aller kommunalen Körperschaften und eine große Veränderung auch in diesem Hause brin­gen. Zahlreiche Vertreter der Arbeiterschaft werden hier einziehen, u»d ebenso viele Vertreter der Bürger- schaft »erben aurscheiden. Es ist begreiflich, daß die ausscheidenden Männer sich nur ungern trennen von der hohen und schönen Pflicht, am Wohle der engeren Heimat mitzuarbeiten. Möchte auch der neue Landtag sich leiten lassen von demselben Geiste der Verantwortlichkeit und der gleichen Liebe zur hessischen Heimat. Dann wird auch die Arbeit des neuen Landtags dazu beitragen, daß in gemeinsamer ehrlicher Arbeit aller Mtglieder die Gegensätze zwischen den Parteien und Ständen ausgeglichen werden, dann wird sie beitragen zum Wiederaufbau unseres Volkes und zum Heil unserer teuren hessischen Heimat.

Der Vorsitzende gedachte mit warmen Borte der verstorbenen Abgg. Oberst a. D. Gärtner und beS Landeshauptmanns Freiherr« Riedesel zu Eisenbach, deren Andenken durch Erheb"« r^rhet wurde. Herzlich begrüßt er dann den neuen Landeshauptmann Herrn von Gehren, der in der kurzen Zeit feiner Tätigkeit schon bewiesen habe, daß er der rechte Mann am rechten Platze sei.

Die Versammlung wählte dann die verschiedenen ArbeiterauSschüsse, die sich morgen zu fleißiger Arbeit versammeln sollen. Die nächste Vollsitzung bei Landtags wurde auf Mittwoch nachmittag 3 Uhr festgesetzt. Am Donnerstag wird der Kommunallandtag voraussichtlich seine Arbeit beenden.

Deutsches Reich.

Die neuen Bestimmungen über £ie Familieugüter. Im Reichsanzeiger ist die Verordnung über die Familiengüter vom 10. März 1919 veröffentlicht worden. Die Verordnung bestimmt die Auflösung der Familieu­güter. Soweit nicht bis zu« 1. April 1921 die Auf­lösung nach Maßgabe der Bestimmungen im Weg, bei Famllienschlußverfahren» durchgeführt ist, hat das Staats- ministerium die Auflösung in einem Zwangsverfahren anzuordnen. Familiengüter im Sinne der Vervrdnuvg find st»ndeSherrlicheHauSvermögen,Familienstdeikommiffe, Lehen «ud Erdstammgüter. Sodann trifft die Verord­nung Bestimmungen über die Aufhebung durch Familleu- schluß. Gehört zu dem Kamiltengut Wald, so ist die Genehmigung zur Aushebung bei F«milieugut» durch den Justizmintüer und den LandwirtichastSministcr er­forderlich. Im übrigen bedarf derFamilienschluß" der Aufnahme und der Bestätigung durch die Aufsichts­behörde. Bei Th-onlehen ist außerdem die Genehmi­gung der ThronlehenSkurie erforderlich. Aufsichtsbe­hörde ist das zuständige Oberverwaltung-gericht, bei Thronlehen die ThronlehenSkurie.

SS gärt überall. Wie aus Dublin gemeldet wird, ist der Belagerungszustand über ganz Irland ausgedehnt worden. Ueber Dublin wurde das Stand­recht erklärt, weil neue Putsche versucht wurden. Die revolultionären Sinnfeiner haben den Hafen von Dublin besetzt. Englische Marinelruppen find nach Irland be­ordert. Danach essen die Engländer wenigstens in Irland erstmal von derselben Giftsuppe, die ste uns wünschen, und an deren Zusammensetzung sie so wacker mitgearbeitet haben. W^elange wird es dauern, daß auch in England selbst sich Gewalten regen, ähnlich denen, die uns wehrlos machten. In Frankreich und besonders in Italien hat man scho» die herbste Angst davor, und selbst in Amerika machen sich Anzeichen geltend, die die Weltgewaltigen nachdenklich stimmen werden. In den letzten Monaten aber haben sie an­scheinend wenig gedacht, sondern noch in einem Taumel gehandelt. Dann wird das Erwachen doppelt schrecklich sein. Noch ist nicht aller Tage Abend.