Mit „Amtlichem Kreisblatt". — Wochcsbcilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Areisblatt vierteljährlich 2,— Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum (5 Pfg.
Mittwoch, den 19. März 1919
70. Jahrgang
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Die im 70. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
n n daher in der Zustellung «nserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der
I 8 P 1I wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen
1| 1211 Postabonnenten, welche bis spätestens 25. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,
daß ihnen unsere Zeitung vom 1. April 1919 ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachtreserung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Post- Anstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreicheu Befteürrugeu auf das mit dem 1. April 1919 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expeditisn der „Schlüchteruer Zeitung".
Das neue Wehrgesetz.
Ja den nächsten Tagen wird das neue Wehrgesetz veröffentlicht, das als Notgesetz die Schaffung eines k FceiwilligeN'HeereS vorsieht, bis der eutgültige Abschluß [ des Friedens die Aufstellung eines neuen Heeres ermög- I licht. Die Gesamtstärke deS neuen UebergangsheereS | wird, wie bekannt, 300 000 Mann betragen, die sich | auf etwa 35 Brigaden zu je 9500 Mann verteilen. | Die Dienstzeit, zu der sich jeder Freiwillige verpflichten muß, beträgt 6 Monate. Falls keine Kündigung der Angeworbenen erfolgt, verlängert sich dir Dienstzeit um weitere 3 Monate. Die jetzt sich meldenden ehemaligen aktiven Mannschaften, Unteraffiztere oder Of- fij tre, werden nach Möglichkeit auf eigenem Wunsch später in das Friedensheer übernommen. Den Grundstock für das Ueb^rgangSheer bilden die augenblicklich bestehenden Formationen, die FreiwiKigenkorpS, wie Ooen, Reinhard, Hülsen, Lüttw.tz usw. Jedes Generalkommando übernimmt für seinen territorialen Bezirk ! die Anwerbungen. Die Kosten für dieses Heer sind außerordentlich hoch. Während vor dem Kriege das Frie ; densheer einen Etat von 1 Milliarde 200 Millionen M rk aufwies, sieht das Wehrg-sctz für die Unterhaltung der 300 000 Mann Freiwilliger bis zu 6 Milliarden Mark jährlich vor. Man rechnet im allgemeinen damit, daß das Ueberganzshcer etwa ein Jahr bestehen dürfte, bis man an die Aufstellung der Friedensformationen gehen kann. Die einzelnen Brigaden sollen bekannte Führer erhalten. U. a. wird General v. Lettow-Vor. deck genannt. Die Oberste Heeresleitung bleibt unter dem Kommando des Generalfeldmarschalls v. Hinden- burg weiter bestehen. An Stelle der Soldatenräte soll diese Armee Vertrauensräte erhalten.
— Berlin. Die preußische Landesversammlung. In der heutigen Sitzung der preußischen Landesver« sammlung wurde Leinert durch Zuruf zum Präsidenten gewählt. Zum 1. und 2. Vizepräsidenten wurden Dr. Porsch (Ztr.) und Dr. Frentzel (Demokrat) gewählt.
— Berlin. Truppen der Garde-Kavallerie Schützen- Dtvsion Hoden in der Gegend der Malaeltirche und der MarkuSstraße ein Spartakistennest mit über 100 Mann aus, davon wurden etwa 30 Mann standrechtlich
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erschossen. Die Truppen am Frankfurter Tor haben einen bewaffneten Spatakisten fesigenommen, in dessen Besitz für 800 000 Mark geraubte Juwelen gefunden wurden. Er wurde sofort erschossen.
— In Weimar ist man sich darüber klar, daß die teilweise Unterdrückung der Unruhen in Berlin und an anderen Stellen zu einem übertriebenen Optimismus vorläufig noch keine Veranlassung g'bt. Man wech, daß derartige Vorgänge sich so lange wiederholen werden, bis der Mangel an Lebensmitteln und Arbeitsgelegenheit behoben ist.
—- Die Nationslstiftung weist auf die Verordnung des Reichsamts für wirtschaftliche Demobilmachung vom 4. Januar 1919 hin, in der u..ter § 7 ausdrücklich Hervorgehoben wird, daß Kriegshinterbliebene bet der Belassung in den Arbeitsstellen angemessen zu berücksichtigen sind. Unter Hinweis auf diesen Erlaß wird besonders betont, wie wichtig es heute für die Krieger- witwen ist, in ihren Stellungen zu verbleiben, da sie darauf angewiesen sind, durch ihren Verdienst sich zu erhalten und für ihre Kinder zu sorgen, um in einer geordneten Wirtschaftslage zu bleiben. — Die verschiedenen Reichsämter, welche ffe Nstionalfiiftung auf diese Verordnung im Jnttenffe der Hinterbliebenen hingewiesen hatte, haben sich übereinstimmend bereit erklärt, den Nachgeordneten Stellen entsprechende Anweisung zu erteilen, und es ist nun zu hoffen, daß Entlassungen von Kriegerwitwen in größerem Umfange vermieden werden.
— Amsterdam. Aus Paris wird gemeldet: Lansing erklärte in einer Unterredung, mit Vertretern der Presse, daß sobald wie möglich Schiffe mit Lebensrnitteln nach Deutschland gesandt werden sollen, um die Welt vor der Anarchie zu bewahren.
— Die Versorgung Deutschlands. (Auch England will helfen.) Aus britischen Großhandelskreisen er- fahren wir, daß England in Kürze selbst an der Versorgung Deutschlands mit Lebensrnitteln teilnehmen will, insbesondere soll mit Konfektion, Tcxtilwaren, Schuhen und Lederwaren gehandelt werden. Aus diesem Grunde wird auch in jüngster Zeit von englischer Seite das Ausfuhrverbot für die neutralen Länder äußerst scharf durchgeführt, um auf diese Weise die Neutralei vom Handel mit Deutschland anszuschließ-n.
Die Warenlieferungen Englands an Deutschland sollen schon sofort nach Unterzeichnung der Friedensprälimi- narien beginnen. Dieselbe Mitteilung ging auch an den englischen Margartnefsbrikanten zu, welche bereits große Fettvorräte für Deutschland ansammeln.
— Brüssel. Im Brüsseler Abkommen hat die Entente zugesagt, nach Dentschland sofort 200 000 Tonnen Weizen und 70 000 Tonnen Schweinespeck und Schmalz zu liefern. Ferner hat Deutschland das Recht erhalten, monatlich 300 000 Tonnen Getreide und 70 000 Tonnen Fett einzuführen; bezüglich dieser Einfuhr läßt uns die Entente vollkommen freie Hand. Das hat einerseits den Vorteil, daß Deutschland nicht den teuren amerikanischen Weizen zu besehen braucht, sondern ihn dort kauft, wo es ihn am billigsten erhält, anderseits aber auch den Nachteil, daß diese Einfuhr durchaus nicht als vollkommen gesichert betrachtet werden kann. Fische kann Deutschland von überall her beziehen. Der Fischfang in der Ostsee ist vollkommen freigegeben. Die Einschränkungen in der Nordsee bleiben vorläufig noch bestehen, wie überhaupt die Blockade als solche nicht aufgehoben wurde, sondern nur durch die zuge- billigten Erleichterungen gemildert erscheint. Die Einfuhr soll wie die „P. P. N." mrlden, nur denjenigen Deutschen, zugute kommet, SlFTsF^t-^ 53r<p -ff-^-— Verschulden arbeitslos sind. Die Verteilung wird durch eine Ententekommission, aber nicht, wie es kürzlich hieß, zwangsweise überwacht werden. Zahlungen für die Lebensmittellieserungen erfolgen durch Berechnung des Frachtraumes, durch Devisen und Ausfuhr von Kohle, Kali usw. Zur Sicherung dieser Forderungen muß Deutschland eine halbe Milliarde Mark in Gold in Brüssel deponieren.
— Amsterdam. Die Lebensmittelfrage. Es find bereits die nötigen Maßnahmen für die Lebensmittelversorgung getroffen worden. Mit verschiedenen Firmen find Kontrakte über die Lieferung der erforderlichen Nahrungsmittel abgeschlossen worden.
— Basel. (Lebensmittel für deutsche Kinder.) „Daily Expreß" meldet aus Stockholm: Der Gesandte der Vereinigten Staaten teilt mit, daß auf Grund eines Abkommens mit dem interalliierten Verpflegungsrat dieser das schweiische Rote Kreuz ermächtigt, an die deutschen Kinder und an die gemeinnützigen Werke
Roum» von Käthe Luboivski.
„Nicht mehr reiten, nicht mehr die Uniform?" stammelt sie mit großen, erschrockenen Augen. Wenn einer, wie ihr Vater gehen muß, weil sie meinen, daß jüngere und schärfere da sind, so ist das wohl schrecklich traurig, aber doch schließlich der Welten Lauf.
Aber einer wie ihr Mann!
„Sie sagten doch, es wäre nicht mal ein richtiger Bruch, nur eine Knickung," meint sie in Todesangst. Das Soldatenkind spricht in ihr. Das, was unter dein Zeichen des ' nie ermüdenden Interesses für Kaiser und Reich auferzogen ist. -
Der Doktor hält die Augen im Schatten. Wie soll er es nur deutlich sagen?
„Er muß doch in den Generalstab, nach dem Manöver, meint Papa," sagt sie ganz monoton. Dann flammt eine furchtbare Ahnung in ihr auf. Sie gebiert eine Tapferkeit, die sonst nichts in dieser weichen Frauen- seele zu schaffen hat.
„Sagen Sie mir die volle Wahrheit. Was ist mit ihm?"
Er nimmt wieder ihre beiden Hände in die seinen Warum hat er nicht an ihren Vater geschrieben, damit der es ihr beibringt. Er kann nun einmal keine zarten, schönen Worte machen. Dazu ist er zn sehr Chirurg. Was nicht tief genug geschnitten ist, bleibt krank. Das war bisher sein Wahlspruch. Und man erwählt sich so leicht keinen anderen mehr, wenn man die Sechzig hinter sich gelassen hat. Aber sie, die injjuflo» sein Entsetzen neben ihm steht, ist so jung Sie kennt noch nichts von des Lebens Härten. Es schnürt ihm die Kehle znsammen. Er könnte weinen. Daneben aber gärt ein starker Zorn gegen feine Unmannluhkelt in ihm
„Er wird niemals wieder gehen können," sagt er brüsk. „Ich habe einen Fahrstuhl für ihn besorgt. Das wird fortan seine Welt sein."
Ruths Hände sind kalt und starr geworden. Ihr Schmerz schläft. Der Doktor trägt sie auf den nächsten Diwan und öffnet die Haken ihres Kleides. Eine lange Ohnmacht hilft ihr über die ersten entsetzlichen Stunden fort. —
Am Abend des Tages, der Marie Luise die Beichte ihres Bruders zutrug, hat sie au Erich Rastingen geschrieben.
Das Grauen, das unausgesprochen BibraS Zeilen erfüllte, wirkt noch jetzt in ihr nach; es lag ein Ton in ihnen, als ob er Abschied nehmen wollte. Und sie mer» den doch in wenigen Wochen Wiedersehen feiern.
Sie schaudert zusammen, als fürchte sie sich davor. Daß er das tun konnte. Rastingens ungeheures Opfer für den Fehltritt von dessen Vater annehmen. Ihr Herz fast zu Tode martern. Wie ein Heiliger erscheint ihr der Geliebte.
Und vor einem Heiligen kennt man keine Scham.
Sie hatte ihren zahllosen Briefen nicht mehr üiJ hinzuzufügen. Ihr Herz lag nackt vor ihm, wenn er las- was sie ihm geschrieben zu einer Zeit, da sie nicht ahnen konnte, daß seine Augen jemals darauf ruhen würden.
Zuerst wollte sie ihm ihres Bruders Beichte mitfcn» den und nur darunter schreiben: „Ich knie vor Dir. glimm mich an Dein Herz."
Dann aber errötete sie über sich selbst. Man muß die Seele eines Menschen, die sich aus Verzweiflung einen Augenblick unverhüllt zeigt, schützen und verbergen. Ein Preisgaben vor anderer Blick wäre Mißbrauch mit dem Heiligtum.
Da sagt sie ihm denn in kurzen Worten, daß sie alles durch ihren Bruder erfahren hätte unb in sechs
Wochen auf ein Wiedersehen mit ihm in der Heimat hoffe.
Nach dem Brief war ihr ganz ruhig und feierlich zumute. Sie rief Lu herein und sprach lange mit ihm. Als er von ihr ging, hatte er wieder das krampfhafte Lächeln um den Mund, da^ ihn vor Tränen schützte. Aber diesmal war nichts in ihm als jauchzende Freude darüber, daß er sich nicht von dem Buben zu trennen brauchte. Der flog ihm lachend entgegen imb hängte sich mit seinen derben, rosigen Fäusten an den langen glänzenden Zopf des Chinesen.
Lu ließ ihn ruhig gewähren. Aus Dankbarkeit um» schlang der Bube seine Knie und schnriegie die Wange, in den losen, gelblichen Stoff hinein, der Lus Gestalt enthüllte. . „ .
Lu hob ihn auf die Arme und sagte mit Nachdruck: „Lu geht mit klein Herrche über große Wasser."
Und klein Herrchen findet das sehr selbstverständ« ^„Wi heiten denn auf die dosse Fisse, «ich, Lu?"
Lu aber ist der Meinung, daß es sein kleiner Liebling einstweilen auf seiner Schulter bequemet haben könne.
„Doktor Krummacher wollte Marie Luise durchaus nicht die Erlaubnis zur Fahrt in die Heunat geben. Zuerst bat er, dann appellierte er an ihr Muttergefühl und die Pflichten, die sie ihrem Kinde gegenüber nicht außer acht lassen dürfe.
Es war alles umsonst. Marie Lupe konnte nicht langer warten. Die Sehnsucht verzehrte sie. Eines Abends jam sogar Frau Doktor in dieser Angelegenheit zu ihr.
„Tun Sie's nicht," bat sie herzlich. „Warten Sie ab, bis die heiße Zeit gekommen sein mirb. Der Winter und der Frühling stärkt uns Fremde merkwürdig. Und Sie haben das noch sehr nötig, sagt mein Mann. Sie haben soviel Aufregungen gehabt. Ihre Kraft und Frische ist nur eine künstliche.^ .. 229,48*^